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Kaufberatung und Testmarathon Stagepianos

Wer auf einen guten Klavier- und Flügelsound auf der Bühne nicht verzichten möchte, hat mit modernen Stagepianos viele Optionen. Und noch viel mehr. Früher musste man noch einen großen Aufwand betreiben, um als Keyboarder verschiedene Sounds während eines Live-Gigs abzudecken. Neben dem portablen E-Flügel wurde oft noch ein E-Piano oder eine Hammond-Orgel und ein Synthesizer auf die Bühne getragen. Das kann man sich heute ersparen, denn all diese Sounds sind mit einem modernen Stagepiano mühelos zu realisieren. Und kompakt sind sie auch noch, was selbst den Transport im PKW gestattet.  In unserer Kaufberatung klären wir über die wichtigsten Eigenschaften von Stagepianos auf. Unser Testmarathon präsentiert alle unsere Testberichte zu Stagepianos und zeigt deren Stärken und Schwächen.

Moderne Technologien machen es möglich, weshalb es Stagepianos in den unterschiedlichsten Ausführungen und Preisklassen gibt. Das macht die Wahl des eigenen Stagepianos nicht unbedingt leichter. Wir helfen bei einer geschickten Auswahl und stehen mit hilfreichen Tipps zur Seite.

Inhalte
  1. Was ist ein Stagepiano?
  2. Aufbau von Stagepianos
  3. Unterschiedliche Tastaturgrößen
  4. Klangerzeugung: Pianos und Flügel
  5. Klangerzeugung: E-Pianos
  6. Klangerzeugung: Orgeln, Synthesizer und weitere Sounds
  7. Wichtige Funktionen eines Stagepianos
  8. Optionale Funktionen von Stagepianos
  9. Worüber sollte man sich vor dem Kauf eines Stagepianos Gedanken machen?
  10. Unsere Empfehlungen
  11. Testberichte Stagepianos

Was ist ein Stagepiano?

Ein Stagepiano ist ein elektronisches Tasteninstrument, das in seinen Grundzügen ein für den Bühnenbetrieb spezialisiertes Digitalpiano ist.

Ausgestattet ist es in der Regel mit einer gewichteten Hammermechanik-Tastatur mit 73, 76, oder 88 Tasten. Die meisten Stagepianos verwenden eine Sample-basierte Tonerzeugung, die neben authentisch klingenden Flügel- und Klaviersounds auch weitere, ergänzende Klänge liefert. Dazu gehören u. a. Vintage E-Pianos, elektromagnetische Orgeln, Clavinets, Synthesizersounds unterschiedlicher Couleur und Streicherklänge nebst Effekten in überzeugender Qualität.

Fotostrecke: 5 Bilder Yamaha CP73
Fotostrecke

Aufbau von Stagepianos

Stagepianos sind erklärtermaßen für den Einsatz auf der Bühne konzipiert. Sie sind stabil und transportabel konstruiert und bieten Keyboardern hochwertige Klavier-/Flügel- sowie E-Piano-Sounds. Sie verzichten in der Regel auf integrierte Lautsprecher. In diesen Punkten unterscheiden sie sich im Wesentlichen von Digitalpianos. Gerade in den günstigeren Preisklassen zeigt sich zwischen beiden Instrumentengattungen durchaus eine Schnittmenge: Kompakte Digitalpianos in Keyboard-Bauweise kann man auch auf der Bühne verwenden, sie bieten aber oftmals nicht alle Funktionen und Klänge, die ein professionelles Stagepiano ausmachen.

