Wer sich intensiver mit Eurorack-Synthesizern beschäftigt, stößt früher oder später auch auf den Namen Allan J. Hall. Die Module seiner Firma AJH Synths gelten vielen als eine Art Rolls-Royce der analogen Modularwelt. Diskrete Schaltungen, hochwertige Bauteile und ein Design, das optisch wie technisch an klassische Laborinstrumente und frühe Moog-Systeme erinnert.

In diesem Test nehmen wir gleich drei neue AJH-Module unter die Lupe, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Und genau deshalb eine spannende Kombination ergeben. Das aufwendig konstruierte Flaggschiff-Filter Matrix VCF, den extrem flexiblen Triple Cross Xfader sowie das rhythmisch-experimentelle Chance Delay. Gemeinsam decken sie Klangformung, Signalmanipulation und kreative Timing-Experimente ab – natürlich mit dem gewohnt kompromisslosen AJH-Ansatz.
- Toller Sound (VCF und Triple Cross)
- Vielseitig einsetzbar (alle)
- Integrierter VCA (VCF)
- Hilfreich für komplexe Patches (Chance Delay)

DETAILS
Matrix VCF: Biest in Seide
Das Matrix VCF Filter-Modul ist seit seiner Vorstellung auf der Superbooth 2025 das neue Herzstück des Filter-Lineups von AJH. Es basiert auf der legendären Topologie des Oberheim Matrix 12 und seinem Expander, einem der komplexesten Synthesizer der Geschichte mit mehreren parallelen Filtermodellen.

Allan J. Hall hat laut eigenen Angaben ganze zwei Jahre akribische Entwicklungsarbeit investiert, um dieses Konzept nicht einfach zu adaptieren, sondern auch neu zu durchdenken sowie massiv zu erweitern.
Schon beim ersten Drehen eines Reglers spürt man das Ergebnis in der hochwertigen Verarbeitung. Die sechs Potis laufen mit einem perfekten Widerstand – nichts wackelt, alles fühlt sich massiv und wie für die Ewigkeit gebaut an. Das Modul visualisiert die 16 verschiedenen Filtermodi über eine LED-Kette am linken Rand des Panels, der aktive leuchtet immer markant hell auf.
Von klassischen Tiefpass-Filtern inklusive Ladder-Filter im Moog-Stil über Bandpass-Optionen bis hin zu besonderen Filterideen wie einem Dreipol-Hochpass kombiniert mit Einpol-Tiefpass ist alles Erdenkliche dabei. Zusätzlich zu den klassischen Matrix-12-Filtern wurde noch ein neuer Vierpol-Allpass-Phaser integriert, den das Original so nicht besaß und der das Modul zu einem Eurorack Effektmodul ausweitet.
Ein weiterer Clou ist der „P-Vox“-Schalter. Mit ihm wechselt die Resonanz-Charakteristik der Filter-Modelle von musikalisch-glatt zu sowjetisch-brutal. Inspiriert von den in der Szene (zurecht!) gehypten Polivoks-Schaltungen bringt dieser Modus eine wunderbare Sättigung und Overdrive für eure Sounds ins Spiel.
Da jeder der 16 Modi mit beiden Resonanz-Modellen arbeiten kann, stehen effektiv 32 Filtervariationen zur Verfügung. Das Modul verfügt zudem über einen integrierten VCA am Ausgang und ist dank drei unterschiedlich gewichteter CV-Eingänge für den Cutoff im Selbstoszillationsmodus als vollwertiger, harmonisch reicher Oszillator nutzbar.
Triple Cross Xfader: Die Schaltzentrale
Gehen wir mit diesem Wissen nun über zu den anderen beiden Modulen im Test, die eher den Charakter von Erweiterungs- oder Hilfstools für das Eurorack haben. Entstanden aus einer Kollaboration mit dem Musiker Ian Boddy, ist erst einmal das Triple Cross dran. Auf 14 TE finden sich hier drei unabhängige Kanäle, die als VCA, Crossfader oder Panner fungieren können, also Audio verstärken.
Die Flexibilität des Audiovereinigungs-Moduls ist beeindruckend: Man kann das Modul zum Beispiel als „One In, Two Out“-Panner nutzen, als einfachen VCA oder als komplexen Crossfader und Panner für vier Signale – letzteres ist besonders für größere Racks mit Fokus auf Stereo-Sounds interessant.

Die Normalisierung der Ausgänge von Kanal 1 und 2 auf die Eingänge von Kanal 3 erlaubt es, die komplexe Überblendszenarien zwischen bis zu vier verschiedenen Quellen detailliert zu steuern. Wie beim Matrix VCF ist auch hier die haptische Qualität der Fader und Regler beeindruckend – das Triple Cross ist auf allen Ebenen ein Werkzeug für präzises Sound Design.
Chance Delay: Der Faktor X
Das Chance Delay (ebenfalls eine Kooperation mit Ian Boddy) ist zu guter Letzt ein schmales 8-TE-Modul, das eine Marktlücke schließt. Es kombiniert einen Wahrscheinlichkeitsgenerator (Chance) mit einem präzisen Puls-Delay. Es kann in dieser Funktion Trigger in Gates verwandeln (Pulse Stretching), Gates zu Trigger-Signalen kürzen, Clocks dividieren oder auch, bei Eingabe von Audiosignalen, als Sub-Bass-Generator dienen. Die Zeiten für Delay und Gate-Länge reichen von winzigen 0,5 ms bis zu satten 30 Sekunden.





