Die Musikgeschichte ist voll von tragischen Todesfällen, bei denen Musikerinnen und Musiker viel zu früh aus dem Leben gerissen und erfolgreiche oder vielversprechende Karrieren abrupt beendet wurden. Berühmt-berüchtigt ist beispielsweise der „27 Club“ – eine Liste namhafter Artists, die uns im zarten Alter von gerade einmal 27 Jahren für immer verlassen haben. Derartige Schicksalsschläge finden sich leider auch in der Bassszene. Heute möchten wir an zehn berühmte Bassisten erinnern, die viel zu früh von uns gehen mussten und deren künstlerisches Potenzial alles andere als ausgeschöpft war. Was hätten uns diese Bassleute wohl noch für inspirierende Musik geschenkt, die möglicherweise nachfolgende Generationen maßgeblich beeinflusst hätte?

Welche Bassisten starben viel zu früh?
Selbstverständlich kann eine Liste wie diese niemals vollständig sein, da es (leider) deutlich mehr als zehn zu früh verstorbene Bassisten gibt. Darüber hinaus ist natürlich die Definition von „zu früh“ schwierig – und somit auch eine entsprechende Auswahl. Insofern ist meine Liste für diesen Artikel rein subjektiv und der eine oder andere Lieblingsbassist von euch mag darauf fehlen. Ich bitte gleich zu Beginn, dies zu entschuldigen!
▶ Jaco Pastorius (1. Dezember 1951 – 21. September 1987)
Vergleichbar zu Jimi Hendrix an der Gitarre war Jaco Pastorius nicht nur ein Musikgenie, sondern vermutlich der größte Innovator am E-Bass, den diese Welt jemals erleben durfte. Er stieß unzählige Türen für die nachfolgenden Generationen auf und machte deutlich, was auf dem noch recht jungen E-Bass machbar ist.
Leider wurde Jaco Pastorius aber auch von persönlichen Dämonen geplagt: Erst relativ spät wurde bei ihm eine bipolare Störung diagnostiziert, welche zu seiner Zeit noch lange nicht so gut behandelbar war als heute. Darüber hinaus weigerte sich Jaco, helfende Medikamente einzunehmen, da die damit zusammenhängenden Nebenwirkungen sein Spiel beeinträchtigten. Erschwerend kam hinzu, dass der Bassist über viele Jahre große Mengen an Alkohol und Drogen konsumierte.
All dies führte immer häufiger zu unvorhersehbarem problematischen Verhalten – sowohl im beruflichen wie auch im privaten Bereich. In der Folge endete Jaco leider in der Obdachlosigkeit und geriet immer wieder in ernste Schwierigkeiten. Nachdem er von einem Santana-Konzert wegen Randalierens verwiesen wurde, legte er sich mit einem kampfsporterfahrenen Türsteher des „Midnight Bottle Club“ in Broward / Florida an. Jaco Pastorius wurde bei dieser Auseinandersetzung so stark am Kopf verletzt, dass er in ein Koma fiel, aus welchem er nicht mehr erwachte. Nach neun Tagen verstarb der geniale Musiker am 21. September 1987 im Alter von nur 35 Jahren..
▶ Cliff Burton (10. Februar 1962 – 27. September 1986)
Metallica hatten just ihre ersten drei wegweisenden und Genre-definierenden Alben „Kill Em All“, „Ride The Lightning“ und „Master Of Puppets“ veröffentlicht und befanden sich auf einem wahrlich kometenhaften Aufstieg. Ihr Bassist Cliff Burton galt als neuer „Metal-Bassgott“ und erweiterte mit seinem klassischen Hintergrund die Palette des Genres massiv.
