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Doublestops auf dem E-Bass spielen

Wir Bassisten:innen spielen Harmonien bekanntlich zumeist Ton für Ton nacheinander und nicht im Zusammenklang. Aufgrund der tiefen Frequenzen erzeugen gleichzeitig gespielte Töne schnell eher Soundbrei als Musik. Und doch gibt es tolle Wege und Möglichkeiten, auch auf dem Bass mehrstimmig zu spielen – und das sogar so, dass sich ganz normale Basslines damit aufpeppen lassen! Die Rede ist von den sogenannten Doublestops (auch: Double Stops). Auf Deutsch bedeutet das nichts Anderes, als dass man zwei Töne gleichzeitig spielt.

(Bild: Shutterstock / Sinelev)

Genau genommen besteht ein Akkord natürlich aus mindestens drei Tönen – zwei sind folglich einer zu wenig! Unser Ohr mag jedoch keine Unvollständigkeit und versucht alles, was es hört, in vertraute Dinge umzuinterpretieren. Daher werden Doublestops automatisch als ganze Akkorde interpretiert, ohne dass wir diese komplett darstellen müssen. Das ist praktisch für uns, denn zwei anstelle von drei Tönen zu spielen ist nicht nur einfacher, sondern es besteht auch weniger Gefahr, durch zu viele Tönen Soundbrei am E-Bass zu erzeugen.

Inhalte

  1. Die üblichsten Doublestops am E-Bass und ihre Interpretation
  2. Ohne Doublestops nicht denkbar: “Smoke On The Water” und “Highway To Hell”
  3. Doublestops auf dem E-Bass spielen – wie, wann und warum?
  4. Doublestops als „Farbtupfer“ in der Bassline
  5. E-Bass-Doublestops als „Song-Trademark“
  6. Doublestop-Klassiker: “Don’t Give Up” (Peter Gabriel)

Die üblichsten Doublestops am E-Bass und ihre Interpretation

Die folgende Auswahl an Doublestops findet man relativ häufig in bekannten Basslines. Wie sie eingesetzt bzw. von unserem Ohr interpretiert werden, habe ich ebenfalls dazu geschrieben. Natürlich gibt es noch unzählige andere Möglichkeiten, zwei Töne zu lesen und zu deuten, aber so werden sie am häufigsten benutzt, zumindest nach meiner persönlichen Erfahrung. Ich spiele die Intervalle einmal isoliert und dann mit dem jeweils passenden Grundton (oder mehreren), um die harmonische Bedeutung zu zeigen:

1.) Oktave => Doppelung des Grundtons des Akkords

2.) Kleine Terz => Grundton und Terz eines Moll-Akkords, Terz und Quinte eines Dur-Akkords, Quinte und Septime eines Moll- oder Dur-Septakkords

3.) Große Terz => Grundton und Terz eines Dur-Akkords, Terz und Quinte eines Moll-Akkords

4.) Quarte => als Quinte und Grundton eines Moll- oder Dur-Akkords, Septime und Terz eines Moll-Septakkords

5.) Quinte => als Grundton und Quinte eines Moll- oder DurAkkords, Terz und Septime eines Moll-Septakkords

6.) Kleine Sechste => als Terz und Grundton eines Dur-Akkords

7.) Große Sechste => Terz und Grundton eines Moll-Akkords

8.) Kleine Septime => Grundton und Septime eines Moll-Septakkords oder Dominant-Septakkords

Ohne Doublestops nicht denkbar: “Smoke On The Water” und “Highway To Hell”

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Bevor wir zu den angekündigten praktischen Nutzen in unseren alltäglichen Basslines kommen, gönnen wir uns zum Einstieg zwei Gitarren-Riffs, die zu den bekanntesten der Welt gehören. Das Thema “Doublestops” ist nämlich keineswegs nur uns Bassist:innen vorbehalten!

„Smoke On The Water“ von Deep Purple bedarf wohl keiner weitere Einführung! Dieses von Gitarrenlegende Ritchie Blackmore ersonnene „Riff des Jahrhunderts“ besteht lediglich aus Quarten. Dabei nimmt unser Ohr allerdings interessanterweise den höheren Ton als Grundton wahr – nicht den tieferen, wie man vielleicht von der Logik und der Notation her annehmen würde. Hier findet ihr dieses legendäre Riff für E-Bass notiert:

Audio Samples
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“Smoke On The Water” mit Doublestops – WAV

„Highway To Hell“ von AC/DC bedient sich großteils der beliebten Powerchords (Grundton und Quinte des Akkords). Diese lassen naturgemäß offen, ob es sich um einen Dur- oder Moll-Akkord handelt, da auf die für das Tongeschlecht wichtige Terz verzichtet wird. Bei der kleinen Sexte (Fis und D) hört unser Ohr abermals den höheren Ton (D) als Grundton und das Fis als Große Terz eines D-Dur-Akkords.

Beim zweiten Akkord bleibt das hohe D liegen, der tiefere Ton wandert einen Bund weiter vom Fis zum G. Und siehe da: Sofort erkennt unser Ohr, das nun der tiefere Ton der Grundton ist und es sich um einen G-Powerchord handelt. Hier seht ihr das Riff für den Bass adaptiert:

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“Highway To Hell” mit Doublestops – WAV

Doublestops auf dem E-Bass spielen – wie, wann und warum?