Das Yamaha P-125 als Beispiel für ein Piano, das man zu Hause auf einen optionalen Unterbau stellt, was aber dennoch portable ist, um auf der Bühne Einsatz zu finden. (Foto: Thomann)
Das Yamaha P-125 als Beispiel für ein Piano, das man zu Hause auf einen optionalen Unterbau stellt, was aber dennoch portable ist, um auf der Bühne Einsatz zu finden. (Foto: Thomann)

Zusätzlich verfügen gute Stagepianos über praxisgerechte Anschlüsse wie symmetrische XLR- und Klinkenausgänge für die Audioverbindung zu Mischpult und PA. Stagepianos bieten in der Regel auch eine MIDI-Schnittstelle (ggf. Masterkeyboard-Funktionen) sowie eine Reihe konfigurierbarer Pedalanschlüsse für unterschiedliche Funktionen. Professionelle Stagepianos gewähren zudem einen direkten Zugriff auf klangverändernde und speicherbare Parameter. Daran erkennt man, dass viele Stagepianos nach ähnlichen Mustern aufgebaut sind; einer Kombination verschiedener Klangbereiche mit einfacher Bedienung.

Das Korg D1 Stagepiano zählt zu den preisgünstigen Stagepianos, die auch über bühnengerechte XLR-Ausgänge verfügen.
Das Korg D1 Stagepiano zählt zu den preisgünstigen Stagepianos, die auch über bühnengerechte XLR-Ausgänge verfügen.

Unterschiedliche Tastaturgrößen

Wer ein Stagepiano sucht, möchte das Instrument für pianistische Zwecke einsetzen. Deshalb liegt der Fokus zunächst auf der verbauten Tastatur. In der Regel verfügen Stagepianos über eine Tastatur mit 88 Tasten. Deren Hammermechanik und entsprechende Gewichtung vermitteln das Gefühl, auf einem echten Klavier zu spielen. Der Markt bietet auch Stagepianos auch in schmaleren Tastatur-Versionen mit 73 oder 76 Tasten. Dabei verzichtet man auf bestimmte Tastenbereiche im Bass- und Diskantbereich. Das aber kommt der Portabilität zugute, denn die schmaleren Varianten passen bereits unverpackt auf den Rücksitz eines PKWs.

Die Fatar TP/40 Wood ist eine Hammermechanik-Tastatur mit Holztasten, die in Stagepianos mehrerer Hersteller verbaut wird (Foto: Christian Radtke)
Die Fatar TP/40 Wood ist eine Hammermechanik-Tastatur mit Holztasten, die in Stagepianos mehrerer Hersteller verbaut wird (Foto: Christian Radtke)

Zum Wählen des passenden Instruments muss man das Spielgefühl auf den Tastaturen der angebotenen Stagepianos ausgiebig testen, da die Gewichtungen der Tastaturen je nach Hersteller und Modell unterschiedlich ausfallen. Obendrein spielen persönliche Vorlieben eine große Rolle. Eine gut spielbare Tastatur ist nicht die alleinige Voraussetzung für ein zufriedenes Spielen. Die Kombination aus Spielgefühl und dem damit umgesetzten Klang ist maßgebend.

Modell der RH3-Tastatur mit gewichteter Hammermechanik, die in Korg-Instrumenten zum Einsatz kommt. (Foto: Michael Geisel)
Modell der RH3-Tastatur mit gewichteter Hammermechanik, die in Korg-Instrumenten zum Einsatz kommt. (Foto: Michael Geisel)

Tastatur in Harmonie mit der Tonerzeugung

Die Tonerzeugung eines Stagepianos sollte das dynamische Spiel auf der Klaviatur in geeigneter Weise technisch und klanglich perfekt realisieren.

Ein wichtiger Aspekt ist die Polyphonie. Sie bestimmt, wie viele Töne ein Stagepiano gleichzeitig erzeugen kann. Nun könnte man denken, dass mit zehn Fingern zehn gleichzeitig hörbare Töne ausreichen sollten. Tatsächlich ist es so, dass gerade beim pianistischen Spiel mit viel Pedaleinsatz und lange ausklingenden Tönen oft eine deutlich höhere Anzahl von Tönen gleichzeitig erklingt. Ist die Polyphonie nicht ausreichend, macht sich das durch abreißende Noten bemerkbar. Moderne Stagepianos sind zumeist mit einer Polyphonie von 128, 256 Stimmen und mehr ausgestattet. Das reicht für die meisten Einsatzbereiche.

