Bereits 1985 entwickelte Rupert Neve für George Martin und die AIR Studios den ISA 110. Ein „Input Signal Amplifier“ samt EQ, der auch in der legendären Forte-Konsole Platz fand und bis heute den Neve-Spirit bei Focusrite am Leben hält. Nach Neuauflagen wie ISA One und Two, dem ersten 428 mit Zeigerinstrumenten sowie dem attraktiven 828 MkII geht das Focusrite ISA C8X nun gänzlich neue Wege!

Der Achtfach-Vorverstärker wird nicht nur zum analogen 8-In/16-Out Audiointerface, sondern auch zur vielseitigen Studiozentrale, dessen Monitor-Controller sogar bis 7.1.4 bedient. Class-Compliant gelingt der Einstieg souverän und bleibt auch halbwegs günstig. Schauen wir uns das Ganze im Detail an!
- zwei ISA-Preamps mit allen Schikanen
- analoger Monitor-Controller bis 7.1.4
- sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis
- iOS Remote App
- keine DSP-Effekte, Speaker-Delays oder Raumkorrektur
- Einschränkungen bei höheren Samplerates
Focusrite ISA C8X: aus dem ff
Bereits beim Auspacken hinterlässt das Focusrite ISA C8X einen ausgesprochen hochwertigen Eindruck. Das 19-Zoll-Gehäuse beansprucht stramm zwei Höheneinheiten und setzt hinter seiner dicken, blauen Aluminiumfront reichlich Licht in Szene.

Warmer Bernsteinschimmer und streifenförmige Pegelanzeigen erinnern ein wenig an die „magischen Augen“ alter Röhrenradios. Gerade im Dunkeln wirkt die Beleuchtung extrem dezent und edel.
Das “Blue Label” präsentiert sich als USB-2.0-Audiointerface mit zeitgemäßem USB-C-Anschluss. Die Zeiten nerviger optionaler Wandlerkarten scheinen vorbei. Class-Compliant gelingt die Inbetriebnahme völlig unkompliziert, sogar eine Verbindung mit dem iPhone ist möglich.

Mit acht Mikrofonvorverstärkern, zwölf Line-Ausgängen sowie zwei zusätzlichen Kopfhörerausgängen und den umfangreichen Digitalanschlüssen empfiehlt sich das ISA C8X als ausgewachsene Studiozentrale.
Das Highlight bilden aber die zwei üppig ausgestatteten ISA-Preamps mit bis zu 79 dB Gain. Hinzu kommen sechs weitere, ebenfalls fernsteuerbare Focusrite-Preamps mit jeweils 70 dB Verstärkung.
Zwei ISA-Preamps mit Extras
Die Encoder, sie glänzen! Zumindest die goldfarbenen Kappen der beiden ISA-Sektionen. Unter der Haube arbeiten Lundahl-LL1538-Eingangsübertrager, ergänzt um vier wählbare Eingangsimpedanzen und ein analoges Hochpassfilter bei 75 Hz mit einer Flankensteilheit von 18 dB pro Oktave.

Für zusätzliche Klangfarben sorgen zwei analoge Modi: 430 ist eine Air-Schaltung und verleiht dem Signal mehr Glanz in den Höhen, während Console variable Sättigung verspricht. Beides lässt sich per Relais zuschalten.
Neben separaten Mic- und Line-Eingängen auf der Rückseite stehen außerdem zwei Instrumenteneingänge an der Front bereit. Diese laufen ebenfalls über die Lundahl-Übertrager und profitieren auch von den Air- und Console-Schaltungen.

Pro ISA-Kanal gibt es außerdem einen symmetrischen, schaltbaren Insert mit getrennten Send- und Return-Buchsen.
Der Gain wird verspielt über zwei Encoder geregelt: Der erste übernimmt die Grobeinstellung in 10-dB-Schritten, der zweite die Feinjustierung in einzelnen Dezibel. Dreht man den Fine-Regler über 10 dB hinaus, springt er zurück auf null und der Grobregler zählt entsprechend hoch beziehungsweise herunter. Eine witzige Reminiszenz an alte analoge Gain-Regler, aber auch irgendwie unnötig.
Sechs weitere Focusrite-Preamps
Die übrigen sechs Preamps kommen ohne Übertrager, Inserts und variable Eingangsimpedanzen aus. Mit bis zu 70 dB Gain, 48-V-Phantomspeisung, Phasenumkehr und Auto-Gain sind sie dennoch alles andere als bloßes Beiwerk. DSP-basierte Air- und Drive-Modi erweitern auch hier die klanglichen Möglichkeiten.

