Im Jahre 1982 veröffentlichten Iron Maiden ihr drittes Studioalbum mit dem Titel „Number Of The Beast“ zusammen mit dem gleichnamigen Song, welcher auch als zweite Single-Auskopplung ausgewählt wurde. Mit dem Titel, welcher sich auf die Zahl „666“ bezieht (auch bekannt als die Zahl des Teufels), löste die Band einige Protestbewegungen unter christlichen Gruppierungen in den Vereinigten Staaten aus. Diese Kontroversen, welche sogar in organisierten Plattenverbrennungen gipfelten, brachten der Band letztlich aber nur mehr Publicity ein.

Melodische Racktoms und donnernde Floortoms
Allen, die meinen letzten Workshop zum Iron Maiden-Klassiker “Run To The Hills“ schon gelesen haben, sei versichert: Alles, was ich dort zu Clive Burr’s Sound geschrieben habe, trifft auch hier zu.
Clive’s Drums klingen groß und mächtig. Die Bassdrum hat einen kräftigen, trockenen Attack, die Snare klingt tief und warm und hat ebenfalls einen durchsetzungsstarken Punch. Die Toms entwickeln einen deutlichen Attack, während die Racktoms mit ihrer etwas höheren Stimmung eher melodisch klingen und die Standtoms für die donnernden, tiefen Akzente zuständig sind.
Nach den einleitenden Worten des englischen Schauspielers Barry Clayton startet der Song mit dem unverkennbaren Gitarrenriff – erstmal ohne die Drums. Sänger Bruce Dickinson leitet den ersten Verse ein und Clive Burr kommt ab der Hälfte mit der Hi-Hat dazu. Burr spielt hier durchgehende Achtelnoten auf der geschlossenen Hi-Hat und akzentuiert die Schwerpunkte des Gitarrenriffs mit einem Flam. Auch auffällig sind die wechselnden Taktarten zwischen 6/4tel- und 4/4tel-Takt.

Anschließend geht es dann in ein brachiales Interlude, welches vor allem für Dickinson’s markerschütternden, langen Schrei bekannt ist. Dickinson selber berichtet dazu, dass er diesen Schrei aus Frust ausgestoßen hat, weil er den ersten Verse so häufig einsingen musste, dass er dabei die Geduld verlor.
Die Band spielt hier immer vier Achtelakzente, gefolgt von einem großen Akzent. Burr spielt die Achtelakzente auf den Toms und setzt den großen Akzent im Anschluss mit Bassdrum und Becken. Das alles passiert über wechselnden Taktarten – hier solltet ihr gut mitzählen, um nicht die Orientierung zu verlieren.

Clive Burr’s Ghostnotes treiben den Groove voran
Nach einem kurzen Snare-Fill geht es dann in den zweiten Verse, welcher jetzt komplett mit einem 4/4tel-Takt auskommt. Burr spielt hier einen zackigen Realtime-Groove mit einer halb offenen Hi-Hat. Nach jedem Snare-Akzent setzt er noch eine leisere Snare-Note, indem er den Stick zurückfedern lässt. In Kombination mit den zwei Bassdrums davor entsteht so ein durchgängiger Achtel-Rhythmus zwischen Bassdrum und Snare, welcher den Song ordentlich antreibt.
In jedem zweiten Takt zieht Burr den zweiten Snare-Akzent um eine Achtel vor auf die „3+“, was den ansonsten kräftig durchrollenden Groove ein wenig auflockert.

Im Chorus betont Burr die Gitarrenakzente auf „4+“ mit Bassdrum und Crash. Zusätzlich spielt er immer zwei Snareschläge, um die Akzente einzuleiten.

Im Gitarrensolo bleibt Burr bei dem rollenden Groove aus Verse und Chorus. Die Band betont hier aber nur die „4+“ in jeden zweiten Takt. Die zwei Snareschläge vor der Akzentuierung spielt Burr auch hier – er verlagert sie aber auch immer wieder auf ein Racktom.

Nach einem kurzen Interlude, in welchem Burr wieder mit den Toms die Gitarren betont, geht es in die zweite Phase des Gitarrensolos. Die Band betont jetzt wieder jede „4+“ wie im Chorus. In jeden vierten Takt wird zusätzlich die „2+“ betont. Burr spielt die Akzente wie gehabt mit Bassdrum und Crash.

Burr’s Begleitung ist auch über ungerade Takte straight und songdienlich
Im letzten Verse hat die Band dann nochmal eine Überraschung parat. Jetzt wird exakt das Gitarrenriff aus dem ersten Verse gespielt, in welchem sich 6/4tel-Takt und 4/4tel-Takt abwechseln. Burr spielt hier wieder den rollenden Realtime-Groove aus dem zweiten Verse, passt diesen aber auf die sich wechselnden Taktarten an.
Der vorgezogene Snare-Akzent, welcher im zweiten Verse immer alle zwei Takte auf der „3+“ stattfand, wird hier auch wieder gespielt. Jetzt sitzt er im 6/4tel-Takt auf der „3+“. Gerade an dieser Stelle solltet ihr gut auf die Gitarren hören, welche mit ihrem markanten Riffing den wichtigsten Ankerpunkt für diesen Part bilden.

Falls ihr bei dieser Stelle die Orientierung verliert, habe ich einen Tipp für euch:
Versucht nicht, direkt nach den Noten zu spielen. Hört euch lieber das Gitarrenriff genau an und versucht, es mitzusingen. Wenn ihr das Riff singen könnt, sollte dieser letzte Verse auch kein Problem mehr darstellen.
Und das waren die Grooves von Iron Maiden’s “Number Of The Beast“. Schon bei dem Workshop zu “Run To The Hills“ vor einigen Wochen ist mir aufgefallen, dass man die älteren Songs der Band mit Clive Burr an den Drums niemals unterschätzen sollte. Wo es bei “Run To The Hills“ noch die schnellen 16tel-Hi-Hats waren, welche durchaus fordern können, sind es bei “Number Of The Beast“ die teilweise verschachtelten Taktarten, welche ihr sorgfältig kennenlernen solltet, bevor ihr euch ans Drumset setzt, um diesen Song nachzuspielen.
Ich wünsche euch viel Spaß beim Üben!!

