Workshop_Folge Workshop_Thema Bass
Workshop
7
16.02.2021

Die besten Bass Riffs in Noten und Tabs – Chaka Khan: „Heed The Warning“

Chaka Khan / Anthony Jackson: „Heed The Warning“- Bass-Noten und Bass-TABs

Die berühmtesten Bass Riffs in Noten und Tabs

1981 erschien das Album "Whatcha Gonna Do For Me" der US-Sängerin Chaka Khan, produziert und arrangiert von Arif Mardin, seines Zeichens einer der Top-Producer im R&B-, Funk- und Soul-Bereich. Natürlich bediente man sich folgerichtig auch im Studio der Crème de la Crème an Session-Musikern. Wie bereits auf Chaka Khans vorherigen Alben bediente kein Geringerer als der legendäre Anthony Jackson den E-Bass auf diesem Album. Man kann ohne Übertreibung sagen, dass dieses Album für Bassisten einen Erdrutsch auslöste - zumindest erging es mir so, als ich damals das Vinyl zum ersten Mal auf den Plattenteller warf!

Wie immer muss man derartige Dinge natürlich im Kontext ihrer Zeit betrachten. Selbstverständlich kannte man lebendige R&B- und Soul-Produktionen mit beeindruckend performten Basslines auch damals schon seit vielen Jahren, aber was man auf dieser Platte zu hören bekam, war einfach grundlegend anders, neu und innovativ.

Zu jener Zeit existierten noch keine Fünfsaiter-Bässe auf dem Markt. Anthony Jackson war schon viele Jahre zuvor von dem Gefühl getrieben gewesen, dass ihn der Tonumfang eines regulären Viersaiters in seiner Kreativität limitierte. Daher trieb er maßgeblich die Entwicklung zum Fünf- und Sechssaiter-Bass in engem Austausch mit verschiedenen Bassbauern voran.

Bis zur Fertigstellung eines ersten für ihn akzeptablen Prototyps experimentierte Jackson viel mit einem heruntergestimmten viersaitigen Fender Jazz Bass, von ihm liebevoll als "Career-Girl" bezeichnet. Auch der heute besprochene Song "Heed The Warning" bedient sich eines umgestimmten Viersaiters.

"Heed The Warning" - Original-Video

Wie immer sehen und hören wir uns zu Beginn erst einmal das Original an:

"Heed The Warning" - Entstehung

Das komplette Album Chaka Khans wirkt wie eine einzige Bass-Masterclass! Zeitweise kommen auch Moog-Bässe zum Einsatz, die gelegentlich auch vom echten E-Bass gedoppelt werden. Bei "Heed The Warning" wird das Arrangement deutlich durch einen 16tel-Sequenzer geprägt. Der Bass sitzt im Mix dominant weit vorne.

Und das natürlich nicht ohne Grund: Anthony Jackson ist berühmt für seine selbstkritische Performances und die akkurate Ausarbeitung der von ihm einzuspielenden Takes. Bei dem Vorgängeralbum unter dem Titel "Naughty" soll "AJ" unzufrieden mit seinen Takes gewesen sein, so dass man ihm satte drei Monate (!) extra Studiozeit einräumte, um alle Takes neu einzuspielen. So viel zum Thema "Perfektion"!

Analysiert man "Heed The Warning", dann muss man sagen, dass es wahrscheinlich der "einfachste" Song auf dem ganzen Album ist, aber mit Sicherheit nicht der "leichteste", denn so exponiert, wie der Bass hier im Mix sitzt, existieren schlicht keine "Schlupflöcher für maskierte Ungereimtheiten".

Ein Song wie "Heed The Warning" hat sicher die Tendenz, den Bassisten in einem so statischen Refrain mit einem durchgehenden Ostinato (stets klingender, "penetrierender" Grundton) mit vielen Fill-Ins "aufzuwerten" oder gar "interessanter" zu gestalten. Hier kommen die Disziplin eines erfahrenen Sessionmusikers mit Blick für das Ganze ins Spiel.

