Mit Reference 1956 und Reference 1998 widmet sich Softube den wohl wichtigsten Röhren-Equalizern der Studiogeschichte. Unübersehbar an Pultec EQP-1A und Manley´s Massive Passive angelehnt, übertragen die neuen Plugins passive EQ-Schaltungen, heiße Röhren und dicke Übertrager in ein zeitgemäßes DAW-Gewand.
Frei skalierbar und bei Bedarf mit zusätzlichen Metern: die beiden neuen Reference Equalizer von Softube.
Anders als bei älteren Tube-Tech-, Chandler- oder Trident Kopien wirbt der nordische Hersteller nun lediglich mit “authentisch erfassten Referenz-Geräten”. Ich vermute Lizenz-Rangeleien zwischen Softube, Universal Audio und Dirk Ulrich.
1998 neigt recht früh zur Komprimierung im Trebble
Highlights Softube Reference 1956 & 1998 Plugins
Reference 1998 Equalizer unverkennbar ein Manley Massive Passive: selbes Erscheinungsjahr, vier parallele passive EQ-Bänder, Dual-Filter, Röhrenstufe und charakteristische Shelf-Kurven
Reference 1956 Equalizer basiert auf einem Pultec-EQP-1A-Prinzip: konkret auf einer Stereo-Weiterentwicklung mit zusätzlichen Frequenzen
DETAILS
Ideal Passiv-Röhren-Equalizer Standard
Softube erweitert sein virtuelles Plugin-Angebot um zwei “Referenz” Emulationen passiver Röhren-EQs. Der Jahrgangsbeste Reference 1956 überträgt nonchalant das klassische Pultec-Prinzip, während der Reference 1998 klar als Manley Massive Passive durchgeht. Fun Fact: Der Massive Passive wollte seinerseits bereits als moderne Weiterentwicklung der Pultec-Idee verstanden werden.
Beide Konzepte prägen passive Netzwerke aus Spulen, Kondensatoren und Widerständen. Sie erzeugen nicht nur typischen Kurven im Frequenzgang, sondern auch frequenzabhängige Gruppenlaufzeiten.
Vereinfacht gesagt werden bestimmte Frequenzanteile minimal anders verzögert als andere. Genau das trägt zu jenem oft als plastisch, räumlich, „dreidimensional“ oder besonders lebendig beschriebenen Klang bei.
Amplitudenfrequenzgang und Phase hängen bei solchen Minimum-Phase-Filtern unmittelbar zusammen: Je stärker der EQ eingreift, desto ausgeprägter fallen auch die Phasenverschiebungen aus. Minimum Phase bedeutet also keineswegs, dass keine Phasenverschiebungen auftreten.
Beim analogen Original kommen zusätzlich die Röhrenverstärker mit ihren Übertragern und ihren zahlreichen Nichtlinearitäten ins Spiel.
Technisch gleichen sie den Pegelverlust der passiven Filtersektionen aus, bringen aber zugleich Sättigung, harmonische Verzerrungen sowie weitere Phaseneffekte in das Signal recht “Pleasant” ein.
All das trägt dazu bei, dass ein Pultec oder Massive häufig größer, plastischer und lebendiger wirkt als ein nüchterner digitaler EQ. Weitere Informationen dazu findet ihr in unserem Feature sowie den Tests der jeweiligen Hardware-Originale wie beispielsweise dem Tube-Tech PE 1c.
PRAXIS
Reference 1956 Equalizer
Der Reference 1956 bietet wie der Pultec EQP-1A drei Filterbereiche pro Kanal, die Softube hübsch logisch eingefärbt hat. Der Low Shelf sorgt mit getrenntem Boost und Cut für die bekannte Pultec-Magie, die untenrum schön dick und fett macht. Die Mid Bell setzt mit ihren breitem Boost und regelbarer Bandbreite gezielt auf Fokus und Schmalz, während die High Attenuation lediglich zum Absenken/Entschärfen der Höhen taugt.
