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26.02.2018

5 Tipps für harmonisch interessantere Basslines

Handfeste Tricks für bessere Basslinien

Pimp your bassline - möge die Macht mit dir sein!

Tief im Inneren haben wir es schon immer geahnt: Wir sind die absoluten Machthaber über die Harmonien, die letzte Instanz, die über das Schicksal von Akkorden entscheidet! Mit einem Federstrich und einem Lächeln im Gesicht wischen wir die eigentliche Idee des Gitarristen vom Tisch und heben diese mit unserem Basston in neue, ungeahnte Höhen. In dieser leicht übertriebenen Allmachtsfantasie steckt tatsächlich ein wahrer Kern, dessen wir uns oft gar nicht wirklich bewusst sind. Das menschliche Ohr funktioniert nämlich so, dass es sämtliches harmonisches Geschehen in Relation zum tiefsten Ton stellt. Und diesen spielen in der Regel wir - die Bassisten! Das heißt im Umkehrschluss, dass wir mit unserem Ton enormen Einfluss auf das gesamte harmonische Konstrukt haben. Dieser hörpsychologische Fakt verleiht uns also tatsächlich viel Macht, die wir sinnvoll und verantwortungsvoll nutzen sollten.

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Dieser Aspekt wird vor allem dann interessant, wenn wir mal wieder in einem kreativen Loch stecken und uns nicht sofort zum neuen Song unserer Band die "Bassline des Jahrhunderts" einfällt. Oft verfallen wir im Proberaum dann zu schnell in alte Gewohnheiten, laufen auf ausgetretenen Pfaden und spielen denselben alten Stiefel wie immer. Davon sind wir zwar genervt und eine innere Stimme schreit laut nach interessanterem und abwechslungsreicherem Spiel, aber irgendwie kommen wir nicht aus unserer Zwangsjacke heraus.

Falls es dir genauso ergeht und du dich schon lange fragst, wie du deine Basslines interessanter gestalten kannst, ohne dafür gleich Musik studieren zu müssen, habe ich hier fünf einfache Tipps für dich. Mit ihnen kannst du deine Basslines harmonisch pimpen und lässt so die ganze Band besser klingen!

Ein kleiner Trost vorneweg: Nicht selten müssen wir gar nichts Grundsätzliches ändern, sondern lediglich an ein paar Stellschrauben drehen. Heute soll es dabei "nur" um harmonische Aspekte gehen, Workshops zu Rhythmik und der Interaktion mit Drummer und anderen Musikern folgen demnächst. Keine Sorge, es sind keinerlei Vorkenntnisse in Sachen Harmonielehre nötig - sie schaden allerdings auch nicht. In erster Linie soll aber unser Ohr entscheiden und viel durch "Trial And Error" (also "Probieren und Scheitern") entstehen, weniger durch theoretisches Wissen.

1.) Slashchords

Nein, der Gitarrist von Guns 'N Roses hat mit diesem Begriff rein gar nichts zu tun! In den meisten Fällen spielen wir Bassisten/innen ja den Grundton des Akkordes. Liegt z.B. ein A-moll7-Akkord zugrunde, wählen wir instinktiv ein "A". Anstelle des Grundtons kannst du aber auch einen alternativen Ton spielen. Dadurch entstehen sogenannte Slashchords (deutsch: Schrägstrichakkorde). Die Darstellung dieser sieht z.B. so aus: A-moll7/E. Zuerst steht das normale Akkordsymbol, und nach dem Schrägstrich findet sich unser alternativer Basston, in diesem Fall ein "E".

Einen anderen Ton als den Grundton spielen wir natürlich nicht einfach grundlos und beliebig, sondern weil wir ein bestimmtes Ziel verfolgen. Dieses heißt Stimmführung, d.h. wie wir unsere Basslinie elegant vom Start ins Ziel bringen. Gleichzeitig erzeugen wir mit einem alternativen Ton zum Grundton mehr Spannung. Das fällt unter den Bereich Dynamik, was nicht nur das Verhältnis von laut und leise, sondern auch von Spannung und Auflösung beschreibt. Hören wir einfach mal rein, dann erklärt sich vieles von selbst.

Folgende ganz simple Akkordfolge soll uns als Beispiel dienen:

| D-Dur | A-Dur | G-Dur | G-Dur A-Dur |

Zunächst die Akkordfolge mit Grundtönen im Bass - also so, wie wir sie normalerweise spielen würden:

Hm, das klingt schon okay, aber eben auch wie schon tausendmal gehört. Nun spiele ich beim jeweils zweiten Durchgang alternative Töne, wodurch diverse Slashchords entstehen:

Wow, die gleiche Akkordfolge klingt auf einmal ganz anders und spannender. Anstatt immer Grundtöne zu spielen, habe ich versucht, die Bassline in den zweiten vier Takten zielgerichtet vom ersten zum letzten Ton aufsteigend zu spielen. Zwei Dinge sind dabei zu beachten: Es ist es sinnvoll, im ersten Takt auf dem Grundton des ersten Akkords zu beginnen. Ansonsten verwirren wir unser Ohr dann doch zu sehr und es wird eher falsch klingen.

