Die Beatles gewinnen Oscar: Keiner wollte ihn abholen

Dass eine Band, die so viel Musikgeschichte mitgeschrieben hat lediglich einen Oscar erhält, grenzt beinahe an ein Wunder. Dass die Beatles ihn scheinbar nicht einmal haben wollten, kam folgendermaßen zustande.

Quincy Jones hat bei der Oscarverleihung 1971 eigentlich seinen festen Platz: vor dem Orchester. Doch als Glen Campbell den Gewinner in der Kategorie „Best Music (Original Song Score)“ verkündet, muss der Dirigent seinen Taktstock beiseitelegen. Ausgerechnet für ihr Werk Let It Be werden die Beatles nun noch mit einem Oscar ausgezeichnet.
Nur ist leider kein einziger Beatle im Saal. Also nimmt Jones den Oscar kurzerhand selbst entgegen.

Ein Oscar für das Ende der Beatles

Ausgerechnet Let It Be beschert den Beatles ihren einzigen Oscar. Michael Lindsay-Hoggs Film begleitet John Lennon, Paul McCartney, George Harrison und Ringo Starr im Januar 1969 bei den Proben und Aufnahmen. Am Ende spielen die vier ihr berühmtes Konzert auf dem Dach des Apple-Gebäudes. Und Das ohne zu wissen, dass es ihr letzter öffentlicher Auftritt sein würde.

Eigentlich sollte Let It Be zeigen, wie die Beatles gemeinsam zu ihren musikalischen Wurzeln zurückfinden. Vor der Kamera wird jedoch schnell deutlich, dass es innerhalb der Band längst kriselt. Als der Film im Mai 1970 ins Kino kommt, hat Paul McCartney die Trennung gerade öffentlich gemacht. John Lennon hatte seinen Kollegen sogar schon Monate zuvor erklärt, dass er aussteigen wolle.

Trotzdem werden die vier im April 1971 noch einmal gemeinsam ausgezeichnet: Let It Be gewinnt einen Oscar. Auf eine letzte Beatles-Reunion bei der Verleihung wartet das Publikum allerdings vergeblich. John, Paul, George und Ringo bleiben allesamt zu Hause.

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Selbst Paul McCartney sagte ab

Besonders kurios: Paul McCartney soll sich zur Zeit der Verleihung sogar in Los Angeles aufgehalten haben. Quincy Jones versuchte nach eigener Aussage, ihn zur Teilnahme zu überreden. McCartney ließ sich jedoch nicht umstimmen. Auch Lennon, Harrison und Starr blieben der Gala fern.

So wurde aus Jones, der an diesem Abend erstmals das Oscar-Orchester leitete, plötzlich der Vertreter der berühmtesten Band der Welt. Nach einer kurzen Dankesrede machte er sich direkt wieder auf den Weg zurück zu seinem Orchester. Die Academy führt offiziell die Beatles als Gewinner und vermerkt, dass Jones den Preis stellvertretend entgegennahm.

John Lennons Oscar landete im Bankschließfach

Damit war die Geschichte der Auszeichnung noch nicht beendet. Zumindest John Lennons Exemplar tauchte Jahre später wieder auf. Die Statuette war bei einer Charity-Auktion für gerade einmal 600 Dollar verkauft worden und verschwand anschließend in einem Bankschließfach.

1992 sollte der Oscar erneut unter den Hammer kommen. Diesmal rechnete der Händler laut der Los Angeles Times mit mindestens 100.000 Dollar.

Damit wurde der Preis, für den Lennon 1971 nicht einmal zur Verleihung erschienen war, Jahrzehnte später selbst zum begehrten Sammlerstück.

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