Kaufberater_Digitalpianos
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20.02.2017

Kaufberater Digitalpianos: Tipps und Hilfe

Worauf man beim Kauf eines Digitalpianos achten sollte

Casio, Kawai, Roland, Korg, Gewa, Yamaha ... Welches Digitalpiano ist das Richtige für mich?

Moderne Digitalpianos sind heute mittlerweile ein ernst zu nehmender Ersatz für das klassische Klavier und der Markt bietet ein äußerst reichhaltiges Angebot an unterschiedlichsten Ausführungen und Preisklassen. Darüber hinaus bieten Digitalpianos eine Reihe an nicht zu unterschätzenden Vorteilen gegenüber dem echten Klavier, die sich im Anschaffungspreis, dem Gewicht und der nicht notwendigen regelmäßig anfallenden Wartung niederschlagen. Ein weiterer wichtiger Vorteil des Digitalpianos ist zudem die variable Laustärke, die ein Spielen zu jeder Tageszeit möglich macht, und somit keine Nachbarn stört. Auch lassen sich Kopfhörer anschließen, um nach außen hin quasi geräuschlos zu spielen. 

Aber, welches ist das richtige Digitalpiano für die eigenen Anforderungen? Beim Kauf eines Digitalpianos gibt es vieles zu bedenken. Wer wird auf dem Instrument spielen? Wo soll das Digitalpiano zum Einsatz kommen – zu Hause, unterwegs, auf der Bühne oder sogar alles davon? Soll es ein reiner Ersatz für ein akustisches Klavier sein, oder werden zusätzliche Sounds und Möglichkeiten benötigt? Nicht zuletzt lauert natürlich die Frage, die beim Kauf meistens die entscheidende Rolle spielt: Was darf es denn kosten? In diesem Kaufratgeber möchten wir euch einen Überblick über die verschiedenen Optionen geben und einige interessante Modelle vorstellen.

Egal, ob Casio, Kawai, Korg, Roland, Gewa oder Yamaha: Die Prospekte und Webseiten der einschlägigen Hersteller von Digitalpianos wimmeln nur so von Marketing-Begriffen. Natürlich behauptet jede Firma, den endgültigen Schlüssel für das ultimative Klaviererlebnis gefunden zu haben. Da sieht man schnell den Wald vor lauter Bäumen nicht und fragt sich, was eigentlich dran ist an all den tollen Erfindungen, und ob man das alles wirklich braucht. Deshalb werden wir einige dieser Begriffe und Technologien näher beleuchten und vielleicht auch ein wenig entmystifizieren. Denn was zum Beispiel für Autos gilt, das gilt auch für digitale Klaviere: Wer beim Kauf Bescheid weiß, der ist klar im Vorteil, und erhält am Ende auch das passendere Instrument.

Quickfacts: Digitalpiano

Was versteht man unter dem Begriff Digitalpiano?

Das digitale Piano gilt als elektronischer Ersatz für das akustische Klavier. Im Gegensatz zu der mechanischen Klangerzeugung des akustischen Originals per Mechanik, Saiten und Resonanzboden, werden beim Digitalpiano die Einzeltöne eines Klaviers oder Flügels durch digitale Aufzeichnungs- oder Physical Modeling-Verfahren reproduziert und über integrierte Verstärker-/Lautsprechersysteme wiedergegeben. Die Technologien der heutigen Zeit sind sehr ausgereift, sodass recht authentische Piano- und Flügelklänge erreicht werden.

Bietet ein Digitalpiano Vorteile?

Die Vorteile eines Digitalianos liegen im Anschaffungspreis, dem vergleichsweise niedrigen Gewicht und der Wartungsfreiheit, denn sie müssen nie gestimmt werden. Außerdem ist die Lautstärke variabel und sie können mit Kopfhörern gespielt werden.

Woran ist ein gutes Digitalpiano zu erkennen?

Ein gutes Digitalpiano erkennt man an einer gut spielbaren gewichteten Hammermechanik-Tastatur, einem guten Klang über das integrierte verstärker-/Lautsprechersystem und der eigentlichen Kernaufgabe des Instruments: Den gebotenen Klavier- und Flügelklängen.

Digitalpiano-Bauarten im Überblick

Digitalpianos sind in unterschiedlichen Größen und Bauarten erhältlich, die sich für verschiedene Zwecke und Einsatzgebiete anbieten. Zunächst ist die Frage nach der passenden Form eine rein praktische: Wieviel Platz steht zur Verfügung? Wer in einer Einzimmerwohnung lebt, wird kaum genügend Platz für ein Full-Size-Digitalpiano haben; für ein kompaktes Modell ließe sich aber eventuell ein Eckchen frei räumen.

Auch die Transportfreundlichkeit spielt oft eine wichtige Rolle: Zwar ist auch ein großes Digitalpiano deutlich leichter als ein akustisches Klavier, aber das bedeutet nicht, dass man es problemlos einpacken und mitnehmen könnte. Einige kompakte Modelle kann man hingegen wie ein Keyboard in ein Case packen und zum nächsten Auftritt oder zur nächsten Chorprobe verfrachten. Wer mit wenig Platz auskommen muss, häufig umzieht (z. B. als Student) oder das Piano sowohl zu Hause als auch unterwegs nutzen möchte, sollte sich mit der Wahl der passenden Form also besonders intensiv beschäftigen.

Vor allem, wenn das Digitalpiano ein Ersatz für das heimische Klavier ist und an prominenter Stelle im Wohnzimmer aufgestellt wird, sollte man einen Faktor nicht unterschätzen: das Design. Ein "Musikmöbel" wirkt viel eleganter, wenn es zur übrigen Einrichtung und zum persönlichen Stil passt. Und obwohl das zugrunde liegende Thema immer das gleiche ist – Kasten mit Tastatur – bieten die verschiedenen Herstellern erstaunlich viele Designvariationen, angefangen beim opulenten, klassischen Klaviergehäuse, bis hin zu schlanken, schlichten und modernen Designs. Viele Digitalpianos werden zudem in verschiedenen Oberflächen-Finishes und Farbvarianten angeboten, deren Ausführung sich zum Teil auch im Preis niederschlägt. 

Die meisten heute erhältlichen Digitalpianos kann man anhand ihrer Bauform grob in etwa drei Gruppen einteilen, wobei die Übergänge fließend sind und es auch Mischformen gibt. Wichtig ist dabei, dass es hier wirklich nur um die äußere Form des Gehäuses geht. Den Funktionsumfang und die Qualität kann man von außen nicht erkennen – in allen Gruppen gibt es Pianos in jeder Preisklasse und mit den verschiedensten Funktionen, Sounds und Möglichkeiten. Es kommt auch vor, dass Hersteller die gleiche Elektronik, Klangerzeugung und Tastatur in verschiedene Gehäuse einbauen. Die Bauart ist also in erster Linie eine Frage der persönlichen Ansprüche in Sachen Platzbedarf, Transportfreundlichkeit und Design. Im Folgenden möchte ich die wichtigsten Formen kurz vorstellen.

Home-Pianos: der klassische Klavierersatz für zu Hause

Die sogenannten Home-Pianos kommen einem echten Klavier optisch am nächsten. Sie besitzen ein recht großes Gehäuse, das fest auf einem hölzernen Unterbau montiert ist. Die Pedale sind zumeist in das Untergestell integriert. Home-Pianos sind de facto Möbelstücke und eignen sich nicht für den häufigen Transport. Je nach Hersteller und Preisklasse beginnt ihr Gewicht bei etwa 35 - 40 kg und kann bei Spitzenmodellen mit Holztastatur und umfangreichen Lautsprechersystemen gefährlich nahe an der Schallmauer von 100 kg kratzen.

Hier sollten bei einem Umzug also mehrere starke Helfer oder sogar eine Klavierspedition ran. Demgegenüber steht das recht klassische Design, das an ein Klavier erinnert und eine stilvolle Ergänzung eines Wohnzimmers sein kann – genug Platz vorausgesetzt. Einige Hersteller bieten spezielle Luxus-Serien an, die optisch besonders dezent und Klavier-nah gestaltet sind, zum Beispiel Roland mit der LX-Reihe und Kawai mit der CS-Serie (Classic Series). Diese ragen oft höher auf als andere Home-Pianos, sind äußerlich kaum von einem Klavier zu unterscheiden und wirken besonders edel und klassisch.

Die Elektroniken und Tastaturen von Home-Pianos unterscheiden sich nicht zwangsläufig von denen, die bei anderen Bauarten zum Einsatz kommen. Allerdings eignen sich Home-Pianos wegen ihrer größeren Gehäuse besonders gut für aufwändige Mechaniken. Die hochwertigsten Tastaturen mit Holztasten und komplexen, Flügel-ähnlichen Mechaniken findet man daher in Home-Pianos der oberen Preisklassen.