Wahlweise getrennte Regler für beide Stereos sowie Links/Rechts- oder Mid/Side-Bearbeitung sind angemessener Luxus für die Plugin-Version. Hinzu kommen zusätzliche Metering-Optionen, A–C Quick Presets, eine umfangreiche Preset-Library mit Anbindung an Fusion und Console 1 sowie die frei skalierbare Oberfläche. Allerdings wirken selbst auf meinem Apple XDR Display nicht alle Schriften gestochen scharf, wenn man das Plugin groß zieht. Schade, die Optik und Übersichtlichkeit ist ansonsten tadellos.
Reference 1956 Equalizer
Wichtiger ist, dass Softube auch die Anzahl der Einsatzfrequenzen gegenüber dem Original verdoppelt und damit den Funktionsumfang deutlich erweitert hat. Anfangs etwas homöopathisch wirkte der separate Headroom-Regler in der Extended View auf mich, der mehr Übertrager-Sättigung provozieren für mich mehr nach “Kick-Limiting” klingt. Tatsächlich ist der Effekt im Detail gut hörbar, ein eigener Bypass wäre hier allerdings wünschenswert gewesen.
Konkrete Gain-Werte werden es wie beim Original nicht angezeigt, was sich in der Software allerdings verschenkter anfühlt. Der Bass-Cut reicht ungefähr von 0 bis -18 dB, der Boost von 0 bis etwa +14 dB. Als Eckfrequenzen stehen praxisnahe 20, 30, 60, 90 und 120 Hz bereit.
Für den Mitten-Boost stehen hier außerdem gleich elf verschiedene Frequenzen zwischen 1 und 16 kHz zur Auswahl; abhängig von der eingestellten Bandbreite sind dabei maximal etwa +10 bis +18 dB Hub möglich für schöne breite Striche.
Der High-Cut arbeitet indes ausschließlich und mit bis zu rund 18 dB Absenkung und bietet immerhin genügend Einsatzpunkte zwischen 4 und 20 kHz. Grundsätzlich also weiterhin recht einfach gehalten das Ganze von seinen Möglichkeiten. Das ist bei Hardware die zur Aufnahme genutzt wird absolut gerechtfertigt, bei einem Plugin bin ich nicht der größte Fan solch eines Minimalismus.
Reference 1998 Equalizer
Der Manley Massive Passive war im Grunde als Pultec auf Steroiden konzipiert und brachte als Dual-Mono-EQ direkt mehr Möglichkeiten und bessere Bedienbarkeit. Vier Bänder lassen sich dabei entweder als Shelf oder Glocke betreiben und auch wahlweise zum Anheben oder Absenken nutzen.
Audio
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1998 – less Headroom1998 – more HeadroomDRY 1956 – less Headroom1956 – more Headroom1956 – MS-Mode w/ Side-Boost
Im Plugin hat Softube die Bedienung des Gains vereinfacht: Cut/Boost ist hier nur ein Regler ohne Umschalter, auch L/R und M/S geht natürlich hier viel einfacher zu nutzen als beim Original. Zusätzliche Einsatzfrequenzen wie beim freier-interpretierten Reference 1956 gibt es beim Reference 1998 allerdings nicht. Hier ist alles identisch.
Reference 1998 Equalizer
Pro Band stehen wie beim Original somit jeweils elf unterschiedliche Einsatz-Frequenzen zur Verfügung. Diese überlappen bereits deutlich mehr und machen den EQ damit allein flexibel und intuitiver einsetzbar als beispielsweise das 1956 Plugin.
Neben seinen vier Hauptbereichen Low, Low Mid, High Mid und High gibt es wie beim Hardware-Vorbild beim 1998 außerdem sehr umfangreiche Filter-Cuts in Form jeweils fünfstufigen High- und Low-Pass-Filter. Besonders der 39-Hz-Low-Cut gehört mit seinem ausgeprägten Resonanz-Bump zu den charaktervollsten Vertretern seiner Art und klingt schlicht ziemlich lecker.
Bei passiven Designs beeinflussen sich die Filterbereiche ohnehin gegenseitig. Beim Massive Passive kommt hinzu, dass die Bänder außerdem parallel arbeiten. Genau diese Topologie trägt zum offenen, plastischen und ungewöhnlich tief gestaffelten Klangbild bei. Dazu kommen die eigenwilligen Shelf-Kurven und die Möglichkeit, wie beim Pultec gleichzeitig anzuheben und abzusenken. Viel wichtiger ist natürlich, dass man beim 1998 auch deutlich komfortabler in den Höhen
Besser als Universal Audio ?!