Klangerzeugung: Pianos und Flügel

Ein Stagepiano sollte gut spielbar sein und vor allem authentisch klingen. Deshalb verfügen viele moderne Instrumente über unterschiedliche Klangerzeugungen, die auf die verschiedenen Klangspektren wie Piano, Orgel und Synthesizer spezialisiert sind. Allen voran steht die Tonerzeugung für Flügel- und Klaviersounds. Sie ist der wichtigste Part des Stagepianos, der den Ersatz der akustischen Pendants möglich macht. Die Hauptfunktion des Stagepianos liegt in der Simulation akustischer Pianos, zu denen neben berühmten Flügelmodellen auch Upright-Pianos zählen. Bei Letzteren handelt es sich um also hochgebaute Klaviere, die sich mit ihrem charaktervollen Klang in modernen Musikproduktionen etabliert haben. Das macht an dieser Stelle bereits eines klar: Ein gutes Stagepiano muss eine gewisse Bandbreite verschiedener Flügel- und Klavierklänge abdecken.

Flügel und Upright-Piano: Klangvolle Instrumente mit Charakter (Foto: Steinway & Sons)
Flügel und Upright-Piano: Klangvolle Instrumente mit Charakter (Foto: Steinway & Sons)

Sampling und Physical Modeling in der Tonerzeugung

In der Regel durch Sampling-Technologie realisiert, liegt der Schwerpunkt der Tonerzeugung auf einem authentischen Klangverhalten. Das schließt Faktoren wie die Reproduktion eines großen Dynamikbereichs und die physikalischen Ereignisse mit ein, die beim Spielen klanglich entstehen. Zu den physikalischen Eigenschaften gehören z. B. die Besonderheiten, die beim Drücken und Loslassen des Haltepedals technisch wie hörbar passieren. Oder die Klangveränderung beim Arrretieren des Flügeldeckels in einer bestimmten Position. Auch die Geräusche beim Drücken und wieder Loslassen einer Taste, finden neben vielen anderen „Noises“ und Klangveränderungen Berücksichtigung in der digitalen Reproduktion des perfekten Pianoklangs.

Neben der Verwendung von Samples für die reine Tonerzeugung kommt bei vielen heutigen Instrumenten auch die sogenannte Physical-Modeling-Technologie zur Reproduktion der Nebengeräusche und weiterer individueller Eigenschaften des Klavierklangs zum Einsatz. Es existieren aber auch einzelne Stagepianos, die den Bereich der Klavier- und Flügelsounds komplett per Physical-Modeling-Technologie erzeugen und damit ohne Samples auskommen.

Das Physis Piano K4 EX des Herstellers Viscount erzeugt seine Piano-Klänge mit Physical Modeling.
Das Physis Piano K4 EX des Herstellers Viscount erzeugt seine Piano-Klänge mit Physical Modeling.

Charakteristische Elemente und Klangeigenschaften des Klavier- und Flügelklangs

Bei der perfekten digitalen Reproduktion des akustischen Pianoklangs haben Begriffe wie

  • Dämpferresonanz
  • Saitenresonanz (Sympathetic Resonance)
  • Key-Off Noises
  • Damper Noise

eine besondere Bedeutung. Waren Speicherplatz und Technologie früher noch teuer, trumpfen heute einige Hersteller mit Gigabyte-großen Sample-Bibliotheken und vielfach gelayerten Multisample-Bänken. Diese dienen zur Reproduktion des großen Dynamikumfangs mechanischer Tasteninstrumente. Ton für Ton und in diversen Anschlagstärken (Velocity). Die Modernisierung der Sampling- und Physical-Modeling-Technologien hat die digitale Reproduktion von Flügel- und Klavierklängen auf ein neues Level gehoben. Eine sehr positive Entwicklung. Bei allem Fortschritt sollte man eines nicht vergessen: Gerade auf der Bühne ist der in allen Nuancen gesampelte Klang eines Konzertflügels manchmal nicht das passende Instrument. In vielen Live-Situationen tut es auch ein etwas einfacherer Sound, der prägnant und durchsetzungsstark ist. Deshalb sollte man stets darauf achten, wie sich der gewählte Klang im Kontext mit anderen Instrumenten der Band verhält, und ihn ggf. mit einigen anderen vergleichen.