Ein Punkt, an dem Home-Pianos gegenüber kompakteren Modellen im Vorteil sind, sind die Lautsprechersysteme. Das große Gehäuse bietet Raum für umfangreiche Systeme, die sich in kompakten, transportablen Digitalpianos nicht realisieren lassen. Während dies bei günstigen Home-Pianos eher nicht zum Tragen kommt, weil hier oft die gleichen Speaker verbaut werden wie in kompakteren Modellen, verfügen Home-Pianos der Oberklasse oft über ausgeklügelte Arrangements aus zahlreichen Lautsprechern. Durch gezielt gewählte Abstrahlwinkel und verschiedene akustische Tricks soll die Illusion erzeugt werden, man säße an einem akustischen Klavier.

Digitale Flügel

Eine Sonderform der Home-Pianos sind digitale Flügel und Stummelflügel, die es zum Beispiel von Roland und Yamaha gibt. Ihre Elektronik und Tastatur entspricht oftmals dem Topmodell der betreffenden Firma in Klavier-Optik. Das größere Flügelgehäuse bietet jedoch Raum für noch umfangreichere Lautsprechersysteme und der Deckel lässt sich zumeist öffnen, um den Klang kräftiger zu machen. Digitale Flügel brauchen mehr Platz als Digitalpianos und sind in der Regel deutlich teurer. Abgesehen von den manchmal leistungsstärkeren Lautsprechersystemen liegt der Mehrwert hier eher im Design und optischen Eindruck.

Rein digitale Flügel sind abzugrenzen von akustischen Flügeln mit Silent-Technologie, wie sie u.a. von Yamaha und Kawai angeboten werden. Dabei handelt es sich um normale, akustische Instrumente mit traditioneller Mechanik, Hämmern und Saiten. Zusätzlich ist aber ein digitaler Teil eingebaut, durch den man das Instrument bei Bedarf stummschalten und über Kopfhörer spielen kann. Diese Instrumente fallen nicht unter den Oberbegriff “Digitalpianos” und sind in der Regel deutlich teurer als rein digitale Pianos.

Kompakt-Digitalpianos

Als Alternative zu den räumlich recht ausladenden Home-Pianos bieten einige Hersteller schlankere, kompaktere Varianten an. Diese kompakten Digitalpianos verfügen ebenfalls über fest montierte Untergestelle, sind aber schmaler gebaut und brauchen weniger Platz. Bei vielen Pianos dieser Kategorie wird der Tastaturdeckel im aufgeklappten Zustand zum Notenhalter. Das hat den Nachteil, dass man die Noten jedes Mal entfernen muss, wenn man den Deckel schließen möchte. Die Tastaturen und Elektroniken müssen nicht unbedingt schlechter als die ausgewachsener Home-Pianos sein – in vielen Kompakt-Pianos kommen Komponenten zum Einsatz, die auch in die größeren Modelle eingebaut werden.

Unterschiede finden sich aber bei den Lautsprechersystemen, denn die schlanken Gehäuse dieser Instrumente bieten weniger Raum für umfangreiche Systeme mit mehreren Lautsprechern. Die ausgeklügelten Systeme der Home-Pianos der Oberklasse lassen sich bei dieser schlanken Bauform nicht realisieren. Bei vielen kompakten Digitalpianos befinden sich die Lautsprecher in zwei Kästen unterhalb des Spieltisches und strahlen nach unten ab, was den Eindruck erzeugen soll, dass der Klang aus dem Inneren eines (nicht vorhandenen) Klaviergehäuses kommt. Es gibt aber auch Modelle mit nach oben abstrahlenden Lautsprechern.

Kompakt-Digitalpianos eignen sich überall dort, wo der Platzbedarf ein Faktor ist. Mit ihrer schlanken Bauform sind sie weniger raumgreifend als Home-Pianos und wirken vom Design her nicht so wuchtig. Für den häufigen Transport sind jedoch auch sie nicht gedacht, denn das Untergestell ist in der Regel fest verschraubt. An der Gehäuseunterseite befinden sich oft Kästen, die die Lautsprecher und/oder die Anschlüsse enthalten, wodurch sich viele dieser Instrumente nicht auf einen herkömmlichen Keyboardständer stellen lassen, selbst wenn man sie von ihrem Untergestell abschraubt.

Portable Digitalpianos

Die letzte große Gruppe sind die portablen Digitalpianos. Im Gegensatz zu den Home- und Kompakt-Pianos sind sie dafür ausgelegt, eingepackt und mitgenommen zu werden, und müssen nicht unbedingt auf einem speziellen Untergestell stehen. Der Übergang zur Gruppe der Stagepianos ist fließend. Portable Digitalpianos besitzen ein schlankes Gehäuse, das die Tastatur, Elektronik, Lautsprecher und Anschlüsse enthält, ähnlich einem Keyboard.

Dieses kann man leicht transportieren und bei Bedarf auf einen Tisch oder einen stabilen Keyboardständer stellen. Für fast alle portablen Digitalpianos bieten die Hersteller aber auch optionale Holzständer an, mit denen sich die Instrumente für den stationären Einsatz umrüsten lassen. Die meisten portablen Digitalpianos haben keine Tastaturabdeckung, sodass man sie bei längerer Nichtbenutzung mit einem Tuch o.ä. vor Staub schützen sollte. Der Notenhalter besteht in der Regel aus Plastik oder Draht und wird oben aufgesteckt.

Exkurs: Stagepianos

Die Stagepianos werden gelegentlich mit den portablen Digitalpianos in einen Topf geworfen (auch von einigen Herstellern und Händlern), und tatsächlich gibt es viele Überschneidungen. Genau genommen gibt es aber einen wichtigen konzeptionellen Unterschied: Echte Stagepianos sind ausschließlich für den Bühneneinsatz ausgelegt und optimiert. Sie besitzen in der Regel keine Lautsprecher, da das Instrument auf der Bühne ohnehin an eine Verstärkeranlage angeschlossen wird. Stattdessen bieten viele Stagepianos zusätzliche Funktionen und Sounds für live spielende Pianisten und Keyboarder. 

Während bei Digitalpianos das Hauptaugenmerk auf dem Klaviersound liegt und die zusätzlichen Klänge für den Hausgebrauch mehr oder weniger irrelevant sind, sollte ein Stagepiano zusätzlich zu exzellenten Pianos unbedingt auch über sehr gute E-Piano-Sounds (Rhodes, Wurlitzer) verfügen, um es in einer Band flexibel einsetzen zu können. Auch das Vorhandensein von Effekten mit live-tauglicher, direkter Bedienung, wie etwa Chorus, Phaser, Reverb und Equalizer, ist ein Merkmal vieler professioneller Stagepianos.

Im Gegensatz zu herkömmlichen Digitalpianos, die oftmals nur rudimentär mit Anschlüssen ausgestattet sind (oft muss zum Anschluss an eine Anlage der Kopfhöreranschluss zweckentfremdet werden), verfügen echte Stagepianos über umfangreiche, professionelle Anschlussmöglichkeiten für die Bühne. Viele Stagepianos bieten außerdem einige Masterkeyboard-Funktionen, durch die sie im Live-Einsatz zur Steuerung eines größeren Setups über MIDI verwendet werden können.

Da die Anforderungen an ein Stagepiano ganz andere sind als das, was ein Digitalpiano für das Klavier üben zu Hause leisten muss, klammern wir sie in diesem Kaufberater aus und werden ihnen einen gesonderten Artikel widmen. Im Folgenden geht es nur noch um Digitalpianos mit integrierten Lautsprechern, die sich als Ersatz für ein Klavier eignen.

Worauf muss man beim Kauf eines Digitalpianos achten?

Bauart, Design, zusätzliche Sounds und weitere Funktionen hin und her: Bei einem Digitalpiano, das ein Ersatz für ein akustisches Instrument sein soll, ist am Ende entscheidend, dass es ein möglichst realistisches Klaviererlebnis und Spielgefühl vermittelt. Alles andere spielt eine untergeordnete Rolle. Für dieses “Klaviergefühl” sind in erster Linie drei Dinge entscheidend: Der Klaviersound, die Tastatur und die Lautsprecher. Diese drei Komponenten müssen stimmen und gut aufeinander abgestimmt sein, damit die Illusion entsteht, man säße an einem echten Klavier.

Der Klaviersound

Die allermeisten Digitalpianos erzeugen ihren Klang mit Hilfe von Samples. Dabei werden einzelne Töne eines echten Flügels oder Klaviers aufgenommen und als digitale Audiodateien im Digitalpiano gespeichert. Spielt man nun auf dem Digitalpiano, so werden diese Samples abgespielt und der Klang reproduziert. Im Vergleich zu den 1980er- und 1990er-Jahren, als Speicherplatz noch teuer war, hat sich die Qualität von Samples stetig verbessert. Dennoch gibt es auch heute noch große klangliche Unterschiede zwischen den verschiedenen Preisklassen von Digitalpianos, die hauptsächlich mit dem Aufwand zu tun haben, der beim Sampling des Sounds betrieben wird. Die Hersteller halten sich sehr bedeckt, was die Komplexität ihrer Samples betrifft, und rücken ungern mit genauen Informationen heraus – außer in der Oberklasse, wo oft und gern mit besonders aufwändigem Sampling geworben wird. Also muss man selbst testen, um eine Vorstellung von der Sampling-Qualität eines Digitalpianos zu bekommen.

