Die besten Bass Riffs in Noten und Tabs – SAGA: „On The Loose“

1981 veröffentlichte die kanadische Progressive-Rockband SAGAihr viertes Studioalbum “Worlds Apart”, das von Producer Rupert Hine in England geschmiedet wurde. Die Auskopplung der Single “On The Loose” erzielte beachtenswerte Charterfolge – zumal für eine Band abseits des breiten Mainstream-Popangebots jener Tage. Vor allem in Deutschland lief der Song wochenlang auf allen Radiosendern in hoher Rotation, was der Band hierzulande eine bis heute anhaltende große Beliebtheit bescherte. Gründungsmitglied Jim Crichton war bis vor wenigen Jahren noch Bassist, Keyboarder und Songwriter von SAGA, bevor er sich aus dem anstrengenden Tourgeschäft zurückzog, weiterhin jedoch als Komponist für die Band tätig ist. Wir wollen uns heute seiner hörenswerten Bassarbeit auf “On The Loose” widmen, die großen Spaßfaktor verspricht. Übrigens: Die tollen Livebilder hat uns der renommierte Tourfotograf Hans-Willi Carl zur Verfügung gestellt – vielen Dank!

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“On The Loose” – Originalvideo

Wie immer steigen wir mit dem Original in die Workshopfolge ein:

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“On The Loose” – Entstehung

Die Aufnahmen für das Album “Worlds Apart” fanden in England statt, genauer: in den “Farmyard Studios” im idyllischen Dörfchen Little Chalfont in der Grafschaft Oxfordshire (wo übrigens auch Whitesnake-Sänger David Coverdale in den 80er-Jahren lebte). Das beeindruckende historische Gebäude gehörte ursprünglich dem britischen Schauspieler Dirk Bogarde (“Tod in Venedig”).
Produzent Rupert Hine war enorm erfolgreich, z. B. mit dem Howard Jones’ Album “Human’s Lib” oder Tina Turner’s Megaseller “Private Dancer”. Obwohl in greifbarer Nähe zu London, konnten SAGA in dem ländlichen Gebiet und dem großräumigen Studioanwesen sich voll auf ihr Werk konzentrieren, das der Band zum weltweiten Durchbruch verhalf.

Fotostrecke: 2 Bilder Jim Crichton live mit einem … (Foto: © Hans-Willi Carl)
Fotostrecke

“On The Loose” – Songform

Nachdem der Song mit dem Standardformat Intro-Strophe-Refrain-Strophe-Refrain beginnt, entwickelt er in der Mitte ein hohes Maß an Komplexität, bleibt jedoch durch seine starke melodische Komponente sehr “catchy”.
In der Tat sind die atemberaubenden “Frage und Antwort”-Solopassagen derart einprägsam, dass man sie nach wenigen Durchläufen des Zuhörens quasi mitsingen kann – ähnlich wie bei einem Scatgesang. Das ist eindeutig der Grund, warum “On The Loose” auch trotz seiner Progrock-Ingredienzien so häufig im Radio gespielt wurde!
Hier der Songablauf in der Übersicht:

  • Intro
  • Verse 1
  • Chorus 1
  • Verse 2
  • Chorus 2
  • Middle 8
  • 8-Bar Break
  • Solo (12-Bars)
  • Verse 3
  • Chorus 3

“On The Loose” – Tonmaterial

Der Song verwendet nahezu durchgehend lediglich zwei Harmonien, nämlich Eb-Dur und F-Dur. Schon im Intro hören wir die Umspielung dieser Harmonien in Eb-Lydisch und F-Mixolydisch. Wir befinden uns quasi in der Tonart Bb-Dur, auch wenn der Akkord Bb-Dur nie gespielt wird.
Interessant ist, wie der Bass mit dem Tonmaterial umgeht: Während er in der Strophe mit einem durchgehenden F ein Ostinato bildet, über das die beiden Harmonien stetig wechseln, bricht der Bass im Refrain den Groove radikal auf und spielt Unisono-Linien mit der Gitarre.
Dabei bedient man sich strikt des Tonmaterials von Bb-Dur – einmal diatonisch von der Quinte (F) abwärts, dann von der Oktave (Bb) abwärts in verschiedenen Intervallen. Das ist handwerklich wirklich sehr geschickt gemacht, da man eigentlich zu keiner Zeit das Gefühl bekommt, es nur mit zwei Harmonien zu tun zu haben!
Im Middle-8-Teil kommt es zum ersten (und einzigen Mal!) zu einer kleinen tonalen Veränderung über g-Moll. Der sich anschließende achttaktige Break ist ein Kernelement des Songs, denn er strahlt mit seiner Gitarren-16tel-Figur mit Palm-Mute-Technik einen tollen Überraschungs- und Kontrastmoment aus. In den Noten findet ihr diesen Teil ab Takt 30. Eigentlich ist es wie erwähnt eine Gitarrenfigur, aber ich habe es für die sportlichen unter euch ausnotiert!
Aus diesem ruhigen Teil heraus bricht dann wieder stark treibend der zwölftaktige Soloteil hervor, in welchem der Bass minimal variiert, indem er vom Ostinato F auf die Töne C und Bb wechselt, bevor er mit einer eintaktigen Überleitung C-D-Eb-F in die letzte Strophe führt.