Cliff nutzte nicht nur diverse Spieltechniken, sondern ging aufgrund seiner Fähigkeiten am Piano den E-Bass mit einem ganz neuen und frischen Ansatz an. Im Herbst 1986 waren Metallica auf Europa-Tournee. Auf dem Weg von Stockholm nach Kopenhagen verlor der Fahrer des Tourbusses die Kontrolle über das Fahrzeug. Der Bus stürzte auf die Seite, woraufhin Cliff aus einem Fenster geschleudert und unter dem Fahrzeug begraben wurde. Cliff Burton wurde nur 24 Jahre alt, beeinflusst aber bis heute Generationen an Metal-Bassistinnen und Bassisten.
▶ James Jamerson (29. Januar 1936 – 2. August 1983)
Noch vor Jaco Pastorius war James Jamerson der wohl erste wirkliche E-Bass-Pionier. Ohne echte Vorbilder – dafür war das Instrument noch viel zu jung – haben zu können, entwarf Jamerson einen ureigenen Stil auf dem E-Bass und prägte den Sound des Plattenlabels „Motown Records“ sowie die gesamte Soul-Musik der 60er-Jahre. Seine bassistische DNA dürfte heutzutage in nahezu Bassleuten jeglicher Genres verankert sein!
Nachdem James Jamerson lange Zeit der „first call“-Bassist in der Studioszene Detroits war und sich bis Ende der 60er-Jahre vor Arbeit kaum retten konnte, wendete sich in den Jahren danach langsam aber sicher das Blatt: Andere Genres wurden populärer, die Studio-Bassjobs weniger, und Jamersons Verhalten wurde durch starken Alkohol-Missbrauch zusehends problematischer, was sich auch in seinem Spiel niederschlug.
Auch ein Umzug nach Los Angeles vermochte leider nicht den gewünschten Aufschwung zu geben. Jamersons langjährige Alkoholsucht führten letztlich zu einer Leberzirrhose, deren Folgen ihn immer wieder zu Pausen und Krankenhausaufenthalten zwangen. Im Sommer 1983 wurde James Jamerson mit einer Lungenentzündung ins Krankenhaus eingeliefert, wo er am 2. August an Herzversagen starb – er wurde leider nur 47 Jahre alt.
▶ Bernard Edwards (31. Oktober 1952 – 18. April 1996)
Was haben Chic, Sister Sledge, Diana Ross und viele andere gemeinsam? Richtig: Bernard „Bernie“ Edwards , der „King Of Disco Bass“, veredelte ihre Hits mit seinen melodisch und rhythmisch prägenden Basslines. Und nicht nur das: Gemeinsam mit Gitarrist Nile Rodgers schrieb Edwards auch einen Großteil der Songs und produzierte darüber hinaus auch die meisten Alben der besagten Artists.
Nach der großen Disco-Welle in den 70ern bzw. Anfang der 80er-Jahre wurde es etwas ruhiger um Bernard Edwards. Dies lag auch daran, dass er sich mit seinem einstigen Kumpel Nile Rodgers überworfen hatte. Anfang der 90er-Jahre besann man sich zum Glück eines Besseren und veröffentlichte ein neues Chic-Album.
Kurz vor einem Auftritt am 17. April 1996 in der „Budokan Arena“ in Tokio erkrankte Bernard. Gegen den Rate der Ärzte ging er aber auf die Bühne, wobei er sogar von Kollegen gestützt werden musste. Völlig erschöpft zog er sich anschließend ins Hotel zurück, wo er am nächsten Morgen von Nile Rodgers tot aufgefunden wurde. Als Todesursache wurde eine schwere Lungenentzündung diagnostiziert, die Bernards Leben mit nur 45 Jahren jäh beendete.
▶ Louis Johnson (13. April 1955 – 21. Mai 2015)
Nicht ganz so früh – aber immer noch viel zu früh – verstarb Louis „Thunder Thumbs“ Johnson. Johnson war einer der ganz großen Pioniere der Slaptechnik und einer der gefragtesten Session Bassisten der 70er- und 80er-Jahre. Seine bekanntesten Auftraggeber waren fraglos Produzent Quincy Jones sowie Megastar Michael Jackson, deren Alben Louis mit seinem Bassspiel maßgeblich prägte – man denke nur an die ikonische Bassline zu „Billie Jean“!
