Anzeige

Kaufberatung und Testmarathon Stagepianos

Unsere Kaufberatung und Testmarathon Stagepianos klärt über die wichtigsten Eigenschaften von Stagepianos auf und kürt die besten Instrumente.

Welches ist das beste Stagepiano?
Welches ist das beste Stagepiano?

Wer auf einen guten Klavier- und Flügelsound auf der Bühne nicht verzichten möchte, hat heute viele Optionen. Gerade mit modernen Stagepianos ist das Ziel schnell erreicht. Und noch viel mehr. Früher musste man noch einen großen Aufwand betreiben, um als Keyboarder verschiedene Sounds während eines Live-Gigs abzudecken. Neben dem portablen E-Flügel wurde oft noch ein E-Piano oder eine Hammond-Orgel und ein Synthesizer auf die Bühne getragen. Das kann man sich heute ersparen, denn all diese Sounds sind mit einem modernen Stagepiano mühelos realisierbar. Und das Ganze lässt sich dank der kompakten Abmessungen und des geringen Gewichts noch im eigenen PKW transportieren.  

Moderne Technologien machen es möglich, was die im Markt etablierten Hersteller dazu anspornt, für jeden Geschmack und Anwendungsbereich etwas Passendes anzubieten. Stagepianos gibt es in den unterschiedlichsten Ausführungen und Preisklassen und alle buhlen mit markenspezifischen Eigenheiten um die Gunst des Käufers. Vorneweg: Es gibt keine schlechten Stagepianos im breiten Marktsegment. Alle Produkte haben ihre Besonderheiten, wobei diese Eigenschaften auch im Auge des Betrachters liegen, der manche Ausstattungsmerkmale wichtiger, andere aber auch vernachlässigbar einstuft.

  • Was macht ein gutes Stagepiano aus?
  • Wo liegen die wichtigen Unterschiede zu einem Digitalpiano?
  • Welchen Ansprüchen soll das Stagepiano genügen?
  • Worauf muss man beim Kauf achten?

Alles Aspekte, die wir in unserem Kaufberater näher beleuchten.


Inhalte

  1. KAUFBERATUNG STAGEPIANOS
  2. Quick Facts: Stagepiano
  3. Aufbau des Stagepianos
  4. Unterschiedliche Tastaturgrößen
  5. Klangerzeugung: Pianos und Flügel
  6. Klangerzeugung: E-Pianos
  7. Klangerzeugung: Orgeln, Synthesizer und weitere Sounds
  8. Wichtige Funktionen eines Stagepianos
  9. Optionale Funktionen von Stagepianos
  10. TESTMARATHON STAGEPIANOS
  11. Bis 1000 Euro
  12. Von 1000 bis 2000 Euro
  13. Ab 2000 bis 3000 Euro
  14. Über 3000 Euro

KAUFBERATUNG STAGEPIANOS

Quick Facts: Stagepiano

Was ist ein Stagepiano?

Ein Stagepiano ist ein elektronisches Tasteninstrument, das in seinen Grundzügen ein für den Bühnenbetrieb spezialisiertes Digitalpiano darstellt. Ausgestattet mit einer gewichteten Hammermechanik-Tastatur mit 73, 76, oder 88 Tasten und in der Regel einer Sample-basierten Tonerzeugung, bieten gute Stagepianos eine Klangauswahl, die neben authentisch klingenden Flügel- und Klaviersounds auch weitere, ergänzende Klänge, wie Vintage E-Pianos, elektromagnetische Orgeln, Clavinets, Synthesizersounds unterschiedlicher Couleur und Streicherklänge nebst Effekten in toller Qualität bieten.
Fotostrecke: 5 Bilder Yamaha CP73
Fotostrecke

Aufbau des Stagepianos

Stagepianos sind per Definition für den Einsatz auf der Bühne konzipiert. Sie sind stabil und transportabel aufgebaut, bieten dem live auftretenden Keyboarder hochwertige Klavier/Flügel- sowie E-Piano Sounds und verzichten in der Regel auf integrierte Lautsprecher. In diesen Punkten unterscheiden sie sich im Wesentlichen von Digitalpianos, die im heimischen Wohnzimmer aufgestellt werden. Gerade in den günstigeren Preisklassen zeigt sich zwischen beiden Instrumentengattungen aber durchaus eine Schnittmenge: Kompakte Digitalpianos in Keyboard-Bauweise lassen sich selbstverständlich auch auf der Bühne verwenden, bieten aber oftmals nicht alle Funktionen und Klänge, die ein professionelles Stagepiano ausmachen.

