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Dynamisch Klavierspielen lernen

Wenn man Musik hört kann man feststellen, dass sich die Lautstärken der involvierten Instrumente an bestimmten Stellen innerhalb des laufenden Stücks verändern. So werden einzelne Passagen innerhalb des Stücks recht leise, andere wiederum sehr laut gespielt.  Weitere andere Teile befinden sich in einer mittleren Lautstärke, die sich aber jederzeit ändern kann. Gerade im Bereich der Filmmusik werden starke Lautstärkesprünge auch szenisch eingesetzt, um große Spannung zu erzeugen. Variierende Lautstärken innerhalb der Musik sind also wichtig, um Stimmungen zu erzeugen. Dabei spricht man von Dynamik, dem Stimmungsgenerator in der Musik, und um dieses Thema geht es in unserem Workshop.

Workshop: Dynamisch Klavierspielen lernen (Foto: Tobias Homburger)
Workshop: Dynamisch Klavierspielen lernen (Foto: Tobias Homburger)

Inhalte

  1. Quick Facts: Dynamik
  2. Wozu dient Dynamik in der Musik?
  3. Warum ist Dynamik wichtig?
  4. Wie notiert und liest man Dynamik?
  5. Wie spielt man eigentlich laut und leise am Klavier?
  6. Wie kann man Dynamik üben?
  7. Schlusswort
  8. Weitere interessante Themen rund um das Klavier lernen und spielen

Quick Facts: Dynamik

Was versteht man unter Dynamik in der Sprache der Musik?
Mit Dynamik wird in der Musik die Lehre von der Tonstärke (physikalisch: Lautheit) bezeichnet. Dabei unterscheidet man zwischen
  • einheitlichen Lautstärken (Stufen)
  • gleitenden Veränderungen der Lautstärke (Übergänge)
  • abrupten Veränderungen der Lautstärke (Akzente)

Dynamikanweisungen in Noten sind meist in italienischer Sprache gehalten; seit dem 19. Jahrhundert finden sich jedoch auch Angaben in der jeweiligen Sprache des Komponisten.
Unterschiedliche Tonstärken werden auf den verschiedenen Musikinstrumenten auf unterschiedliche Weise ausgeführt: Bei Streichinstrumenten wird der Druck, die Geschwindigkeit des Bogenstrichs, sowie die Strichstelle verändert, Bläser variieren den Druck und auch die Menge des Luftstroms. Die Dynamik der Zupf- und Schlaginstrumente wird, wie auch beim Klavier, durch die Härte des Anschlags bestimmt.

Wozu dient Dynamik in der Musik?

In der Musik steht Dynamik für unterschiedliche Lautstärken, die sich in einem großen Bereich abspielen können. Mit Dynamik sind unmittelbar auch die Begriffe Ausdruck, Energie oder Kraft verbunden. Spricht man in der Musik von Dynamik, geht es darum, groß und kräftig, oder zart und zerbrechlich sowie Stimmungen, wie fröhlich und traurig auszudrücken. Auch alle Zwischenstufen der Gefühlslagen werden durch dynamisches Spielen ausgedrückt. Musik lebt von Dynamik, deshalb bedienen sich musikalische Kompositionen dieses Mechanismus, der Musik auf diese Weise zu einem einzigartigen Erlebnis macht. Schaut man sich z. B. notierte klassische Werke an, so findet man dort auch entsprechende Ausdruckszeichen, die vorgeben, wie an den entsprechenden Stellen gespielt werden sollte.

Warum ist Dynamik wichtig?

Spricht man in der Musik von Dynamik, so ist von der Lebendigkeit der Musik die Rede. Nicht nur die Musik ist dynamisch, man verwendet diesen Begriff z. B. auch im Zusammenhang mit Menschen. Stelle dir einen dynamischen Menschen vor. Er ist aktiv, bewegt sich und unternimmt viel, er reagiert unterschiedlich auf eintreffende Situationen, er ist mal kräftig, mal schwach, lebt unterschiedliche Stimmungen, kurzum: Er ist lebendig in seinem gesamten Wesen, nicht starr, oder statisch. Die Gegensätze Leben und Tod zeigen hier ihre Bedeutung. Wenn etwas lebt, ist es dynamisch, ist es tot, ist es statisch. Das sind auch die besonderen Eigenschaften der Musik. Nur dynamische Musik lebt; sie ist spannend, flüssig und beweglich. Sie ist ein Abbild des Lebens selbst und damit können wir uns alle gut identifizieren. Deshalb gefällt sie uns auch besser.
Akustische Musik ist oft sehr dynamisch und trifft deshalb unseren Nerv besonders. Hör dir mal diese beiden Beispiele an. Zunächst hören wir das Stück dynamisch gespielt.

