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Audinate Dante Workshop: Live Recording und Einrichtung eines Dante-Netzwerks

Audinate Dante Workshop: Bereits im Jahr 2006 wurde “Dante” von der australischen Firma Audinate für professionelle PA-Anwendungenentwickelt. Ihr Ziel war es, unkomprimierte Audiodaten in nahezu Echtzeit durch ein gewöhnliches Netzwerkkabel auch über große Distanzen zu schicken. Dazu kombinierten die Australier ein Netzwerkprotokoll mit entsprechender Hard- und Software.

(Bild: Shutterstock / Credits: Magdalena Chodorowska)
(Bild: Shutterstock / Credits: Magdalena Chodorowska)


Die Steuerung des Dante-Streams kann jeder herkömmliche Rechner mit einem Ethernet-Anschluss und der Software „Dante Controller“ übernehmen, die beliebige Splittings und Routings erlaubt. On-top bietet Audinate die „Dante Virtual Soundcard“ App (DVS) und konvertiert damit die LAN-Schnittstelle eines jeden Rechners zum Audiointerface im Dante-Netzwerk. Und jetzt wird es interessant!

Aktuell bietet Audinate mit dem Gigabit-Support eine Übertragungskapazität von über 500 hochauflösenden digitalen Audiokanälen pro Richtung durch ein einziges Netzwerkkabel. Revolutionär für PA-Anwendungen und eine enorme Ersparnis bei Platz, Aufwand und Kosten, zum Beispiel durch den Wegfall ewig langer Multicore-Kabelund weiterer Peripherie, zumal Splitterboxen und weitere teure Hardware nicht benötigt werden.

Das Praktische dabei: Es wird einmal das Signal auf der Bühne digitalisiert, im kompletten Kreislauf digital gehalten und erst am Ende bei den Boxen wieder analog zurückgewandelt. Mittlerweile gibt es mehr als 300 Firmen, die das Dante-Format lizenziert und bei ihren Produkten verbaut haben. Einige der bekanntesten dabei sind Yamaha, Allen & Heath und Focusrite.

Audinate Dante Workshop: Virtual Soundcard (DVS)

Die Dante-Hardware ist auf die dichten Datenströme bei nahezu keiner Latenz optimiert. Anders sieht es mit den herkömmlichen Netzwerkanschlüssen bei Computern wie Laptops aus. Dort ist ein so großer Datenstrom bei null Latenz nicht möglich. Trotzdem ermöglicht Audinate mit dem plattformübergreifenden Treiber Dante Virtual Soundcard (DVS) jedem portablem Rechner mit Ethernet-Buchse die Möglichkeit, bis zu 64 Spuren (bei Gigabit-Ports) mit einer wählbaren Latenz zwischen 4, 6 und 10 ms in den Rechner hinein- und parallel heraus zu streamen. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Ethernet-Anschluss fest an dem Rechner installiert oder über eine Breakout-Box realisiert ist. ACHTUNG: Mit WLAN funktioniert die DVS nicht.

Der DVS-Treiber ist für einen geringen Unkostenbeitrag von der Audinate Webseite sowohl für Windows-Rechner (Windows 7 – 10 inklusive Server 2012) als auch für Apple Mac (OS X 10.11.6 – 10.13.6) herunterzuladen. Die Summe der möglichen Spuren hängt dabei von der gewählten Auflösung der unkomprimierten Audiodaten und der Netzwerkgeschwindigkeit des LAN-Anschlusses ab (siehe Grafik). 

Fotostrecke: 2 Bilder Möglichkeiten für Recordings über die Dante Virtual Soundcard ohne und mit Giga-Support
Fotostrecke

Audinate empfiehlt, die Dante Virtual Soundcard zusammen mit Dante Controller herunterzuladen. Beide Applikationen laufen störungsfrei parallel, wobei wir mit Dante Controller die Ein- und Ausgänge, deren Verwaltung, Splitting und so weiter bestimmen. Hängen wir uns an einen freien Primary-Port am FOH-Pult, ist dieser Controller in der Regel auf dem Rechner des FOH aktiv und wir sollten uns hüten, in seine Struktur zu funken, auch wenn freie Belegung unseres Setups über die uns zugewiesene Strippe und den dazugehörigen Port überhaupt keine Auswirkung auf den laufenden Live-Betrieb hat.