Das Yamaha P-125 als Beispiel für ein Piano, das man zu Hause auf einen optionalen Unterbau stellt, was aber dennoch portable ist, um auf der Bühne Einsatz zu finden. (Foto: Thomann)
Das Yamaha P-125 als Beispiel für ein Piano, das man zu Hause auf einen optionalen Unterbau stellt, was aber dennoch portable ist, um auf der Bühne Einsatz zu finden. (Foto: Thomann)

Obendrein sind gute Stagepianos mit praxisgerechten Anschlussmöglichkeiten ausgestattet. Das sind z. B. symmetrische XLR- und Klinkenausgänge für die Audioverbindung zu Mischpult und PA. Stagepianos werden oftmals auch zur Ansteuerung externer Klangerzeuger verwendet. Zu diesem Zweck bieten sie in der Regel auch eine MIDI-Schnittstelle (ggf. Masterkeyboard-Funktionen) sowie eine Reihe konfigurierbarer Pedalanschlüsse für unterschiedliche Funktionen. Professionelle Stagepianos gewähren zudem einen direkten Zugriff auf klangverändernde und speicherbare Parameter. Schaut man sich im Markt um, erkennt man schnell, dass viele Stagepianos nach ähnlichen Mustern aufgebaut sind. Diese zeigen sich in der Kombination verschiedener Klangbereiche sowie in einer einfachen und komfortablen Bedienung.

Das Korg D1 Stagepiano zählt zu den preisgünstigen Stagepianos, die auch über bühnengerechte XLR-Ausgänge verfügen.
Das Korg D1 Stagepiano zählt zu den preisgünstigen Stagepianos, die auch über bühnengerechte XLR-Ausgänge verfügen.

Unterschiedliche Tastaturgrößen

Wer ein Stagepiano sucht, der möchte das Instrument in der Regel für pianistische Zwecke einsetzen. Deshalb liegt der Fokus zunächst auf der verbauten Tastatur. In der Regel verfügen Stagepianos über eine Tastatur mit 88 Tasten. Deren Hammermechanik und entsprechende Gewichtung vermitteln das Gefühl, auf einem echten Klavier zu spielen. Der Markt bietet auch Stagepianos auch in schmaleren Tastatur-Versionen mit 73 oder 76 Tasten. Dabei verzichtet man auf bestimmte Tastenbereiche im Bass- und Diskantbereich. Das aber kommt der Portabilität zugute, denn die schmaleren Ausführungen passen bereits unverpackt auf den Rücksitz eines PKWs.

Die Fatar TP/40 Wood ist eine Hammermechanik-Tastatur mit Holztasten, die in Stagepianos mehrerer Hersteller verbaut wird (Foto: Christian Radtke)
Die Fatar TP/40 Wood ist eine Hammermechanik-Tastatur mit Holztasten, die in Stagepianos mehrerer Hersteller verbaut wird (Foto: Christian Radtke)

Zum Wählen des passenden Instruments muss man das Spielgefühl auf den Tastaturen der angebotenen Stagepianos ausgiebig testen. Nur so findet man das Passende, denn die Gewichtungen der Tastaturen fallen je nach Hersteller und Modell unterschiedlich aus. Hinzu kommt, dass die persönlichen Vorlieben hinsichtlich der Tastatur sehr verschieden sind. Eine gut spielbare Tastatur ist nicht die alleinige Voraussetzung, um zufrieden auf dem Instrument zu spielen. Die Kombination aus Spielgefühl und dem gehörten Klang ist maßgebend.