Die folgenden Faktoren sind entscheidend für den Realismus eines gesampelten Klaviersounds: 

Sampling-Intervalle

Audiodateien sind groß, und zu Zeiten teurer Speicherbausteine mussten die Hersteller mit der minimal vertretbaren Zahl von Samples auskommen. Daher wurde (und wird) bei günstigeren Digitalpianos oftmals nicht jede Taste des Vorbild-Instruments gesampelt, sondern beispielsweise nur jede dritte oder vierte. Die Noten dazwischen werden erzeugt, indem die daneben liegenden Samples transponiert werden. Da sich über die Tastatur eines Flügels aber nicht nur die Tonhöhe, sondern von Note zu Note auch die Klangfarbe leicht verändert, machen sich diese transponierten Töne bisweilen durch unschöne “Sprünge” im Timbre bemerkbar. Um festzustellen, ob ein Instrument unter diesem Phänomen leidet, spielt man am besten eine chromatische Tonleiter mit möglichst gleichbleibender Anschlagstärke und achtet genau auf abrupte Veränderungen der Klangfarbe. Bei Oberklasse-Digitalpianos werden hingegen heute zumeist alle 88 Tasten des akustischen Vorbilds gesampelt, sodass diese Sprünge nicht auftreten – eine sorgfältige Intonation des Original-Flügels vorausgesetzt.

Velocity Layers

Auch diese Thematik hat damit zu tun, dass man früher gezwungen war, mit möglichst wenig Speicherplatz auszukommen. Je nach Anschlagstärke verändert sich bei einem akustischen Flügel oder Klavier nicht nur die Lautstärke, sondern auch der Klang. Laute Töne klingen viel härter und brillanter als weich angeschlagene Töne. Deshalb klingt es unnatürlich, wenn bei einem Digitalpiano durch den Anschlag nur die Lautstärke verändert wird. Das versucht man zu umgehen, indem die Tasten des Original-Flügels in verschiedenen Anschlagstärken gesampelt werden. Pro Taste liegt dann also nicht nur ein Sample im Speicher des Digitalpianos, sondern drei, vier oder im Idealfall noch deutlich mehr. Die Elektronik misst die Tastengeschwindigkeit (Velocity) und spielt das Sample ab, das der jeweiligen Anschlagstärke am nächsten kommt. Wie bei den Sampling-Intervallen kann das zu unnatürlichen Sprüngen der Klangfarbe führen, indem ein nur leicht stärker oder schwächer angeschlagener Ton ganz anders klingt als der vorhergehende.

Hier gibt es bis heute spürbare Unterschiede zwischen Einsteigerinstrumenten und Oberklasse-Digitalpianos. Während günstige Instrumente oftmals mit nur wenigen Velocity-Stufen auskommen müssen, ist die Auflösung der Anschlagstärke in der Oberklasse deutlich höher. Zum Testen spielt man am besten dieselbe Taste mehrmals nacheinander und steigert oder verringert die Anschlagstärke möglichst gleichmäßig. Bei günstigen Digitalpianos kann man oft deutlich heraushören, wie sich die Klangfarbe beim Über- oder Unterschreiten einer bestimmten Anschlagstärke sprunghaft verändert:

Sample Loops

Auch dieses Problem hat mit einer Speicherplatz-Sparmaßnahme zu tun und hat sich in letzter Zeit verbessert. Völlig verschwunden ist es aber noch nicht, insbesondere bei günstigen Instrumenten. Vor allem im Bassbereich klingen die Töne eines Flügels oder Klaviers bekanntlich sehr lange aus, das kann bis in den Minutenbereich hinein gehen. Bei einer akzeptablen Auflösung belegen Audiodateien dieser Länge sehr viel Speicherplatz. Zum Sparen von Speicherplatz wurde (und wird) daher oft nicht der komplette Ausklang des Original-Instruments gesampelt. Stattdessen werden kürzere Samples angefertigt, die dann ab einem bestimmten Punkt geloopt, also in einer Schleife abgespielt, werden. Die ersten paar Sekunden nach dem Tastenanschlag klingt der Ton normal aus. Danach setzt ein Loop ein und derselbe Abschnitt von beispielsweise einer Sekunde Länge wird wiederholt, während die Lautstärke künstlich abklingt.

Geloopte Samples verraten sich durch einen unnatürlichen Ausklang. Statt die mannigfaltigen Schwebungen eines akustischen Instruments authentisch abzubilden, wird der Klang ab einem gewissen Punkt statisch und leblos. In besonders unschönen Fällen kann ein "Eiern" zu hören sein. Wie immer leiden Instrumente der Oberklasse kaum noch unter diesem Phänomen, während es bei manchen Einsteiger-Digitalpianos auch heute noch deutlich auftritt. Zum Testen schlägt man eine Taste an (am besten im Bassbereich) und achtet genau auf den Verlauf des Klangs. Wenn der Klang ab einem bestimmten Punkt des Ausklangs leblos wird und sich zu wiederholen scheint, dann hat man es mit einem geloopten Sample zu tun. Dabei sollte man ruhig mehrere Tasten ausprobieren.

Zwar machen auch günstige Digitalpianos in allen diesen Disziplinen inzwischen eine bessere Figur als noch vor einiger Zeit. Gerade in Einsteiger-Instrumenten kommen jedoch auch heute noch solche auf verschiedene Weisen "vereinfachte" Samples zum Einsatz. Die Kosten für Speicherplatz spielen nur noch eine untergeordnete Rolle, sodass auch günstige Instrumente eigentlich mit genügend Speicher ausgerüstet werden könnten. Man könnte daher vermuten, dass die Hersteller die Samples in Einsteiger-Digitalpianos bewusst einfach halten, um den teureren Instrumenten der Oberklasse nicht die Rechtfertigung zu entziehen. Warum sollte man sonst mehrere Tausend Euro für ein Instrument ausgeben, wenn eines für 500 Euro dieselben aufwändigen, detailreichen Samples enthält?

Resonanzen, Schwebungen und Nebengeräusche

Der Klang eines akustischen Flügels oder Klaviers ist ein organisches, lebendiges Ganzes, das nicht nur von den einzelnen Tönen bestimmt wird, sondern insbesondere auch von deren Zusammenwirken. Bei einem akustischen Instrument klingen die Saiten ja nicht für sich allein, sondern beeinflussen sich permanent gegenseitig, indem zum Beispiel Obertöne zum Klingen angeregt werden. Man kann das leicht ausprobieren, indem man auf einem akustischen Klavier eine Taste stumm herunterdrückt, gedrückt hält und dann die Taste eine Oktave höher kurz anspielt. Der entsprechende Oberton wird in den Saiten der gedrückten Taste zum Klingen angeregt, obwohl die Taste gar nicht gespielt wurde. Auf diese Weise wirken die Saiten eines akustischen Instruments viel komplexer zusammen, als man es durch Sampling einzelner Töne abbilden könnte. Deshalb werden gesampelte Instrumente häufig als statischer und weniger lebendig empfunden als ihre akustischen Vorbilder. Hinzu kommen diverse Nebengeräusche, die vielleicht nicht unbedingt erwünscht sind, aber doch zum Charakter eines akustischen Flügels oder Klaviers gehören. Mechaniken, Dämpfer, Pedale und der Resonanzboden machen Geräusche, die genauso zum Gesamtklang beitragen wie die eigentlichen Noten selbst. An dieser Stelle gehen wir einmal auf einen kleinen Ausschnitt der wichtigsten Nebengeräusche ein, die im Bereich der Digitalpianos als besondere Ausstattungsmerkmale gelten und die sich realitätsfördernd auf den Gesamtklang auswirken.

Realistische Nebengeräusche

Neben dem eigentlichen Grundklang des Pianos addieren sich eine Reihe zusätzlicher Klangkomponenten, die den eigentlichen Gesamtklang beschreiben. Mit einfachen Worten ausgedrückt sind es in der Basis diese:

Saitenresonanzen

Zu den wichtigen Nebengeräuschen, die beim Bedienen und Spielen des akustischen Klaviers oder Flügels entstehen, gehören Klangkomponenten, wie Saitenresonanzen, die entstehen, wenn das Haltepedal betätigt wird. Dieser Vorgang löst das Mitschwingen der nicht angeschlagenen Saiten beim echten Instrument aus, was den entstehenden Klang sehr lebendig und räumlich gestaltet.

