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DIY Drum-Werkstatt – #2 Sonor Signature HLD 582 Snare Strainer

Sonor Signature — diese Trommeln aus den 1980er und 90er Jahren treiben so manchem Sammler Tränen der Ehrfurcht in die Augen. Sonor’s Firmenchef Horst Link wollte mit dem Signature das ultimative Schlagzeug bauen und die Messlatte im damaligen Schlagzeugbau ein gutes Stück nach oben setzen. 

Die Sonor Signature Snare … ein wahrlich himmlisches Instrument! Alle Bilder: Herbert Heim für bonedo

In der Tat sind gerade auch die Signature Snaredrums vorzügliche Instrumente, die in puncto Material- und Verarbeitungsqualität sowie Fertigungsgenauigket kaum zu übertreffen sind. Mir als Trommelrestaurator kommt dieser Umstand sehr entgegen, denn die unverwüstlichen Trommeln lassen sich recht einfach auf Vordermann bringen. Viele Schrauben oder Muttern sind Normteile, deshalb einfach ersetzbar, und die Bauteile der Parallelabhebung sind so robust, dass hier selten Schäden auftreten. Die Signature Snaredrums wurden, wie auch die Drumsets, 1982 vorgestellt und waren in vielen Varianten erhältlich: zum Beispiel als Buchenholzkessel mit edlem Bubinga- oder Ebenholzfurnier sowie Metallkessel aus Ferromangan, Messing und Glockenbronze. Für die meisten Trommler waren die Drums aber leider unerschwinglich. Auch auf dem aktuellen Gebrauchtmarkt erzielen die Snares immer wieder schwindelerregende Preise.

Kürzlich hat sich bei mir eine Sonor Signature HLD 582 zum Service eingefunden. Die Trommel stammt aus dem Jahr 1983, hat einen 6,5″ tiefen, nahtlos gezogenen Ferromangan-Stahlkessel, die Parallelabhebung der 1. Generation, eine 12er Teilung und 2,3 Millimeter starke, geflanschte Spannreifen. An diesem schönen Exemplar möchte ich den Einbau und die Justierung der Abhebung demonstrieren. Vorher wurde die Snare natürlich komplett zerlegt, gereinigt, poliert… sprich in den bestmöglichen Zustand zurückversetzt.

Hier seht ihr die Teile der Parallelabhebung auf einen Blick.

Ein Originalteile Katalog hilft bei der Zuordnung der Einzelteile

Auf den ersten Blick sieht die Anzahl der Einzelteile des Strainer-Systems schon sehr beeindruckend aus, aber durch die hohe Fertigungsgenauigkeit und den im Prinzip einfachen Aufbau ist das Zusammenfügen der Einheit kein allzu kompliziertes Unterfangen. Trotzdem sind für solche Aktionen Auszüge aus den alten Teilekatalogen, in denen die Einzelteile genau bebildert sind, sehr hilfreich. Sofern verfügbar, habe ich die immer an der Seite liegen. Obligatorisch ist für mich inzwischen eine detaillierte Fotodoku der Demontage. 

Fotostrecke: 5 Bilder Hier seht ihr die Teile der Parallelabhebung auf einen Blick.
Fotostrecke

Erster Schritt ist die Montage der Sockelteile der Abhebevorrichtung. Die längere Schlitzschraube ist dem Federhalter vorbehalten, er wird mit Distanzscheiben unterfüttert. Der Halter wird in einer 45° Position auf der dem Badge zugewandten Seite nach unten festgeschraubt. Auf den Außenseiten der Sockel können nun die Führungsleisten, die dem Gehäuse als Gleitflächen dienen, aufgesteckt werden. Bevor die Gehäuseachse eingeschoben wird, müssen zuerst die Stellringe und die Pleuel aufgestellt und die Muttern, die als Abstandshalter für die Gehäuseteile dienen, aufgeschraubt und gekontert werden. Da die Trommel von mir scheinbar überhaupt zum ersten Mal geöffnet worden ist und die Abhebung schon vor der Demontage sehr gut funktioniert hat, übernehme ich die Einschraubtiefe der beiden Muttern vom Urzustand.

Fotostrecke: 5 Bilder Die Mutter schließt an der Kante der Führungsschiene ab.
Fotostrecke

Ist eine Trommel hoffnungslos verstellt oder sogar beschädigt, kann die Kante des Langlochs in den Führungsleisten als Anhaltspunkt zur Einschraubtiefe verwendet werden. Direkt danach die Gehäuse anschrauben, den Lauf überprüfen und die Muttern entsprechend justieren, so lange, bis sich die Gehäuse sauber bewegen lassen. Für bessere Gleitfähigkeit und zur Kunststoffpflege kann noch Silikonöl oder -spray auf die Gleitflächen aufgebracht werden. Die Gehäuse verbleiben erstmal in dieser Position, sie bestimmen die Höhe und die gerade Auflage des Teppichs. Zu deren Einstellung kommen wir später. Zunächst werden noch die Pleuel mit Hilfe der Stellringe fixiert. Der Drehpunkt des Pleuels muss sich, um reibungslosen Lauf zu gewährleisten, auf Höhe der Federhaltern befinden. 