Modell der RH3-Tastatur mit gewichteter Hammermechanik, die in Korg-Instrumenten zum Einsatz kommt. (Foto: Michael Geisel)
Modell der RH3-Tastatur mit gewichteter Hammermechanik, die in Korg-Instrumenten zum Einsatz kommt. (Foto: Michael Geisel)

Dazu muss die Tonerzeugung des Stagepianos das dynamische Spiel auf der Klaviatur in geeigneter Weise technisch und klanglich perfekt realisieren. Ein wichtiger Aspekt ist die Polyphonie. Sie bestimmt, wie viele Töne ein Stagepiano gleichzeitig erzeugen kann. Nun könnte man denken, dass mit zehn Fingern zehn gleichzeitig hörbare Töne ausreichen sollten. Tatsächlich ist es so, dass gerade beim pianistischen Spiel mit viel Pedaleinsatz und lange ausklingenden Tönen oft eine deutlich höhere Anzahl von Tönen gleichzeitig erklingt. Ist die Polyphonie nicht ausreichend, macht sich das durch abreißende Noten bemerkbar. Heutige Stagepianos sind zumeist mit einer Polyphonie von 128 oder sogar 256 Noten ausgestattet, was für die meisten Einsatzbereiche ausreicht.

Klangerzeugung: Pianos und Flügel

Ein Stagepiano muss gut spielbar sein und vor allem authentisch klingen. Deshalb verfügen viele moderne Instrumente über unterschiedliche Klangerzeugungen, die auf die verschiedenen Klangspektren wie Piano, Orgel und Synthesizer spezialisiert sind. Allen voran steht die Tonerzeugung für Flügel- und Klaviersounds. Sie ist der wichtigste Teil des Stagepianos, der den Ersatz der akustischen Pendants möglich macht. Die Hauptfunktion des Stagepianos liegt in der Simulation akustischer Pianos, zu denen neben berühmten Flügelmodellen auch Upright-Pianos zählen. Bei letzteren handelt es sich um also hochgebaute Klaviere, die sich mit ihrem charaktervollen Klang in modernen Musikproduktionen etabliert haben. Das macht an dieser Stelle bereits klar: Ein gutes Stagepiano sollte eine gewisse Bandbreite verschiedener Flügel- und Klavierklänge bieten.

Flügel und Upright-Piano: Klangvolle Instrumente mit Charakter (Foto: Steinway & Sons)
Flügel und Upright-Piano: Klangvolle Instrumente mit Charakter (Foto: Steinway & Sons)

Sampling und Physical Modeling

In der Regel durch Sampling-Technologie realisiert, liegt der Schwerpunkt der Tonerzeugung auf einem authentischen Klangverhalten. Neben der Reproduktion eines großen Dynamikbereichs schließt das bei modernen Stagepianos auch die physikalischen Ereignisse mit ein, die beim Spielen klanglich entstehen, wenn man das Haltepedal betätigt und wieder loslässt oder den Deckel des Flügels in einer bestimmten Position arretiert. Auch die Geräusche, die beim Drücken und wieder Loslassen einer Taste entstehen, finden neben vielen anderen Geräuschen (Noises) Anwendung in der digitalen Reproduktion des Pianoklangs. Neben der Verwendung von Samples für die reine Tonerzeugung kommt bei vielen heutigen Instrumenten auch die sogenannte Physical-Modeling-Technologie zur Reproduktion der Nebengeräusche und sonstigen individuellen Eigenschaften des Klavierklangs zum Einsatz. Es existieren aber auch einzelne Stagepianos, die den Bereich der Klavier- und Flügelsounds komplett per Physical Modeling erzeugen und damit ohne Samples auskommen.

Das Physis Piano K4 EX des Herstellers Viscount erzeugt seine Piano-Klänge mit Physical Modeling.
Das Physis Piano K4 EX des Herstellers Viscount erzeugt seine Piano-Klänge mit Physical Modeling.

