Metal-Gesang, Extreme Vocals, Harsh Vocals, Distorted Vocals – schon die Vielzahl an Begriffen zeigt, wie stark sich diese Gesangstechniken in den letzten Jahren ausdifferenziert haben. Gutturaler Gesang ist längst nicht mehr der wilde Westen, der er einmal war. Seit den 80er-Jahren ist das gezielte Schreien im Rock, Metal und Punk ein weit verbreitetes Stilmittel. Die Technik wurde lange nach dem Trial-und-Error-Prinzip erlernt. In den letzten 15 Jahren hat sich jedoch eine Community herausgebildet, die den extremen Gesang – heute meist unter dem Oberbegriff Harsh Vocals zusammengefasst – erforscht und lehrt. Eine der populärsten Vertreter*innen aus Deutschland ist Harsh-Vocal-Coach Britta Goertz.

- Wie lernt man Harsh Vocals als Anfänger?
- Kann jeder Harsh Vocals lernen?
- Harsh Vocals sind nicht schädlicher für die Stimme als melodischer Gesang
- Wie lange dauert es, Harsh Vocals zu erlernen?
- Braucht man für Harsh Vocals Gesangsübungen?
- Sind CVT oder Estill hilfreich für Harsh Vocals?
- Wie lernt man Pitched Screams?
- Wie wichtig ist Sport für Harsh Vocals?
- Warum ist Gruppencoaching für Harsh Vocals sinnvoll?
- Worauf muss man bei der Online-Recherche zu Harsh Vocals achten?
- Wer sich für Metal Vocals interessiert, sollte sich mit den Gesängen der Mongolei beschäftigen
- Rapid Fire Fragerunde
- FAQ
Als Sängerin von Hiraes, Gründerin der Harsh Vocal School und des Harsh Vocal Camps sowie als ehemalige Frontfrau der Band Cripper gehört Britta Goertz zu den bekanntesten Stimmen der deutschen Harsh-Vocal-Szene. Zuletzt sprang sie als Vocal-Fill-in für Deutschlands größte Metalcore-Band Heaven Shall Burn ein. Gemeinsam mit Britta haben wir einen Blick die Grundlagen des Metal-Gesangs geworfen: Wie Harsh Vocals gelernt werden, welche Fehler Anfänger*innen vermeiden sollten und warum gesunde Technik wichtiger ist als pure Lautstärke.
Wie lernt man Harsh Vocals als Anfänger?
Aller Anfang ist schwer – das gilt natürlich auch für Harsh Vocals. Wer bereits Erfahrung im Singen und oder Schreien gesammelt hat, weiß, dass die Stimme ein komplexes und launisches Instrument ist. Viele haben Berührungsängste und versuchen den Zugang über Recherche und Technik zu finden, um ja nichts falsch zu machen. So löblich dieser Ansatz ist, so verwunderlich scheint es auf den ersten Blick, dass die Pioniere des extremen Gesangs ihre Technik auch ohne das Internet gefunden haben. Laut Britta Goertz bleibt „Learning by Doing“ hier die zentrale Methode. Ihr Werdegang führt vom Hard-Rock, den sie durch ihren großen Bruder kennenlernte, über den Crossover der 90er-Jahre bis hin zu immer extremerem Metal – und schließlich selbst ans Mikrofon. Ohne Lehre, ohne Technik, ohne Ahnung.
„Ich wusste schon immer, dass ich gut Geräusche machen kann. Als ich irgendwann mitbekommen habe, dass es Bands gibt, die schreien, anstatt zu singen, habe ich dann angefangen, in ein Mikrofon zu schreien. Ich habe natürlich alles falsch gemacht, was man falsch machen kann. Ich hatte keine Basics, auch keine im Gesang, Ich habe das einfach gemacht. Aber das war halt früher so. Deswegen ist die Lernkurve auch nicht linear. Aber man merkt durch die Erfahrung, die man sammelt, wie man durchhält und ob man heiser wird oder nicht. Wir sind auf Tour gegangen und dann hat sich das irgendwie weiterentwickelt – der menschliche Körper strebt ja immer nach Ökonomie. Wenn du dann längere Konzerte, mehr Konzerte spielst, Touren spielst, entwickelt sich das bei den meisten von alleine so, dass es dann irgendwann auf wundersame Weise passt – ein bisschen, wie wenn man laufen lernt. Man macht das halt einfach und dann fällt man irgendwann nicht mehr hin.“
Kann jeder Harsh Vocals lernen?