Primary-Port?

Kurz zur Erklärung. Die Kommunikation bzw. Übertragung der Audiodaten läuft im Dante-Netzwerk zwischen Bühnentechnik, FOH-Pult und PA über Netzwerkkabel. Zur Redundanz, da immer mal irgendwas mit den Kabeln geschehen kann, gibt es zwei Verbindungen zwischen den jeweiligen Gewerken. Diese läuft über die zwei Ethernet-Buchsen Primary-Port und Secondary-Port.

Fällt ein Kabel aus, übernimmt das andere nahtlos den Dienst, mehr ist es nicht.   Ist bei einem Live-Setup am FOH-Pult also ein Primary-Port frei, ist für gewöhnlich die dazugehörige Secondary-Buchse ebenso unbelegt. An den ersten hängen wir uns also mit unserem Rechner dran. Denkt bitte daran, Ersatzkabel mitzubringen, falls eine Strippe mal nicht so will.

Audinate Dante Workshop: Recording

Damit sind wir auch schon beim Kern, der Aufnahme. Für alle, die bei Dante eher an Inferno denken und ein Buch mit sieben Siegeln sehen, es ist nicht sehr aufwendig und sogar relativ unspektakulär von der Handhabung. Die Hardware, die zur Aufnahme benötigt wird, ist bereits vor Ort, der Recorder und das Interface ist euer Laptop und das Einzige, was ihr eventuell zukaufen müsst, ist ein schlichtes und ausreichend langes Ethernet-Kabel. Das war´s!? Nicht ganz.

DVS einrichten

Zuerst braucht ihr einen Rechner, auf dem die vorher genannten Plattformen laufen. Dann geht ihr auf die Audinate Webseite und ladet euch den kostenpflichtigen (29 $) Treiber Dante Virtual Soundcard (DVS, nicht zu verwechseln mit Digitales Vinyl System) herunter.

Falls ihr Dante-Hardware besitzt, könnt ihr mit einem sogenannten „Dante Token“ die Software auch kostenlos herunterladen. Alternativ gibt es die Möglichkeit, eine 15-tägige Lizenz zu Testzwecken herunterzuladen. Der Erwerb der Lizenz, egal ob kostenfrei oder kostenpflichtig, erfordert ein Anlegen eines User-Kontos bei Audinate, damit der Schlüssel zur Freigabe der DVS gesendet werden kann.

Einmal freigeschaltet, könnt ihr die DVS nach eurem Belieben einrichten. Das funktioniert alles über die Kontrolloberfläche des Treibers. Die eigentliche virtuelle Soundkarte arbeitet als Hintergrundapplikation, wenn wir beim Treiber auf START drücken. Vergesst dabei nicht, bei dem „Network Interface“ euren LAN-Anschluss anzuwählen, sonst läuft es nicht.

Fotostrecke: 4 Bilder Einmal die Lizenz eingegeben, haben wir freien Zugriff auf den Treiber, hier die Anzahl der Spuren
Fotostrecke

Audinate Dante Workshop: DAW einrichten

Habt ihr die DVS eingerichtet, folgt die DAW, mit der Ihr das Konzert aufnehmen wollt. In meinem Fall habe ich Pro Tools gewählt, auf Empfehlung des FOH vor Ort tut es aber jede kleine Recording-Software, die parallel dazu noch Rechner-Ressourcen schont. Folgende Grafik zeigt exemplarisch, was bei der Vorbereitung der Recording-Session zu tun ist.

Ausgewählt habe ich eine Session mit einer Auflösung von 24 Bit in 48 kHz. Es gehen auch Sample-Rates von 44.1 kHz, doch in der Regel ist die Grundeinstellung bei Dante-Geräten eben 24/48.