Begriffe wie

  • Dämpferresonanz
  • Saitenresonanz (Sympathetic Resonance)
  • Key-Off Noises
  • Damper Noise

haben bei der Reproduktion des akustischen Pianoklangs ihre besondere Bedeutung. Waren Speicherplatz und Technologie früher noch teuer, trumpfen heute einige Hersteller mit Gigabyte-großen Sample-Bibliotheken und vielfach gelayerten Multisample-Bänken. Diese dienen zur Reproduktion des großen Dynamikumfangs mechanischer Tasteninstrumente. Ton für Ton und in diversen Anschlagstärken (Velocity). Durch die verschiedenen Sampling- und Physical-Modeling-Technologien konnte die Reproduktion von Flügel- und Klavierklängen in der letzten Zeit stark verbessert werden. So positiv diese Fortschritte auch sein mögen, sollte man jedoch eines nicht vergessen: Gerade auf der Bühne ist der in allen Nuancen gesampelte Klang eines Konzertflügels manchmal nicht das passende Instrument. In vielen Live-Situationen tut es auch ein etwas einfacherer Sound, der prägnant und durchsetzungsstark ist. Man sollte stets darauf achten, wie sich der gewählte Klang im Kontext der gesamten Band verhält, und ihn ggf. mit einigen anderen vergleichen.

Dämpferresonanz

Unter Dämpferresonanz versteht man das klangliche Ereignis, wenn bei einem Klavier oder Flügel durch das Betätigen des Dämpferpedals alle Saiten frei schwingen. Dadurch entsteht während des Spielens eine deutlich wahrnehmbare Tiefe, die für diese Instrumente typisch ist und bei einem digitalen Stagepiano künstlich erzeugt werden muss.

Saitenresonanz (Sympathetic Resonance)

Werden bei einem Klavier oder Flügel Tasten gedrückt, schwingen nicht nur die jeweils angeschlagenen Saiten. Es werden dadurch auch die danebenliegenden Saiten zum Mitschwingen gebracht, wobei Resonanzen zwischen Oberton-verwandten Tönen entstehen. Dieses Phänomen trägt sehr zum natürlichen Klang bei und muss bei digitaler Tonerzeugung künstlich generiert werden.

Key-Off

Um den Sound des digital erzeugten Klaviers oder Flügels authentischer zu gestalten, wird der Effekt, der beim Aufsetzen der Dämpfer auf die Saiten entsteht, künstlich erzeugt. Das ist eine wichtige Komponente im Gesamtklang.

Damper Noise

Wird das Dämpferpedal des Klaviers oder Flügels gedrückt, heben sich alle Dämpfer gleichzeitig von den Klaviersaiten ab. Dabei geraten alle Saiten leicht in Schwingungen. Dieses Nebengeräusch, das gerade beim Konzertflügel weniger erwünscht ist, ist dennoch ein wichtiges Detail im Gesamtklang und wird daher bei vielen digitalen Pianos künstlich erzeugt.

Fall-Back Noise

Unter Fall-Back-Noise versteht man das Geräusch, das entsteht, wenn eine gedrückte Klaviertaste losgelassen wird und der Hammer der Klaviermechanik in seine Ausgangsposition fällt. Auch dieses Geräusch trägt zur Echtheit des digital reproduzierten Klangs bei. Manche Stagepianos verfügen über dieses Detail, dessen Intensität dann meist regelbar ist.

Half-Pedal (Halb-Pedal)

Im Gegensatz zur herkömmlichen Sustainpedal-Funktionsweise, die nur Sustain „An“ oder „Aus“ kennt, bedient die Half-Pedal-Funktion auch Zwischenwerte. Dadurch wird das langsame Abheben der Dämpfer simuliert, was sich in variablen Abklingzeiten klanglich positiv darstellt. Zur Unterstützung dieser Funktion muss neben einer gegebenen Gerätespezifikation auch ein Half-Pedal-fähiges Sustainpedal eingesetzt werden.

Fotostrecke: 2 Bilder Neben Flügel- und Klavierklängen sind auch die Sounds von E-Pianos wie dem Fender Rhodes … (Quelle: noisy-musicworld.com)
Fotostrecke

Klangerzeugung: E-Pianos

Wie Flügel- und Klaviersounds, spielen auch die klassischen Electro-Pianos, sprich E-Pianos und E-Flügel, eine besondere Rolle. Gerade diese besondere Gattung der Tasteninstrumente hat mit ihrem speziellen Sound einer Vielzahl an Musikgenres nicht nur eine besondere Note gegeben, sondern diese erst geprägt. Elektromechanisch aufgebaut, unterscheidet man drei Typen klassischer Electro-Pianos.