In einigen Modellen der unteren Preisklasse, aber mittlerweile Standard in der mittleren Preisklasse sind „Saitenresonanzen“ geworden, da diese das Klangerlebnis merklich steigern und zum Realismus des gebotenen Klangs deutlich beitragen.

Das folgende Audiobeispiel zeigt dieselbe musikalische Phrase ohne und mit Saitenresonanzen. Der Unterschied ist deutlich zu hören.

Klanggestaltung durch das Klavier- bzw. Flügelgehäuse

Da das Gehäuse eines akustischen Klaviers oder Flügels geschlossen ist, entsteht durch akustische Impulse, ausgelöst durch das Schwingen der Saiten auf dem Resonanzboden innerhalb des Gehäuses eine besondere Geräuschkulisse, die sich mit dem eigentlichen Klang der schwingenden Saite vermischt und somit den eigentlichen Klang des Klaviers oder Flügels mitprägt. Bei Betätigung des Haltepedals wird dieser Klang noch verstärkt. Dieses Klangbild mischt sich auch mit den Saitenresonanzen und trägt zur räumlichen Gestaltung des Gesamtklangbilds bei. 

Im Bereich der Digitalpianos gehört diese „Geräuschkulisse“ zu den Feinheiten innerhalb der digitalen Reproduktion des Klavier-/Flügelklangs und wird herstellerseitig auch als „Body Resonance“ bezeichnet. Der Effekt der Body Resonance kann durch aufwendiges Sampling, aber auch virtuell durch Software nachgebildet werden (Virtual Resonance Modelling).

Das nachfolgende Audiobeispiel zeigt das pure „Body Resonance“ - Geräusch, das beim Auslösen eines Tons innerhalb des Instrumentenkorpus entsteht. In diesem Beispiel ist der eigentliche Ton, der durch das Schwingen der Saiten entsteht, bewusst digital unterdrückt.

Das nächste Audiobeispiel zeigt das digital aufgezeichnete Piano ohne und mit Body Resonance. Die Body Resonance ist in dem Beispiel bewusst laut gehalten um den Unterschied deutlich zu demonstrieren. 

Im folgenden Audiobeispiel ist das ausgewogene Klangverhalten mit Body Resonance plus Saitenresonanz zu hören.

Tasten-Loslassgeräusch: Key Off

Beim Drücken einer Taste, löst sich der Dämpfer von der Saite und der „Hammer“ schnellt an die Saite, wobei das perkussive Anschlagsgeräusch mit dem gleichzeitig erzeugten Ton entsteht. Diese beiden Klangkomponenten befinden sich auch sofort in dem jeweils aufgezeichneten Sample. 

Wird die gedrückte Taste eines akustischen Klaviers losgelassen, wird die Mechanik der Taste wieder in ihre Ausgangsstellung versetzt. Dabei schnellt die gedrückte Taste wieder in ihre Ausgangsposition nach oben, schlägt an den Filz und der Dämpfer legt sich wieder auf die zuvor frei schwingende Saite. Dieser Vorgang erzeugt ein Geräusch, was sich später dynamisch in den Gesamtklang mischt und für Realismus sorgt. 

Das folgende Audiobeispiel zeigt das „Key-Off“ Geräusch zunächst alleine für sich, danach - mit betonter Lautstärke - eingebunden in den Pianoklang, gefolgt in normaler Lautstärke. Das Key-Off Geräusch reagiert dynamisch und wird herstellerseitig gerne als zusätzliches und aufwertendes Feature mitbeworben.

Dämpferpedalgeräusch: Damper Noise

Auch das Haltepedal selbst erzeugt beim echten Klavier bzw. Flügel mechanische Geräusche, die beim Betätigen und Loslassen zu hören sind. Mit Betätigung des Pedals werden alle Dämpfer von den Saiten abgehoben und wieder zurückgeführt. In einem Digitalpiano integriert, ist auch dieses Geräusch, die sogenannte "Damper Noise", herstellerseitig ein interessantes Feature, welches dynamisch spielbar, für Realismus sorgt.

In den nächsten Audiobeispielen ist die „Damper Noise“ beim Drücken und Loslassen des Haltepedals zunächst für sich alleine zu hören und danach in Kombination mit dem Pianoklang.

Erst die Summe der klanglichen Komponenten, die den eigentlichen Klang des Klaviers oder Flügels begleitet, gestaltet den Gesamtklang eines Digitalpianos realistisch. In höheren Preisklassen sind gerade diese Ausstattungsmerkmale auch häufiger anzutreffen, als im unteren Preissegment. Das alles durch Sampling abzubilden, ist äußerst aufwendig und fast unmöglich – womit wir beim nächsten Thema wären.

Physical Modelling

Der Begriff “Physical Modelling” bezeichnet eine Technologie, bei der die klanglichen Eigenschaften eines akustischen Vorbilds nicht durch statische Aufnahmen (Samples) reproduziert werden, sondern von einem DSP (Digital Signal Processor) anhand von Algorithmen berechnet werden. Ein Mikroprozessor berechnet also anhand vieler verschiedener Ausgangsdaten (Anschlagstärke, Tonhöhe, Pedal, andere klingende Noten, Deckelöffnung, Saitendicke, Materialen, etc.), wie jeder Ton klingen muss – und das alles in Echtzeit und blitzschnell. Der Vorteil dieser Technik ist, dass der Sound lebendiger abgebildet werden kann und in viel mehr Parametern regelbar ist als bei einem Sampling-Instrument. So lassen sich bei Physical-Modelling-Instrumenten häufig sehr detaillierte Einstellungen vornehmen, wie zum Beispiel der Grad der Deckelöffnung, das Material und die Härte der Hämmer, die Beschaffenheit des Resonanzbodens, die Intensität von Saiten- und Dämpferresonanzen, etc. Diese Technik erfordert sehr viel Rechenleistung und eine genaueste Analyse aller klanglichen Facetten des Vorbilds, weshalb sie in ihrer Reinform bis heute nur in der Oberklasse zum Einsatz kommt – und auch hier nur selten. Das Roland V-Piano ist ein Beispiel für ein reines Physical-Modelling-Piano, ebenso wie die Physis Pianos des italienischen Herstellers Viscount. Im Softwarebereich gibt es noch einige weitere Optionen wie etwa Pianoteq oder das neue Arturia Piano V.

Kombinierte Verfahren

Der Stand der Technik bei vielen Digitalpianos ist heute eine Kombination von Samples mit Physical Modelling. Dabei wird der Grundsound nach wie vor durch Samples erzeugt. Gleichzeitig kommen Physical-Modelling-Algorithmen zum Einsatz, um die charakteristischen Resonanzen wie etwa mitschwingende Saiten zu simulieren und regelbar zu machen. Außerdem wird Physical Modelling häufig eingesetzt, um die oben beschriebenen Schwachstellen des Samplings zu lindern, also um nahtlose Übergänge zwischen Samples verschiedener Tonhöhen und Anschlagstärken und einen möglichst natürlichen Ausklang zu erreichen. Die Hersteller haben sich für diese kombinierten Verfahren eine Vielzahl von Marketingnamen einfallen lassen, so heißt die Technik zum Beispiel bei Roland “SuperNATURAL”, bei Kawai “Harmonic Imaging”, bei Casio "AiR" (Acoustic and intelligent Resonator) und bei Yamaha “Virtual Resonance Modelling”.

Polyphonie

Die Polyphonie eines Digitalpianos bezeichnet die Zahl der Töne, die das Instrument maximal gleichzeitig erzeugen kann. Zumeist liegt sie heute bei mindestens 128 oder 256 Stimmen, Modelle mit 64 Stimmen sind selten geworden. Nach oben hin ist sie offen, zum Beispiel wirbt Roland bei seinen neuesten Oberklassemodellen mit einer unbegrenzten Polyphonie. Wozu soll das gut sein, mag man sich fragen – schließlich haben wir ja nur zehn Finger. Dabei muss man aber bedenken, dass auch Noten, die durch das gedrückte Haltepedal weiterklingen, mitgezählt werden müssen. Mit viel Pedaleinsatz und üppigen Akkorden sind 128 gleichzeitig klingende Töne viel schneller erreicht, als man denkt. Wenn die Polyphonie ausgeschöpft ist, reißen Noten ab; die “ältesten” Töne werden einfach abgeschnitten. Um das zu vermeiden, sollten 128 Stimmen das Minimum sein, besser sind 256.

Tastatur und Pedale

Nahezu alle heute erhältlichen Digitalpianos verfügen über eine anschlagdynamische Tastatur mit Hammermechanik. Das bedeutet, dass beim Druck auf eine Taste eine Mechanik in Gang gesetzt wird, an deren anderen Ende ein Hammer bzw. ein entsprechendes Gewicht sitzt. Anders als bei einem echten Klavier bzw. Flügel trifft der Hammer aber nicht auf eine Saite, sondern dient nur als Gegengewicht, um das Anschlaggefühl eines akustischen Instruments nachzuahmen. Der Ton wird nicht durch den Hammer ausgelöst, sondern von Sensoren, die die Tastenstellung und Anschlaggeschwindigkeit messen und an die Elektronik weiterleiten.