Dämpferresonanz

Unter Dämpferresonanz versteht man das klangliche Ereignis, wenn bei einem Klavier oder Flügel durch das Betätigen des Dämpferpedals alle Saiten frei schwingen. Dadurch entsteht während des Spielens eine deutlich wahrnehmbare Tiefe, die für diese Instrumente typisch ist und bei einem digitalen Stagepiano künstlich erzeugt werden muss.

Saitenresonanz (Sympathetic Resonance)

Werden bei einem Klavier oder Flügel Tasten gedrückt, schwingen nicht nur die jeweils angeschlagenen Saiten. Es werden dadurch auch die danebenliegenden Saiten zum Mitschwingen gebracht. Dabei entstehen Resonanzen zwischen Oberton-verwandten Tönen. Dieses Phänomen trägt sehr zum natürlichen Klang bei und muss bei digitaler Tonerzeugung künstlich generiert werden.

Key-Off

Um den Sound des digital erzeugten Klaviers oder Flügels authentischer zu gestalten, wird der Effekt, der beim Aufsetzen der Dämpfer auf die Saiten entsteht, künstlich erzeugt. Das ist eine wichtige Komponente im Gesamtklang.

Damper Noise

Wird das Dämpferpedal des Klaviers oder Flügels gedrückt, heben sich alle Dämpfer gleichzeitig von den Klaviersaiten ab. Dabei geraten alle Saiten leicht in Schwingungen. Dieses Nebengeräusch, das gerade beim Konzertflügel weniger erwünscht ist, ist dennoch ein wichtiges Detail im Gesamtklang und wird daher bei vielen Pianos mit digitaler Tonerzeugung künstlich erzeugt.

Fall-Back Noise

Unter Fall-Back-Noise versteht man das Geräusch, das entsteht, wenn eine gedrückte Klaviertaste losgelassen wird und der Hammer der Klaviermechanik in seine Ausgangsposition fällt. Auch dieses Geräusch trägt zur Echtheit des digital reproduzierten Klangs bei. Manche Stagepianos verfügen über dieses Detail, dessen Intensität dann meist regelbar ist.

Half-Pedal (Halb-Pedal)

Im Gegensatz zur herkömmlichen Sustainpedal-Funktionsweise, die nur Sustain „An“ oder „Aus“ kennt, bedient die Half-Pedal-Funktion auch Zwischenwerte. Dadurch wird das langsame Abheben der Dämpfer simuliert, was sich in variablen Abklingzeiten klanglich positiv darstellt. Zur Unterstützung dieser Funktion muss man neben einer gegebenen Gerätespezifikation auch ein Half-Pedal-fähiges Sustainpedal einsetzen.

Fotostrecke: 2 Bilder Neben Flügel- und Klavierklängen sind auch die Sounds von E-Pianos wie dem Fender Rhodes … (Quelle: noisy-musicworld.com)
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Klangerzeugung: E-Pianos

Wie Flügel- und Klaviersounds, spielen auch klassische Electro-Pianos, sprich E-Pianos und E-Flügel sowie das Clavinet eine besondere Rolle im Klangsortiment von Stagepianos. Gerade diese besondere Gattung der Tasteninstrumente hat mit ihrem speziellen Sound einer Vielzahl an Musikgenres nicht nur eine besondere Note gegeben, sondern diese erst geprägt. Elektromechanisch aufgebaut, unterscheidet man drei Typen klassischer Instrumente mit elektromechanischer Tonerzeugung:

  • Fender Rhodes: Zur Tonerzeugung werden Klangstäbe (Tines) in Schwingung gebracht
  • Wurlitzer E-Piano: Zur Tonerzeugung werden Metallzungen (Reeds) in Schwingung gebracht
  • Hohner Clavinet: Die Klangerzeugung funktioniert per Bolzen (Tangente), der beim Drücken der Taste die Saite auf einen kleinen Amboss schlägt.
  • Electro-Flügel: Die Tonerzeugung funktioniert über eine Klaviermechanik und angeschlagene Saiten, deren Klang durch Tonabnehmer abgenommen wird. Yamaha CP-70, CP-80 und Kawai EP-308 waren typische Vertreter dieser Gattung.