  • Fender Rhodes: Zur Tonerzeugung werden Klangstäbe (Tines) in Schwingung gebracht
  • Wurlitzer E-Piano: Zur Tonerzeugung werden Metallzungen (Reeds) in Schwingung gebracht
  • Electro-Flügel: Die Tonerzeugung funktioniert über eine Klaviermechanik und angeschlagene Saiten, deren Klang durch Tonabnehmer abgenommen wird. Yamaha CP-70, CP-80 und Kawai EP-308 waren typische Vertreter dieser Gattung.

Während die Priorität des E-Flügel-Sounds bereits in den Hintergrund gerückt ist, sind Rhodes- und Wurlitzer-Sounds für den professionellen Einsatz enorm wichtig. Was den Sound der Electro-Pianos grundsätzlich mitgestaltet, sind die dazugehörigen Effekte. Ob Tremolo, Phaser, Chorus, Wah-Wah, Overdrive und Compressor, ein professionelles Stagepiano hat sie an Bord. Gute Stagepianos bieten dafür digitale Emulationen der spezifischen Effekte und Effektpedale, die zu den Hochzeiten der Originale für den besonderen Sound sorgten.

Klangerzeugung: Orgeln, Synthesizer und weitere Sounds

Neben Flügel-, Klavier- und E-Piano-Sounds gehören auch weitere Klänge wie Orgeln und Synthesizersounds zur Ausstattung eines guten Stagepianos. Der Gedanke dabei ist: Ein Stagepiano ist ein Instrument für Live-Keyboarder, die überwiegend Klavier- und E-Piano-Klänge spielen, aber manchmal doch den einen oder anderen weiteren Sound benötigen. Der Fokus auf hochwertigen Klavier- und E-Piano Sounds unterscheidet ein Stagepiano von einer Synthesizer-Workstation, bei der alle Klänge die gleiche Priorität genießen. Wer also eine sehr große Bandbreite an Sounds benötigt und nur gelegentlich Klavier oder E-Piano spielt, ist mit einer Workstation ggf. besser bedient. Für Keyboarder, die hauptsächlich pianistisch unterwegs sind, auf ein gutes Spielgefühl beim Spielen von Flügel- und Klavierklängen Wert legen und dennoch ab und zu eine Streicherfläche oder einen Orgel- oder Synthesizer-Sound zur Hand haben möchten, ist ein entsprechend ausgestattetes Stagepiano die ideale Wahl.

Die Profi-Workstation Korg Kronos, die mit neun unterschiedlichen Sound-Engines ein riesiges Klangpotenzial liefert
Die Profi-Workstation Korg Kronos, die mit neun unterschiedlichen Sound-Engines ein riesiges Klangpotenzial liefert

Orgel

Der klassische Sound der berühmten Hammond B3 ist aus der Pop- und Rockmusik nicht wegzudenken und gehört daher zur Ausstattung vieler Stagepianos. Wichtig zu wissen: Bei keinem Stagepiano kommt echtes Orgel-Feeling auf, schon wegen der gewichteten Tastatur. Für die typischen Orgel-Spieltechniken wird eine ungewichtete, sehr leichtgängige Tastatur benötigt. Wer oft und gerne Orgel spielt, sollte dafür ein separates Instrument wie ein Stagekeyboard ins Visier nehmen. Für Gelegenheits-Organisten, die ab und zu mal ein paar Hammond-Akkorde spielen, stellen die Orgelklänge vieler Stagepianos einen akzeptablen Kompromiss dar. Während die Flügel-, Klavier- und E-Piano Sounds der meisten Stagepianos auf Samples basieren, stößt die Sampling-Technik bei der Emulation eines Hammond-Sounds an ihre Grenzen. Diese reproduziert nur ein „fotografisches“ Abbild einer bestimmten Registratur, die in ihren Details nicht veränderbar ist.

