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Musikshopping für DJs im Jahr 2022

Der Vertrieb von Musik hat in den letzten Jahrzehnten einen kompletten Wandel erfahren und somit auch die Einkaufsgewohnheiten von Musikkonsumenten nachhaltig verändert. Während Songs über viele Dekaden hinweg nahezu ausschließlich in Form physikalischer Tonträger (Schallplatten und CDs) angeboten wurden, dominieren heutzutage digitale Downloads und Streamingdienste.

Musikshopping für DJs im Jahr 2022

Musikenthusiasten beziehen ihren Lieblingscontent bequem von ihrem Smartphone aus über Anbieter wie Spotify, Apple Music oder Amazon Music. Für einen monatlich zu zahlenden Obolus erhält man hier unvorstellbar große Musikkataloge mit bis zu 90 Millionen Songs. Doch wie sieht das Ganze für DJs aus? Dieser Frage bin ich in diesem Feature für euch auf den Grund gegangen.

Prolog

Ein umfassendes und aktuelles Musikrepertoire ist das Kapital eines jeden DJs. Die Art und Weise dieses wiederzugeben entsprach in den letzten Jahren nicht immer dem technisch neusten Stand, was man beispielsweise daran erkennt, dass CD-Laufwerke noch lange die Spec-Sheets der DJ-Player zierte, wo der „gemeine“ Musikkonsument schon kaum noch eine ähnlich ausgestattete Hardware kaufen konnte. Nun denn …

Wirft man einen Blick auf die DJ-Player im Jahr 2022, so erkennt man, dass sich auch hier so langsam ein Technologiewechsel vollzieht und neben der Verwendung von USB-Medien auch der Zugriff auf Streamingdienste Einzug erhält. Als DJ hat man also mittlerweile vielfältige Möglichkeiten Songs wiederzugeben. Wobei gerade im Streamingbereich besondere Vorsicht geboten ist, da populäre Anbieter wie Spotify, Apple Music oder Amazon Music aktuell im DJ-Context nicht nutzbar sind.

In diesem Feature beleuchte ich alle aktuell wichtigen Musik-Bezugsmöglichkeiten für DJs. Hier findest du umfassenden Infos, ganz gleich ob du Einsteiger oder Umsteiger aus der analogen Welt Vinyl bist oder dir als digitaler DJ einen Überblick verschaffen möchtest.

Mainstream-Downloadshops

Noch nie gab es so viele verschiedene Anlaufstellen um Musik zu erwerben wie jetzt. Interessanterweise stellt sich aber die Art der Geschäfte im digitalen Bereich ähnlich dar, wie es zuvor im physischen Tonträgerhandel war. Somit startet meine Auflistung mit den Shops, die man früher in den Fußgängerzonen großer Städte antraf, wie beispielsweise WOM, HMV oder Virgin Musicstore.

qobuz - Screenshot
Der französische Onlinestore qobuz bietet ein breit gefächertes Portfolio und Songs ohne DRM-Schutz

iTunes Store (https://www.apple.com/de/itunes/)

Der zum Computergiganten Apple gehörige Shop setzt die Nutzung einer speziellen Software (iTunes, Musik-App) voraus, die Bestandteil des Apple-Betriebssystems ist, aber auch für Windows-Computer und iOS angeboten wird. Einige DJ-Programme wie Traktor, Virtual DJ oder djay Pro AI bieten einen direkten Zugriff auf die iTunes-Bibliothek des Computers. Es lassen sich aber nur Songs ohne DRM (Digital Rights Management) wiedergeben. Das Songangebot im iTunes Store ist breitgefächert, ohne zu sehr in die Tiefe zu gehen, und recht kostengünstig. Apple bietet zudem auch den Streamingdienst Apple Music an, dessen Inhalte sich aber mit keiner DJ-Software kombinieren lassen. Da Apple gerne beide Dienste miteinander verschmelzen lässt, sollte man hier besonders gut aufpassen, wenn man über einen gemischten Content verfügt.

