Test: Pearl Reference One Standard Set – überzeugt die Oberklasse?

Gut drei Jahre ist es her, dass die Firma Pearl Drums ihr komplettes Oberklasse-Sortiment überholt hat. Alle drei Masters Kits und die darüber positionierte Reference One Serie haben damals eine serienübergreifende Palette an Finishes und Gussreifen auf den Toms spendiert bekommen. Außerdem gab es mit dem R2Air-System eine neue Aufhängung samt dem allerersten Pearl L-Arm in der Firmengeschichte. Damit verbunden, sind die Preise auch spürbar nach oben gegangen. Heute checke ich ein vierteiliges Standard Set in Brooklyn Burst und versuche zu ergründen, ob der Sound zum Preisschild passt. 

Pearl Reference One Standard Set Test
Unser Fazit:
4,5 / 5
Pro
  • sehr gute Verarbeitung
  • voller und dynamischer Sound
  • viele Finish-Optionen
  • zwei Halter-Varianten
Contra
  • vergleichsweise hoher Preis
  • Floortom-Brackets nicht mehr so hochwertig

Pearl Reference One Standard Set – das Wichtigste in Kürze

  • Wo ist das Reference One im Pearl-Portfolio positioniert? Zwischen dem Masterworks Custom-Programm und den drei Masters-Sets: Masters Maple, Masters Maple Pure und Masters Maple Gum.
  • Welche Holzarten kommen beim Reference One zum Einsatz? Je nach Kesselgröße werden Maple, Birke und Mahagoni verbaut. Auch finden sich bei kleinen und größeren Trommeln unterschiedliche Gratungsformen.
  • Welches Zubehör gehört zum Set? Nur ein Dämpfungskissen und die Beine für das Standtom. Das heißt, man braucht zusätzliche Hardware, wie z.B. die Tomhalterungen. 
  • Was sagt der Test? Das Set überzeugt mit einem sehr vollen und dynamischen Ton und hohem Stimmumfang. Kritik gibt es am hohen Preis und dem Downgrade einzelner Anbauteile, insbesondere der Standtom-Brackets.

Worin unterscheidet sich das Reference One von den Pearl Masters Sets?

Vor allem bei der Kesselkonstruktion wird beim Reference One im Vergleich zu den Masters Sets noch mal eine ganze Schippe draufgelegt. Ansonsten ist der optisch größte Unterschied in den Spannböckchen zu finden. Beim Reference One sind Single Swivel Lugs mit starren Gewinden verbaut. Alle vier Serien sind durch die Bank mit Gussreifen auf den Toms ausgestattet. Hier hat Pearl also wesentlich vereinheitlicht. 

Das Standard Set in Brooklyn Burst hat eine 22“ x 16“ Bassdrum und ein 16“ x 16“ Standtom.
Das Standard Set in Brooklyn Burst hat eine 22“ x 16“ Bassdrum und ein 16“ x 16“ Standtom.

Die Kessel: Edles Erscheinungsbild trifft auf sehr gute Verarbeitung

Die sechslagigen Toms des Reference One sind 5,4 Millimeter stark, das Standtom und die Bassdrum kommen mit acht Lagen auf eine Wandstärke von 7,2 Millimetern. Das Besondere ist, dass Pearl beim Reference One drei Hölzer verbaut, die je nach Kesselgröße auch mit unterschiedlichen Gratungsformen kombiniert werden.

So hat das 10“ x 7“ Tom einen Mischkessel aus zwei Innenlagen Birke und vier Lagen Maple, das 12“ x 8“ hat einen reinen, sechslagigen Maplekessel. Beim 16“ x 16“ Standtom und bei der 22“ x 16“ Bassdrum werden zwei Lagen Maple mit sechs Lagen Mahagoni kombiniert.

Fotostrecke: 3 Bilder Durch die Resonanzfelle kann man die unterschiedlichen Hölzer bei den kleinen Toms sehen.

