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04.11.2020

Play-Alike James Brown Basslines - Bass Workshop

Die besten Riffs und Basslines von James Brown als Noten und TABs

Bass-Workshop James-Brown-Hits: Equipment & Stil

Es gibt sicher nur eine Handvoll Menschen mit einem vergleichbaren Einfluss auf die Musikwelt genommen haben wie James Brown. Und das weit über sein Genre hinaus, denn der "Godfather Of Soul" schuf ‑ ähnlich wie die Beatles im Popbereich ‑ die Blaupause für Funk, Soul und R&B. Zudem infizierte er andere Stilistiken - etwa auch Pop und Rock - mit seinen unwiderstehlichen Grooves. Vieles, was heute topaktuell erscheint, konnte man bei James Brown bereits in den 60er- und 70er-Jahren hören. Ohne ihn klängen Generationen von Musikern anders, von Prince bis Bruno Mars, von Beyoncé bis Eminem. Gerade stilprägende Elemente von Hip-Hop-Grooves ‑ ob die statische Achtel-Hihat, leichte Swingfeelings oder die berühmte "The One" ‑ setzte James Brown bereits Jahrzehnte zuvor ein. Daher gilt der 2006 verstorbene US-Künstler bis heute als einer der meist gesampelten Musiker überhaupt.

Über das Leben und Wirken vom "Godfather Of Soul" kann man an anderer Stelle sicher besser nachlesen - wir wollen uns heute mehr um seine Musik und die eher "stillen Stars" im Hintergrund kümmern. Vielen der zahlreichen Mitmusiker von James Brown wurde ‑ ähnlich wie den Motown Funk Brothers ‑ leider niemals die wohlverdiente Aufmerksamkeit zuteil. Erst viel später erkannte man den eigentlichen Beitrag, den diese außergewöhnlichen Musiker zur Geschichte beitrugen.

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James Brown und seine Musiker

Es ist allgemein bekannt, dass der Verschleiß an Musikern in James Browns Bands vergleichsweise hoch war. Der Boss war nicht nur ein brillanter Musiker, sondern auch ein knallharter Geschäftsmann. Er schätzte zwar die Qualitäten seiner Kollegen, hielt sie gleichzeitig jedoch stets für ersetzbar.

So kam es, dass die Fluktuation des Band-Personals ungewöhnlich hoch war. Der Grund dafür lag meist in unterschiedlichen Vorstellungen, was die Höhe der Gagen anging, denn James Brown war bekannt dafür, seine Musiker trotz seiner immensen Erfolge eher schlecht zu bezahlen.

Prägende Rhythmus-Sektionen von James Brown

Die wichtigsten Bassisten aus der goldenen Ära von James Brown waren Bernard Odum, Hupert Perry, Sam Thomas, David Williams, Tim Drummond, Charles Sherrell und Bootsy Collins. Zusammen mit Drummern wie Clyde Stubblefield, Jabo Starks, Nat Kendrick, Melvin Parker, Nate Jones etc. bildeten sie legendäre Rhythmusgruppen.

Ihnen wie auch allen anderen Musikern blieben jedoch leider der große Ruhm und die Anerkennung für ihre enormen musikalischen Beiträge lange verwehrt. Erst viele Jahre später wurde ihre Leistung durch Fans und Bewunderer angemessen gewürdigt. Nur wenige Musiker, darunter etwa Maceo Parker oder Bootsy Collins, konnten ihr Intermezzo bei James Brown als Sprungbrett nutzen und sich eigene große Karrieren aufbauen.

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James Brown Basslines: Groove-Aufbau

Die Grooves von James Brown entwickelten sich über die Jahre zu wahren Meisterwerken der Verzahnung. Sämtliche Elemente (also nicht nur Bass und Drums!) besitzen eine rhythmische Aufgabe und sind ein Baustein in einem großen Ganzen. Im Gegensatz zu vielen anderen Stilistiken haben die einzelnen Instrumente wenig gemeinsame Akzente, sondern greifen ineinander und ergänzen sich zu einem Raster - vergleichbar mit kleinen Zahnrädern.

Damit diese explosive Mischung funktioniert, muss natürlich alles im gleichen "Flow" bzw. im gleichen Groove (engl. "Rille") laufen. Sich als Bandmusiker einfach an die Drums anzulehnen, funktioniert hier nur bedingt, denn der Drummer spielt unter Umständen etwas ganz anderes, als man selbst.