Vom Massive Passive gibt es außerdem eine Mastering-Version mit feiner abgestuften Frequenzen im Filter sowie weniger Hub mit den Pseudo-Raster-Potis. Dass Softube diese Variante nicht in den Filtern berücksichtigt hat, fühlt sich nach einer verpassten Chance an.
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DRUMS 1998DRUMS DRYDrums UAD
UA hat die Mastering-Version und die normale Version im Angebot, beide sind allerdings deutlich fummeliger zu bedienen und klingen bei weiten nicht so authentisch wie der 1998. Insbesondere beim Höhen-Boost fällt mir auf wieviel härter der UA im Vergleich wird, beide sind allerdings nicht so smooth und unnachgiebig wie das Original. Der Softube klingt dennoch offener, natürlicher und engt das Stereobild auch nicht so ein, wie es der UA im Vergleich tut. Auch der Bass knarzt beim 1956 von Softube besser als beim Universal Audio Pultes Pendant. Der UA wirkt einfach künstlicher und gewollter.
Beide Plugins können außerdem in den Vintage-Slot von Softube Equalizers geladen werden. Dort werden modellierten Kurven mit bis zu 20 modernen EQ-Bändern, Spektrumanzeige und dynamischer Entzerrung kombiniert.
Zusätzlich dazu wird auch die Softube Controler-Umgebung Console 1 perfekt unterstützt. Der Core Vintage Equalizer ist dem Massive Passive übrigens auch nicht unähnlich gewesen. Mehr Vergleiche hierzu stehen noch an!
Preise zur Veröffentlichung
Das Dreier-Bundle mit dem reinen Equalizer-Host kostet zur Einführung übrigens auch nur 10 Euro mehr. Selbst das Reference-EQ Bundle ist nur 10 Euro teurer als die Einzellizenzen. Das sollte in Anbetracht einer Preis-Leistung Diskussion nicht unerwähnt bleiben!
Produkt
Regulär
Einführungspreis bis 12.09.2026
Reference 1998 Equalizer
99 EUR
79 EUR
Reference 1956 Equalizer
99 EUR
79 EUR
Reference Equalizers Bundle
149 EUR
89 EUR
Equalizers & Reference Equalizers Bundle
248 EUR
99 EUR
Fazit: Softube Reference Test
Mit Reference 1956 und Reference 1998 liefert Softube zwei gelungene Interpretationen der bekanntesten passiven Röhren-EQ-Konzepte. Beide Plugins überzeugen vor allem mit ihrem offenen, plastischen und angenehm unaufdringlichen Klangcharakter, der weit über eine bloße Nachbildung der jeweiligen Frequenzgänge hinausgeht.
Der Reference 1956 gefällt dabei besonders durch seine zusätzlichen Einsatzfrequenzen und wirkt dadurch wie eine sinnvoll modernisierte Pultec-Variante. Der Reference 1998 bleibt dem Massive-Passive-Konzept dagegen deutlich treuer und bietet mit seinen vier parallel arbeitenden Bändern dennoch wesentlich umfangreichere Klangformungsmöglichkeiten.
L/R- und M/S-Betrieb, skalierbare Oberfläche, Presets und die Integration in Softube Equalizers bringen beide Klassiker überzeugend in die Gegenwart. Etwas schade sind lediglich die fehlenden Gain-Anzeigen sowie die vertane Chance, beim Reference 1998 auch Frequenzen beziehungsweise Abstufungen der Mastering-Version anzubieten.
Klanglich gibt es wenig zu meckern: Beide EQs machen das, wofür ihre analogen Vorbilder berühmt sind – Signale lassen sich mit wenigen Handgriffen größer, geschmeidiger und räumlicher wirken, ohne dass der Eingriff nach klassischem Digital-EQ klingt. Angesichts der aggressiven Bundle-Preisgestaltung ist das komplette Paket zum Einführungspreis sicherlich sehr attraktiv.
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