Bedient werden die sechs Kanäle über eine gemeinsame Encoder-Taster-Kombination. Der gewünschte Preamp wird angewählt und anschließend über die Taster eingestellt. Separate Pegelanzeigen behalten alle sechs Kanäle gleichzeitig im Blick.
Das Interface lässt sich direkt am Gerät oder über Focusrite Control 2 fernsteuern. Die überarbeitete Software bietet vollständigen Zugriff auf die Preamps, sowie noch mehr Routing-Möglichkeiten über Submixe sowie die zahlreichen Optionen für klassische wie immersive Monitor-Setups.
Master, Groups und mehr
Die Master-Sektion mit Monitorregler und schickem LED-Kranz bietet drei Monitorgruppen – Main, Alt 1 und Alt 2. Diese lassen sich mit bis zu zwölf Lautsprechern konfigurieren. Neben reichlich Stereo-Setups sind also auch immersive Setups bis 7.1.4 möglich. Als Monitorwege stehen allerdings ausschließlich die analogen Line-Ausgänge zur Verfügung.

Frontseitig lassen sich die Monitorwege über eigene Dim-, Mute- und Mono-Taster kontrollieren, zwei LED-Streifen zeigen den Ausgangspegel. Talkback mit integriertem Mikrofon ist ebenfalls an Bord.
Hinzu kommen zwei separat regelbare Kopfhörerausgänge mit eigenen Mute-Tastern auf der Front. Für individuelle Monitormischungen und Routings stehen außerdem sechs interne Submixer namens Mix A bis F bereit, jedoch nur bis 96 kHz! Insert-, Send- oder Raumeffekte bietet der DSP-Mixer nicht.
Auch die Zahl der USB-Kanäle ist begrenzt: Bis 48 kHz stehen 26 Ein- und 28 Ausgänge bereit, bis 96 kHz reduziert sich das Maximum bereits auf 16 Ins und 18 Outs. Das C8X besitzt somit mehr physische Anschlüsse, als sich gleichzeitig diskret adressieren lassen.

Konkret können bis 48 kHz aber sämtliche physischen Eingänge sowie die zwölf analogen und 16 ADAT-Ausgänge gleichzeitig genutzt werden. S/PDIF-Ausgang, Loopback und Kopfhörer erhalten in dieser Konstellation lediglich Kopien bereits vorhandener Signale. Damit lässt sich gut leben.
Die Lautsprecherwege können zudem zur Pegelanpassung getrimmt werden. Delays oder eine integrierte Raumkorrektur bietet das ISA C8X hingegen nicht. Das überrascht insofern wenig, als Focusrite und ADAM Audio zum selben Konzern gehören und ADAM die entsprechenden Korrekturprofile direkt in seinen Lautsprechern unterbringt.
Separate Anschlüsse statt Umstecken
Auf der Rückseite finden wir die Anschlüsse der beiden ISA-Preamps sowie der sechs weiteren Eingangskanäle. Erfreulicherweise stehen für jeden Kanal separate Mikrofon- und Line-Buchsen bereit.
Mikrofone und Outboard können somit dauerhaft angeschlossen bleiben; die gewünschte Quelle wird am Gerät oder vom Rechner aus gewählt. Gerade beim festen Rackeinbau ist das ein echter Vorteil.

Sämtliche Buchsen sind mit dem Gehäuse verschraubt, die XLR-Eingänge sind darüber hinaus verriegelbar. Die beiden ISA-Kanäle verfügen außerdem über symmetrische Send- und Return-Anschlüsse zum Einschleifen weiterer Prozessoren. Die zwölf symmetrischen Line-Ausgänge liegen zudem auf TRS-Klinken vor, nur die ersten beiden sind zusätzlich als XLR-Buchsen ausgeführt.

Zwei optische ADAT-Ein- und -Ausgänge liefern bis 48 kHz bis zu 16 zusätzliche Kanäle. Darüber reduziert sich die Anzahl per S/MUX auf acht; oberhalb von 96 kHz stehen die ADAT-Ports übrigens gar nicht mehr zur Verfügung. Ein koaxialer S/PDIF-I/O, DIN-MIDI sowie Wordclock-Ein- und -Ausgang komplettieren das digitale Anschlussfeld. Theoretisch könnte man so auch zwei Units kaskadieren.
Strom bezieht das ISA C8X dankenswerterweise über einen klassischen IEC-Anschluss, wobei das interne Netzteil Spannungen von 100 bis 240 Volt verarbeitet. Und damit ist die Besichtigung auch abgeschlossen.





























