Dolly Parton ist im Alter von 80 Jahren gestorben. Ihre Familie bestätigte die Nachricht am Dienstagabend. Damit verliert die Musikwelt nicht nur eine ihrer bekanntesten Stimmen, sondern eine Frau, die aus jeder Menge Glitzer, ziemlich viel Humor und verdammt guten Songs eine ganz eigene Kunstform gemacht hat.

Dolly Parton ist tot. Ein Satz, der sich irgendwie falsch anfühlt. Vielleicht, weil sie zu den Menschen gehörte, die gefühlt schon immer da waren. Mit riesigen blonden Haaren, Strass auf wirklich allem, und diesem Lächeln, von dem man nie genau wusste, wie es gemeint war.
Bekannt gegeben wurde ihr Tod von ihrem Neffen Bryan Seaver, der im Namen der Familie sprach. Eine Todesursache wurde bisher nicht genannt. Gesundheitlich hatte sich Parton in den vergangenen Monaten bereits etwas zurückziehen müssen. Im Mai sagte sie ihre geplante Las-Vegas-Residency ab. Einen bestätigten Zusammenhang zu ihrem Tod gibt es bisher allerdings nicht.
Von Tennessee in die ganze Welt
Geboren wurde Dolly Rebecca Parton am 19. Januar 1946 in Tennessee. Sie wuchs als eines von zwölf Kindern in einer armen Familie auf, zeitweise lebten sie gemeinsam in einer kleinen Einzimmerhütte. Das klingt im Rückblick fast wie der Anfang eines sehr amerikanischen Märchens. Ihre Songs ließen allerdings nie vergessen, dass zwischen dieser Kindheit und der großen Karriere auch harte Arbeit, Verzicht und sehr viel Ehrgeiz lagen.
Schon als Kind schrieb Parton ihre ersten Lieder. Mit elf sang sie im Radio, mit 13 stand sie in der Grand Ole Opry und nach ihrem Schulabschluss ging es direkt nach Nashville. Dort gelang ihr zunächst an der Seite von Porter Wagoner der Durchbruch.
Als Parton die gemeinsame Zusammenarbeit beenden wollte, schrieb sie ihm zum Abschied „I Will Always Love You“. Ja, genau den Song, den viele heute zuerst mit Whitney Houston verbinden. Houston machte daraus einen gigantischen Welthit, geschrieben hat ihn aber trotzdem Dolly Parton. Angeblich entstand am selben Tag auch noch „Jolene“. Andere wären vermutlich froh gewesen, einen dieser Songs irgendwann im ganzen Leben hinzubekommen.
Dazu kamen „9 to 5“, „Coat of Many Colors“, „Here You Come Again“ und sehr, sehr viele weitere. Insgesamt schrieb Parton schätzungsweise 3.000 Songs, verkaufte mehr als 100 Millionen Tonträger und gewann elf Grammys. Beeindruckende Zahlen. Bei Dolly erzählen sie aber trotzdem nur die halbe Geschichte.
Viel Glitzer, noch mehr Substanz
Parton wusste ganz genau, wie sie auf andere wirkte. Sie machte sich über ihre Perücken, ihre Oberweite und ihren Kleidungsstil meistens schon lustig, bevor es jemand anderes tun konnte. Hinter dieser bewusst überdrehten Kunstfigur steckte aber eine ziemlich schlaue Geschäftsfrau und vor allem eine großartige Songwriterin.
Sie spielte in Filmen wie „9 to 5“ und „Magnolien aus Stahl“, baute mit Dollywood einen eigenen Freizeitpark auf und wurde 2022 in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen. Obwohl sie zunächst noch fand, dass sie als Country-Sängerin dort eigentlich gar nicht hingehörte. Kurz darauf nahm sie dann einfach ein Rockalbum auf. Auch ziemlich typisch Dolly.
Und sie gab einen großen Teil ihres Erfolgs weiter. Mit ihrer Imagination Library ließ sie kostenlos Bücher an Kinder verschicken. Aus einem kleinen Projekt in ihrer Heimatregion wurde eine internationale Initiative, die Millionen Familien erreichte. Während der Corona-Pandemie spendete Parton außerdem eine Million Dollar für die Impfstoffforschung.

Dolly Partons Lieder bleiben
Im März 2025 starb Partons Ehemann Carl Dean. Die beiden waren fast 60 Jahre verheiratet, hielten ihre Beziehung aber größtenteils aus der Öffentlichkeit heraus. Sein Tod traf sie schwer. Trotzdem arbeitete sie weiter, plante neue Projekte und machte noch kurz vor ihrem 80. Geburtstag ziemlich deutlich, dass sie eigentlich noch lange nicht fertig war.
Dolly Parton wollte einmal vor allem als gute Songwriterin in Erinnerung bleiben. Das ist ihr gelungen. Wobei „gut“ wohl ein bisschen untertrieben ist.
Ihre Stimme fehlt ab jetzt. „Jolene“, „9 to 5“ und „I Will Always Love You“ sind morgen aber immer noch da. Und vermutlich auch noch sehr lange danach. Bei Dolly war hinter all dem Strass eben immer etwas ziemlich Echtes: Talent, Arbeit, Wärme und die Fähigkeit, aus ein paar einfachen Worten eine Geschichte zu machen, die plötzlich allen gehört.
