Fotostrecke: 6 Bilder Dann kommt die DAW dran, eine Pro Tools Session mit 24 Bit in 48 kHz öffnen und bei Playback Engine die Dante Virtual Soundcard auswählen
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Zwar habe ich 48×48 Spuren am Treiber der DVS ausgewählt, da ich aber nur über ein Megabit-Port an meinem Rechner verfüge, kann ich von den 48 Spuren nur 32 nutzen. Zwar bekomme ich alle Spuren auf und auch zugewiesen, doch bleibt von Kanal 33 bis 48 der Eingang stumm. Das regelt die DVS automatisch. Sollten, wie in meinem Fall geschehen, 48 Kanäle zugewiesen, aber nur 29 Kanäle tatsächlich benutzt sein, muss ein Helfer schnell am Dante-Controller unseren benutzten Primary-Port neu zuweisen. Eine Sache von wenigen Minuten ohne Auswirkung auf den Live-Betrieb.

Die Ausgangsspuren könnten wir uns eigentlich auch sparen, da wir den Stream nicht wieder an das Pult zurückrouten müssen. Einzig der Ausgang für das Monitoring sollte offen sein. Ich befinde mich schon neben dem FOH, mein Rechner ist am Dante-Pult, einem Yamaha CL5, angeschlossen und die Recording-Software zeigt an den Eingängen 1 – 32 vollen Ausschlag.

SSD-Festplatte

Ich muss nur noch auf „Aufnahme“ drücken und meine interne Festplatte befüllen. In meinem Fall eine SSD-Festplatte, der so viel Datenmenge nichts ausmacht. Audinate empfiehlt ansonsten mindestens eine Festplatte mit 7200 RPM, um die Spuren störungsfrei mitzunehmen bzw. andere Spuren zeitgleich abzuspielen. Nur für den Fall.  

Ein schlagender Vorteil bei der Nutzung von Netzwerkkabeln, ist deren Verriegelung. Diese Kabel halten auch stärksten Bass- und Kick-Stürmen stand, im Gegensatz zu einer USB-Verbindung, die da mitresonieren und den Stream verlieren kann.

Bis jetzt gab es kaum einen Punkt, an dem wir irgendetwas falsch machen konnten. Selbst die Firewall, die eifersüchtig über den Netzwerkstrom am LAN-Port herrscht, wird von der DVS automatisch unterwiesen. Falls ihr eine Firewall eines externen Herstellers nutzt, gibt die detaillierte DVS-Bedienungsanleitung (nur englisch), wie auch zu anderen Themen, FAQ und eventuellen Störungen, Auskunft.

Das war es auch schon. Am Tag des Einsatzes habe ich ein Konzert der befreundeten Band Fatimarie auf dem Beueler Bürgerfest in Bonn mit allen relevanten Einzelspuren und der FOH-Summenspur aufgenommen. Parallel dazu filmte eine Crew den Auftritt.

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Resümee

Im Leben eines Musikers/Engineers/Tape-Recorders kommt es zu vielen verschiedenen Möglichkeiten, Konzerte mitzuschneiden. Angefangen vom Einsatz eines kompletten Ü-Wagens über das Anschleppen eines schweren Cases mit zwei 8-fach-Splittern, mehreren Firewire-Soundkarten unter Berücksichtigung von ADAT-Schnittstellen und externem Rechner oder das Mitnehmen von Spuren aus einem digitalen Mischpult über die USB-Schnittstelle, bei der man nie weiß, wie gut der Treiber und die physische Steckverbindung halten.

Daher haben wir hier eine der unkompliziertesten Möglichkeiten kennengelernt: das Aufnehmen über das Dante-Netzwerk. Ihr braucht dabei nichts weiter als eine günstige Lizenz für die Dante Virtual Soundcard, eine oder besser zwei solide Ethernet-Kabel und euren Rechner, auf dem die virtuelle Soundkarte installiert und eingerichtet ist.

Alles andere überlasst ihr dem FOH und werdet mit bis zu 64 hochauflösenden Spuren versorgt. Alles was ihr braucht, passt in eine Laptoptasche. Sicher, günstig, schnell. Dante muss kein Inferno sein.

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(Bild: Shutterstock / Credits: Magdalena Chodorowska)

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von Axel Erbstösser

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