Das Schreien ist im Menschen verankert. Wir schreien, wenn wir auf die Welt kommen. Der Schrei ist ein Geräusch, das wir ganz natürlich und instinktiv erzeugen, um zu kommunizieren. Mit zunehmender Sozialisierung und der Fähigkeit, uns über Worte auszudrücken, schwindet die Notwendigkeit zu schreien. Was jedoch nicht bedeutet, dass unser Körper das Schreien vollständig verlernt.
„Wir wachsen natürlich auch in einer Kultur auf, in der man nicht laut sein darf. Wenn wir aber in die internationale Folklore schauen, mit Unter- und Obertongesängen, die seit Jahrhunderten praktiziert werden, braucht auch niemand eine technische Erklärung oder Unterweisung. In der musikalischen Anwendung von Metal ist es jetzt irgendwie so geworden, dass die Technik analysiert, erklärt und erlernt wird, aber die Geräuscherzeugung an sich gibt es überall auf der Welt, auch lange vor diesem Schritt. Es gibt also definitiv mehr Autodidakten als Leute, die es „richtig“ gelernt haben.“
Harsh Vocals sind nicht schädlicher für die Stimme als melodischer Gesang
In der allgemeinen Wahrnehmung hält sich der Mythos, dass das musikalische Schreien in Metal, Rock und Punk ja sicher schädlich sein muss für die Stimme. Das TUM Klinikum Rechts der Isar in München hat in einer groß angelegten Studie langjährig aktive Harsh Vocalists sowie traditionelle Sänger*innen im Hinblick auf Stimmstörungen untersucht. Das Ergebnis: Die Häufigkeit der Stimmstörungen deckt sich.
„Meine Vermutung ist, dass man eine schlechte Technik im klaren Gesang über Jahre nicht so stark bemerkt wie in den Harsh Vocals. Da wird das direkt am Anfang bestraft. Aber wir sehen den Großteil der Stimmstörungen draußen in der echten Welt nicht bei Harsh Vocalists, sondern bei Lehrern. Das ist auch ein bisschen ein Geschäft mit der Angst, nach dem Motto „Learn it the right way“. Das kann man aber theoretisch genauso auf Pop-, Musical- oder Opernsänger anwenden.“
Wie lange dauert es, Harsh Vocals zu erlernen?
Jeder Mensch, jeder Körper und jede Stimme ist anders. Die Lernkurve sieht für alle Menschen anders aus, abhängig von Vorerfahrung, körperlicher Grundfitness, dem intuitiven Zugang zur Stimme und dem gewollten Sound. Die Grundtechnik des False Chord Screams ist verhältnismäßig schnell erlernt, da sie noch eher einen Bezug zu unserer Lebensrealität hat. Die Klangerzeugung bei einem False Chord Scream funktioniert im Kern nämlich genauso wie ein genervter, grollender Seufzer. Ein Fry Scream kommt in unserem alltäglichen Stimmgebrauch deutlich seltener vor und ist deswegen für viele etwas schwieriger zu erlernen. Aus Brittas Coaching-Erfahrung heraus müsse man da schon mit einigen Monaten rechnen – genau wie beim Erlernen eines Instruments auch.
„Es gibt Menschen, die eine gute Verbindung zu ihrem Körper haben und sich beim Üben selbst coachen können. Es gibt aber auch Leute, die das nicht spüren und sich erst einmal etwas Schlechtes angewöhnen. Im Schnitt, wenn man die besonders Schnellen und die besonders Langsamen rauslässt, braucht es etwa vier Monate, bis jemand einen ersten Fry Scream macht – inklusive drei-, vier-, fünfmal Üben die Woche. Bis man dann eine Phrase machen kann, vergehen bestimmt noch mal ein, zwei Monate. Beim False Chord brauchen die meisten ungefähr drei Minuten, bis sie ihren ersten Sound in dieser Technik hervorzubringen, und dann circa drei bis vier Monate, um das einigermaßen ökonomisch abrufbar zu machen. Manche schaffen nach einem halben Jahr schon ganze Songs. Bühne ist da noch nicht perfekt ökonomisch drin, aber Ich würde trotzdem niemandem davon abraten, nach drei Monaten Coaching auf die Bühne zu wollen. Dann würde Ich sagen: Gib Gummi!“
„Viele Leute denken mittlerweile, sie müssten erst richtig, richtig, richtig gut werden, bevor sie in einer Band singen können. Aber es gibt keinen besseren Weg, die eigene Stimme auszubilden, als in die Praxis zu gehen. Ich selbst füttere das natürlich auch, weil ich auch ein Nerd bin und in der Thematik coache und forsche – aber rausgehen und machen gewinnt immer. Ein Coaching ist natürlich immer hilfreich, aber es ersetzt nicht die Praxis, es vereinfacht sie nur und beugt Stimmstörungen vor.“

Im ersten Teil des Workshops geht es um das Training des Zwerchfells. Dieser wichtige Muskel ist zu großer Kraft fähig und ist deshalb auch für die Kontrolle der Luft verantwortlich.