Das folgende Foto zeigt ein Modell der Hammermechanik-Tastatur, wie sie in Digitalpianos verwendet werden.

Im Gegensatz zur Hammermechanik-Tastatur eines Digitalpianos, ist die Mechanik eines echten Flügels oder Klaviers aus vielen beweglichen Teilen aufgebaut.

Die Mechanik ist bei den meisten Digitalpianos der Einsteiger- und Mittelklassen etwas einfacher aufgebaut als bei einem echten Flügel und nimmt weniger Raum ein, wodurch kompakte Instrumente möglich werden. Durch eine sorgfältige Ausbalancierung der Tasten- und Hammerlängen und der Gewichte versuchen die Hersteller, dem Anschlaggefühl eines Flügels möglichst nahe zu kommen. In einigen Oberklasse-Digitalpianos zum Beispiel von Kawai und Yamaha (die beide auch auf langjährige Erfahrungen mit dem Bau akustischer Flügel und Klaviere verweisen können) kommen Mechaniken zum Einsatz, die echten Flügelmechaniken sehr ähnlich sind. Bei diesen Luxus-Tastaturen entsprechen Tastenlänge und -gewicht, Lagerpunkt, Hammergewicht und das mechanische “Getriebe” ziemlich exakt dem, was auch in einen echten Flügel eingebaut wird. In meinen Augen bieten diese Tastaturen tatsächlich ein nochmals deutlich authentischeres Spielgefühl als die günstigeren Varianten – die Physik behält am Ende eben doch Recht. Das soll aber nicht heißen, dass man nicht auch auf günstigeren Tastaturen gut spielen könnte. Im Gegenteil: Gerade im unteren Preissegment hat die Qualität der Tastaturen in den letzten Jahren einen großen Schritt nach vorn gemacht.

Die Hersteller lassen sich immer neue Tricks einfallen, die für ein authentischeres Spielgefühl sorgen sollen. Manches davon bringt tatsächlich eine Verbesserung, aber es ist auch viel Marketing dabei. Ein kleiner Überblick über die Schlagworte, denen man in den Prospekten der Hersteller begegnet:

Graduierte bzw. skalierte Gewichtung

Um die diffizil vorbereiteten digitalen Ton-Aufzeichnungen des Digitalpianos differenziert abzurufen, bedarf es einer Tastatur, die speziell auf die vorherrschende Technikumgebung des Digitalpianos abgestimmt ist. Der Optimalfall ist eine anschlagsdynamische Tastatur mit Hammermechanik, die das Spielgefühl wie auf einem hochwertigen realen Piano oder Flügel vermittelt. Dazu sollte man folgendes wissen:

Verschiedene Faktoren führen bei einem Flügel dazu, dass nicht alle Tasten exakt das gleiche Anschlaggefühl aufweisen. So sind im Bassbereich die Hämmer schwerer, weshalb die tiefen Töne etwas mehr Kraft beim Anschlag erfordern als die Tasten im oberen Bereich der Tastatur. Dies ist bei einem Flügel eigentlich unerwünscht und die Klavierbauer haben jahrhundertelang versucht, dieses Manko auszumerzen. Dennoch gehört es zu den charakteristischen Eigenschaften eines Flügels und wird heutzutage in Digitalpianos künstlich nachgebildet. Solche Tastaturen, die unten etwas schwergängiger sind als oben, werden als graduiert bzw. skaliert gewichtet bezeichnet. Yamaha nennt es bei seinen Tastaturen “Graded Hammer”, bei Casio heißt es “skalierte Hammermechanik” und Korg nennt es "Real Weighted Hammer Action".

Die Tastatur eines Digitalpianos ist weitaus filigraner gestaltet, als die mechanisch ausladende Klaviatur eines akustischen Pianos oder Flügels. Dennoch soll sie das Gefühl vermitteln aus einem akustischen Instrument zu stammen.

Die folgenden Videos zeigen musterhaft die mechanische Funktionsweise von Hammermechanik-Klaviaturen der Digitalpianos sowie die Funktion akustischer Flügel- und Klaviertastaturen.

Hier, die Funktionsweise der gewichteten und skalierten Hammermechanik-Tastatur eines Digitalpianos und deren verwendeten Komponenten am Beispiel der Korg RH3-Klaviatur. Deutlich sichtbar ist hier die graduierte Gewichtung, die durch die Farbe der Hämmer kenntlich gemacht wird.

Die mechanische Funktionsweise der gewichteten und skalierten Hammermechanik-Tastatur eines Digitalpianos am Beispiel der Korg RH3-Tastatur. (Video: Michael Geisel)

 

Die nächsten Videos beschreiben die Funktionsweise der Tastaturen eines akustischen Flügels sowie eines Klaviers.

Die Flügeltastatur:

Die mechanische Funktionsweise einer Flügeltastatur am Beispiel eines Modells des Piano-Herstellers Grotrian-Steinweg. (Video: Michael Geisel)

Die Klaviertastatur:

In diesem Video sieht man deutlich, welche Teile der Mechanik eines Klaviers sich beim Drücken einer Taste bewegen. (Video: Michael Geisel)

Durch den stetig gewachsenen Standard innerhalb der Grundausstattung, sind Tastaturen mit Hammermechanik in den meisten Digitalpianos ab dem mittleren Preisklassenniveau zu finden. Man sollte sich aber trotzdem immer erkundigen, welche Tastatur verbaut ist.

 

Künstliches Elfenbein und Ebenholz

Seit einiger Zeit beschichten viele Hersteller die Tasten ihrer teureren Instrumente mit Materialien, die die haptischen Eigenschaften von Elfenbein und gelegentlich auch Ebenholz nachbilden sollen. In der Digitalpianowelt scheint eine regelrechte Elfenbein-Manie ausgebrochen zu sein. Das ist insofern paradox, als dass bei akustischen Flügeln und Klavieren natürlich schon seit Jahrzehnten kein echtes Elfenbein mehr zum Einsatz kommt – und das nicht nur wegen der äußerst problematischen Herkunft und weltweiten Handelsverboten, sondern auch, weil es inzwischen einfach bessere, haltbarere und pflegeleichtere Materialien gibt. Das tut dem wieder erwachten Hype um den Stoff aber keinen Abbruch und jeder Hersteller, der etwas auf sich hält, hat heute eine entsprechende Tastaturbeschichtung im Programm. "Elfenbein" klingt einfach irgendwie schick und kommt den Marketingabteilungen sehr gelegen, um den Instrumenten einen edlen, klassischen Anstrich zu geben. Jenseits der Werbung folgen die Fakten: Solche "Ivory"-Oberflächen sind oftmals etwas rauer und griffiger als glattes Plastik und sehen matter aus. Sie fühlen sich bei den einzelnen Herstellern durchaus recht unterschiedlich an, jede Firma hat hier ihre eigene Essenz angerührt. Welche man bevorzugt, ist einzig und allein eine Frage des Geschmacks. Neben der Oberflächenstruktur wird oft auch die Fähigkeit der Oberfläche beworben, Feuchtigkeit zu absorbieren. Das mag sich sinnvoll anhören – ich persönlich habe davon allerdings in der Praxis noch nichts bemerkt.

Holztasten

Logisch, dass das Gewicht der Tasten ein wichtiger Faktor für einen natürlichen Anschlag ist. Es muss ja nicht nur der Hammer in Bewegung versetzt werden, sondern auch die Taste selbst, und auch die Taste weist ein gewisses Eigengewicht und eine Massenträgheit auf, die zum Spielgefühl beitragen. Deshalb – und nicht zuletzt auch, weil sie einfach den Eindruck von Hochwertigkeit vermitteln – kommen bei teureren Instrumenten gern Tasten aus Holz zum Einsatz. Nach meinem Empfinden bieten diese tatsächlich ein authentischeres Spielgefühl als reine Kunststofftasten. Der größte Vorteil von Holztastaturen ist aber gleichzeitig auch ihr größter Nachteil: das Gewicht. So bringt das Kawai MP11 – eigentlich ausdrücklich ein Stagepiano und für den mobilen Einsatz gemacht – sagenhafte 32,5 Kilogramm auf die Waage. Zusammen mit einem stabilen Koffer ist man da schnell jenseits dessen, was man alleine tragen kann. Für Instrumente, die häufig transportiert werden, empfehle ich deshalb, auf Holztasten zu verzichten.