Zumindest war häufig eine statische Achtel-Hihat ein verbindendes Element und bot den Musikern Orientierung. Wenn man einige der Songs transkribiert und sich die einzelnen Elemente und ihre rhythmische Position auf dem Blatt Papier anschaut, denkt man sofort: "Das kann doch gar nicht funktionieren!" Aber James Brown belehrt uns eines besseren!

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Perfekter Oldschool-Bass-Sound durch geschliffene Basssaiten

Wie man auf vielen Aufnahmen wunderbar hören kann, brauchten seine Musiker auch des Öfteren einige Zeit, bis der Groove richtig rollte. Aber diese Zeit nahm man sich damals einfach, auch wenn die Aufnahme bereits lief.

Als kleines Beispiel habe ich den Drumgroove und die Bassline zu "Funky President" untereinander notiert. Durch Pfeile habe ich markiert, wie sich die unterschiedlichen Akzente beider Instrumente zu einem Raster ergänzen. Bemerkenswert ist vor allem die Zählzeit 3: hier antizipiert die Bassdrum diese um eine 16tel, um dann die zweite und dritte Sechzehntel der 3 zu spielen. Der Bass wiederum spielt exakt auf der 3 und auf der 3e und te - also exakt in die Pausen der Bassdrum. Hinzu kommt ein luftiges Swingfeeling und die angesprochene Achtel-Hihat.

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James Brown Basslines: Harmonischer Aufbau

So komplex die rhythmische Verzahnungen sind, so simpel ist zumeist wiederum das harmonische Geschehen! Ein Großteil des Songkatalogs von James Brown besteht aus lediglich einem Akkord, meist ein Dominantseptakkord (z. B. D7) oder einem Moll-Septakkord (z. B. Dm7). Diese werden mitunter eingefärbt mit weiteren Optionen wie der None (z. B. D9 oder Dm9).

Für harmonische Abwechslung sorgt dann die Bridge, die fast immer auf die vierte Stufe führt. Nicht selten bleibt es aber auch bei nur einem Akkord. Diese Art von Harmonik nennt man "Modal": Hier gibt es keine Akkordwechsel und es fehlt die sogenannte "Leittonwirkung".

Ein Dominantseptakkord (Dur-Dreiklang mit kleiner Septime), der eigentlich auf der fünften Stufe (Dominante) einer Tonleiter steht, löst sich also nicht wie gewohnt zu einer ersten Stufe (Tonika) auf, sondern etabliert sich als eigenständiger Klang. Man könnte ihn als "bluesigen" oder "dreckigen Bruder eines Dur-Akkords" bezeichnen.

James Brown Basslines: Bass-Sound

Hier gibt es nichts Spektakuläres oder Unerwartetes zu berichten: Ein Fender Precision oder Fender Jazz Bass waren zweifellos die beliebtesten Kandidaten - viel anderes gab es damals ja auch noch nicht. In der Regel waren diese Instrumente mit Flatwound-Saiten bestückt, erst bei Aufnahmen aus den 70ern meine ich, ab und an auch Roundwounds zu hören. Diese Basssaiten traten ja auch erst Ende der 60er-Jahre langsam ihren Siegeszug an. Als Verstärker kam damals zum Einsatz, was gerade verfügbar war - Namen wie Ampeg stehen hier ganz vorne auf der Liste!

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James Brown Bass-Workshop: Songs

Die folgenden Songs habe ich ausgewählt, da sie einige unterschiedliche Arten von Grooves oder Tempi repräsentieren. Unter Umständen fehlt dein Favorit - mir ging es aber vor allem darum, eine gewisse Bandbreite aufzuzeigen. Auch ist die Reihenfolge nicht chronologisch, sondern orientiert sich am spieltechnischen Schwierigkeitsgrad. Auf diese Weise kann man sich langsam an die Sache herantasten!

Bei den Originalaufnahmen lohnt es sich, auf sämtliche Instrumente und ihre Beziehung zu Bass und Drums zu hören. Hier kann man unendlich viel über Funk-Grooves lernen. Für die Klangbeispiele habe ich mich allerdings auf die Drums beschränkt.

"I Got The Feeling"

"Funk Bomb"

"Hot Pants"

"The Payback"

"Funky President"

"I Feel Good"

"Lickin Stick"

"Cold Sweat"

"Give It Up Or Turn It Aloose"

"My Thang"

Übrigens: Wer sich jetzt wundert, wo denn James Browns bekanntester Song "Sex Machine" bleibt, dem kann ich diesen bonedo-Workshop empfehlen - hier wurde der Song bereits ausführlich behandelt!

Bis zum nächsten Mal, euer Thomas Meinlschmidt

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