“On The Loose” – Rhythmik

Kompliziert ist die Rhythmik des Tracks nicht, dafür aber ungeheuer effektiv! Vergleicht einfach einmal das Playback mit dem Playalong (ohne Bass) und ihr werdet feststellen, wie essentiell der Basspart für die Energie des Songs ist. Der treibende Effekt vom Ostinato der Strophe wird insbesondere durch Synkopen auf der Zählzeit 4+ erzeugt, gepaart mit aggressiven Staccato-Noten.
Interessant finde ich besonders die Wirkung, die im Refrain erzielt wird, indem der Bass die Rhythmik verlässt und alle zwei Takte Akzente spielt – jeweils aufgefüllt von kurzen Achtelpassagen, wiederum alle zwei Takte. Das erzeugt ein Halftime Feel. Besonders reizvoll ist dabei der Moment, in dem der Bass wieder zu seiner treibenden Rhythmik in der Strophe zurückkehrt. Da geht sprichwörtlich “die Post ab”!
Beachtet, dass Jim Crichton die Rhythmik in dem zwölftaktigen Soloteil leicht abändert – subtil, aber wiederum sehr wirkungsvoll!

“On The Loose” – Spieltechnik

Jim Crichton spielt den Basspart von “On The Loose” mit dem Plektrum, was die aggressive Note, speziell in den Strophen, ausgezeichnet unterstützt. Man kann den Part zwar auch mit den Fingern spielen, aber es hat schon durchaus seinen Grund, warum Crichton im Original zum Plättchen gegriffen hat!
Auf einigen Live-Videos sieht man, dass Jim den Middle-8-Teil mit den Fingern spielt, um einen weicheren Basssound zu erzeugen. Die Studioversion ist übrigens etwas aufgeräumter, als man es auf Live-Videos sehen und hören kann. Speziell Crichtons Verwendung von Slides ist bei der Studioversion sehr sparsam, während Saga bei Live-Shows in dieser Hinsicht eher aus den Vollen schöpfen.

Fotostrecke: 2 Bilder Mittlerweile hat sich Jim Crichton aus dem … (Foto: © Hans-Willi Carl)
Fotostrecke

“On The Loose” – Basssound

Für “On The Loose” verwendete Jim Crichton einen Wal MK1-Bass, der ohne Verstärker, Effekte etc. direkt ins Pult gespielt wurde. Hier ein Foto von exakt diesem legendären Bass, der mittlerweile leider nicht mehr in Jims Besitz ist:

Foto: © Jim Crichton
Foto: © Jim Crichton

Zur Zeit des Release von “On The Loose” konnte man Jim Crichton live unter anderem auch mit einem Zon Legacy auf der Bühne sehen. Dieses Modell kam ca. 1981 auf den Markt. In jüngeren Jahren hat Jim Crichton Corvette-Bässe von Warwickgespielt. Die vorliegenden Soundfiles habe ich mit einem Fodera Monarch Standard Classic in Humbucker-Schaltung über einen Olympic MKIIIS-Röhrenpreamp der russischen Marke “Shift-Line” eingespielt.

“On The Loose” – Soundfiles, Noten & TABs

Nachfolgend findet ihr wie immer Noten und Soundfiles. Keyboards und Vocals stammen von Gareth Weedon.

Audio Samples
0:00
“On The Loose” – alle Instrumente – WAV “On The Loose” – ohne Vocals – WAV “On The Loose” – Drums & Bass – WAV “On The Loose” – Playalong mit Vocals – WAV “On The Loose” – Playalong ohne Vocals – WAV

Viel Spaß und bis demnächst, euer Ollie

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von Oliver Poschmann

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Profilbild von Oliver Lucas

Oliver Lucas sagt:

#1 - 11.02.2021 um 10:54 Uhr

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Jim Crichton ist für mich einer der coolsten Typen auf der Bühne. Er straht eine fast rotzige Souveränität aus, sehr interessant zu beobachten. Was er mit den anderen Helden der Saga aufgebaut hat und über 4 Jahrzehnte am Laufen halten konnte ist eine grosse Leistung. Saga ist in bezug auf Prog die Partykanone, hier wird eher mitsingtauglich gerockt, als viel "gefummelt" bei den Konzerten. Das kommt auch in Deiner Analyse anhand von "On the loose"gut raus. Es ist eigentlich einfach und eingängig ohne dabei stumpf zu sein. Hach die 80er...

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Raul Queijo-Theissing sagt:

#2 - 12.02.2021 um 06:20 Uhr

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Hi.. sagt mal -im Chorus.... stimmt da die Tabs mit den Notenwerten überein? ( Das E müsste doch „erniedrgt“ werden, nicht „erhöht“?

    Profilbild von lars.bonedo

    lars.bonedo sagt:

    #2.1 - 12.02.2021 um 08:52 Uhr

    Empfehlungen Icon 0

    Hi Raul!Vielen Dank für dein aufmerksames Mitlesen - da hat wohl das Notationsprogramm unserem Autoren Oliver Poschmann einen Streich gespielt. Ich habe die korrigierte Version soeben hochgeladen.Schöne Grüße, Lars

    Antwort auf #2 von Raul Queijo-Theissing

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