In diesem Workshop unternehmen wir gemeinsam einen Blick über den musikalischen Tellerrand und spielen klassische Musik auf dem E-Bass. Für E-Bass adaptierte klassische Werke haben einen großen Vorteil: Sie klingen von sich aus bereits sehr gut! Man braucht sich daher nicht einmal vorzustellen, wie die erübte Bassline wohl später einmal im (Band-)Kontext wirken wird, da die Musik quasi für sich alleine steht und schon als Solo-Bassstück großen Spaß macht. Somit ist das Erarbeiten klassischer Titel auch eine wunderbare Aufgabe für das heimische Üben! Ich habe für euch sieben kleine klassische Stücke ausgewählt. Auf geht’s!

- Wie spielt man Klassik auf dem E-Bass?
- ▶ “Jesu, meine Freude” -E-Bass-Arrangement
- ▶ “Ode an die Freude” – E-Bass-Arrangement
- ▶ “Türkischer Marsch” – E-Bass-Arrangement
- ▶ “Frühling (1. Satz)” – E-Bass-Arrangement
- ▶ “In der Höhle des Bergkönigs” – E-Bass-Arrangement
- ▶ “Für Elise” – E-Bass-Arrangement
- ▶ “Gavotte 1 (Cello-Suite D-Dur)” – E-Bass-Arrangement
Wie spielt man Klassik auf dem E-Bass?
Werke, die für ein ganzes Orchester geschrieben wurden, erfordern naturgemäß einige Anpassungen, wenn man sie auf dem E-Bass umsetzen möchte. Hier gilt es, das musikalische Geschehen auf das absolut Wesentliche reduzieren: die Melodie und gegebenenfalls den Grundton.
Um uns die Sache zusätzlich zu erleichtern, lohnt sich nicht selten das Transponieren in eine Tonart, in der wir Leersaiten benutzen können. Denn wenn wir schon mit der Melodie beschäftigt sind, ist eine Leersaite als Grundton natürlich deutlich einfacher umzusetzen, als ein gegriffener Ton.
Beim gleichzeitigen Spielen von mehreren Tönen müssen wir uns gelegentlich auch vom traditionellen Wechselschlag verabschieden und mit Daumen, Zeige und Mittelfinger zupfen – ähnlich der Spieltechnik auf einer klassischen Gitarre. Und damit unsere Interpretation auch „schön“ klingt, ist logischerweise eine saubere Technik mit wenig Nebengeräuschen und einem akkuraten Abdämpfen der Saiten erforderlich. Wer mag, kann seinen Sound dann noch mit Effekten wie Hall oder Chorus aufpeppen – um der Komposition zu mehr „Breite“, „Tiefe“ und „Größe“ zu verhelfen.
▶ “Jesu, meine Freude” -E-Bass-Arrangement
Den Anfang macht – wie könnte es auch anders sein – kein Geringerer als Johann Sebastian Bach! Eines seiner bekanntesten Stücke ist “Jesu, meine Freude”, welches wohl jeder irgendwann schon einmal gehört haben dürfte.
Da das Hauptmotiv auf der D-Dur-Tonleiter basiert, kann man hier wunderbar von dem großen Meister lernen, wie man eine profane Tonleiter überaus musikalisch einsetzt. Ich habe “Jesu, meine Freude” in G-Dur notiert, man kann es aber natürlich auf jede andere Tonart bzw. Lage übertragen:
▶ “Ode an die Freude” – E-Bass-Arrangement
Die 9. Sinfonie von Ludwig van Beethoven ist ein absoluter Welthit und darf daher in unserer Sammlung definitiv nicht fehlen. Ich erwähnte es ja bereits: Der natürliche Wohlklang der klassischen Kompositionen macht diese Werke nicht selten zu etwas ganz Besonderem.
Insofern werdet ihr auch hier feststellen, dass dieses Stück auch auf dem E-Bass richtig schön klingt – die Musik steht quasi für sich allein und benötigt keine riesige Instrumentierung!
▶ “Türkischer Marsch” – E-Bass-Arrangement
Stück Nummer 3 ist ein Ausschnitt aus dem “Türkischen Marsch” (“Rondo a la Turca”) von Wolfgang Amadeus Mozart. Ein herrlicher Fingerbrecher für die Greifhand, denn in einer Lage kommen alle vier Finger über alle vier Saiten zum Einsatz und – da das Stück eigentlich für Klavier geschrieben wurde – zudem auch noch in ungewöhnlichen Kombinationen.
Spielt man es außerdem noch mit einem konstantem Wechselschlag, so ergibt es eine hervorragende Koordinationsübung, die man gerne nach und nach auf Tempo bringen darf, wenn man erst einmal den Fingersatz flüssig und fehlerfrei beherrscht. Aus diesem Grund habe ich euch das Klangbeispiel in zwei Tempi aufgenommen.

