Klassische Precision-Bässe gibt es wie Sand am Meer – vom günstigen Einsteigermodell bis zur sündhaft teuren Custom-Shop-Variante. Doch nur wenige Hersteller nehmen sich das ikonische Konzept wirklich vor, um es konstruktiv weiterzudenken. Genau hier setzt Johannes Pöhlmann mit seiner Marke Vincent an. In seiner Werkstatt nordöstlich von Nürnberg entstehen in Handarbeit Instrumente, die sich klar an den großen Klassikern orientieren und zugleich mit den hauseigenen „True Tone“-Features weiterentwickelt werden. Ziel ist eine spürbare Optimierung von Gewicht, Spielkomfort und klanglicher Präzision. Der Vincent Akkurat 4 interpretiert den Precision-Bass genau auf diese Weise neu: vertraute Form und die Ausstattung mit einem Split-Coil-Pickup – kombiniert mit modernen Konstruktionsdetails unter der Oberfläche. Ob dieser Ansatz aufgeht und wie sich der Akkurat 4 im Praxisalltag schlägt, klären wir im folgenden Test.

- ausgewogener, detailreicher Preci-Sound
- hervorragender Spielkomfort
- tadellose Verarbeitung: Holzarbeiten, Lackierung und Bundierung auf Top-Niveau
- hochwertige Hardware
- durchdachte „True Tone“-Features zur Gewichts- und Resonanzoptimierung
- keins
Was macht die Konstruktion des Akkurat 4 so besonders?
Der Vincent Akkurat 4 macht keinen Hehl daraus, dass er sich am klassischen Precision-Bass orientiert. Die rundliche, symmetrische Korpusform und der Split-Coil in typischer Position lassen daran keinen Zweifel. Gleichzeitig fallen sofort Details ins Auge, die dem Boutique-Preci eine individuelle Note verleihen: eine für Precis eher ungewöhnliche Metall-Reglerplatte, das Fehlen eines klassischen Sattels und eine eigenständig konstruierte Brücke.

Das zentrale „True Tone“-Feature verbirgt sich allerdings unter der Haube. Nicht die Holzauswahl – Vincent setzt ganz traditionell auf Erle –, sondern die Konstruktion unterscheidet den Akkurat vom Original. Unter der Lackierung verbirgt sich nämlich eine spezielle Hohlkammerstruktur, die das Gewicht reduziert und laut Vincent für eine schnellere Ansprache sowie ein satteres Fundament sorgen soll. Johannes Pöhlmann fräst dabei nicht lediglich eine größere Kammer in einen Teil des Bodys, sondern versieht die gesamte Korpusoberseite mit vielen kleineren Ausfräsungen. Offiziell nennt sich das Verfahren „Vincent True Tone Comb-Chambered Process“. Anschließend wird das Ganze mit einer Decke verschlossen und der Korpus deckend lackiert, sodass von der aufwendigen Spezialbehandlung äußerlich nichts mehr zu erkennen ist.
Ahornhals mit Katalox-Griffbrett
Unser Testbass trägt ein Hochglanz-Finish im türkisfarbenen Ton „Celeste“, der dem Akkurat einen frischen und edlen Look verleiht. Farben sind bei Vincent ohnehin ein Thema: Der Akkurat ist aktuell in 20 unterschiedlichen Lackierungen erhältlich, die alle sehr schön sind – mir würde die Wahl wirklich sehr schwer fallen. Komplettiert wird der Look durch ein dreilagiges Pickguard in schlichtem Weiß. Auch hier bleibt man flexibel – derzeit stehen sieben Varianten zur Auswahl.
Der mit vier Schrauben fest am Korpus verschraubte Hals besteht aus einem Stück Ahorn und trägt ein sehr dünnes Griffbrett aus Katalox. Darin sitzen 22 schmale Bünde (inklusive Nullbund) im Vintage-Format sowie runde, schwarze Positionsmarker auf dem Griffbrett und an der Flanke.

Auf der Rückseite fällt der dunklere Holzstreifen ins Auge, mit dem der Kanal des von hinten eingesetzten Zweiwege-Halsspannstabs verschlossen wurde – der gute alte „Skunk Stripe“. Für eine natürliche Haptik wurde der Hals lediglich mit einem dezenten Öl-Finish behandelt, das die Holzstruktur wunderbar zur Geltung bringt. Der Halswinkel wird bei den Bässen von Vincent übrigens mit einem praktischen Einstellrad am Halsende justiert. Das passende Tool liefert Vincent erfreulicherweise gleich mit, wobei man sicherlich auch mit einem x-beliebigen stumpfen Werkzeug gut klarkommen sollte.
“True Tone“-Features zur Klangverbesserung
Eine weitere „True Tone“-Maßnahme findet sich direkt hinter dem Nullbund am Übergang zur Kopfplatte. Dort sitzt ein Saitenniederhalter aus leichtem Carbon, der zugleich die Führung der Saiten übernimmt – ein klassischer Sattel kommt daher nicht zum Einsatz. Von hier aus verlaufen die Saiten geradlinig zur traditionell gehaltenen Kopfplatte im Fender-Stil.
Bestückt ist sie mit vier Hipshot Ultralite-Mechaniken aus amerikanischer Fertigung. Die Tuner sind bestens bekannt und bewährt – sie arbeiten präzise und helfen durch ihr geringes Gewicht, die Balance des Instruments zu verbessern. Am Korpus werden die Saiten von der hauseigenen „Vintage True Tone“-Bridge aufgenommen. Sie orientiert sich grundsätzlich an einer klassischen Winkelkonstruktion, bietet jedoch einige spezielle Features. Die äußeren Reiter laufen in gefrästen Rillen, damit sie sicher in Position bleiben.
Alternativ zur herkömmlichen Saitenführung lassen sich die Saiten auch in Öffnungen an der Bodenplatte einhängen. Diese führen etwa 2,5 Zentimeter tief in einen unter der Brücke sitzenden Tonblock aus Ahorn – nicht vollständig durch den Body wie beim String-Through-Prinzip, jedoch mit vergleichbarer Wirkung: Der steilere Saitenwinkel erhöht den Druck auf die Reiter und verbessert so die Schwingungsübertragung in den Korpus.
Split-Coil Pickup aus deutscher Fertigung
Damit sind wir bei der Klangabnahme des Boutique-Precis aus dem Hause Vincent angekommen. Wie es sich für einen klassischen Vertreter dieser Gattung gehört, übernimmt ein Split-Coil-Pickup die Tonabnahme – gefertigt vom deutschen Spezialisten Harry Häussel. Die Elektronik ist rein passiv ausgelegt und beschränkt sich ganz traditionell auf einen Lautstärkeregler sowie eine Tonblende zur Absenkung der Höhen.

Geliefert wird der Akkurat 4 – wie alle Vincent-Instrumente – in einem hochwertigen und stabilen Softcase von Canto, das den Bass auf dem Weg zur Probe oder zum Gig zuverlässig schützt und ausreichend Stauraum für Zubehör bietet. Im Gigbag befindet sich zudem ein kleines Stoffsäckchen mit einem Kombiwerkzeug für Einstellarbeiten an Brücke und Halsspannstab sowie ein Fläschchen Öl und ein Stück Vlies zur Pflege des geölten Halses.
