Während die Priorität des E-Flügel-Sounds bereits in den Hintergrund gerückt ist, sind Rhodes- und Wurlitzer-Sounds gefolgt vom klassichen Clavinet für den professionellen Einsatz enorm wichtigWas den Sound dieser Instrumente grundsätzlich mitgestaltet, sind die dazugehörigen Effekte. Ob Tremolo, Phaser, Chorus, Wah-Wah, Overdrive und Compressor, ein professionelles Stagepiano hat sie an Bord. Gute Stagepianos bieten dafür digitale Emulationen der spezifischen Effekte und Effektpedale, die zu den Hochzeiten der Originale für den besonderen Sound sorgten.

    Klangerzeugung: Orgeln, Synthesizer und weitere Sounds

    Neben Flügel-, Klavier- und E-Piano-Sounds gehören auch weitere Klänge wie Orgeln und Synthesizersounds zur Ausstattung eines guten Stagepianos.

    Der Gedanke dabei ist: Ein Stagepiano ist ein Instrument für Live-Keyboarder, die überwiegend Klavier- und E-Piano-Klänge spielen, aber dennoch den einen oder anderen weiteren Sound benötigen. Der Fokus auf hochwertigen Klavier- und E-Piano Sounds unterscheidet ein Stagepiano von einer Synthesizer-Workstation, bei welcher alle Klänge die gleiche Priorität genießen. Wer also eine sehr große Bandbreite an Sounds benötigt und nur gelegentlich Klavier oder E-Piano spielt, ist mit einer Workstation ggf. besser bedient. Keyboarder mit hauptsächlich pianistischem Faible und Anspruch auf ein gutes Spielgefühl beim Spielen von Flügel- und Klavierklängen sind mit einem Stagepiano besser bedient. Dieses bietet neben ausgereiften Pianoklängen auch Klangalternativen wie Orgel- oder Synthesizer-Sound, die man gelegentlich benötigt.

    Die Profi-Workstation Korg Kronos, die mit neun unterschiedlichen Sound-Engines ein riesiges Klangpotenzial liefert
    Die Profi-Workstation Korg Kronos, die mit neun unterschiedlichen Sound-Engines ein riesiges Klangpotenzial liefert

    OrgelTonerzeugung

    Der klassische Sound der berühmten Hammond B3 ist aus der Pop- und Rockmusik nicht wegzudenken und gehört daher zur Ausstattung vieler Stagepianos. Wichtig zu wissen: Bei keinem Stagepiano kommt echtes Orgel-Feeling auf, schon wegen der gewichteten Tastatur. Für die typischen Orgel-Spieltechniken wird eine ungewichtete, sehr leichtgängige Tastatur benötigt. Wer oft und gerne Orgel spielt, sollte dafür ein separates Instrument wie ein Stagekeyboard ins Visier nehmen. Für Gelegenheits-Organisten, die ab und zu mal ein paar Hammond-Akkorde spielen, stellen die Orgelklänge vieler Stagepianos einen akzeptablen Kompromiss dar. Während die Flügel-, Klavier- und E-Piano Sounds der meisten Stagepianos auf Samples basieren, stößt die Sampling-Technik bei der Emulation eines Hammond-Sounds an ihre Grenzen. Diese reproduziert nur ein „fotografisches“ Abbild einer bestimmten Registratur, die man in ihren Details nicht verändern kann.

    Fotostrecke: 3 Bilder Bei Nord hat man die Wahl: Button-Zugriegel beim Nord Stage 3…
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    Wichtige Eigenschaften des Orgel-Sounds

    Einige Stagepianos der gehobenen Preisklassen verfügen über spezielle Orgel-Engines auf Physical-Modeling-Basis. Sie berechnen den Orgelklang in Echtzeit, statt vorab aufgenommene Samples abzuspielen.