▶ “Frühling (1. Satz)” – E-Bass-Arrangement
Es ist noch gar nicht so lange her, dass ich zu einem Konzert von Antonio Vivaldis “Vier Jahreszeiten” eingeladen war. Beim Konzert war ich wieder einmal erstaunt, wie viele der insgesamt zwölf Sätze selbst in der hetigen Zeit immer noch absolute “Gassenhauer” sind, die einfach jeder im Ohr hat! Spitzenreiter ist hier ohne Frage der Satz Nummer 1 „Frühling“. Schön für uns: Das Haupt-Thema lässt sich sehr gut auf dem E-Bass umsetzen.
▶ “In der Höhle des Bergkönigs” – E-Bass-Arrangement
Man muss es ihm lassen: Der norwegische Komponist Edvard Grieg hatte definitiv ein Herz für tiefe Instrumente – also auch für uns Bassleute! Sein wohl bekanntestes Werk ist die “Peer-Gynt-Suite” und wiederum der bekannteste Satz daraus ist „In der Höhle des Bergkönigs“. Das Stück generiert seine Spannung aus dem dramatisch wirkenden Thema, das zu Beginn vom tiefen Blech und Kontrabässen gespielt wird.

▶ “Für Elise” – E-Bass-Arrangement
“Mut zur Lücke” heißt es bei diesem populären Werk für Piano, welches Ludwig van Beethoven im Jahr 1810 komponierte. Wir haben nun einmal keine zehn Finger zur Verfügung, wie die Damen und Herren am Klavier, sondern lediglich vier auf dem Griffbrett verfügbar.
Das tut der Sache aber keinen Abbruch, denn auch hier reichen wieder einmal die Melodie und die Grundtöne der jeweiligen Akkorde vollkommen aus, um „Für Elise“ zum Klingen zu bringen.
▶ “Gavotte 1 (Cello-Suite D-Dur)” – E-Bass-Arrangement
Den Abschluss dieses Workshops bildet ein Auszug aus Bachs weltberühmten Cello-Suiten. Ich habe mich für die “Gavotte 1” der “Suite in D-Dur” entschieden, denn sie beinhaltet zahlreiche Lagenwechsel sowie interessante Akkordwechsel.
Gerade das Greifen von Akkorden und das schnelle Wechseln zwischen diesen ist eine der größten technischen Herausforderungen für die Greifhand.
Fazit: Neben den zwangsläufigen spieltechnischen Fortschritten dank dieser klassischen Werke bekommt mit diesen Beispielen gleichzeitig wunderschöne Musik geschenkt, die man auch alleine spielen und genießen kann. Und endlich kann man auch die Frage “Kannst du nicht auf unserer Hochzeit in der Kirche etwas Schönes spielen? Du bist doch Musiker!” mit einem “Klar, wenn die Kohle stimmt!” beantworten.
In diesem SInne: Viel Spaß mit diesen wunderbaren klassischen Werken und bis zum nächsten Mal, euer Thomas Meinlschmidt

























Fred Basset sagt:
#1 - 26.08.2026 um 23:47 Uhr
Ganz. hervorragend,vielen Dank!