AJ hätte sicherlich ganz ohne Mühe den kompletten Song mit einem atemberaubenden Bassfeuerwerk vollstopfen können. Der Grund aber, warum die Fills vor allem erst gegen Ende des Songs auftauchen und sich dann von Abschnitt zu Abschnitt auch verlängern, liegt einfach darin, dass sie durch ihre Seltenheit umso stärker auffallen. Sie brechen förmlich erst dann aus der Statik heraus, wenn die Spannung kaum noch auszuhalten ist!

Auch interessant:

"Face-to-face"- oder Online-Bassunterricht - alle Vor- und Nachteile!

"Heed The Warning" - Form

Die Songform ist derart klar und deutlich, wie sie nur ein perfekter Popsong bieten kann:

  • Intro
  • Strophe
  • Chorus
  • Interlude (halbes Intro)
  • Strophe
  • Chorus
  • Middle 8
  • Chorus
  • Chorus

Auch interessant:

Songs begleiten nach Leadsheets - alle Infos!

"Heed The Warning" - Tonmaterial

Der Song steht in G-Moll. Hier zeigt sich schon das Dilemma: Die tiefste Note ist ein D! Man könnte sagen: "Super, dann stimme ich eben die D-Saite herunter und gut is'". Hört man den Song allerdings einmal komplett durch, wird man mit dieser Variante schnell an seine Grenzen kommen, denn die Bassläufe lassen sich auf diese Weise eben nur relativ schwer umsetzen.

Stattdessen dürfte Anthony Jackson seinen viersaitigen Jazz Bass komplett einen Ganzton tiefer gestimmt haben, also D-G-C-F. Tatsächlich eignen sich Jazz-Bässe recht gut für ein solches Drop-Tuning: Zwar werden die Saiten schnell relativ zugschwach, aber der Bass verliert nicht wirklich an Definition!

Weitaus größer ist jedoch die Herausforderung, die Tonauswahl des Bassparts auf einem heruntergestimmten Bass ohne "Knoten im Kopf" umzusetzen. Bedenkt, dass kein Ton mehr dort sitzt, wo man es gewohnt ist!

Daher findet ihr am Ende dieses Workshops jeweils zwei Varianten von Noten und Playbacks: Einmal in der Originaltonart G-Moll. Auf diese Weise kann man den Original-Part auch auf einem 5-Saiter spielen, ohne umstimmen zu müssen. Zusätzlich habe ich den Song aber auch in A-Moll notiert, also einen Ganzton höher als das Original. Mit dieser Notation kann man nunmehr auf zweierlei Weise arbeiten:

  1. Man stimmt den Bass herunter auf D-G-C-F und spielt aber die Noten so wie notiert in A-Moll. Der Bass klingt nun einen Ganzton tiefer als die Noten - und somit wie das Original. Der Vorteil ist, dass man im Kopf nicht "umrechnen" muss, und man liest die Noten ganz einfach wie gewohnt.
  2. Für diejenigen, die ihren Bass ungern komplett umstimmen möchten, biete ich die Möglichkeit, ebenfalls die hochtransponierte Variante in A-Moll zu verwenden und dann mit einem Playback und Playalong zu üben, das ich der Tonart A-Moll angeglichen habe.

Auch interessant:

So klingen alte Basssaiten wieder frisch!

"Heed The Warning" - Rhythmik

Der treibende Puls des Songs wird durch einen 16tel-Sequenzer/Arpeggiator gestaltet, der nahezu ununterbrochen durchläuft. Interessanterweise schwankt das Tempo dennoch gelegentlich minimal und hier und da bekommt der Groove an den entscheidenden Stellen zwischen Strophe und Chorus ein tolles "Laid Back"-Feeling.

Einerseits lebt der Song von einem lebendigen Strophenriff, andererseits von einer hypnotischen Statik im Chorus. Diese Statik der Bassfigur im Chorus wird vor allem gegen Ende des Songs immer wieder durch Sechzehntelläufe unterbrochen. In diesen Sechzehntel-Salven zieht AJ dann alle Register seiner Erfahrung: Hier ist wirklich nichts aus dem Ärmel geschüttelt - jeder Ton sitzt dort, wo er ist, aus einem ganz bestimmten Grund!