Fotostrecke: 3 Bilder Bei Nord hat man die Wahl: Button-Zugriegel beim Nord Stage 3…
Fotostrecke

Einige Stagepianos der gehobenen Preisklassen verfügen daher über spezielle Orgel-Engines auf Physical-Modeling-Basis. Sie berechnen den Orgelklang in Echtzeit, statt vorab aufgenommene Samples abzuspielen. Je nach Qualität der Emulation führt das zu einem deutlich authentischeren Orgelklang. Zudem bietet eine solche Emulation die Möglichkeit, jederzeit den Klang mit den Zugriegeln zu verändern. Ein wichtiges Stilmittel beim Orgelspielen. Der Klang der Hammond-Orgel ist untrennbar mit dem Sound der rotierenden Lautsprecher des Leslie-Kabinetts verbunden. Bei Stagepianos, die über eine umfangreiche Orgelsektion auf Physical-Modeling-Basis verfügen, enthält diese meist auch eine Simulation dieses Effekts. Auch Verzerrung (Overdrive / Distortion) ist ein bei Orgelsounds gern genutzter Effekt, der ebenfalls an Bord sein sollte. Günstigere Stagepianos bieten oft ebenfalls einige Orgelklänge, dann aber größtenteils auf Sampling-Basis. Sie sind weniger flexibel als Physical-Modeling-Sounds.

Synthesizer und weitere Sounds

Synthesizer-Sounds gehören zum Standardrepertoire vieler Stagepianos. Dabei handelt es sich um Streicher und Bläser genauso wie Synth-Pads und Leadsounds. Einfache Instrumente bieten nur eine geringe Auswahl an zusätzlichen Klängen. Bei komplexen Instrumenten der oberen Preisklassen findet man mitunter ganze Synthesizer-Sektionen mit verschiedenen Arten der Klangerzeugung. Einige Instrumente wie das Nord Stage ermöglichen mittels einer speziellen Software sogar das Einbinden eigener Samples, was die kreativen und klanglichen Möglichkeiten stark erweitert. Wie schon bei den Orgeln gilt in diesem Bereich: Wer den Großteil eines Gigs mit Klavier- und E-Piano-Klängen bestreitet und nur selten einen Flächensound braucht, kommt mit den einfachen Synth-Sounds vieler Stagepianos schon recht weit. Die Synth-Sektionen von Stagepianos der Oberklasse messen sich in vielen Belangen mit Workstations und virtuell-analogen Synthesizern. Wer jedoch überwiegend Synthesizer spielt und nur manchmal einen Klavier- oder E-Piano Sound nutzt, der greift besser zu einer Workstation oder einem waschechten Synthesizer.

Wichtige Funktionen eines Stagepianos

Die wichtigsten Anforderungen eines Stagepianos haben wir bereits umrissen. Ein Stagepiano muss:

  • Piano/Flügel, E-Piano- und ggf. weitere Klänge in bester Qualität bieten,
  • eine gut auf die Klänge abgestimmte und angenehm spielbare Tastatur besitzen,
  • transportabel sein
  • und über bühnentaugliche Anschlüsse verfügen.

Darüber hinaus sind bei einem Stagepiano noch einige weitere Funktionen wichtig, damit es beim Einsatz auf der Bühne und im Proberaum keine Komplikationen gibt.

Split und Layer

Ein Stagepiano sollte über einen schnellen und intuitiven Zugriff auf Split- und Layer-Funktionen verfügen. Zum Aufteilen der Tastatur auf zwei verschiedene Klänge oder zum Übereinanderschichten zweier Sounds sollte es nicht nötig sein, in Menüs abzutauchen. Auch sollten der Splitpunkt sowie das Lautstärkeverhältnis der Sounds einfach zu ändern sein. Liegen diese Funktionen im direkten Zugriff sind, kann man auf der Bühne auf spontane Änderungen oder unvorhergesehene Situationen reagieren. In dieser Hinsicht haben die meisten modernen Stagepianos gegenüber den Workstations einigen Bedienkomfort voraus.