Legendär ist aber auch Louis Johnsons Lehrvideo, in dem er seine unglaublich energetische Slaptechnik demonstrierte. Zusammen mit seinen Bruder George war er auch unter dem Namen „The Brothers Johnson“ in den Charts vertreten und kommerziell erfolgreich. Mitte der 80er-Jahre und in den 90er-Jahren wurde es etwas ruhiger um Louis. In dieser Zeit konzentrierte er sich vermehrt auf die Weitergabe seines Wissens.
Leider trank Louis lange Zeit Alkohol im Übermaß, was unweigerlich Spuren hinterließ. Im Alter von 60 Jahren verstarb er am 21. Mai 2015 an einer Blutung der Speiseröhre – zumeist die Folge einer schweren Lebererkrankung.
▶ Victor Bailey (27. März 1960 – 11. November 2016)
Victor Bailey erlangte nach seinem Studium am renommierten „Berklee College of Music“ in Boston weltweite Bekanntheit, indem er von 1982 bis 1986 den legendären Jaco Pastorius bei Weather Report ersetzte. Zudem spielte er mit einer beeindruckenden Reihe verschiedener Artists aus der internationalen Jazz- und Popszene, darunter Madonna, Steps Ahead oder Mary J. Blige. Auch Victors Soloalben (z. B. „Bottom’s Up“ von 1989) fanden große Beachtung.
Schon früh brach bei ihm die Charcot-Marie-Tooth-Krankheit aus, unter der auch sein Vater gelitten hatte, und gegen welche er 25 Jahre lang kämpfte. Diese degenerative Muskelerkrankung verhindert, dass die Befehle des Gehirns über die Nerven an den Muskeln ankommen – die Muskeln verkümmern daher im Laufe der Zeit. Gegen Ende seines viel zu kurzen Lebens war Viktor zu schwach, um noch Bass zu spielen und zu unterrichten und saß im Rollstuhl. Er starb am 11. November 2016 im Alter von 56 Jahren.
▶ Mike Porcaro (29. Mai 1955 – 15. März 2015)
Mike Porcaro war bei Toto der logische Bass-Nachfolger von David Hungate. Die Brüder Jeff und Steve Porcaro waren Gründungsmitglieder der Band – mit dem dazu gestoßenen Mike wurde die Sache daher endgültig zur Familien-Angelegenheit der Porcaros. Zudem war Mike bereits zu Highschool-Zeiten mit Toto-Keyboarder und -Songwriter David Paich in einer Band.
Vor Toto hatte sich Mike bereits einen hervorragenden Ruf als Session Bassist erspielt. Mit Toto nahm er dann bis zum Jahr 2006 ganze 14 Alben auf und bestritt zahlreiche Welttourneen. Schon einige Zeit vor 2006 bemerkte Mike, dass etwas mit ihm nicht stimmte und er immer größere Probleme beim Bassspielen bekam. Schließlich wurde bei ihm die unheilbare Krankheit Amyotropher Lateralsklerose (ALS) diagnostiziert. Diese degenerative Erkrankung des motorischen Nervensystems führt schleichend, aber unweigerlich zum Tod. Mike Porcaro starb am 15. März 2015 im Alter von gerade einmal 59 Jahren.
▶ Peter Steele (4. Januar 1962 – 14. April 2010)
Der New Yorker Peter Steel war Sänger, Bassist und Songwriter der Metalbands Carnivore und Type O Negative. Er war schon länger für sein manisches Verhalten bekannt – oft lebensfreudig und humorvoll, dann wieder extrem depressiv. Seine „dunkle Seite“ ließ ihn leider auch immer wieder zu Alkohol und vor allem zu Kokain greifen.