Eben diese EIgenschaft unterscheidet AJ von vielen anderen Playern, selbst in der Top-Liga: Wo viele Bassisten ganz selbstverständlich ein paar gut zu greifende Pentatonik-Licks abfeuern würden - was ja durchaus legitim ist - liefert Anthony Jackson melodisch wie harmonisch stets sehr überraschende Wendungen, die - wie ihr beim Üben feststellen werdet - alles andere als "logische" Griffbilder mit sich bringen.

Ganz klar agiert hier ein Musiker mit vollem melodischen Durchblick und harmonischen Verständnis - absolut genial!

Auch interessant:

Mozart, Bach & Co. auf dem E-Bass spielen!

"Heed The Warning" - Spieltechnik

Anthony Jackson ist bekanntlich spieltechnisch überaus versiert und geradezu aberwitzig flexibel. Relativ ungewöhnlich für einen Virtuosen in seinem Genre ist jedoch, dass er viel mit dem Plektrum spielt und diese Spieltechnik perfekt beherrscht.

"Heed The Warning" ist ein Paradebeispiel dafür, wie man das Plektrum in einer eher untypischen Stilistik enorm effizient einsetzen kann: Während das Strophenriff mit dem Plektrum noch relativ gut "in der Hand liegt", bietet der Chorus einige Herausforderungen. Schon die schnellen 16tel-Wechsel mit regelmäßigen Quartsprüngen bedürfen einiger Übung, ganz zu schweigen von den unfassbar präzisen bereits erwähnten 16tel-Salven.

Man darf nicht vergessen: Diese Recording-Session fand noch weit vor dem "Copy & Paste"-Zeitalter statt - alles wurde noch linear auf Analog-Maschinen eingespielt! Verbesserungen via "Tape Drop-In" waren langwierig und riskant (vorangehende und nachfolgende Takes auf derselben Spur konnten schnell versehentlich "angelöscht" werden). Umso mehr gilt mein Respekt dem Genie Anthony Jacksons für eine derartige Performance!

Auch interessant:

Die Pentatonik - Grooven und Solieren mit nur fünf Tönen!

"Heed The Warning" - Basssound

Der Sound, so beeindruckend er auf dem ganzen Album "Whatcha Gonna Do For Me" erscheint, ist tatsächlich nicht übermäßig schwierig zu reproduzieren: Ein Jazz Bass mit frischen Roundwound-Saiten einen Ganzton tiefer gestimmt und mit dem Plektrum nahe an der Bridge gespielt - das ist bereits die halbe Miete! Ein paar angehobene Mitten bei ca. 180 Hz und 1,7 kHz verleihen dem Signal dann noch eine zusätzliche Portion Biss.

Ich habe für die Aufnahmen einen Fender Japan 66-Reissue Jazz Bass über eine Glockenklang Bugatti-Vorstufe ohne weitere Effekte eingespielt. Der zweite Teil der Miete lautet dann aber immer noch "Anthony Jackson" - und dieser Teil der Miete ist leider sehr, sehr hoch!

Übrigens: Jedem, der sich noch eingehender mit den Basslines von Anthony Jackson befassen möchte, empfehle ich die Website des in Tokyo lebenden britischen Bassisten Stevie Glasgow, auf der man hervorragende Transkriptionen und detaillierte Analysen findet: www.stevieglasgow.com

Auch interessant:

"Heed The Warning" - Noten, TABs, Soundfiles

Nachfolgend findet ihr wie immer die Noten, TABs sowie die Soundfiles zum Mitspielen! Die Keyboards auf meinen Aufnahmen stammen übrigens voin meinem geschätzten Kollegen Gareth Weedon - thanks, Gareth!

Viel Spaß wünscht

euer Ollie

Verwandte Artikel

User Kommentare