Ganz neu ist das Konzept mit den unterschiedlichen Hölzern allerdings nicht, denn es wurde vom Vorgänger, dem Reference Pure, quasi eins zu eins übernommen. Während die kleinen Toms eine von außen verrundete Gratung haben, sind die Fellauflagen beim Standtom und der 22“ x 16“ Bassdrum vollständig verrundet gestaltet. 

Unser Testset ist in der Farbe Brooklyn Burst lackiert, einer sehr gut gemachten Hochglanz-Verlaufslackierung, welche die Holzmaserung durchscheinen lässt. Im Inneren sind die Kessel fein geschliffen und geben auch optisch Auskunft über die unterschiedlichen Holzarten. Auch die Gratungen sind perfekt ausgeführt und alle Remo Ambassador-Felle liegen optimal auf und lassen sich sehr leicht stimmen. 

Die Bassdrum-Spannreifen sind passend zum Verlaufsfinish lackiert.
Die Bassdrum-Spannreifen sind passend zum Verlaufsfinish lackiert.

Ein Blick auf die Beschlagteile

Wie schon erwähnt, hat Pearl mit dem R2Air ein neues Aufhängesystem vorgestellt, das die Weiterentwicklung der Optimount-II-Halterung darstellt. Der Kunde hat bei der Bestellung des Sets die Wahl zwischen der Halterung für die altbewährten Pipestyle-Halter oder den neuen GyroLock L-Arm. Vom Anschaffungspreis machen beide Varianten keinen Unterschied, es gibt aber keine Tom-Arme zum Set dazu. Hier schlagen dann die L-Versionen im Einzelkauf etwas stärker zu Buche. 

Wie üblich finden sich an allen Trommeln Edelstahlstimmschrauben, die in den Single Swivel Lugs makellos laufen. Deutlich abgespeckt hat Pearl allerdings bei den Floortom-Brackets und auch etwas bei den Bassdrum-Beinen. Letztere haben zwar technisch (und größtenteils auch optisch) das bekannte Design übernommen, fühlen sich haptisch aber nicht mehr ganz so „unzerstörbar“ an. Noch stärker fällt es bei den Brackets des Standtoms und bei den Standtombeinen auf. Früher gab es hier glatte Beine mit Memory Locks und Brackets aus Messing. 

Fotostrecke: 4 Bilder Unser Set hat das R2Air-System mit den klassischen Tom-Armen.

In der aktuellen Version hat Pearl ein Design aus der Mittelklasse übernommen: Die Beine sind jetzt geriffelt und man muss sie in Percussion-ähnliche Klemmen in den Halterungen einfädeln. Auch wirkt das Bracket insgesamt viel günstiger gemacht. Es würde mich bei einem Set für 1200 Euro nicht so stören, bei einem Kit für knapp 4800 Euro wirkt es in meinen Augen etwas deplatziert. 


Das Reference One Standard in der Praxis 

Da alle Trommeln in separaten Kartons verpackt sind und auch schon alles fertig befellt ist, dauert es nicht allzu lange, bevor der Spielspaß beginnen kann. Für die Soundfiles habe ich das Set mit der 14“ x 6,5“ Reference Brass Snare kombiniert, zu der es einen separaten Test geben wird. Insgesamt war ich nach der Aufnahme-Session sehr erstaunt, wie viele Soundfiles ich in den zwei Tunings aufgenommen habe. Das ist allgemein ein Zeichen dafür, dass ein Instrument sehr inspirierend ist. 

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Die Kessel sprechen sehr leicht an, haben einen tollen Dynamikumfang und einen sehr ausgewogenen und runden Ton. Sie gehen jetzt nicht unbedingt in die Vintage-Ecke, dafür klingt es viel zu dynamisch und modern, aber das Set ist auch weit davon entfernt, spitz oder unausgewogen zu klingen. 

Passen gut zum runden Gesamtsound: die Coated Ambassador Felle.
Passen gut zum runden Gesamtsound: die Coated Ambassador Felle.