    Je nach Qualität der Emulation führt das zu einem deutlich authentischeren Orgelklang. Zudem bietet eine solche Emulation Möglichkeiten, den Klang jederzeit mit den Zugriegeln zu verändern. Ein wichtiges Stilmittel beim Orgelspiel. Der Klang der Hammond-Orgel ist untrennbar mit dem Sound der rotierenden Lautsprecher des Leslie-Kabinetts verbunden. Bei Stagepianos, die über eine umfangreiche Orgelsektion auf Physical-Modeling-Basis verfügen, enthält diese meist auch eine Simulation dieses Effekts. Auch Verzerrung (Overdrive / Distortion) ist ein bei Orgelsounds gern genutzter Effekt, der ebenfalls an Bord sein sollte. Günstigere Stagepianos bieten oft ebenfalls einige Orgelklänge, dann aber größtenteils auf Sampling-Basis. Sie sind deswegen weniger flexibel als Physical-Modeling-Sounds.

      Synthesizer-Sounds und weitere Klänge

      Synthesizer-Sounds gehören zum Standardrepertoire vieler Stagepianos. Dabei handelt es sich um Streicher und Bläser genauso wie Synth-Pads und Leadsounds. Einfache Stagepianos bieten nur eine geringe Auswahl an zusätzlichen Klängen.

      Bei komplexen Instrumenten der gehobenen Preisklassen findet man mitunter ganze Synthesizer-Sektionen mit verschiedenen Arten der Klangerzeugung. Einige Instrumente wie das Nord Stage ermöglichen mittels spezieller Software sogar das Einbinden eigener Samples, was die kreativen und klanglichen Möglichkeiten stark erweitert. Wie schon bei den Orgeln gilt in diesem Bereich: Wer den Großteil eines Gigs mit Klavier- und E-Piano-Klängen bestreitet und nur selten einen Flächensound braucht, kommt mit den einfachen Synth-Sounds vieler Stagepianos schon recht weit. Die Synth-Sektionen von Stagepianos der Oberklasse messen sich in vielen Belangen mit Workstations und virtuell-analogen Synthesizern. Wer jedoch überwiegend Synthesizer spielt und nur manchmal einen Klavier- oder E-Piano Sound nutzt, der greift besser zu einer Workstation oder einem echten Synthesizer.

      Wichtige Funktionen eines Stagepianos

      Zu den entscheidenden Merkmalen eines guten Stagepianos zählen folgende Eigenschaften. Es muss:

      • Piano/Flügel, E-Piano- und ggf. weitere Klänge in bester Qualität bieten,
      • mit einer gut auf die Klänge abgestimmte und angenehm spielbare Tastatur ausgestattet sein,
      • transportabel sein
      • und über bühnentaugliche Anschlüsse verfügen.

        Darüber hinaus sind bei einem Stagepiano noch einige weitere Funktionen wichtig, damit man es auf der Bühne und im Proberaum problemlos einsetzen kann

        Split und Layer

        Ein gutes Stagepiano bietet einen schnellen und intuitiven Zugriff auf Split- und Layer-Funktionen verfügen. Zum Aufteilen der Tastatur auf zwei verschiedene Klänge oder zum Übereinanderlegen (Layer) zweier Sounds sollte es nicht nötig sein, in Menüs abzutauchen. Änderungen des Split-Punkts sowie der Lautstärkeverhältnisse der verwendeten Klänge sind idealerweise einfach zu ändern. Liegen diese Funktionen im direkten Zugriff sind, kann man auf der Bühne auf spontane Änderungen oder unvorhergesehene Situationen reagieren. In dieser Hinsicht haben die meisten modernen Stagepianos gegenüber den Workstations einigen Bedienkomfort voraus.

