Unsere Geheimtipp-Reihe hat schon viele von euch begeistert, heute stelle ich ein Set vor, das sicherlich sehr gut dazu passen könnte: das Sonor „The Swinger“. Diese Sets tauchten ab Anfang der 1970er-Jahre im Katalog auf und waren ein Versuch, die nicht ganz so zahlungskräftige Kundschaft für ein Instrument aus dem Hause Sonor zu begeistern. Für den Preis eines komplett in Deutschland gefertigten Sonor Oberklasse-Sets konnte man damals fast schon einen neuen PKW kaufen. Es war also keine Ausgabe, die eine normale Familie mal so nebenbei tätigen konnte.

Mit den Budget-Serien Action, Ranger und dem Mittelklasse-Set „The Swinger“ versuchte Sonor – natürlich auch in Konkurrenz zu den immer stärker werdenden asiatischen Herstellern – Boden zu gewinnen.
Ich war vor dem Kauf in erster Linie vom Folienfinish „Rubinrot“ begeistert. Außerdem erwerbe ich gern mal Instrumente, die nicht unbedingt dem typischen Schlagzeug-Klischee entsprechen. Nachdem ich das Set jetzt knapp zwei Jahre im Einsatz habe, bin ich zu der Ansicht gekommen, dass gerade diese leichten Böckchen, in Kombination mit den Profilreifen aus Stahl für den luftigen Sound sorgen.

Was hat Rimmel mit 70er-Jahre Sonor Sets zu tun?
Auch wenn Sonor seinerzeit eine eigene Galvanik hatte und neben den Metallkesseln auch einen Großteil der Beschlagteile selbst fertigte, war man doch im Austausch mit anderen Herstellern (Stichwort: Hella-Hoops). Wie mir Fritz Steger verraten hat, war es die Firma Rimmel im Allgäu, die als eine der ersten in der Lage war, auch Kunststoff zu verchromen. Das war vor allem bei der Automobilindustrie sehr gefragt.
Rimmel lieferte die verchromten Spannböckchen mit dem Klöppel-Logo für die erste Generation der Swinger-Sets und bezog von Sonor im Gegenzug Holzkessel für ihre eigenen Drums. Auch die allseits bekannten Bassdrum-Metallreifen fertigte Rimmel für Sonor, und zwar auf einer Maschine, die für die Herstellung von Fahrradfelgen entwickelt wurde.

Für eine kurze Zeit gab es auch Swinger-Sets mit Sonor-Metallböckchen, diese gehören heute zu den gesuchtesten. Die dritte und letzte Generation hatte wieder Kunststoffböckchen, dieses Mal allerdings ohne Klöppel-Logo. Diese Böckchen wurden aus Taiwan bezogen.
Außerdem gab es zu allen Schlagzeug-Sets ein Hardwarepaket (ebenfalls Made in Taiwan) sowie eine 14“ x 5“ COB Metallsnare mit Doppelböckchen aus Plastik. Diese konnte ich aber noch nie persönlich anspielen.
Was sind die konkreten Herausforderungen bei so einem Sonor „The Swinger“ Set?
Für mich war es vor allem die, ein passendes Standtom zur 20“ x 14“ Bassdrum und dem 13“ x 9“ Tom zu finden. Da die „Rubinrot“-Folie nur auf Sonderbestellung erhältlich war, ist sie im Vergleich zu beispielsweise „Rot-Geschiefert“ nicht so oft zu finden. Nach einer Weile des Suchens habe ich dann bei ATTW Drums einen Teardrop-Kessel mit passenden Anbauteilen und Spannreifen zu einem sehr fairen Preis erworben. Auch wenn die Farben nicht matchen, stört mich das ehrlich gesagt nicht. Weil: Erstens ist es eh ein Player’s Kit und zweitens geht es mir um den Sound, und der ist einfach herrlich.
Doch bevor das volle Klangpotential sich entfalten konnte, mussten die Trommeln erst einmal ein Rundum-Wellness-Paket in der Klangmacherei absolvieren. Dort wurden die Folien gereinigt und die Kessel von Mic Scharf professionell aufgearbeitet.

Da die Buchenkessel quasi keine Gratung hatten, bekamen sie – nachdem sie zuerst plan gemacht wurden – verrundete Auflageflächen. Jetzt lassen sie sich super einfach stimmen und auch die Schlitzschrauben laufen schön gleichmäßig in den Gewinden.
Nur bei der Hardware, insbesondere der Bassdrum, sollte man andere Maßstäbe als an die später eingeführten, unverwüstlichen Sonor Gestängekonstruktionen ansetzen. So ist der Einzeltomhalter zwar recht leicht, aber auch etwas klapprig. Auch die zarten Bassdrumbeine habe ich mit einem Anker am Reso-Reifen unterstützt. Aber das gehört für mich auch zum Charme eines so eines alten Sets dazu.
Von STdrums habe ich zwei Schlitzschrauben für die Schlagfellseite erstanden, so passt mein modernes Pedal besser an den Spannreifen.

Fellbestückung und Tuning
Auch wenn der Trend bei vielen Profis weiterhin in Richtung tief und gedämpft geht, gern auch in Kombi mit der klickigen „Stadtfest-Bassdrum“… Ich stimme meine Trommeln generell auf Ton und habe es gern, wenn alles (kontrolliert) schwingt und auch eine gute Portion Rebound aus den Fellen zurückkommt. Auch für dynamisch facettenreiches Spiel sind höher gestimmte Kessel einfach besser und machen mehr Spaß.

So habe ich das Swinger rundherum mit einlagigen Fellen bestückt. Die ST-250C Asapura-Felle sind ideal für die Toms, die dampfgebogene RBH Solid Cherry Snare hat das Modell mit Dot auf der Unterseite aufgezogen. Auch beide Bassdrumfelle (Fiberskyn und Emad Clear) sind ohne Dämpfungsringe. So bekomme ich das Maximum an Ton heraus. Das Swinger ist nicht das allerlauteste Schlagzeug, Mit einem resonanten Tuning, das auf den Raum abgestimmt ist, hat es trotzdem eine schöne Präsenz.

Fazit
Insgesamt begeistert mich am Sonor „The Swinger“ der runde, luftige und resonante Ton der über 50 Jahre alten Buchenkessel, die sich zudem super leicht aufnehmen lassen. Mit etwas Hingabe beim Stimmen brauche ich – dank der runden Gratungen – auch so gut wie keine Dämpfung. Und mit etwas mehr Spannung auf den Fellen kommt auch der tolle Charakter hervor, der mich an die damalige Musik aus den späten 60ern und frühen 70ern erinnert, von der ich einfach Fan bin.