Amazon (https://www.amazon.de/)

Der Internet-Versandhändler Amazon hat ebenfalls einen Download-Store mit einem umfassenden Angebot, das ähnlich aufgestellt ist wie das von Apple. Die Preise sind günstig, und nicht selten findet man eine große Auswahl an Sonderangeboten, wodurch sich eine große Songsammlung recht budgetfreundlich erwerben lässt. Die Songs von Amazon werden als 256-kbps-MP3-Dateien verkauft, was für die meisten Anwendungsfälle ausreichen sollte. Besser wären natürlich 320 kbps MP3 oder verlustlos komprimierte Dateien. Das Shopping-Erlebnis ist nicht sonderlich komfortabel gestaltet, da man sehr viele Mausklicks benötigt, um seine gewünschten Songs als Kaufdateien zu finden. Denn auch Amazon scheint stärker daran interessiert zu sein, Kunden ein Musikabo für den Streamingdienst verkaufen zu wollen. Leider ist der Streamingdienst aber ebenfalls nicht in einer DJ-Software direkt nutzbar.

qobuz (https://www.qobuz.com/de-de/shop)

qobuz ist ein französischer Musikanbieter, der hierzulande bisher nicht sonderlich populär ist. qobuz bietet Streaming-Abos, aber auch Downloads. Die Songs haben keinen DRM-Schutz, was für den DJ-Kontext wichtig ist, und auch beim Dateiformat kann zwischen FLAC, ALAC, WAV, AIFF gewählt werden. Das Repertoire reicht von „Abba bis Zappa“, deckt aber auch elektronische Styles wie House, Dance, Techno etc. ab.

Spezialisierte Downloadshops

Die spezialisierten Downloadshops treten in die Fußstapfen der nerdigen Underground-Stores, die in der Regel etwas abseits der großen Shopping-Mals zu finden waren. Legendäre Läden wie Delirium, Freebase Records, Boy Records, Kompakt oder Hard Wax, dienten ab Anfang der 90er-Jahre als Anlaufstellen für Szene-DJs im Bereich der elektronischen Clubmusik. Die Genrebreite dieser Shops war im Vergleich zu den Mainstreamketten deutlich geringer, dafür ging man hier mehr in die Tiefe.

Bandcamp - Screenshot
Bandcamp bietet eine Vielzahl an Genres und vergütet die Künstler fair

Beatport (https://www.beatport.com/)

Beatport ist eine der beliebtesten Anlaufstellen für elektronische Tanzmusik. Hier gibt es Tracks aus den Genres Techno, Trance, House, Trap, Drum & Bass und vieles mehr. Der Shop war einst eng verbunden mit der Berliner Softwareschmiede Native Instruments, und eine Zeitlang war es möglich, Songs aus dem Traktor-Songbrowser heraus bei Beatport zu kaufen. Beatport hat ein gefälliges Webshop-Design und viele Einkaufshilfen in Form von DJ-, Staff- und Genre-Charts sowie Neuvorstellungen. Die zunächst recht hohen Preise wurden in den letzten Jahren etwas nach unten korrigiert, und ein Browser-basiertes DJ-Interface mit EQs, Effekten sowie Sync-, Loop-Features erlaubt das Kreieren von Textmixen, was praktisch ist, wenn man per Bahn, Bus etc. unterwegs ist.

Traxsource (https://www.traxsource.com/)

Der Anbieter Traxsource ist seit 2004 online und spezialisiert auf House Music. Der Shop bietet ein authentisches Shopping-Erlebnis. Verschiedene Charts und Kategorien wie „Featured“ und „Spotlight“ helfen, die neuesten Hot-Tunes zu entdecken. Neben einem umfassenden Angebot an straighten House-Tracks werden auch Techno-, Soul-, Funk- und Disco-Titel offeriert. Die Songs werden als AIFF-, WAV- und MP3-Dateien angeboten. Streamingangebote gibt es hier nicht.

Beatsource (https://www.beatsource.com/)

Beatsource ist eine beliebte Anlaufstelle für Open-Format-DJs, also Alleinunterhalter und mobile DJs. Das Angebot ist breitgefächert, hier findet ihr Hip-Hop, Dance, Latin, R&B, Rock und vieles mehr. Im Unterschied zu Amazon oder Apple gibt es bei Beatsource speziell für DJs zugeschnittene Angebote und Inspirationshilfen in Form von DJ Playlists und VIP Crates.

Bandcamp (https://bandcamp.com/)

Wenn euch die maximale monetäre Unterstützung für Künstler wichtig ist, solltet ihr bei Bandcamp einkaufen, denn hier werden 82 % der Einnahmen an die Musikschaffenden ausgezahlt. Zudem haben die Künstler auch ein Mitspracherecht bei der Musikpräsentation und können sogar die Preise ihrer Songs selbst bestimmen. Bandcamp bietet viele verschiedene Genres und ist nicht nur auf DJ- und Dance-Musik spezialisiert. Bandcamp eignet sich sehr gut, um neue Künstler zu entdecken, aber auch renommierte Producer und Labels bieten hier ihren Output an.

