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Drumset Geheimtipp #2 – Vintage Pearl Wood-Fiberglass

In diesem Artikel soll es um Pearl’s Wood-Fiberglass Serie gehen. In den späten 60er Jahren fing der japanische Trommelhersteller an, auch mit anderen Kesselmaterialien zu experimentieren. Neben den reinen Fiberglass Kits kamen auch mit Fiberglas beschichtete Holzkessel auf den Markt. In der Vergangenheit hatte ich schon sporadisch auf Wood-Fiberglass Sets gespielt und war daher sehr gespannt auf meine Kleinanzeigen-Neuanschaffung. Welche Klippen es zu umschiffen gilt und was das Set vom Sound her besonders macht, erfahrt ihr hier.

Alle Bilder: Christoph Behm
Alle Bilder: Christoph Behm


Nicht wenige Drummer sehen sich irgendwann nach alternativen Klängen um. Sei es für Aufnahmen, wo gut abgelagerte, „weich klingende“ Vintage Drums immer wieder empfohlen werden, oder einfach, weil man mal eine Alternative zum modern klingenden Schlagzeug-Fuhrpark ausprobieren möchte. Bei den Preisen, die für ein top erhaltenes Vintage Gretsch, Ludwig oder Rogers Set auf den Webseiten der spezialisierten Vintage Shops aufgerufen werden, geraten dann viele ins Grübeln. Soll man jetzt wirklich zwischen anderthalb bis zweieinhalb tausend Euro für einen Kesselsatz auf den Tisch legen? Wer es sich leisten kann und für wen die US-amerikanischen Marken ein unbedingtes Muss sind, bitte gerne. Für andere Leser ist vielleicht eine wesentlich günstigere Alternative interessant.

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Vom Nachbau hin zu eigenen Designs

Wie viele von euch wissen, kopierten die japanischen Hersteller zu Beginn ihrer Laufbahn schamlos die amerikanischen Firmen, um sich mit ihren günstigen Alternativen auf dem Instrumentenmarkt zu etablieren. Nach und nach gingen sie aber dazu über, auch mit eigenständigen Designs und Lösungen aufzutreten. Eine davon ist das Pearl Wood-Fiberglass Set. Vor dem Kauf dieses Schlagzeugs hatte ich ein paar Mal kurz die Möglichkeit gehabt, auf Trommeln dieser Baureihe zu klopfen und war vom Sound durchaus angetan. In einer Schule, in der ich für einige Zeit unterrichtete, stand beispielsweise ein Set mit einer 24“ Bass Drum und einem 18“ Floor Tom. Auch die dazugehörige Stahl-Snare klang mehr als ordentlich, soweit ich das seinerzeit in der vorherrschenden Kellerakustik und den runter gerockten Fellen beurteilen konnte. 
Als ich ein solches komplettes Set in der klassischen 22/12/13/16-Konfiguration für gerade einmal 200 Euro erwarb, ging es mir vor allem um alternative Tom-Sounds zu meinem bestehenden Sortiment. Die Bassdrum-Größe 22“ x 14“ gehört ohne Frage zu meinen absoluten Favoriten, da ich aber schon einige sehr gute Trommeln in ähnlicher Größe habe, war sie zunächst eher nebensächlich. Dazu später mehr. Gleiches gilt für die Stahl-Snare, die ich wegen einer nicht zufriedenstellend arbeitenden Abhebung erst einmal zur Seite gelegt habe… und dort liegt sie immer noch. Sie klingt durchaus gut, besonders wenn man den Anschaffungspreis im Hinterkopf hat, ist aber weit unterhalb der Liga einer Ludwig Supraphonic oder Sonor D454 angesiedelt. 

Fotostrecke: 3 Bilder Der 9-lagige Kessel mit Innenbeschichtung aus Fiberglas. Auch die Innendämpfer funktionieren.
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Nach der ersten Grundinspektion und Reinigung ging es mit neuen Tom-Fellen in den ersten Spieltest. Positiv fiel mir schon beim Putzen die Hardware auf. Massive Böckchen, gut einstellbare Tomhalter und ordentlich verchromte Spannreifen verrichten auch nach über 40 Jahren noch ihren Dienst. Die Folie hat teilweise deutliche Gebrauchsspuren, ist an vielen Stellen nicht mehr ganz farbecht, passt aber einfach super zum Look des Sets.
Zuerst hatte ich nur die drei Toms parat. Besonders das Floor Tom fand ich beim ersten Spieltest grandios, allerdings ließen sich die beiden Rack Toms nicht bis ins letzte Quäntchen sauber stimmen. Also ab zum Trommeldoktor Mic Scharf von der Klangmacherei, der mir zuerst die Toms, später dann auch die Bass Drum neu gegratet und ausgebessert hat. Keiner der Tomkessel war übrigens so richtig plan, zudem scheinen in den drei Toms auch unterschiedliche Holzarten vermischt zu sein. Das relativ weiche Holz (ich tippe auf philippinisches Luan) ist an den Außenseiten relativ faserig.
Bei der Wiederherstellung der originalen Gratungen stand Mic außerdem vor der Herausforderung, dass die Fräse auf Grund der unebenen Fiberglas-Beschichtung nicht entlang der Kesselinnenwand geführt werden konnte. Er musste also hierfür eine spezielle Vorrichtung konstruieren. Nicht wenige dieser Trommeln wurden mit Pinstripes auf der Oberseite und ohne Resonanzfelle gespielt, es kann also sein, dass ich ihr euch nach einem Kauf in jedem Fall mit einem Trommelbauer eurer Wahl in Verbindung setzen müsst. Nachdem Mic mir auch noch ein paar Gewinde an den Bassdrum-Lugs nachgeschnitten hatte, ging es mit den vier Perlen quasi runderneuert ins Spielvergnügen.