Druckpunkt

Speziell beim Flügel gibt es kurz, bevor die Taste ganz unten ankommt, einen kleinen Widerstand, den man beim Anschlag überwinden muss. Wenn man hart anschlägt, fällt dieser Druckpunkt nicht weiter auf, aber beim Pianissimo-Spiel ist er spürbar und gehört zum typischen Anschlagverhalten eines Flügels. Zwar gehört auch der Druckpunkt zu den Dingen, die die Klavierbauer bei akustischen Instrumenten eigentlich zu vermeiden versuchen, aber das hält die Hersteller von Digitalpianos nicht davon ab, ihn zu simulieren. Gerade in der Oberklasse gehört die Druckpunktsimulation heute zur gängigen Ausstattung. Über ihren Nutzen kann man trefflich streiten. Nach meinem Empfinden ist sie im Vergleich zu den anderen Anschlageigenschaften der Tastatur eher weniger entscheidend. Aber es ist nicht zu leugnen, dass eine gelungene Druckpunktsimulation eine weitere Facette eines echten Flügels abbildet und damit zum Realismus beitragen kann.

Repetition

Wichtiger ist in meinen Augen die Repetitionsgeschwindigkeit der Tastatur, also die Frage, wie schnell man dieselbe Taste erneut anschlagen kann. Die Repetitionsmechanik, 1825 von Sébastien Érard erfunden, ermöglicht es bei einem Flügel, dass die Taste nicht erst wieder ganz oben angekommen sein muss, bevor man sie ein weiteres Mal anschlagen kann. Damit werden schnelle Tonwiederholungen möglich. Bei Digitalpianos gibt es hier durchaus Unterschiede, die sich aber nicht an einem bestimmten Merkmal festmachen lassen. Ambitionierte Pianisten sollten also ausprobieren, ob eine Tastatur ihren Ansprüchen in dieser Hinsicht entspricht. Tendenziell sind die weniger komplexen und oft leichteren Mechaniken von Digitalpianos hier aber eher im Vorteil gegenüber einem akustischen Flügel, und die meisten mir bekannten Digitalpianos repetieren recht flott.

Sensoren

Wie bereits beschrieben, wird der Ton bei einem Digitalpiano nicht vom Hammer ausgelöst, sondern von Sensoren, die die Tastenstellung und -geschwindigkeit messen. Einige Hersteller werben damit, dass ihre Tastaturen drei oder mehr Sensoren pro Taste aufweisen, was eine genauere Erkennung ermöglichen soll. In der Praxis fällt das nach meiner Wahrnehmung nur bei technisch anspruchsvollstem Spiel ins Gewicht, wenn überhaupt. Übrigens messen die Sensoren bei höherwertigen Modellen nicht nur die Geschwindigkeit des Anschlags, sondern auch die Geschwindigkeit, mit der die Taste wieder losgelassen wird. Eine besonders aufwändige Klangerzeugung (siehe Physical Modelling) kann daraus dann feine Unterschiede beim Dämpfungsverhalten errechnen.

Pedale

Während die Tastaturen viel Aufmerksamkeit erhalten und jede Innovation lautstark beworben wird, fristen die Pedale eher ein Schattendasein. Aber auch sie tragen zum Spielgefühl eines Klaviers oder Flügels bei. Wer ausdrucksstark spielen möchte, kann auf den Einsatz der Pedale nicht verzichten, zumal durch sie besondere Klangeffekte hervorrufen werden, die das Pianospiel so einzigartig machen.

Was aber steuern die Pedale eines akustischen Klaviers und eines Flügels, was denselben Effekt bei einem Digitalpiano erzielen soll?

Dazu eine kurze Erklärung:

  • Rechtes Pedal:  Beim Betätigen des rechten Pedals, das auch als Haltepedal bezeichnet wird, werden alle Dämpfer gleichzeitig von den Saiten abgehoben. Alle angeschlagenen Töne klingen auch nach dem Loslassen der Tasten weiter. Zusätzlich schwingen die ungedämpften Saiten anderer Töne mit, was zudem zahlreiche Obertonschwingungen der ungedämpften Saiten ergänzt (sympathetische Saitenresonanz). Gleichzeitig entsteht bei gedrücktem rechtem Pedal ein voller räumlicher Gesamtklang. Das Haltepedal ist zudem das am häufigsten verwendete Pedal bei einem Flügel, Klavier und dem Digitalpiano.
  • Linkes Pedal:  Das linke Pedal bewirkt beim Flügel eine Verschiebung der Mechanik nach rechts, beim Klavier nach vorne. Die mechanische Verschiebung bewirkt eine Reduktion der Lautstärke sowie eine Änderung der Klangfarbe, denn der Hammer schlägt nun nur noch zwei der drei Saiten bzw. eine Saite im Bassbereich an.
  • Mittleres Pedal:  Das mittlere Pedal wird als „Sostenuto-Pedal“ bezeichnet. Es lässt nur den vorher angeschlagenen Ton weiter klingen, während alle anderen Töne normal abgedämpft werden.

Da das Haltepedal, das am häufigsten verwendete Pedal beim Spielen des Klaviers oder Flügels ist, verwundert es nicht, dass auch das Haltepedal hochwertiger Digitalpianos von einigen Herstellern inzwischen recht aufwändig konstruiert wird. Am wichtigsten ist hier der sogenannte Halbpedaleffekt. Bei einem akustischen Instrument heben sich die Dämpfer ja nicht ruckartig von den Tasten, sondern werden sanft angehoben. Dadurch entsteht im Grenzbereich bei halb getretenem Pedal der Effekt, dass die Saiten nicht mehr vollständig abgedämpft werden, aber auch noch nicht völlig frei schwingen können. Technisch versierte Pianisten können diesen Effekt gezielt einsetzen, obwohl mir spontan kein Werk der Klavierliteratur einfällt, das explizit das Halbpedalspiel verlangt. Dennoch gehört es zum realistischen Verhalten eines Flügels oder Klaviers und die Simulation des Halbpedaleffekts ist eine willkommene Funktion. Bei vielen günstigen Digitalpianos geht die Dämpfung beim Treten des Pedals schlagartig an und aus, es gibt nur zwei Zustände. Modelle mit Halbpedalerkennung ermöglichen dagegen das stufenlose Betätigen des Pedals.

Bei einigen Oberklasse-Digitalpianos z.B. von Kawai wird auch der Pedalwiderstand möglichst authentisch simuliert. Der Widerstand eines Flügelpedals bleibt nicht über den gesamten “Trittweg” konstant, sondern verändert sich, je nachdem, wie weit das Pedal getreten ist. Mit einigem technischen Aufwand versuchen einige Hersteller, dieses Verhalten nachzuahmen. Zusammen mit einem gut umgesetzten Halbpedaleffekt kann das zum Realismus beitragen und ein nuancenreiches Spiel ermöglichen. Wirklich entscheidend ist es nach meinem Empfinden aber nicht – anders als die Halbpedalerkennung selbst, die ich nicht mehr missen möchte.

Lautsprechersysteme

Die klangliche Bandbreite eines Konzertflügels wird in der Musikwelt vielleicht nur noch durch das Sinfonieorchester übertroffen. In einem einzigen Instrument liegen hier donnerndes Fortissimo und filigranstes Pianissimo direkt nebeneinander, und das bei einem riesigen Tonumfang. Dieses gewaltige Spektrum authentisch wiederzugeben, stellt an die Lautsprecher eines Digitalpianos besondere Ansprüche. Sie müssen sowohl bei der Dynamik als auch beim Frequenzgang eine große Bandbreite abdecken und sollten genügend Leistungsreserven haben.

Apropos Leistung: Hier darf man sich nicht von den nackten Zahlen leiten lassen. Viele Digitalpianos haben Verstärkerleistungen von beispielsweise 2x 10 Watt, was gegenüber den gängigen Zahlen zum Beispiel bei Stereoanlagen geradezu verschwindend gering wirkt. Abgesehen davon, dass es dafür verschiedene Berechnungsmethoden gibt (Nennleistung, RMS-Leistung, Musikleistung, vgl. dazu https://de.wikipedia.org/wiki/Musikleistung), bedeutet eine klein aussehende Wattzahl nicht unbedingt, dass das Digitalpiano nicht laut sein kann. Die Wattzahl ist keine Messgröße für die empfundene Lautstärke des Instruments. Auch mit einem Digitalpiano mit 2x 10 Watt wird man in der Regel keine Probleme haben, die Nachbarn um den Schlaf zu bringen. Der Vorteil von mehr Leistung liegt eher darin, dass die Verstärker und Lautsprecher nicht permanent an ihrer Belastungsgrenze arbeiten müssen, was sich vorteilhaft auf den Klang und den Dynamikumfang auswirkt.

Einfache Digitalpianos besitzen zumeist zwei Breitbandlautsprecher im Spieltisch, die je nach Bauform des Instruments nach unten oder nach oben abstrahlen. Die Praxis der nach unten abstrahlenden Lautsprecher ist unter Anwendern umstritten – viele Leute scheinen es zu bevorzugen, wenn die Lautsprecher direkt auf sie gerichtet sind. Diese Anordnung wird von den Herstellern aber bewusst gewählt, um durch mehr indirekten Schall den Eindruck zu erzeugen, der Klang käme aus dem nicht vorhandenen Korpus des Instruments. Hier muss man ausprobieren, was einem besser gefällt.