Braucht man für Harsh Vocals Gesangsübungen?
Ob Schreien oder Singen: Beide Techniken nutzen denselben Stimmapparat – entscheiden ist, ihn bewusst und kontrolliert einzusetzen. Ein klarer Ton entsteht durch eine relativ regelmäßige Schwingung der Stimmlippen. Verzerrte Klänge entstehen durch zusätzliche, komplexe Schwingungsmuster der Stimmlippen und die Beteiligung weiterer Strukturen im Kehlkopfbereich. Je nachdem, wie hoch der Anteil klarer Töne oder bestimmter Zerrsounds ist, enthält die Stimme unterschiedliche Anteile dieser verschiedenen Schwingungsmuster. Meist bleibt bei Fry oder False Chord Screams ein tonaler Anteil, also einer regelmäßigen Schwingung. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass eine ganzheitliche Ausbildung des Stimmapparats sinnvoll ist, um alle Anteile der Stimme gut im Griff zu haben. Das wichtigste Grundprinzip ist dabei laut Britta Goertz die Ökonomisierung der Stimme. Die Fähigkeit, einzelne Muskelgruppen getrennt voneinander anzusteuern, Atemführung und Atemstütze zu kontrollieren und den Zungenmuskel bewusst einzusetzen, bildet die Grundlage dafür, Stimmstörungen zu vermeiden.
„Wenn du mich fragst, passieren die meisten Stimmstörungen im Gesang jeder Art durch eine nicht ausbalancierte Atemführung. Deswegen lege ich da sehr, sehr großen Wert drauf. Die Klarstimme offenbart das noch eher als die Geräuschstimme, weil wir bei der Geräuschstimme manchmal nicht wissen, ob die Stimme aus einer Not heraus klingt, wie sie klingt, oder aus einer bestimmten Muskeleinstellung. Was davon der Fall ist, offenbart sich insbesondere in der leisen Kopfstimme, weswegen diese bei mir Bestandteil jeder Unterrichtsstunde ist. Ich selbst habe das jahrelang vernachlässigt. Seit ich meine Kopfstimme zum Ausgleich immer reguliere und auch wirklich mal in die ganz feinen Spannungen reingehe, profitiert die Agilität meiner Stimme enorm.“
Sind CVT oder Estill hilfreich für Harsh Vocals?
Die Complete Vocal Technique versteht den Stimmapparat als ganzheitliches, formbares Instrument. Verschiedene Klangqualitäten und stimmliche Einstellungen werden – anders als in der klassischen Gesangsschule – als gleichwertige Ausdrucksmöglichkeiten angesehen, anstatt von einem einzigen richtigen Ansatz auszugehen. Es gibt kein ästhetisches und technisches Idealbild, sondern verschiedene Arten, um verschiedene Klänge zu erzeugen. Dementsprechend das Konzept von CVT eine gute Basis, um unterschiedliche Aspekte der Stimme zu erkunden.
„Wer Deathcore singen will, kommt zum Beispiel einfach nicht besonders weit damit, eine hohe Kehlstellung zu vermeiden. Das findet man in der Klassik nicht, braucht man aber unbedingt, um besonders krasse Sounds zu machen. Das sehe ich bei CVT eher abgedeckt als im Gesangsunterricht, den ich früher hatte. Für mich zählt bloß Ökonomie, alles andere ist mir egal. Wenn ein Schüler einen Sound gut findet, der mir nicht gefällt, dann tue ich trotzdem alles dafür, dass er genau das ökonomisch tun kann.“

Von Klassik bis Heavy Metal. Erfahre in diesem Artikel, was die Complete Vocal Technique so besonders macht.
