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Die besten Bass Riffs in Noten und Tabs – Spliff: „Deja Vu“

In der zweiten Hälfte der 1970er-Jahre gründeten einige Mitglieder der Berliner Polit-Theaterband “Lokomotive Kreuzberg” mit einer bis dato unbekannten Sängerin die Nina Hagen Band. Nach nur zwei Alben trennten sich die Wege der Sängerin und der Gruppe wieder, aber die Musiker arbeiteten unbeirrt unter dem neuen Namen “Spliff” weiter. Alle Mitglieder waren außerordentlich talentierte Musiker, Songwriter, aber auch Produzenten. Diese geballte Ladung Talent führte zunächst zu einem englischsprachigen Rock-Konzeptalbum mit dem Titel “Radio Show”. Danach vollführte man eine 180-Grad-Kehrtwende, und die Band meldete sich kurz darauf unerwartet mit einem deutschsprachigen Popalbum zurück. Es trug als Titel ganz banal die Album-Bestellnummer: “85555”. Innerhalb von nur drei Jahren hatte man sich also in einer nicht zu bremsenden Kreativitätslawine satte drei Mal neu erfunden. Das Album räumte Platin ab, und die Single “Carbonara” wurde kurzerhand zum Sommerhit. Als ab 1982 der Song “Deja Vu” (ganz ohne die eigentlich nötigen Sonderzeichen der französischen Schreibweise!) im Radio gespielt wurde, begriffen viele Hörer urplötzlich, was ein E-Bass ist: Hier hörte man doch tatsächlich ein Basssolo in einem Popsong – gespielt von dem charismatischen und leider im Jahr 2012 viel zu früh verstorbenen Manfred “Manne” Praeker.

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Aber nicht nur das gerade einmal acht Takte umfassende Basssolo macht den Song aus Bassistensicht interessant. Es war darüber hinaus der erste deutschsprachige Popsong, in dem man prominent im Mix einen geslappten E-Bass hörte – und das fiel mächtig auf im Jahr 1982! Natürlich kannte man Slapbass damals schon, denn auch in Deutschland hatten die großen amerikanischen Funk- und Soulbands längst große Fanscharen erobert. Der Bass, den Manne Praeker jedoch auf “Deja Vu” einspielte, steht dennoch alleine auf weiter Flur, wurde er doch produktionstechnisch besonders clever in Szene gesetzt!

“Deja Vu” – Originalversion

Wie immer hören wir an dieser Stelle erst einmal in die Originalversion hinein:

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“Deja Vu” – Entstehung

Der Song “Deja Vu” entstand in Spliffs eigenem Tonstudio im Berliner Stadtteil Moabit. Das Studio diente in den Folgejahren auch der Produktion anderer Künstler. Manne Praekers größter Erfolg als Produzent (zusammen mit Spliff-Keyboarder Reinhold Heil) außerhalb von Spliff war übrigens “99 Luftballons” von Nena.

“Deja Vu” – Tonmaterial & Arrangement

Wie es sich für einen anständigen Popsong gehört, bleibt das Tonmaterial überschaubar, ja geradezu minimalistisch. Alles kursiert um die Harmonien G-Moll, F-Dur und C-Dur. Dennoch sollte man sich nicht verleiten lassen zu glauben, dieser Song sei simpel! Das sparsame Arrangement trägt eine sehr eindeutige Spliff-Signatur, das heißt, man erkennt bei jedem Song auf dem Album, dass es sich um Spliff handelt.
Dies ist umso erstaunlicher, als dass das Vorgängeralbum “Radioshow” noch vollkommen anders klang. Spliff gelang es auf dem Album “85555”, einen wirklich unverwechselbaren Signature-Sound zu generieren. Die Protagonisten wussten als Eigenproduzenten ganz genau, wie man ein Studio einsetzen muss, um dieses Ziel zu erreichen!

“Deja Vu” – Intro / Hook

Der Song beginnt mit einem Instrumental-Thema, das in sich selbst einen wiederkehrenden Refrain-Charakter besitzt (von mir wird dieser Part deswegen “Hook” genannt). Es ist ein rockiges Gitarren-Riff in G-Moll, welches vom Bass gedoppelt wird. Das Riff besteht aus einem “Frage”- und einem “Antwortteil”; beide Male beginnt es auf der Zählzeit 1+.