DJ Promotion Pools

DJ Promotion Pools waren lange Zeit nur den „richtig wichtigen“ DJs vorbehalten und dienten Plattenfirmen dazu, die Verkaufserfolge ihrer neusten Veröffentlichungen einschätzen und somit die Auflage der Vinyls richtig planen zu können. Somit kamen renommierte DJs in den kostenlosen Genuss der neusten Tracks, bevor diese im Laden angeboten wurden. Digitale DJ Promotion Pools haben diesen Part übernommen, bieten ihre Promos aber nur gegen eine monatliche Entgeltzahlung an. Je nachdem, welcher DJ-Content gewünscht wird, kann es aber durchaus günstiger sein, sich auf diese Weise mit Songs einzudecken als der Bezug von Einzeldownloads über die oben genannten Shops. Zudem bieten die Pools auch exklusive Titel an, die es nicht zu kaufen gibt. Die Eintrittshürden sind nicht sonderlich hoch, hier reicht oft eine Facebook-Seite, um seine DJ-Aktivitäten glaubhaft zu machen.

ZipDJ - Screenshot
ZipDJ bietet seine Dienste ab 25 US-Dollar im Monat an und hat Styles wie Hip Hop, Latin, R&B und Dance im Repertoire

BPM Supreme (https://www.bpmsupreme.com/)

BPM Supreme hat ein breit gefächertes Angebot, dessen Schwerpunkt auf kommerziellen Dance-Tracks liegt, aber auch DJ-freundliche Edits umfasst. Die Abo-Preise liegen bei monatlichen 19,99 und 29,99 US-Dollar und beinhalten MP3-Downloads und Streaming (Premium Abo).

DJCity (https://www.djcity.com/)

Bei DJCity findet ihr hauptsächlich Styles wie Hip Hop, Latin, R&B, African, aber auch Dance. Im Bereich „DJCity Exclusives“ werden zudem Edits und Remixe angeboten, die es nur hier gibt. Die Abos starten bei 25 Euro pro Monat, die Songs werden als 320-kbps-MP3-Dateien angeboten.

ZipDJ (https://www.zipdj.com/)

ZipDJ bietet über 400.000 Tracks und mehr als 60 Genres, darunter Dance, House, Hip-Hop, R&B Pop und EDM. Das Angebot umfasst zudem exklusive Remixe, Extended Versions, Intros, Clean, Dirty, A capella etc. Es stehen kuratierte Playlisten und Packs zur Verfügung sowie komfortable Suchoptionen und Genre-Charts. Abos mit 320-kbps-MP3 gibt es ab 25 US-Dollar pro Monat.

Streamingdienste

Streamingdienste sind auch im DJ-Bereich auf dem Vormarsch, wobei ihre Nutzung in Deutschland bis heute im kommerziellen Bereich leider nicht gestattet ist – nun ja. Für DJs sind diese Angebote aber trotzdem interessant, da sie eine Möglichkeit bieten, sich sehr einfach über Neuerscheinungen zu informieren. Nahezu jede DJ-Software ist mit einer direkten Unterstützung für ausgesuchte Anbieter ausgestattet, und auch Hardware-Anbieter wie Denon DJ und Numark bieten diese Funktion. Die populären Streamingdienste von Spotify, Amazon Music und Apple Music sind, wie eingangs erwähnt, für DJs aber nicht nutzbar.

Beatport - Screenshot
Wer elektronische Tanzmusik auflegen möchte, ist bei Beatport an der richtigen Stelle

Tidal (https://tidal.com/)

Tidal bietet mit über 90 Millionen Songs das breiteste Streamingangebot und ist ähnlich aufgestellt wie Spotify, Apple oder Amazon. Kostenlose Probeabos werden angeboten, danach kostet es mindestens 9,99 Euro pro Monat. Hier findet ihr vor allem Mainstream-Titel.

Beatport Streaming (https://stream.beatport.com/)

Beatport Streaming gibt euch Zugriff auf den kompletten Beatport-Katalog und versorgt euch mit einem vielfältigen Content, wenn ihr Club-Tracks sucht. Elektronische Tanzmusik zahlreicher Genres steht euch zur Verfügung und eine Offline-Option erlaubt den Zugriff auf Songs auch ohne Internetverbindung. Los geht’s bei Beatport für 9,99 US-Dollar pro Monat.