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Das Stück mit Dynamik gespielt. (Audio: Tobias Homburger)

Und jetzt das Ganze ohne Dynamik.

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So klingt das Stück ohne Dynamik. (Audio: Tobias Homburger)

Hast du den Unterschied gehört? Die erste Version klingt definitiv besser, einfach lebendiger und interessanter. Wirklich gute Musiker nutzen deshalb die verschiedensten Lautstärken, um ihren Vortrag sehr lebendig und ausdrucksstark zu gestalten. Mit dynamischem Spiel drückt man Gefühle aus. Hör dir mal diese Solo-Aufnahme von Oscar Peterson an und achte darauf, wie dynamisch seine rechte Hand soliert.

Video: Oscar Peterson – Back In Indiana

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Und jetzt höre, wie dynamisch die noch junge Jennifer Hudson in diesem Video a cappella singt und wie sie damit auch den Text des Liedes stützt.

Video: Jennifer Hudson – Spotlight Acapella

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In der klassischen Musik sind je nach Epoche, Komponist und Stück die verschiedensten dynamischen Angaben in der Literatur notiert. Deshalb wirkt klassische Musik auch immer so tief und interessant. Wenn man die komplette dynamische Bandbreite zur Verfügung hat, kann man so gut wie jedes Gefühl musikalisch ausdrücken. Schubert und Alfred Brendel führen das hier meisterhaft vor.

Video: Alfred Brendel – Schubert – Six Moments Musicaux

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Vielleicht denkst du jetzt gerade an moderne elektronische Musik und fragst dich, wo sich in diesem Genre die Dynamik versteckt. Wenn du schon einmal auf einer Techno-Party warst, hast du sicher bemerkt, wie beweglich diese Musik ist. Aus voller Fahrt kommt es urplötzlich zu einem Breakdown und die Drums sind verschwunden. Man lauscht dann einem ruhigen Teil, um sich entspannen zu können, bevor wieder ein rhythmisches Element einsetzt. Die Musik nimmt dadurch dann wieder langsam an Fahrt auf. Alles wird intensiver, bis schließlich wieder die ursprüngliche Intensität erreicht ist.
Und auch die aktuellen Charts sind stark von tanzbarer elektronischer Musik geprägt. Hörst du aktuelle Songs, findest du überall dynamische Bewegungen. Natürlich wird bei einem Justin-Bieber-Song die Stimme in der Strophe nicht allmählich lauter, so etwas gibt es in aktueller Popmusik kaum. Aber der ganze Song ist sehr wohl dynamischen Bewegungen unterworfen. Vom den Breakdowns des Techno inspiriert, gibt es inzwischen auch einen sogenannten Pre-Chorus, eine Art Vor-Refrain. Darin soll Fahrt aufgenommen und Spannung aufgebaut werden, die sich dann im eigentlichen Refrain entlädt. Somit wirkt der Refrain dann noch größer und lauter.
Außerdem passiert noch viel hinter den Kulissen, von dem man als Laie vielleicht gar nichts mitbekommt. Hast du schon einmal den Begriff ‚Mixing Artist‘ gehört? Dahinter verbergen sich Tontechniker wie Chris Lord Alge, Michael Brauer oder Tchad Blake, die aufgenommene Musik zusammenmischen und damit erst konsumierbar und erfolgreich machen. Sie nutzen dabei viele kleine Tricks, die auch oft auf eine dynamische Entwicklung hinzielen. Am Ende der Strophe werden zum Beispiel bestimmte Frequenzen in den Fokus genommen, damit der Refrain dann größer und lauter wirkt.
Ein anderes Beispiel ist Jacob Collier. Sein Song ‚Hideaway‘ startet in einer Stimmung von 432 Hz, endet aber in 440 Hz. Auch das trägt zur Lebendigkeit und damit zur Dynamik der Musik bei.