Wie lernt man Pitched Screams?
Vor allem in den letzten zehn Jahren sind die sogenannten Pitched Screams im Metal sehr populär geworden. Ein Pitched Scream ist ein Schrei, bei dem man den oben erwähnten tonalen Anteil bewusst in den Sound mit aufnimmt und steuert, sodass man Melodien schreien kann. Die Mischung dieser verschiedenen Schwingungen kann jedoch sehr herausfordernd sein, gerade wenn man bisher nur eine der beiden stimmlichen Facetten beherrscht. Der Weg dorthin ist nach dem Ansatz von Britta Goertz jedoch nicht unbedingt kompliziert.
„Wenn Übergänge von der ganz klaren in die komplette Geräuschstimme erlernt werden sollen, gehe ich folgendermaßen vor: Erst wird der eine Sound erzeugt und nach einer Atempause dann der andere. Danach versucht man, den Wechsel immer schneller zu machen. Manchmal kommt es dann zu einem unsauberen Übergang, in dem Zwischenschwingungen entstehen. Das ist dann genau das, woraus man den Pitched Scream kultivieren kann, das kann man fast so wie einen Schieberegler betrachten.“
Wie wichtig ist Sport für Harsh Vocals?
Als Sänger*in ist der eigene Körper das Instrument. Das eine bessere körperliche Gesundheit dem Singen und Schreien zugutekommt, ist demnach nicht von der Hand zu weisen. In Anbetracht des aktuellen Fitnesstrends haben sich die verschiedensten Arten der körperlichen Ertüchtigung etabliert – vom Krafttraining über Ausdauer bis hin zu Yoga und Stretching hat jeder*r seine ganz eigene Trainingsphilosophie. Welchen Sport sollte man aber treiben, um seiner Stimme etwas Gutes zu tun? Im Grunde geht es hier darum, eine Grundlage an Ausdauer, Kraft und Beweglichkeit zu schaffen und aufrechtzuerhalten, um der sehr körperlichen Performance auf dem Metal-, Rock- oder Punk-Konzert gewachsen zu sein. Gerade, wenn man im Alltag eine dauersitzende Tätigkeit ausübt, sollte man zur Optimierung der stimmlichen Belastbarkeit dringend über Sport nachdenken.
„Ich gehe mehrmals in der Woche ins Fitnessstudio, um Beweglichkeit und Muskulatur aufrechtzuerhalten. Ich vermeide schwere Bauchmuskelübungen am Tag vor der Show, weil die Feinmotorik in der Atemstütze darunter leidet. Wenn ich in drei oder vier Wochen auf Tour gehe, dann fange ich spätestens zwei Wochen vorher damit an, mein Training mehr auf Ausdauer als auf Kraft auszulegen – also mehr Wiederholungen mit weniger Gewicht.“
„Was Ich außerdem oft empfehle, ist am Zungenmuskel zu arbeiten, denn das ist ein starker Muskel, der schnell interveniert. Die Zunge vor dem Auftritt zu dehnen lohnt sich auf jeden Fall. Einfach mit einem Stofftaschentuch greifen und rausziehen! Und wer chronische Probleme mit Verspannung im Rücken, Nacken und Kieferbereich hat, dem würde Ich empfehlen, zu einem Sportmediziner zu gehen, oder sich mit dem Stresspensum zu beschäftigen, anstatt Schmerzpillen zu schlucken.“

Wie Singen während der Bühnenperformance nicht zur körperlichen Grenzerfahrung wird.
Warum ist Gruppencoaching für Harsh Vocals sinnvoll?
Neben Einzelstunden und Vorträgen bietet Britta Goertz auch Gruppenkurse an. Die Vorstellung einer Gruppenstunde im Schreien ist vielleicht erst einmal etwas eigenwillig, bewährt sich in der Praxis aber gerade für Anfänger*innen. Sie erlangen so ein Grundverständnis für die Stimme und bauen Ängste ab. Sogar auf großen Festivals wie Summer Breeze, Rock am Ring und Metal Frenzy wurden diese Kurse schon angeboten. Auch Firmen und ein Dark A-capella-Chor aus Berlin haben das Angebot bereits in Anspruch genommen.