Der jahrelange Missbrauch sollte nicht ohne Folgen bleiben: Auch wenn Peter Mitte der Nuller-Jahre eine Kehrtwende in seinem Leben vollführte, hatte er seinem Körper bereits erheblichen Schaden zugefügt. Peter Steele starb überraschend am 14. April 2010 im Alter von nur 48 Jahren, nachdem er sich mit einer vermeintlichen Grippe ins Bett gelegt hatte. Als Todesursache wurde letztlich jedoch eine Sepsis aufgrund von Darmproblemen festgestellt.
▶ Gary Thain (15. Mai 1948 – 8. Dezember 1975)
Dem Neuseeländer Gary Thain wurde das Talent bereits in die Wiege gelegt: Schon sehr früh entdeckte er die Musik für sich und gewann bereits mit 13 Jahren einen Gesangswettbewerb. Es folgten erste Bands, mit denen er mehrere Singles und Alben veröffentlichte.
1972 bekam er das Angebot, bei der britischen Rockband Uriah Heep einzusteigen. Mit dem ersten Album „Demons and Wizards“ gelang der Band der Durchbruch in den USA. Gary wurde ein wichtiger musikalischer Dreh- und Angelpunkt von Uriah Heep und war maßgeblich an den Songs der kommenden Alben beteiligt.
Am 15. September 1974 erlitt Gary Thain bei einem Konzert einen starken Stromschlag. Diesen überlebte er zwar, hatte aber in Folge immer wieder gesundheitliche Probleme inklusive Herzrhythmusstörungen. Die gesundheitlichen Probleme in Kombination mit seiner langjährigen Drogenabhängigkeit führten dazu, dass er Uriah Heep im Jahr verlassen musste. Am 8. Dezember desselben Jahres starb Gary im Alter von nur 27 Jahren unter nie restlos geklärten Umständen in seinem Londoner Haus.
▶ Sam Rivers (2. September 1977 – 18. Oktober 2025)
Sam Rivers aus Jacksonville, Florida, begann seine musikalische Karriere in der Schule an der Tuba. Auf Anraten seines Lehrers wechselte er zum Bass und sammelte erste Erfahrungen mit verschiedenen Bands. Um sein Taschengeld aufzubessern, arbeitete er in einem Fast-Food-Restaurant, wo er auf den Sänger und Rapper Fred Durst traf. Gemeinsam gründeten die Musiker die Nu-Metal-Band Limp Bizkit und avancierten zur Speerspitze dieses neuen Genres.
Leider entwickelte Sam über die Jahre eine ausgeprägte Alkoholsucht, die seine Leber so stark schädigte, dass er im Jahr 2017 sogar eine Transplantation benötigte. Doch auch in den Folgejahren hatte Sam mit weiteren gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Sam Rivers verstarb im Oktober 2025 durch einen Herzstillstand mit nur 48 Jahren.
Nicht nur E-Bassisten …
Soweit unsere Liste, die man leider noch lange hätte fortsetzen können. Wir haben uns an dieser Stelle ausschließlich auf E-Bassisten konzentriert; natürlich gibt es auch unerwartete Schicksalsschläge bei Kontrabassisten. Der Vollständigkeit halber hier zwei der bekanntesten Namen: Scott LaFaro war Bassist des legendären Bill Evans Trios und ein echter Innovator auf seinem Instrument. Leider war seine Karriere nur von kurzer Dauer, denn er verstarb bereits im Alter von 25 Jahren bei einem Autounfall – nur zwei Wochen nach den Aufnahmen zu den wegweisenden Alben „Sunday at the Village Vanguard“ und „Waltz for Debby“.
Als der Bebop-Bassist schlechthin galt Paul Chambers, der während seiner Karriere unter anderem mit Miles Davis, John Coltrane, Cannonball Adderley, Sonny Rollins, Wynton Kelly und vielen anderen spielte. Ein unglückliches Zusammenspiel von einer Tuberkulose-Erkrankung und seines Heroin- und Alkoholkonsums führten zu seinem frühen Tod mit nur 33 Jahren.
In diesem Sinne: Passt auf euch auf, bleibt gesund, und habt jeden Tag Spaß mit eurem Bass!
Thomas Meinlschmidt