In der Mittel- und Oberklasse kommen vor allem bei Home-Pianos aufwändige Lautsprechersysteme zum Einsatz, die aus mehreren geschickt positionierten Bass- und Hochtönern bestehen. Zudem gibt es oft gezielt platzierte Öffnungen, die den Schall an bestimmten Stellen des Gehäuses entweichen lassen. Dadurch sollen nicht nur die Dynamik und der Frequenzgang verbessert werden, sondern auch der räumliche Eindruck. Bei einigen Oberklassemodellen wie etwa dem Kawai CA95 und CA97 geht das so weit, dass an der Rückwand des Instruments ein echter Resonanzboden aus Holz angebracht ist, der durch spezielle Lautsprecher in Schwingungen versetzt wird. Solche aufwändigen Lautsprechersysteme werden oft kombiniert mit Signalprozessoren, die durch verschiedene psychoakustische Tricks den klanglichen und räumlichen Eindruck noch weiter verbessern sollen.

Die Bedeutung guter Lautsprecher für ein authentisches Klaviererlebnis sollte nicht unterschätzt werden. Was bringt der beste Klaviersound, wenn er sich dann durch plärrende, leistungsschwache Speaker aus dem Instrument herausquälen muss? Gerade für den Einsatz zu Hause, wo ein Digitalpiano primär über die eingebauten Lautsprecher gespielt wird, sollte man – sofern möglich – ein Modell mit genügend Leistungsreserven wählen. Allerdings ist auch hier viel Marketing im Spiel und nicht jede von den Herstellern als Meilenstein beworbene Erfindung hält in der Praxis das, was sie verspricht. Letztlich können auch die ausgeklügeltsten Systeme ein wichtiges Merkmal eines Klaviers oder Flügels bislang nur in Ansätzen vermitteln: Die lebendigen Vibrationen, die man an einem akustischen Instrument verspürt und die zur engen Verbindung zwischen Musiker und Instrument beitragen, konnte bisher kein mir bekanntes Digitalpiano bieten.

Zusatzfunktionen

Klaviersound, Tastatur und Lautsprecher sind die drei Grundvoraussetzungen, die ein gutes Digitalpiano erfüllen muss. Wenn eines davon nicht stimmt, wird das “Klaviergefühl” empfindlich gestört. Aber es gibt natürlich auch noch andere Kriterien und die verschiedenen Modelle bringen allerhand Zusatzfunktionen mit, die je nach den persönlichen Anforderungen für den einen oder anderen kaufentscheidend sein können. Allzu sehr werde ich hier nicht ins Detail gehen, aber ich möchte einige der zusätzlichen Funktionen auflisten, die bei Digitalpianos typischerweise vorkommen und auf die man beim Kauf achten sollte, sofern man sie benötigt.

Zusätzliche Sounds

Neben den Klaviersounds umfasst das Klangangebot eines Digitalpianos immer auch eine Reihe weiterer Sounds. Dabei hat sich eine Auswahl von etwa 10-20 Sounds als Standard etabliert, die eigentlich immer zu finden sind: E-Pianos (Rhodes, FM-Piano), Orgeln (Pfeifenorgel, Jazz-Orgel), Streicher, ein bis zwei Synthesizer-Flächensounds, Cembalo, Vibraphon und ein Bass. Gegenüber den Klaviersounds dürften diese Klänge für die allermeisten Anwender eine untergeordnete Rolle spielen, und die Hersteller behandeln sie oft eher stiefmütterlich. Wer sie braucht, sollte also auf ihre Qualität achten. Wer zum Beispiel gern Barockmusik interpretiert, wird sich über ein gutes Cembalo freuen, und wer gerne Pop-Balladen spielt, profitiert von guten E-Pianos, Streichern und Pads, die sich mit dem Klavier mischen lassen, womit wir beim nächsten Thema wären.

Split / Layer / Vierhandmodus

Viele Digitalpianos ermöglichen es, zwei Sounds übereinander zu legen (Layer oder Dual). So kann man zum Beispiel einen Klaviersound mit Streichern unterlegen oder ein E-Piano mit einem Flächensound. Oft, aber nicht immer, kann das Mischungsverhältnis der beiden Sounds eingestellt werden.

Auch der Split-Modus ermöglicht die Kombination zweier Klänge, in diesem Fall aber durch Teilung der Tastatur. So kann man zum Beispiel mit der linken Hand einen Bass spielen, während die rechte Hand Klavier spielt. Auch hier lässt sich oft das Lautstärkeverhältnis regeln und bei den meisten Modellen ist der Teilungspunkt (Splitpunkt) frei wählbar.

Der sogenannte Vierhand- oder Duett-Modus ist ebenfalls bei vielen Digitalpianos anzutreffen. Er teilt die Tastatur in zwei Hälften, die jeweils mit dem gleichen Tonumfang desselben Sounds belegt werden. Diese Funktion eignet sich vor allem für den Unterricht. So haben Lehrer und Schüler quasi zwei gleich große, “halbe” Klaviere vor sich und müssen nicht die Plätze tauschen, wenn der Lehrer etwas vorspielen möchte.

Effekte

Viele Digitalpianos bieten integrierte Effekte, mit denen sich die Sounds bearbeiten lassen. Typischerweise findet man einen Hall mit verschiedenen Voreinstellungen (Room, Hall, Stage, etc.) und eine Reihe von Modulationseffekten (Chorus, Phaser, Tremolo, etc.), die sich besonders für E-Piano-Sounds eignen. Die Regelmöglichkeiten der Effekte und ihre Qualität variieren sehr stark. Bei vielen günstigen Instrumenten kann man die Effekte nur hinzumischen und nicht weiter verändern, und oftmals klingen sie auch nicht besonders gut. Hingegen bieten einige Oberklassemodelle umfangreiche Effektsektionen, die sich bearbeiten und abspeichern lassen und auch klanglich überzeugen können.

Metronom

Die allermeisten Digitalpianos enthalten ein eingebautes Metronom, was eine große Hilfe beim Üben sein kann. Die Einstellung der BPM-Zahl kann bei Modellen ohne Display manchmal unerwartet kompliziert sein. Auch die Lautstärke des Metronoms ist oft regelbar, mit einigen unrühmlichen Ausnahmen. Bei vielen Modellen lässt sich zudem die Taktart des Metronoms wählen; die “1” wird dann durch einen etwas lauteren Schlag oder einen anderen Sound markiert. Ich habe auch schon einmal an einem Digitalpiano gesessen, das auf Wunsch mit kommandohafter, verzerrter Stimme gezählt hat: “One! Two! Three! One! Two! Three! ...” Auf Gimmicks wie dieses kann ich aber gern verzichten.

Aufnahmefunktion

Eine integrierte Aufnahmefunktion kann sehr praktisch sein. Damit kann man sich selbst aufnehmen und sich dann genau zuhören, ohne gleichzeitig spielen zu müssen, was beim Üben hilfreich sein kann. Und wer komponiert, der freut sich über die Möglichkeit zum schnellen Festhalten von spontanen Ideen. Die Fähigkeiten der Recorder variieren stark. Viele einfache Instrumente können nur einen Song aufnehmen, während manche Modelle umfangreiche Recorder mit einer Kapazität von mehreren Songs bieten. In diesem Fall gibt es oftmals auch die Möglichkeit, zwei Spuren (z.B. linke und rechte Hand) nacheinander aufzunehmen.

Die Recorder fast aller Digitalpianos zeichnen MIDI-Daten auf. Das heißt, es wird nicht das tatsächliche Audiosignal gespeichert, sondern eine Art digitale Partitur mit Informationen darüber, wann welche Taste mit welcher Anschlagstärke gespielt wurde. Es gibt aber auch Digitalpianos, die eine Audio-Aufnahme auf einem USB-Stick ermöglichen. Je nach Ausstattung des Digitalpianos mit Anschlüssen (siehe unten) kann es die Möglichkeit geben, die aufgenommenen Daten per USB auf einen Computer zu übertragen oder auf einem USB-Stick zu speichern.

Anschlüsse

Bei Home-Pianos, die im heimischen Wohnzimmer über die eingebauten Lautsprecher gespielt werden, spielen die Anschlussmöglichkeiten meist eine untergeordnete Rolle. Solange Kopfhöreranschlüsse vorhanden sind – und davon bieten die meisten heute erhältlichen Modelle zwei – stellen die meisten Anwender hier keine weiteren Ansprüche. Wer jedoch nicht bloß Klavier spielen, sondern zum Beispiel weitere Klangerzeuger oder Software Synthesizer über MIDI ansteuern möchte, der freut sich auch bei einem Home-Piano über die entsprechenden MIDI- und/oder USB-Anschlüsse und sollte genau darauf achten, welche Möglichkeiten das Piano bietet.