Fotostrecke: 4 Bilder Neue Gratungen und plane Kessel: Nach der Überarbeitung lassen sich die Trommeln sauber stimmen.
Fotostrecke

Die Überarbeitung setzt das wahre Klangpotential frei

So manch einer wird sich fragen, ob sich die ganze Nacharbeit bei einem solchen Set denn überhaupt lohnt. Meine Antwort: Ja, absolut! Das Set klingt wirklich grandios. Es hat diesen weichen Vintage-Charakter mit einer „scharfen Brise“ Fiberglas darüber. Die Kombi aus Emperor Coated und Evans Reso 7 Coated Fellen ist geradezu ideal. Mit etwas Dämpfung klingen die Toms natürlich noch weicher und gehen mehr in Richtung Vintage Ludwig, wenngleich das Set deutlich mehr wiegt, Stichwort: Metallspannreifen an der Bass Drum.
Der schnell ansprechenden Bass Drum könnte man mit einem modernen, vorgedämpften Fell zu noch mehr Kick verhelfen, aber ich mag diesen schmatzigen, mittigen Sound, der sich optimal in die Musik integriert. Das Kit ist insgesamt ziemlich laut, besonders wenn beide Rack Toms – wie im Video – auf der Bass Drum montiert sind, bollert und resoniert es ganz ordentlich. Es ist also durchaus auch für rockige, Bonham-eske Anwendungen interessant. Ich spiele es zumeist als Dreier-Konfiguration, entweder mit dem 12er oder dem 13er Tom auf einem Snare-Ständer montiert. Mit amtlichen Gratungen, guter Stimmung und angemessener Spielweise muss man sich über Freischwing-Systeme keine Gedanken machen, denn alle Trommeln haben ein sehr gesundes, nicht zu langes Sustain. Auch das Floor Tom rummst richtig los und hat noch die – aus heutiger Sicht – popelig kleinen Gummifüße verbaut.
Fazit: Das Wood-Fiberglass ist ein toll klingendes Set, das zwar bislang keinen großen Sammlerwert hat, mit etwas Zuwendung aber eine toll klingende Alternative zu den üblichen Verdächtigen darstellt.

Pearl Wood-Fiberglass FW-5

  • Folie: Satin Gold
  • Kesselgrößen
  • 22“ x 14“ Bass Drum
  • 12“ x 8“ Tom
  • 13“ x 9“ Tom
  • 16“ x 16“ Floor Tom

Link zum Katalog: https://pearldrum.com/support/product-catalogs/1978-general-catalog.pdf

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31.03.2016
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von Christoph Behm

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Profilbild von Dionys Rieder

Dionys Rieder sagt:

#1 - 14.11.2019 um 15:57 Uhr

Empfehlungen Icon 0

Sehr schöner Artikel - hat mich gleich dazu inspiriert, nach einem Set zu suchen!
Habe gerade die Gelegenheit eines günstig auf eBay Kleinanzeigen zu bekommen, was muss man denn in etwa für die neuen Kesselgratungen an Kosten einplanen?

    Profilbild von bonedo Chris

    bonedo Chris sagt:

    #1.1 - 15.11.2019 um 08:53 Uhr

    Empfehlungen Icon 0

    Hi Dionys, danke für die Rückmeldung. Das hängt immer vom Trommelbauer ab, manche machen Pauschalpreise, andere berechnen pro Seite ab 15€ aufwärts. Ich würde in jedem Falle mit dem Set, wenn du es denn hast, zur Begutachtung zu einem Trommelbauer fahren. Wo bist du denn angesiedelt?

    Antwort auf #1 von Dionys Rieder

    Antworten Melden Empfehlen
Profilbild von Joerg

Joerg sagt:

#2 - 15.07.2022 um 15:13 Uhr

Empfehlungen Icon 0

Ich habe ein solches Set poliert und überarbeitet bei mir und möchte es, da ich mit ein E-Drum zulegen will, verkaufen. Fußmaschinen sind auch Original.

Kommentare vorhanden
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