Zurück zu unserer eigentlichen Aufgabe bzw. unserem Job in der Band. Doublestops können nämlich auch als eine Art Werkzeug für kreatives Bassspiel und interessante Basslines dienen. Die Frage ist: „Wie, wann und warum setzte ich dieses Werkzeug ein?“

Zum einen kann man im Verlauf eines Songs für kleine geschmackvolle Highlights und klangliche Abwechslung sorgen – sozusagen als „Farbtupfer“. Kleine Besetzungen, wie etwa ein Trio schaffen für Doublestops viel Raum, da hier für gewöhnlich ein sehr luftig-offener Bandklang vorherrscht. Spielt der Gitarrist oder Pianist ein Solo, so bleiben für gewöhnlich „nur“ noch der Bass und das Schlagzeug übrig, um die Harmonien darzustellen. Daher kann man hier großzügig zu Doublestops greifen, und der Solist und die Zuhörer werden es einem sogar danken, da man mehr harmonische Information bereitstellt.

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Ein weitere Möglichkeit ist, dass ein oder mehrere Doublestops eine Art „Trademark“ der Bassline sind und deren Wiedererkennungswert steigern. Schauen wir uns hierzu ein paar Beispiele an:

Doublestops als „Farbtupfer“ in der Bassline

Ein unbestrittener Meister in Sachen geschmackvolles Bassspiel ist der Edel-Sideman Pino Palladino. Pino benutzt Doublestops nicht selten ganz bewusst als Klangfarbe: Gerade bei langsamen Stücken im 6/8-Takt greift er sehr gerne zu diesem Mittel. Hier ist ein kleines Beispiel aus dem Song „Gravity“ von John Mayer in einer Live-Version. Hier seht und hört ihr auch die angesprochene klassische Trio-Besetzung, in der sich Doublestops hervorragend einsetzen lassen.

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“Gravity” – Bassline – WAV
Vielbeschäftigter Sideman: Pino Palladino (Bildquelle: www.youtube.com/watch?v=WUOUVqCD5kU)

Und noch ein zweites Beispiel von Pino, diesmal aber aus einem anderen Genre: D’Angelos „Voodoo“ ist eine Art „heiliger Gral“ für Neo-Soul-Grooves und abgehangenes Laid-Back-Spiel. Auch im Song „Send It On“ wird dieses mächtig zelebriert. Trotzdem findet Pino aber auch noch Zeit, mit einem Doublestop zweimal im Song für einen kleinen „Wow, was war das?“-Effekt zu sorgen. Und: Die Pause nach dem Doublestop lässt diesen sogar noch besser wirken:

Audio Samples
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“Gravity” – Bassline – WAV

>>>Die besten Licks und Tricks von Pino Palladino kannst du in diesem Bass-Workshop erlernen!<<<

Einen ganz einfachen und naheliegenden Trick nutzen Größen wie Larry Graham, Bootsy Collins und Prince: Eine Oktave hat zwar wenig harmonisch Interessantes zu bieten, dafür klingt sie ausgesprochen fett! Diesen Umstand machen sich die drei genannten Herren ausgiebig zunutze und spielen gerne Doublestop-Oktaven auf der Zählzeit 1, um diese richtig schön fett klingen zu lassen.

Häufig folgt dann noch ein zweitaktiges Groove-Pattern mit viel „Luft“, so dass diese fette 1 noch wirkungsvoller erscheint. Hier ein Beispiel aus Bootsy Collins Scheibe „World Wide Funk“: Der Song „Thera-P“ ist ein schönes Beispiel für beschriebenen Effekt!

Audio Samples
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“Thera-P” – Bassline – WAV

E-Bass-Doublestops als „Song-Trademark“

Kommen wir zu Basslines, in denen Doublestops ein fester Bestandteil sind und entscheidend zu deren Wiedererkennungswert beitragen. Los geht es mit einem weiteren Meister der Kreativität: Paul McCartneys Riff zum Beatles-Klassiker „Come Together“ gehört zum bassistischen Allgemeinwissen.

Einige Jahrzehnte später coverte kein Geringerer als Marcus Miller diesen Song und gestaltete ihn entsprechend funky. Dort, wo „Sir Paul“ nur einen Ton spielte (F), nutzt Marcus gleich einen Doublestop. Ganz bestimmt „rein zufällig“ hat er wohl den Song in die slapfreundliche Tonart E transponiert. Die Quarte bestehend aus den Tönen D und G stellen schön die Intervalle 7 und #9 des zugrunde liegenden E7#9-Akkords dar. Im PDF habe ich sowohl das Original als auch das Cover dieses legendären Riffs notiert:

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“Come Together” – Bassline – WAV

Doublestop-Klassiker: “Don’t Give Up” (Peter Gabriel)

DIE Bassline mit Doublestops schlechthin ist ganz sicher Peter Gabriels „Don’t Give Up“. Basslegende Tony Levin schuf hier ein Meisterwerk des geschmackvollen Begleitens in Sachen Melodik, Harmonik, Rhythmik und Unterstützen der Melodie.

Pro Akkord spielt Tony zwei Doublestops: Der erste ist sehr harmonisch und besteht meist aus Grundton und Terz des zugrundeliegenden Akkords. Der zweite Doublestop besteht dann aus zwei Tönen (z. B. der Septime und der None), welche für etwas mehr Reibung und somit gesteigerte Spannung sorgen. Bei der Wiederholung des Patterns dreht er diese Reihenfolge um und landet wieder auf dem Grundton und der Terz. So löst er die aufgebaute Spannung gleich wieder perfekt auf. Sensationelle Arbeit!

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“Don’t Give Up” – Bassline – WAV
Peter Gabriel nennt ihn “den besten Bassisten der Welt”: Tony Levin (Bildquelle: www.youtube.com/watch?v=Ex56jZv2VFc)

Viel Spaß beim Experimentieren mit Doublestops und bis zum nächsten Mal,

euer Thomas Meinlschmidt

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von Thomas Meinlschmidt

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