Bei transportablen Digitalpianos für den Live-Einsatz sind die Anschlüsse kritischer: Hier sollte man darauf achten, dass ein gesonderter Line-Ausgang vorhanden ist, über den sich das Instrument mit einem Mischpult verbinden lässt. Viele portable Digitalpianos der unteren Preisklassen bieten leider nur den Kopfhörerausgang als Verbindung zur Außenwelt, wodurch man zum Anschluss an ein Mischpult oder eine PA auf unpraktische und oft etwas wackelige Adapter zurückgreifen muss. Mobile Instrumente werden auch häufiger als Home-Pianos dazu verwendet, sie mit einem Computer oder einem externen Klangerzeuger zu verbinden. Für diesen Fall sollte ein USB-Anschluss und eventuell auch eine klassische MIDI-Schnittstelle vorhanden sein.

Manche Digitalpianos besitzen gleich zwei USB-Buchsen: Zusätzlich zur “USB-to-host”-Buchse, die zum Anschluss an einen Computer dient, gibt es gelegentlich einen “USB-to-device”-Anschluss, in den man einen Speicherstick stecken kann. Auf diesem können dann je nach Modell Daten wie aufgenommene Songs oder persönliche Einstellungen abgelegt werden.

Nicht unterschätzt werden sollte die Bedeutung einer guten Zugänglichkeit der Anschlüsse. Bei einem schweren Home-Piano, das an einer Wand steht, kann man mit rückseitigen Anschlüssen nichts anfangen. Bei den meisten Modellen sind sie daher irgendwo unter dem Spieltisch zu finden. Das ist auch nicht gerade praktisch, aber unter das Klavier zu kriechen ist immerhin besser, als sich beim Abrücken von der Wand einen Bruch zu heben. Besonders wichtig ist die Frage der günstigen Platzierung bei den Kopfhöreranschlüssen, denn ein Kopfhörerkabel kann schnell beim Spielen stören. Zum Glück sind die meisten Hersteller inzwischen dazu übergegangen, die Kopfhörerbuchsen vorne links unterhalb der Tastatur anzubringen. Aber auch hier gibt es einige unrühmliche Ausnahmen.

Begleitautomatik

Manche Digitalpianos enthalten zusätzlich eine Begleitautomatik, wie man sie aus Entertainer-Keyboards kennt. Dann kann man sich mit den integrierten Rhythmen selbst begleiten. Das Angebot reicht hier von einfachen Drumgrooves bis hin zu High-End-Modellen wie der Yamaha CVP Serie, deren Begleitautomatik aus den Oberklasse-Keyboards der Tyros-Reihe stammt und kaum einen Wunsch offen lässt. Digitalpianos mit Begleitautomatik enthalten immer eine viel größere Klangauswahl als herkömmliche Modelle. Das liegt daran, dass sie zum Abspielen der Begleitrhythmen ohnehin mit einer großen Zahl verschiedener Sounds ausgerüstet sein müssen, die man dann meist auch auf der Tastatur spielen kann. Solche Digitalpianos bieten also nicht nur das übliche Standardprogramm, sondern Hunderte von Sounds aller Kategorien.

Marktübersicht: Digitalpianos in verschiedenen Preisklassen

Wir hoffen, dass dieser Artikel euch einen Überblick über die verschiedenen Kriterien beim Kauf eines Digitalpianos geben konnte und ich vielleicht die eine oder andere Frage bereits beantworten konnte. Doch eine bleibt: Welches ist denn nun das beste Digitalpiano? Und auf diese Frage gibt es – ihr ahnt es wahrscheinlich bereits – leider keine einfache Antwort. So, wie es Hunderte Digitalpianos mit den verschiedensten Funktionen gibt, so gibt es auch unzählige verschiedene Pianistinnen und Pianisten, und jeder hat seine ganz eigenen Ansprüche. Letztlich führt also kein Weg daran vorbei, ein paar Modelle auszuprobieren und zu vergleichen, bis man das digitale Klavier gefunden hat, das den eigenen Vorstellungen und dem verfügbaren Budget am ehesten entspricht.

Dennoch möchten wir hier beispielhaft einige beliebte Instrumente der verschiedenen Klassen und Kategorien auflisten, um euch einen Startpunkt für eigene Tests zu geben. Wo immer es bereits einen bonedo-Test zu einem Modell gibt, habe ich ihn verlinkt.

Wichtig: Diese Auflistung ist keine Rangliste! Die Pianos sind nach Herstellern alphabetisch sortiert und nicht nach Qualität. Wegen der zum Teil sehr unterschiedlichen Ausstattung und den vielen inviduellen Anforderungen wäre eine Rangliste nicht aussagekräftig und könnte unmöglich allen Ansprüchen gerecht werden. Da verschiedene Farbvarianten des gleichen Pianos gelegentlich unterschiedlich viel kosten, wurde zur Einsortierung in die Preisklassen die einfachste schwarze Ausführung herangezogen. Nicht berücksichtigt wurden professionelle Stagepianos ohne eingebaute Lautsprecher – für diese Kategorie werden wir in Kürze einen gesonderten Kaufratgeber veröffentlichen.

Home-Pianos (Oberklasse ab ca. 2.500 Euro)

Casio GP-300 Celviano Grand Hybrid   (Produktseite auf thomann.de)
Casio GP-400 Celviano Grand Hybrid   (Produktseite auf thomann.de)
Casio GP-500 Celviano Grand Hybrid   (Produktseite auf thomann.de)
Dexibell Vivo H7                                       (Produktseite auf thomann.de)
Kawai CA98                                               (Produktseite auf thomann.de)
Kawai CS8                                                  (Produktseite auf thomann.de)
Kawai CS11                                                (Produktseite auf thomann.de)
Roland LX-7                                               (Produktseite auf thomann.de)
Yamaha CLP-665 Clavinova                    (Produktseite auf thomann.de)
Yamaha CLP-675 Clavinova                    (Produktseite auf thomann.de

Kompakt-Digitalpianos (Einsteigerklasse bis ca. 1.000 Euro)

Korg LP-180                            (Produktseite auf thomann.de)
Roland F-140R                        (Produktseite auf thomann.de)
Thomann DP-33                     (Produktseite auf thomann.de)

Thomann DP-32 B                 (Produktseite auf thomann.de)

Yamaha YDP-S34 Arius         (Produktseite auf thomann.de)

Kompakt-Digitalpianos (Mittelklasse, ca. 1.000 - 2.500 Euro)

Roland DP-603                       (Produktseite auf thomann.de)
Roland DP-90

Kompakt-Digitalpianos (Oberklasse ab ca. 2.500 Euro)

Roland DP-90S

Portable Digitalpianos (Einsteigerklasse bis ca. 800 Euro)

Casio PX-S3000                     (Produktseite auf thomann.de)

Casio PX-S1000                     (Produktseite auf thomann.de)

Casio CDP-S350                    (Produktseite auf thomann.de)

Casio CDP-S100                    (Produktseite auf thomann.de)

Casio CDP-130                      (Produktseite auf thomann.de)
Casio CDP-230R                    (Produktseite auf thomann.de)
Casio PX-160 Privia               (Produktseite auf thomann.de)
Kawai ES100
Kawai ES110                          (Produktseite auf thomann.de)
Korg B1                                  (Produktseite auf thomann.de)
Korg SP-280                           (Produktseite auf thomann.de)

Roland FP-10                          (Produktseite auf thomann.de)

Roland FP-30                         (Produktseite auf thomann.de)
Thomann DP-26                    (Produktseite auf thomann.de)
Thomann SP-5600                (Produktseite auf thomann.de)
Yamaha P-45                         (Produktseite auf thomann.de)
Yamaha P-115

Yamaha P-125                       (Produktseite auf thomann.de)

Portable Digitalpianos (Mittelklasse, ca. 800-1.600 Euro)

Casio PX-360M Privia     (Produktseite auf thomann.de)
Casio PX-560M Privia     (Produktseite auf thomann.de)
Dexibell Vivo P3              (Produktseite auf thomann.de)
Dexibell Vivo P7              (Produktseite auf thomann.de)
Kawai ES8                        (Produktseite auf thomann.de)
Korg Havian 30               (Produktseite auf thomann.de)
Roland FP-50
Roland FP-60                   (Produktseite auf thomann.de)
Roland FP-90                   (Produktseite auf thomann.de)
Yamaha P-255                 (Produktseite auf thomann.de)
Yamaha P-515                 (Produktseite auf thomann.de)

Test-Marathon Digitalpianos

Vergleichstest Digitalpianos

Wer ein Digitalpiano kaufen möchte, steht vor einer riesigen Auswahl. Um euch die Entscheidung zu erleichtern, haben wir hier alle unsere Tests zum Thema Digitalpianos zusammengefasst.

Tipp:  Weitere interessante Themen rund um das Klavier, das Lernen und Spielen, findet ihr in unserem Artikel: Klavier lernen – Tipps für Anfänger und Profis

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