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Die besten Bass Riffs in Tabs und Noten – Joe Cocker: „Unchain My Heart“

Die Basslegende T.M. Stevens ist leider bereits seit geraumer Zeit an Demenz erkrankt und lebt schon mehrere Jahre in einem Pflegeheim in den USA. Wenn man den energiegeladenen und extrovertierten Paradiesvogel vor Augen hat, ist das ein überaus trauriger Gedanke. Ihm zu Ehren nehmen wir heute eine seiner zeitlosen Basslinen unter die Lupe. Der tolle Bassgroove von Joe Cockers “Unchain My Heart” machte T.M. Stevens endlich auch der breiten internationalen Öffentlichkeit bekannt. Die Single erschien im Jahr 1987 auf Joe Cockers gleichnamigem Album. Das Original stammt aus dem Jahre 1961, Komponisten waren Bobby Sharp Junior und Teddy Powell, und erstmalig interpretiert wurde der Song von keinem Geringeren als Soullegende Ray Charles. Charles Version war allerdings für eine Big Band arrangiert worden und verfügte über eine Art “Rhumba-Groove”. Herr Cocker versah den Hit mit der für ihn typischen Mischung aus Blues, R&B und Rock. Damit bewies der britische Rockstar, wie schon zuvor mit “With A Little Help From My Friends”, dass er in der Lage war, altehrwürdigen Songs einen komplett neuen Anstrich zu verpassen!

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Inhalte
  1. T.M. Stevens – der Bassist

T.M. Stevens – der Bassist

Das Markenzeichen von T.M. Stevens waren freakig-farbenfrohe Outfits, in späteren Jahren u. a. mit afrikanischer Kriegsbemalung. Sein Bass-Stil war jedoch nicht minder spektakulär, und er arbeitete in seiner beispiellosen Karriere mit Größen wie Miles Davis, James Brown, Tina Turner, Steve Vai, Cyndi Lauper, Headhunters, Billy Joel oder The Pretenders, um nur die Spitze des Eisberges zu nennen. Als Solokünstler veröffentlichte er 1995 sein erstes Album – seinen Stil nannte er “Heavy Metal Funk”.
Hier seht ihr seine beeindruckende Solo-Diskographie:

  • 1995: “Boom (Out Of Control)”
  • 1996: “Sticky Wicked”
  • 1996: “Only You”
  • 1996: “Ground Zero”
  • 1997: “Black Night – Deep Purple Tribute”
  • 1999: “Radioactive”
  • 2001: “Limousine Drive”
  • 2001: “Shocka Zooloo”
  • 2007: “Africans In The Snow”

T.M. Stevens war zu seiner Zeit bei Joe Cocker bereits ein überaus gefragter Freelance-Bassist. Vor allem seine Zusammenarbeit mit James Brown an dessen Album “Gravity” brachte dem New Yorker viel Anerkennung. Im Mega-Hit “Living In Amercia” etwa stellte T.M. eindrucksvoll unter Beweis, dass er einem Song durchaus seinen eigenen Stempel aufdrücken kann, ohne sich zu sehr in den Vordergrund zu spielen. Auch in “Unchain My Heart” kommt diese wunderbare Fähigkeit einmal mehr zur Geltung, denn die Bassline prägt den Song enorm. Allein das zweitaktige Bass-Intro zeigt bereits, wo die Reise langgeht!

Bild: Warwick/Framus (Quelle: www.youtube.com/watch?v=kQ_V6ADFXTE&list=RDYVWIDDwFAY8&index=3)
Bild: Warwick/Framus (Quelle: www.youtube.com/watch?v=kQ_V6ADFXTE&list=RDYVWIDDwFAY8&index=3)

“Unchain My Heart” – Spieltechnik und Rhythmik

Die komplette Bassbegleitung besteht aus einem heftig pulsierenden Achtelgroove. Die erste von jeweils zwei Achteln wird dabei kurz (staccato, durch einen Punkt über der Note gekennzeichnet) gespielt und betont, die zweite hingegen lang (legato, durch einen Strich über der Note gekennzeichnet). Dies erzeugt einen schier unbändigen Puls, welcher den Song nach vorne peitscht. Diese Art zu grooven erlernte T.M. Stevens eindeutig durch Hören der Hits von Basslegende Larry Graham.
Wie im Intro schon deutlich hörbar, spielt T.M. darüber hinaus die komplette Linie mit der Slaptechnik. Das verleiht dem Sound zusätzliches Attack. Im ersten Vers setzt T.M. außer dem Grundton nur wenig andere Töne ein. Der zweite Vers ist dann schon etwas melodischer. Auch den tonalem Umfang erweitert er und bringt plötzlich ein tiefes “D” mit ins Spiel (siehe Takt 29). Das sind vermeintlich nur Kleinigkeiten im Vergleich zu Vers 1 – sie bewirken aber klanglich einen großen Unterschied!

“Unchain My Heart” – harmonischer Aufbau & Tonauswahl

Die harmonische Struktur von “Unchain My Heart” ist recht einfach – im Prinzip ist der Track ein leicht erweiterter Moll-Blues mit einer zusätzlichen Bridge. T.M. Stevens spielt darüber eine “Brot und Butter”-Bassline ohne große Faxen. Tonal hält er sich im Wesentlichen an die A-Moll-Pentatonik (diese umfasst die Töne A, C, D, E und G). Das Interessante ist jedoch nicht, was er spielt, sondern WIE er spielt!
In der achttaktigen Bridge von “Unchain My Heart” wird es etwas dezenter. T.M. Stevens unterstützt diesen Teil subtil, indem er sein Spiel während der ersten sechs Takte fast ausschließlich auf den Grundton reduziert. Hier kann man schön sehen, wie man mit einfachen Mitteln sehr viel erreichen und einen Song perfekt unterstützen kann!

Bild: Warwick/Framus (Quelle: www.youtube.com/watch?v=kQ_V6ADFXTE&list=RDYVWIDDwFAY8&index=3)
Bild: Warwick/Framus (Quelle: www.youtube.com/watch?v=kQ_V6ADFXTE&list=RDYVWIDDwFAY8&index=3)

 “Unchain My Heart” – Basssound

Trotz intensiver Recherche gelang es mir nicht herauszufinden, welchen Bass T.M. nachweislich bei der Aufnahme verwendet hat. Der Sound vor allem im Intro lässt aber ziemlich eindeutig auf einen Fender Jazz Bass mit seinem typischen Mid-Scoop durch paralleles Betreiben der beiden Singlecoil-Tonabnehmer schließen.
Der Song sollte aber problemlos mit jedem anderen Fünfsaiter oder Viersaiter mit heruntergestimmter E-Saite (für die Bassline benötigt ihr ein tiefes D!) funktionieren. Meine persönliche Wahl für die Aufnahme fiel auf einen Lakland USA 55-94.

“Unchain My Heart” – Noten/TABs/Audio

Ich habe euch stellvertretend die ersten beiden Verse sowie die Bridge notiert, weil diese die wichtigsten Informationen für den Bassgroove enthalten. Danach folgen noch zwei weitere Strophen und eine erneut gespielte Bridge. Anschließend wird bis zum Schluss nur noch der Vers wiederholt.
Hier seht ihr die Noten und Tabs und könnt in das Klangbeispiel reinhören:

Audio Samples
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“Unchain My Heart” – Klangbeispiel

Viel Spaß mit “Unchain My Heart” und bis zum nächsten Mal, euer Thomas Meinlschmidt

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von Thomas Meinlschmidt

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