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“Deja Vu” – Intro/Thema – Bassline – WAV
Manne Praeker mit einem seiner Yamaha BB-Bässe. (Bildquelle: www.youtube.com/watch?v=eTc_hN_Ud0o)
Manne Praeker mit einem seiner Yamaha BB-Bässe. (Bildquelle: www.youtube.com/watch?v=eTc_hN_Ud0o)

“Deja Vu” – Strophe

Kernstück aus Bassistensicht ist natürlich die Strophe von “Deja Vu”: Manne Praeker spielt hier einen geslappten E-Bass, der einerseits eine klare Struktur aufweist, bedingt durch zahlreiche kleine Varianten aber eindeutig improvisiert eingespielt wurde. In den Noten findet ihr die Transkription des Songanfangs, also dem Intro und der ersten Strophe. In den wiederkehrenden Strophen ist der Bass zwar ähnlich, wir aber – wie bereits erwähnt – ständig variiert, was dem Stück trotz einiger Statik ein gesundes Maß Lebendigkeit einhaucht.
Manne Praeker verwendet die “Bounce-Technik” beim Slapping. Das heißt, der Daumen trifft auf die Saite von oben und federt wieder zurück. Zudem verwendet er dabei kaum Kraft, das Ganze ist eher eine zarte Angelegenheit mit einer guten Portion Fingerspitzengefühl. Roundwound-Saiten sind absolute Pflicht, um diesen Sound zu erreichen.
Produktionstechnisch wurde am Bass stark geschraubt. Die Höhen wurden über das gewohnte Maß angehoben, was die Deadnotes und perkussiven Elemente sehr deutlich hervorhebt. Tiefe Bassfrequenzen sind in der Strophe kaum vorhanden. Garniert wird das Ganze mit einen Halleffekt. Das ist wirklich außergewöhnlich, verleiht es dem Bass in der Strophe doch den Charakter eines Lead-Instruments.

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“Deja Vu” – Strophe – Bassline – WAV

“Deja Vu” – Solo

Wenn es der Zuhörer selbst trotz der herausstechenden Merkmale des Bass-Strophenparts immer noch nicht begriffen hat, so wird er spätestens in der Mitte des Songs von einem achttaktigenBasssolo darauf gestoßen, wer in diesem Song das Sagen hat: Ohne ausufernd in virtuoses Showoff zu verfallen, bleibt Manne Praeker auch in diesem Teil stets dem Song dienlich.
Mit einem angerissenen “Pop” auf der D-Saite, gefolgt von einem Hammer-On, pflanzt sich das Solo mit synkopierten Slaps fort. Dabei landet der Bass auf der Zählzeit 4 in den Takten 1, 3 und 5, was einen bei der Reproduktion des Parts schon mal durcheinanderbringen kann!
Dieses Solo zeigt, das man nicht kompliziert spielen muss, um einen guten Eindruck zu hinterlassen. Man kann sagen, dieses Solo ist alles, was der Song braucht und kein Ton zu viel oder zu wenig: einfach perfekt!

Audio Samples
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“Deja Vu” – Solo – Bassline – WAV

“Deja Vu” – Refrain

Im Refrain spielt der Bass ausschließlich Viertelnoten auf G, weswegen ich ihn hier auch nicht aufgenommen und notiert habe.

“Deja Vu” – Basssound & Equipment

Manne Praeker wurde bei Spliff meistens mit Yamaha-Bässen aus der guten alten BB-Serie gesehen. Ich vermute, dass auch für “Deja Vu” ein solcher Bass verwendet wurde, mit Gewissheit sagen kann ich es jedoch leider nicht.
Genauso wenig lässt sich bedauerlicherweise nachvollziehen, wie die Aufnahmekette verlief. Ein Chorus bzw. Flanger könnte neben dem Hall in Strophe und Solo auch noch zusätzlich verwendet worden sein.

Viel Spaß mit “Deja-Vu” und bis zum nächsten Mal,
euer Oliver

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von Oliver Poschmann

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