Video: Jacob Collier – Hideaway

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Du siehst, auch moderne Musik ist dynamisch.

Wie notiert und liest man Dynamik?

Das Lesen von Dynamikangaben ist nicht besonders schwer. Die Hinweise dazu stehen in Klaviernoten fast immer ‚zwischen den Händen‘. Nur wenn Noten diesen Raum einnehmen, oder wenn Angaben nur für eine Hand gelten, rückt man von dieser Regel ab.

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Audio Samples
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So klingt das erste Notenbeispiel. (Audio: Tobias Homburger)

Grundlegend gehen die Dynamikangaben in Klaviernoten und Noten für andere Instrumente auf die italienische Sprache zurück und bestehen oft aus nur einem Buchstaben. Deshalb solltest du deren Bedeutung einfach auswendig lernen. Aber keine Sorge, das gelingt mit der Zeit recht schnell. Alle Steigerungen sind logisch aufgebaut. Je öfter der Buchstabe steht, desto intensiver soll die Angabe umgesetzt werden. So kommt man auf diese acht Dynamikangaben, die alle für ein italienisches Wort und damit für eine bestimmte Lautstärke stehen. 

Die acht in der Musik möglichen Dynamikstufen:

ZeichenBezeichnungBedeutung
ppianoleise
pppianissimosehr leise
ppppianissimo pianosehr sehr leise
mpmezzopianomittel leise
mfmezzofortemittel laut
ffortelaut
fffortissimosehr laut
ffffortissimo fortesehr sehr laut

Beim Klavier sind allerdings nur sechs dieser acht Stufen relevant, denn es gibt am Klavier eigentlich kein ppp oder fff, das gibt das Instrument nicht wirklich her.
Im folgenden Stück sollst du also die ersten beiden Takte leise und ab dem dritten Takt dann laut spielen. 

Dieses Mal hat das Stück zwei Dynamikstufen. Foto: Tobias Homburger)
Dieses Mal hat das Stück zwei Dynamikstufen. Foto: Tobias Homburger)
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Zuerst spiele ich leise, ab Takt drei dann laut. (Audio: Tobias Homburger)

Es gibt aber auch Zeichen, welche die zu spielende dynamische Entwicklung bildlich symbolisieren. Diese kommen zum Einsatz, wenn man keine sofortige, sondern eine allmähliche Steigerung oder Senkung der Lautstärke wünscht. 

Zeichen zur allmählichen Steigerung oder Senkung der Lautstärke:

ZeichenBezeichnungBedeutung
crescendolauter werden
>decrescendoleiser werden

In einem Stück sieht das Ganze dann so aus.

Hier soll man nun beim Spielen lauter werden. (Foto: Tobias Homburger)
Hier soll man nun beim Spielen lauter werden. (Foto: Tobias Homburger)
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Beim Crescendo muss jeder betroffene Ton ein kleines bisschen lauter werden. (Audio: Tobias Homburger)

Die Länge des Crescendo-Zeichens entspricht genau der Dauer der gewünschten Steigerung. Steht am Ende des Zeichens eine Lautstärkestufe wie zum Beispiel f, muss deine Steigerung genau dort enden. Ansonsten ist man eher frei.

Das Forte beendet das Crescendo. (Foto: Tobias Homburger)
Das Forte beendet das Crescendo. (Foto: Tobias Homburger)
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Steht eine Dynamikangabe am Ende eines Crescendos, hat man ein konkretes Ziel, das angesteuert werden muss. (Audio: Tobias Homburger)

Du siehst, so schwer ist das eigentlich gar nicht.

Wie spielt man eigentlich laut und leise am Klavier?

Wenn es darum geht, wie man am Klavier laut und leise spielt, gibt es bei Laien und Anfängern oft viele Missverständnisse. Die Tasten sind ja bekanntlich beweglich, da sind sich alle einig. 