Fotostrecke: 5 Bilder Bedienoberfläche des Nord Stage 3
Fotostrecke

Einfache Bedienbarkeit

Ein gutes Stagepiano lässt sich auch gut bedienen. Daran denken Hersteller, denn sie wissen, dass ein professionelles Instrument auch in widrigen Bühnensituationen beherrschbar sein muss. Deshalb lässt sich ein gutes Stagepiano im besten Fall im Schlaf bedienen. Alle wichtigen Funktionen wie Klangauswahl, Split/Layer, Effekteinstellungen etc. sollten direkt auf dem Bedienfeld zugänglich und logisch strukturiert sein. Ein bei günstigen Digitalpianos übliches Prozedere Einstellungen über eine Kombination von Funktionstaste und Tasten der Klaviatur aufzurufen, ist bei einem Stagepiano undenkbar. Der Bedienkomfort elektronischer Musikinstrumente hat sich während der letzten 15 Jahre stark verbessert. Davon profitieren nicht nur die professionellen Stagepianos, sondern auch die Mittelklasse der elektronischen Bühnenklaviere.

Optionale Funktionen von Stagepianos

Manche Stagepianos bieten einen Funktionsumfang, der deutlich über die wichtigsten Merkmale hinausgeht. Gerade Instrumente der Oberklasse zeichnen sich oft durch zusätzliche Funktionen aus, welche die Grenzen zu anderen Gerätegattungen verwischen und ggf. ein weiteres Keyboard unnötig machen. 

Masterkeyboard-Funktionen

Unter Masterkeyboard-Funktionen versteht man die Fähigkeit eines Stagepianos, einen oder mehrere externe Klangerzeuger über MIDI anzusteuern und als Schaltzentrale dieses Setups zu fungieren. Dafür bieten einige Stagepianos Merkmale wie spezielle Tastaturzonen für die Ansteuerung externer Klangerzeuger, sowie die Zuweisung von Controllern wie Pedalen oder Reglern zu diesen Zonen. Der Aufbau eines MIDI-Systems mit einem so ausgestatteten Digitalpiano als Zentrale erfordert viel Vorbereitung, kann auf der Bühne aber viel Arbeit abnehmen. Im besten Fall genügt es, beim Wechsel von einem Song zum nächsten nur das nächste Programm des Stagepianos aufzurufen. Dabei wechseln alle Tastaturzonen sowie die Klänge, Lautstärken und Controller-Zuweisungen der externen MIDI-Klangerzeuger automatisch mit. Grundsätzlich ist jedoch feststellbar, dass die Masterkeyboard-Funktionen der meisten Stagepianos nicht mit denen von reinen MIDI-Masterkeyboards oder Synthesizer-Workstations mithalten können.

Wichtige Fragen an sich selbst unterstützen die Wahl des passenden Stagepianos:

  • Wo und in welchem musikalischen Umfeld wird das Instrument genutzt? 
  • Welche Klänge werden hauptsächlich benötigt, und gibt es darüber hinaus weitere Klänge, die vorhanden sein sollten? 
  • Wo liegen die Ansprüche im Bereich der Effekte? 
  • Soll das Stagepiano auch zum Ansteuern externer Klangerzeuger verwendet werden? 
  • Und schlussendlich: Welches Budget steht zur Verfügung?

Sind diese Fragen beantwortet, ergibt sich meist schon ein deutlicheres Bild, welche Instrumente infrage kommen. Für eine finale Entscheidung probiert man die fraglichen Kandidaten im besten Fall selbst aus, um sich mit den Klängen, Tastaturen und Funktionen vertraut zu machen.

Im Folgenden haben wir alle unsere Testberichte zu Stagepianos zusammengestellt, was die Auswahl zusätzlich erleichtern soll. Auch wenn die Tests nicht das persönliche Ausprobieren ersetzen können, hoffen wir, dass sie bei einer Entscheidung helfen.

Anmerkung: Die Reihenfolge der getesteten Stagepianos stellt nicht deren Rangfolge dar; die Reihenfolge wird bestimmt durch das Erscheinungsdatum des Tests.

Kommentieren
Kommentare vorhanden
Schreibe den ersten Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.