Beatsource (https://stream.beatsource.com/)

Der Streamingableger von Beatsource bietet über sieben Millionen Songs, die vor allem Open-Format-DJs ansprechen. Die Abos starten bei 9,99 US-Dollar, das Pro+ Abo für 34,99 US-Dollar bietet zudem noch exklusive Edits und 1.000 Offline-Tracks.

Soundcloud Go+ (https://soundcloud.com/)

Soundcloud bietet eine riesige Songauswahl. Hier gibt es Mainstream-Titel aus allen erdenklichen Bereichen, aber auch Tracks von vielen unbekannten Artists und somit Material, das ihr nirgendwo sonst findet. Wer die Songauswahl zum Mixen nutzen möchte, muss „Soundcloud Go+“ abonnieren, die Kosten liegen bei 9,99 Euro pro Monat.

Tonträgergeschäfte

Der Kauf von Tonträgern anstelle von digitalen Downloads kann dann sinnvoll sein, wenn ihr euch einen Songbestand komplett neu aufbauen möchtet. Vor allem wenn ältere Musiktitel gewünscht sind, ist der Erwerb von CD-Compilations eine gute Möglichkeit, um Geld zu sparen. CDs lassen sich am Computer recht einfach und schnell einlesen, wohingegen das Digitalisieren von Schallplatten deutlich aufwendiger und die Qualität nicht immer die Beste ist. Der Kauf von Schallplatten ist eigentlich nur dann empfehlenswert, wenn es die Veröffentlichungen nicht in digitaler Form gibt oder wenn ihr diese Tonträger zum Auflegen verwendet.

Discogs - Screenshot
Discogs startete einst als Musikdatenbank und ist heute eine beliebte Anlaufstelle für Raritäten

Mailorder

DJs, die nicht in einer Großstadt wohnen und somit weite Wege zum nächsten Plattenladen auf sich nehmen müssen, können Tonträger bequem per Mailorder bestellen. Internetshops wie Decks Records, Recordsale, Hard Wax etc. bieten eine große Auswahl im Bereich elektronische Tanzmusik. Wer es etwas mainstreamiger braucht, findet bei Amazon, aber auch auf ebay umfassende Angebote.

Discogs (https://www.discogs.com/)

Die Plattform Discogs startete als Online-Datenbank für Diskografien von Musikern und Labels und ist über die Jahre zu einer Verkaufsplattform transformiert worden. Hier findet ihr vor allem Raritäten und längst vergriffene Veröffentlichungen und könnt zudem selbst als Verkäufer in Erscheinung treten. Die gebotenen Genres umfassen Blues, Brass, Electronic, Funk/Soul, Hip-Hop und vieles mehr.

Plattenläden

Der Besuch eines „echten“ Plattenladens ist immer etwas Besonderes, denn kaum ein digitales Einkaufserlebnis bietet den gleichen Austausch unter Gleichgesinnten. Leider findet man immer weniger dieser Special-Interest-Shops. Wenn ihr aber in Berlin (Spacehall), Hamburg (Otaku Records), Köln (Groove Attack) oder München (Optimal Records) wohnt oder zu Besuch seid, solltet ihr fündig werden.

Fazit

Die Musikeinkaufsoptionen für DJs waren noch nie so vielfältig wie heute. Das Angebot an Tracks und Beats ist riesig und der Zugang zu den Shops und Streamingdiensten dank digitaler Distribution bequem und jederzeit von „jedem“ Ort der Welt aus möglich. Meine Empfehlung lautet, dass ihr euch als DJs möglichst breit aufstellen und aus vielen der angebotenen Quellen eure Musiksammlung zusammenstellen solltet. Somit seid ihr immer auf dem Laufenden und könnt Songs über Pools oder den Erwerb von Compilation-CDs kostengünstig beziehen. Eine Sache sollte ihr aber auch nicht vergessen: Es ist wichtig, sich mit der Musik auseinanderzusetzen, um fesselnde und spannende DJ-Sets damit zu generieren. Denn die größte Sammlung nützt nichts, wenn man nicht weiß, wie man das große Musikpuzzle am besten zusammensetzt. Ich wünsche euch jetzt viel Spaß beim Entdecken neuer Shops und Dienste und somit frohes Einkaufen!

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von Boris Pipiorke-Arndt

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