        Nord Stage 3 Stagepiano
        Fotostrecke: 5 Bilder Bedienoberfläche des Nord Stage 3
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        Einfache Bedienbarkeit

        Zu den wichtigen Eigenschaften eines guten Stagepianos gehört auch eine einfache Handhabung. Daran denken Hersteller, denn sie wissen, dass ein professionelles Instrument auch in widrigen Bühnensituationen beherrschbar sein muss. Deshalb kann man ein gutes Stagepiano im besten Fall im Schlaf bedienen. Alle wichtigen Funktionen wie Klangauswahl, Split/Layer, Effekteinstellungen etc. sollten direkt auf dem Bedienfeld zugänglich und logisch strukturiert sein. Ein bei günstigen Digitalpianos übliches Prozedere, Einstellungen über eine Kombination von Funktionstaste und Tasten der Klaviatur aufzurufen, ist bei einem professionellen Stagepiano undenkbar. Der Bedienkomfort elektronischer Musikinstrumente hat sich während der letzten Jahrzehnte stark verbessert. Davon profitieren nicht nur die professionellen Stagepianos, sondern auch die Mittelklasse der elektronischen Bühnenklaviere.

        Optionale Funktionen von Stagepianos

        Manche Stagepianos bieten einen Funktionsumfang, der deutlich über die wichtigsten Merkmale hinausgeht. Gerade Instrumente der Oberklasse zeichnen sich oft durch zusätzliche Funktionen aus, welche die Grenzen zu anderen Gerätegattungen verwischen. Das erspart ggf. ein weiteres Keyboard.

        Masterkeyboard-Funktionen

        Unter Masterkeyboard-Funktionen versteht man die Fähigkeit eines Stagepianos, einen oder mehrere externe Klangerzeuger über MIDI anzusteuern und als Schaltzentrale dieses Setups zu fungieren. Dafür bieten einige Stagepianos Merkmale wie spezielle Tastaturzonen für die Ansteuerung externer Klangerzeuger sowie die Zuweisung von Controllern wie Pedalen oder Reglern zu diesen Zonen. Der Aufbau eines MIDI-Systems mit einem so ausgestatteten Stagepiano als Zentrale erfordert viel Vorbereitung, nimmt auf der Bühne aber viel Arbeit ab. Im besten Fall genügt es, beim Wechsel von einem Song zum nächsten nur das nächste Programm des Stagepianos aufzurufen. Dabei wechseln alle Tastaturzonen sowie die Klänge, Lautstärken und Controller-Zuweisungen der externen MIDI-Klangerzeuger automatisch mit. Grundsätzlich ist jedoch feststellbar, dass die Masterkeyboard-Funktionen der meisten Stagepianos nicht mit denen von reinen MIDI-Masterkeyboards oder Synthesizer-Workstations mithalten.

        Worüber sollte man sich vor dem Kauf eines Stagepianos Gedanken machen?

        Steht der Kauf eines Stagepianos auf dem Plan, wird man bereits im Vorfeld mit unterschiedlichen Konzepten, Tastaturgrößen und Preisklassen konfrontiert. Bereits an dieser Stelle sollte man darüber nachdenken, was man eigentlich benötigt. Daraus resultieren die folgenden Fragen, mit deren Hilfe man den Bereich seines Wunsch-Stagepianos bereits im Vorfeld grob auslotet:

        Checkliste zum Kauf von Stagepianos

        • Welchen Tastenumfang benötige ich: 73 oder 88 Tasten?
        • Wo liegen meine Klang-Präferenzen?
        • Spiele ich vorwiegend Klavier und E-Piano-Sounds, oder werden stetig auch alle anderen Instrumenten-Genres benötigt?
        • Wie viele Sounds benötige ich im Allgemeinen?
        • Welche Ansprüche stelle ich an den Bereich der Effekte?
        • In welcher musikalischen Richtung setze ich das Instrument ein?
        • Benötige ich viele Anschlüsse?
        • Sind Masterkeyboard-Funktionen nötig?
        • Wie viel Budget steht mir zur Verfügung?

        Sind die Basis-Punkte geklärt, kommt man nicht daran vorbei, die Instrumente selbst einmal bei einem Händler anzuspielen. Damit verschafft man sich einen ersten Eindruck vom Sound, der Spielbarkeit und der Bedienung.

        Um die Wahl zu erleichtern, haben wir auf der nächsten Seite eine Übersicht aller Bonedo-Testberichte zu Stagepianos zusammengestellt und geben Empfehlungen.

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