„Im Schutz einer Gruppe gemeinsam komische Geräusche zu machen, fällt vielen leichter. Das sind meistes zwischen 12 und 15 Leute, damit ich auch auf einzelne eingehen kann. Ich versuche in den Kursen in viele Themen einfach mal reinzuschauen und Angebote zu machen, sodass jeder vielleicht für sich rausfindet, wo man den Einstieg findet. Es ist nämlich völlig egal, wo man beginnt. Ich versuche sozusagen den Weg zu ebnen und einzugreifen, wenn jemand etwas total Unökonomisches macht. In diesem Rahmen fühlen sich die Leute ein bisschen sicherer mit ihrem Start in die Thematik.“
Worauf muss man bei der Online-Recherche zu Harsh Vocals achten?
Die große Mehrheit der Anfänger*innen recherchiert auf YouTube, um sich erstmal einen Überblick über technische Basics und Sounds zu verschaffen. Doch wie bei so vielen Themenbereichen ist das auf YouTube vermittelte Wissen gerade für Anfänger*innen schwer zu überprüfen. Vor allem die Bezeichnung der verwendeten Techniken ist oft nicht einheitlich – nicht einmal innerhalb eines Videos.
„Vor allem die Begriffe Hybrid- und Fry-Scream haben sich in den letzten zehn Jahren stark verändert. Ältere Videos ordnen die Techniken oft anders ein, weil sich die Forschung und das Wissen in letzter Zeit so stark entwickelt hat. Außerdem ist es bis heute so, dass Leute da etwas vormachen und dann was völlig anderes erklären – und ich denke auch überhaupt nicht, dass da eine schlechte Intention dahinter steckt. Viele glauben zum Beispiel, sie machen einen Fry-Scream und erklären ihn auch so, demonstrieren dann aber einen False Chord Scream. Es gibt auch einen, der singt nur Fry Scream und sagt dann, er mache False Chord, obwohl es nur dunkel und tief gesungen ist. Mir ist das aber total egal. Ich würde immer empfehlen, sich die Sounds anzuhören und einfach danach entscheiden, was man imitieren will. Und dann eben so schnell wie möglich ins Tun kommen, ohne in Analysis Paralysis zu verfallen.“
„Außerdem empfehle ich gerne, Leuten zu folgen, die ihren eigenen Lernprozess online dokumentieren. Ich habe viele Schüler, die schon fast einen Fry Scream machen, aber gar nicht wissen, wie nah sie dran sind, weil es noch total merkwürdig klingt. Wenn man dann Leute dabei beobachtet, die ein kleines bisschen weiter sind als man selbst, und nachvollziehen kann, wie sie dorthin gekommen sind, kann man den eigenen Fortschritt besser einordnen, und das hilft vielen.“

Um euch vielleicht die ein oder andere verzweifelte Suchanfrage zu sparen, zeige ich euch vier YouTuber/innen, die mir als Sänger ernsthaft und nachhaltig mit meiner Stimme weitergeholfen haben.
Wer sich für Metal Vocals interessiert, sollte sich mit den Gesängen der Mongolei beschäftigen
Der Geheimtipp unserer Expertin: traditionelle mongolische Gesänge!
„Ich würde jedem empfehlen, sich mit den Gesängen der Mongolei zu beschäftigen – und zwar nicht nur mit dem Kagira, sondern auch mit dem Shigit und allem, was dazugehört. Da findet man alles im Klargesang, also alle Strukturen, die wir im Metal in den Harsh Vocals machen, bestens beschrieben, erforscht und vermittelbar. Die ganzen Pendants zu unseren Techniken dort zu suchen kann sehr hilfreich sein, gerade für den Fry-Scream. Meist wird das ja für den False Chord herangezogen, aber diese enge Kehlstellung aus dem Throat Singing ist eigentlich genau das, was den meisten Leuten zum Fry Scream fehlt.“
Rapid Fire Fragerunde
Welche Mikrofone eignen sich am besten Harsh Vocals?
„Für die Bühne kann man es, glaube ich, nicht generalisieren. Ich würde sagen, dass das berühmte Shure SM7B für Harsh Vocals im Studio sehr gut geeignet ist, weil es sehr viel vergibt, auch wenn es etwas mumpfig ist und sehr bezahlbar ist.
