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Nach „Maulkorberlass“: Alphaville lehnen Festival-Wiedereinladung ab

Erst flogen Alphaville wegen möglicher politischer Aussagen aus dem Line-up des Glücksgefühle-Festivals. Nach heftiger Kritik entschuldigte sich der Veranstalter und lud die Band kurzerhand wieder ein. Doch dafür ist es jetzt offenbar zu spät.

Ren Hekkonens, CC BY-SA 3.0 https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0, via Wikimedia Commons

Am Freitag sollten Alphaville eigentlich auf dem Glücksgefühle-Festival am Hockenheimring spielen. Dazu wird es nun endgültig nicht kommen. Nur zwei Tage vor dem geplanten Auftritt wurde die Band zunächst kurzfristig ausgeladen. Der Grund: Veranstalter Markus Krampe wollte auf der Festivalbühne keine politischen Themen oder Äußerungen dulden.

Für Sänger Marian Gold kam diese Vorgabe einem „Maulkorberlass“ gleich. In einem öffentlichen Statement sprach er von einem Angriff auf die Meinungs-, Rede- und Kunstfreiheit. Alphaville würden es nicht akzeptieren, wenn eine Band vor ihrem Auftritt praktisch versprechen müsse, unpolitisch zu bleiben.

Ganz überraschend kam der Konflikt allerdings nicht. Alphaville hatten in diesem Jahr bereits bei anderen Veranstaltungen desselben Unternehmens gespielt. Dort äußerte sich Gold auf der Bühne unter anderem gegen rechtsextreme Tendenzen und für Demokratie, Freiheit und Toleranz. Vor dem Glücksgefühle-Festival wollte der Veranstalter solche Aussagen offenbar komplett ausschließen. Eine Einigung mit der Band gab es nicht, also wurde der Auftritt abgesagt.

Veranstalter entschuldigt sich bei Alphaville

Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten. Fans und andere Artists stellten sich öffentlich hinter Alphaville. Auch Campino bezeichnete die Entscheidung bei einem Konzert der Toten Hosen in Münster als absurd. Marian Gold kam dort sogar als Überraschungsgast auf die Bühne.

Am Donnerstag dann die Kehrtwende: Festival-Chef Markus Krampe räumte ein, mit der Ausladung einen Fehler gemacht zu haben. Er entschuldigte sich und lud Alphaville wieder zum Festival ein. Mitveranstalter Lukas Podolski begrüßte die Entscheidung ebenfalls öffentlich.

Damit hätte die Geschichte noch mit einem Auftritt und ziemlich vielen „Good Vibes“ enden können. Alphaville entschieden sich jedoch dagegen. Die Band nahm die Entschuldigung zur Kenntnis, erklärte aber, dass durch die vorherigen Aussagen eine Atmosphäre entstanden sei, in der sie nicht mehr auftreten wolle. Die Gage für das ausgefallene Konzert soll nun an eine gemeinnützige Organisation gespendet werden.

Kann ein Musikfestival wirklich unpolitisch sein?

Der Veranstalter betonte zuvor, das Glücksgefühle-Festival sei grundsätzlich unpolitisch. Diese Regel gelte unabhängig davon, ob Aussagen von rechts, links oder aus einer anderen Richtung kämen. Die Bühne solle der Musik gehören und den Besuchern eine Pause vom Alltag bieten.

Das klingt erstmal einfach. Ist es aber nicht. Denn wo hört eine persönliche Haltung auf und wo beginnt Politik? Gerade bei einer Band, die mit ihren Songs seit Jahrzehnten Themen wie Freiheit und Menschlichkeit verbindet, lässt sich beides kaum sauber voneinander trennen.

Und ein Verbot politischer Aussagen ist am Ende eben auch eine politische Entscheidung. Das dürfte spätestens nach diesem Festival-Eklat wirklich allen klar geworden sein.

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