Die runden Gratungen „verheiraten“ sich sehr schön mit den einlagigen Fellen, so dass es auch ganz ohne Dämpfung einen sehr angenehm dosierten Ausklang und vollen Kesselton gibt. Offen gespielt, also nur mit gedämpfter Bassdrum, summen die Kessel sehr schön im Raum und machen einfach Spaß. Die Bassdrum hat untenrum in den Tiefbass-Lagen erstaunlich viel zu bieten. Wer jetzt ein Set mit besonders viel Projektion sucht, ist mit dem Masters Maple wahrscheinlich besser beraten. Aber das Reference One ist zweifellos ein sehr tolles und facettenreiches Instrument.

Serviervorschlag noch ohne Becken und mit zusätzlicher Hardware.
Serviervorschlag noch ohne Becken und mit zusätzlicher Hardware.
Audio Samples
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Tiefere Stimmung – Groove 1 Tiefere Stimmung – Groove 2 Tiefere Stimmung – solo Höhere Stimmung – 12/8 Höhere Stimmung – solo Höhere Stimmung – Groove mit Tomschlägen

Was sind die Alternativen zum Reference One Standard?

Neben den drei Pearl Masters Sets, die allerdings gar nicht so viel weniger kosten, gibt es seit letztem Jahr die sehr gut klingende, deutlich günstigere Sonor Momentum Serie mit drei Holzarten. Die Shellsets werden nur als Dreiteiler angeboten, es gibt aber zahlreiche Einzeltrommeln, allerdings wesentlich weniger Finish-Optionen als bei Pearl. Eine weitere Option ist das Yamaha Absolute Hybrid (Maple-Wenge) oder das Yamaha Recording Custom (Birch). Auch ein in Japan gebautes Tama Star Walnut ist günstiger als die Reference One Sets zu haben. 

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Fazit 

Mit dem Reference One bekommt man ein wirklich tolles Schlagzeug, das mit sehr runden und dynamischen Sounds, einer makellosen Verarbeitung und leichter Stimmbarkeit punktet. Auch die große Auswahl an Finishes und die zwei Tomhalter-Optionen sind positiv hervorzuheben.

Schade, dass Pearl bei vermeintlichen Kleinigkeiten wie den Floortom-Brackets deutlich gespart hat. Hier sollte der Hersteller noch einmal in sich gehen. Selbiges betrifft die sehr ambitionierte Preisgestaltung, die etwas unter DW, aber deutlich über allen sonstigen Mitbewerbern liegt. Wer es sich leisten kann, sollte das Reference One trotzdem mal anspielen.

Klingt toll, ist allerdings absolut kein Schnäppchen – das Pearl Reference One.
Klingt toll, ist allerdings absolut kein Schnäppchen – das Pearl Reference One.
Artikelbild
Reference One 22" 4pc Set #859
Für 4.799,00€ bei
  • Hersteller: Pearl
  • Herkunftsland: Taiwan
  • Bezeichnung: Reference ONE Standard
  • Farbe: Brooklyn Burst / Premium Finish (Lackierung)
  • Shellset bestehend aus
  • 22“ x 16“ Bassdrum
  • 10“ x 07“ & 12“ x 08“ Toms
  • 16“ x 16“ Standtom
  • Kesselmaterial: Schichtkessel aus Birke, Maple & Mahagoni
  • Wandstärken: 5,6mm (Tom) und 7,2mm (FT & BD)
  • Zubehör: drei Floortom-Beine, Stimmschlüssel, Bassdrum-Sticker, Dämpfungskissen
  • Hardware-Features:
  • Gussreifen, R2Air-Haltesystem, STL100 Lugs, Edelstahlstimmschrauben
  • Felle: Remo Ambassador, Powerstroke 3 (Bassdrum)
  • Besonderheit: mit Gyro-Lock L-Arm oder Pipe-Style Tomhalter bestellbar
  • Preis: (Verkaufspreis Juli 2026)
  • Reference One Standard Set (wie im Test beschrieben) EUR 4799,-

Herstellerseite: https://pearldrum.com/de

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Das Standard Set in Brooklyn Burst hat eine 22“ x 16“ Bassdrum und ein 16“ x 16“ Standtom.

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