Fotostrecke: 2 Bilder So sehen sie Tasten eines Klaviers im Ruhezustand aus. (Foto: Tobias Homburger)
Fotostrecke

Viele Anfänger glauben anfangs, dass man für laute Töne fester drücken muss. Für einen Druck ist aber ein fester Gegenstand nötig. Fest ist die Taste allerdings erst, wenn sie am Tastengrund angekommen ist. Dann ist der Ton aber bereits erzeugt, wie fest wir drücken hat also keinerlei Auswirkung auf die Lautstärke des Tons. Das Drücken nachdem die Taste bereits am Tastengrund angekommen ist hat allerdings zwei Nachteile. Erstens wird man durch den Druck in der Hand fest, und zweites kommt man dadurch schnell ‘aus der Taste’.

Man drückt die Hand also weg von den Tasten. Das ist nicht der richtige Weg. In Wahrheit geben wir den Tasten quasi kleine Ohrfeigen. Und eine Ohrfeige tut umso mehr weh, je weiter wir dafür ausholen. Wir schlagen dann nicht härter, sondern schneller. Je mehr Schwung, desto mehr Geschwindigkeit und dadurch umso mehr Effekt. Und genau dasselbe gilt für die Lautstärke am Klavier. Je schneller du die Finger nach unten schwingst, desto lauter wird der Ton.

Zuerst habe ich meinen Finger mit mittlerer Geschwindigkeit Richtung Taste geschwungen und der Ton war damit mezzoforte. Dann habe ich ihn ganz langsam bewegt und der Ton wurde sehr leise, oder pianissimo. Zum Schluss habe ich ihn dann sehr schnell bewegt und der Ton wurde forte. Und sobald du am Tastengrund angekommen bist, musst du aufhören, die Finger nach unten zu schwingen. Denn sonst wird aus dem Schwung tatsächlich Druck, mit dem bekannten Ergebnis. Das ist das Geheimnis von unterschiedlicher Dynamik am Klavier.
Also mache dir noch einmal bewusst: Du drückst die Taste nicht, du schlägst sie. Mein Klavierlehrer sagte immer, dass unsere Finger die Tasten genauso schlagen müssen, wie die Hämmer die Saiten. Das ist ein schönes Bild und hilft dir bestimmt dabei, deine dynamischen Vorstellungen in Zukunft gut umsetzten zu können. 

Wie kann man Dynamik üben?

Im Prinzip musst du für deine Dynamik nur zwei Dinge üben. Im ersten Schritt stellst du einen Zusammenhang zwischen den unterschiedlichen Dynamikstufen und der Bewegung deiner Finger her. So gehen dir laut und leise spielen in Fleisch und Blut über. Am besten gewöhnst du dir an deine Finger mehr Anlauf nehmen zu lassen, wenn du lauter spielen willst. Achte beim nächsten Video auf die Lautstärke und wie weit sich meine Finger beim Ausholen von der Taste entfernen.

Gerade crescendo und decrescendo sind anfangs nicht ganz so leicht umzusetzen. Aber stresse dich da nicht, gewisse Dinge brauchen Zeit und kontinuierliche Übung. Im zweiten Schritt ist es notwendig sich intensiv mit den Dynamik-Symbolen der Musikliteratur zu befassen, damit du nach einiger Zeit den notierten Buchstaben schnell die entsprechende Lautstärke zuordnen kannst. Wenn du dranbleibst, gehörst du bald zu den Dynamik-Profis. Und dann wird auch deine Musik viel besser klingen!

Schlusswort

Um wirklich dynamisch Klavierspielen zu lernen, solltest du folgende sechs Schritte beherzigen:

  • Übe die motorischen Zusammenhänge zwischen Tastenanschlag und entstehender Lautstärke, damit du nicht mehr darüber nachdenken musst.  
  • Lerne alle dynamischen Zeichen, um sie beim Spielen schnell umzusetzen zu können.
  • Achte beim Musikhören auf die dynamischen Entwicklungen, so verstehst du die Bedeutung von Dynamik in der Musik immer besser.
  • Gib dir Zeit und sei fleißig, dann gelingt das alles irgendwann von ganz alleine.

Ich wünsche dir viel Erfolg!

Weitere interessante Themen rund um das Klavier lernen und spielen

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von Tobias Homburger

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