Fotostrecke: 5 Bilder Die Führungsbuchse der Exzenterachse mit Ausschnitt für die Kesselsicke.
Fotostrecke

Nun kann die Exzenterachse montiert werden. Die Führungsbuchsen haben eine Aussparung für die Sicke und werden von außen in die beiden Löcher oberhalb der Sockel eingesteckt. Zuerst die Distanzbuchse auf die Achse ziehen, diese von links (in Fahrtrichtung gesehen) durch die erste Führungsbuchse stecken und die beiden Exzenterrollen aufschieben. Die Gewindebohrungen zur Befestigung der Pleuel an den Rollen müssen dabei nach innen zeigen. Jetzt kann die Achse durch die zweite Buchse nach außen geführt und dort mit der Mutter befestigt werden. Beim Drehmoment mit Gefühl vorgehen, die Achse muss noch frei beweglich sein. Zum Schluss noch mit der Hutmutter kontern. Im Inneren können nun die Exzenterrollen an den dafür vorgesehenen abgeflachten Stellen der Welle, auf Höhe der Pleuelstangen, fixiert und Pleuel und Feder angebracht und bis zum perfekten Lauf justiert werden. Der Abhebemechanismus befindet sich, wie auf dem Foto zu sehen, in angehobener Position. Dementsprechend wird jetzt auch der Hebel samt Gegenhaltefeder auf die verzahnte Welle in angehobener Position aufgesteckt und verschraubt.

Fotostrecke: 5 Bilder Die Teppichspanner ermöglichen präziseste Einstellungen.
Fotostrecke

Zum Schluss kommen noch die Felle drauf und die Teppicheinstellung wird vorgenommen

Jetzt ist es Zeit für die Montage von Fellen und Spannreifen. Vor der Teppichmontage werden die Teppichspannklötze auf die vorher eingefettete Führung am Gehäuse gesteckt und die Schrauben mit Feder und Rohrniet eingedreht. Um den Teppich einzuhängen, befestige ich die beiden Gehäuse in der obersten Position. Ist der Teppich unter gleichmäßiger Spannung, kann mit der Justierung der Teppichhöhe begonnen werden. Dies geschieht mit dem vorsichtigen Absenken der Gehäuse samt Teppich in Richtung Resonanzfell. Den Anpressdruck vorläufig nicht zu stark wählen, er kann nach der Montage der Distanzstangen noch fein justiert werden. Wichtig bei der Einstellung der Teppichhöhe ist die plane Auflage des Teppichs. Diese kann erstens über genaue Sichtkontrolle des Teppichs sowie über den Abstand der Gehäuseoberkante zur Achse ermittelt werden. Der Abstand sollte bei einer intakten Trommel immer gleich sein. Die Justierung des Teppichs über Teppichhöhe und Spannung ist extrem präzise. Obwohl man recht schnell die optimale Einstellung für die Teppichansprache gefunden hat, lädt der durchdachte Mechanismus förmlich zum Experimentieren ein.

Eine HLD 582 gebraucht erstehen

Sonor Signature Snares sind auf dem Gebrauchtmarkt häufig anzutreffen, Interessenten müssen sich aber auf teilweise stolze Preise einstellen. Am häufigsten dürfte die 14“ x 8“ Stahl-Variante sein, hier geht es bei 400 € los. Schöne Modelle in Bubinga oder Ebenholz kosten schnell das Doppelte und mehr, und Messing- oder Bronze-Varianten sind weit jenseits der 1000 € Marke angesiedelt. 

Hier folgt noch eine Auflistung der im Workshop verwendeten Dinge:

Werkzeuge

  • Ring-/Gabelschlüssel oder Steckschlüssel 8 und 10 mm
  • Schlitz- und Kreuzschraubendreher
  • Spitzzange
  • Pinsel, Zahnbürste, Bürste

Verbrauchsmaterial

  • Maschinenöl und -fett, Trennmittel (WD40, Caramba o. ä), Silikonöl oder -spray
  • Spülmittel, Chrompolitur (Elsterglanz, Autosol o. ä.)
  • Stahlwolle, Baumwoll-Putzlappen

Aufwand

  • Komplettaufbereitung ca. 10 Std.
  • nur De-/Montage, Wartung der Parallelabhebung ca. 4 Std.

Teile und Kosten

  • Felle Evans UV1 Coated / Hazy 300: EUR 35,-
  • original Sonor Snareteppich nicht mehr ab Werk erhältlich, gute gebrauchte Teppiche ab EUR 50,-
Die Sonor Signature HLD 582 Snare ist ein Schwergewicht, das 6.650 g auf die Waage bringt.

Wenn ihr Anregungen und Wünsche für weitere Trommel-Aufarbeitungen habt, dann schreibt sie einfach in die Kommentare. Bis zum nächsten Mal.

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von Herbert "Hebbe" Heim

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