Und für Live, aber natürlich auch fürs Studio, empfehle ich meinen Schülern darauf zu achten, welche Frequenzen sie in ihrer Stimme mögen, welche sie weniger mögen und dann ein Mikrofon zu kaufen, das die Frequenzen, die man mag, betont, und die einem weniger gefallen, absenkt. Das ist natürlich sehr individuell. Ich singe live zum Beispiel gerne mit einer Superniere, das ist aber nicht für jeden etwas.“
Der Unterschied zwischen Fry und False Chord?
Beide Techniken erzeugen Verzerrungen durch zusätzliche Schwingungsanteile. Das tun sie im False Chord unterspannt und in der Regel leicht geöffnet. Im Fry Scream tun sie das in der Regel geschlossen und in der Stimmlippenmitte.
Der nervigste Mythos über Harsh Vocals? Abgesehen von der Behauptung, dass sie die Stimme kaputt machen?
Dass es laut sein muss.
Deine Lieblings– oder auch die besten Harsh Vocalists?
Joe von Gojira und, ich glaube Sally heißt er, von Paleface Swiss. Beides sehr raw und echt.
Die wichtigsten Tools, wenn doch mal die Heiserkeit kickt?
Salzwasser Kaltvernebler und zehn Stunden Schlaf.
Deine fünf wichtigsten Warm-up-Übungen?
Leise Kopfstimme, Riffs and Runs, Lip Rolls, Untertongesang, Obertongesang und Pufferfisch.
Neugierig geworden? Auf harsh-vocal-school.de kannst du deine erste Coaching-Stunde bei Britta buchen und auf harsh-vocal-camp.de kannst du dich über das exklusive mehrtägige Event zum Thema Harsh Vocals mit Workshops, Catering und vielem mehr informieren!
FAQ
Wie lernt man Harsh Vocals als Anfänger richtig?
Am besten ist eine Kombination aus Praxis, gezieltem Üben und Grundlagenwissen. Viele lernen autodidaktisch, aber Coaching und strukturierte Übungen können den Lernprozess beschleunigen. Der häufigste Fehler ist zu viel Theorie und zu wenig Praxis. Die meisten Fortschritte entstehen durch regelmäßiges Ausprobieren und Anwenden.
Sind Harsh Vocals schädlich für die Stimme?
Nein, korrekt ausgeführte Harsh Vocals sind nicht grundsätzlich schädlicher als klassischer Gesang oder Pop-Gesang. Saubere Atemführung, ökonomische Stimmnutzung, ausreichende Regeneration und gutes Aufwärmen der Stimme sind bei jeder Stimmnutzung entscheidend.
Wie lange dauert es, Harsh Vocals zu lernen?
Die Lernzeit hängt von der individuellen Veranlagung, Übungsfrequenz und dem gewünschten Sound ab. Erste False-Chord-Sounds sind oft innerhalb weniger Minuten oder Stunden möglich, kontrollierte False-Chord-Screams nach ein paar Monaten, Fry Streams dauern meist länger. Ganze Songs sicher zu performen kann sechs bis zwölf Monate dauern.
Welche Übungen und Techniken sind für Harsh Vocals besonders wichtig?
Die Grundlage jeder Harsh-Vocal-Technik ist eine gut trainierte Stimme. Deshalb profitieren Metal-Sänger:innen oft auch von klassischen Gesangsübungen, zum Beispiel:
- Atemstütze und Atemkontrolle
- Kopfstimmen-Übungen
- Lip Rolls
- Lockerung von Kiefer, Nacken und Zunge
- Ausdauertraining für längere Performances
Was ist der Unterschied zwischen Fry Scream und False Chord Scream?
Beide Techniken beruhen darauf, dass die Stimmlippen irregulär schwingen. Der False Chord Scream basiert auf einem eher grollenden, kräftigen Klang und ist für viele Anfänger*innen leichter zugänglich. Beim False Chord schwingen die Stimmlippen unterspannt und leicht geöffnet. Der Fry Scream klingt meist schärfer, aggressiver und höher. Die Technik erfordert häufig mehr Feingefühl und eine präzisere Kontrolle der Stimmlippen. Im Fry Scream schwingen die Stimmlippen in der Regel geschlossen und in der Stimmlippenmitte.
