Zum anderen ist ratsam, Töne als Alternative zum Grundton zu wählen, die sich innerhalb der Tonalität befinden. Das können Bestandteile des Akkords sein, wie die Terz oder die Quinte - müssen es aber nicht zwangsläufig! Also einfach Ohren aufsperren und experimentieren. Als Hilfe hier eine einfache Formel, vollkommen frei von harmonischen Vorkenntnissen: Zu einem Akkordton des nächsten Akkords bist du stets nur maximal einen Ganzton (oder noch einfacher: maximal zwei Bünde) entfernt. Also: Kopf aus, Ohren auf und ausprobieren!

Slashchords eignen sich übrigens auch hervorragend, um Dynamik oder Strukturen zu erzeugen. Du kannst so in einem Song verschiedenen Verse trennen und/oder eine immer gleiche Akkordfolge aufpeppen.

Hier das Playalong zur Akkordfolge für eigene Experimente:

2.) Pedal

Das Pedal (auch bekannt als Pedalton) ist ein weiteres Stilmittel, welches für ordentlich Spannung sorgen kann und unsere Basslines dementsprechend interessant macht. Du spielst dabei den gleichen Ton über mehrere aufeinander folgende Akkorde. Dadurch ergeben sich automatisch wieder Slashchords - jedoch noch ein Level weiter im Spannungsgrad. Den Ton "D" in unserem Beispiel spielen wir jetzt über die komplette Akkordfolge. Er ist also unser Pedal.

Das scheint auf dem Papier zunächst falsch zu sein, deshalb müssen wir hier unser Gehör überlisten. Dazu beginnen wir ganz brav mit dem Grundton des ersten Akkordes, um unser Ohr in Sicherheit zu wiegen und "harmonisch belastbar" zu machen. Durch den harmonischen Beginn und die ständige Wiederholung des einen Tones gewöhnt sich unser Ohr schnell an die Reibung mit den restlichen Akkorden und empfindet diese nicht mehr als falsch, sondern als interessant.

Nach vier Takten wird die Spannung auch wieder aufgelöst, da wir dann am Beginn der Akkordfolge sind und wieder mit dem Grundton des ersten Akkords beginnen. Diese Auflösung ist für unsere gewünschte Wirkung auch unbedingt notwendig. Hören wir das Beispiel einmal mit und einmal ohne Pedal im Wechsel an. Das Verhältnis zwischen Spannung und Auflösung wird hier deutlich hörbar:

Die Frage ist nur: Welchen Ton wähle ich als Pedal? Auch hier würde ich das "Trial And Error"-Verfahren der Harmonielehre vorziehen. Aus Fehlern entstehen oft die besten Ideen! Natürlich passt hier kein willkürlicher Ton, sondern einer, der auch einen gewissen harmonischen Bezug zu allen Akkorden hat. Aber auch das lässt sich schnell mit offenen Ohren und etwas Geduld der Kollegen herausfinden.

Wenn wir mal kurz zusammenfassen, haben wir nun statt einer gleich drei Variationen derselben Akkordfolge: Mit Grundtönen, mit Slashchords und mit Pedal. Kein anderes Instrument musste dafür etwas ändern!

3.) Pedal umgekehrt

Nicht nur wir können natürlich ein Pedal spielen, sondern auch fast alle anderen Instrumente. Im folgenden Beispiel spielt der Gitarrist immer die Oktaven des Tons "G". Als Grundton dient uns natürlich auch der Ton "G". So würde das klingen:

Cool, aber auf Dauer klingt das leider nicht gerade spannend. Nun drehen wir den Spieß einmal um und betrachten die Gitarre als Pedal. Zu dieser verändere ich die Basslinie, indem ich zusätzlich zum Grundton "G" noch alternative Töne spiele:

Oha, wenn das mal nicht beweist, wie viel Macht wir Bassisten doch besitzen, dann weiß ich auch nicht mehr weiter! Alle Instrumente außer uns spielen weiterhin das Gleiche, dank unser Tonauswahl entstehen aber zusammen mit der konstanten Gitarre immer wieder neue und interessante Harmonien im "Großraum G-Moll".

Die Töne, welche mir hierbei zur Auswahl stehen, stammen logischerweise auch aus der G-Moll-Tonleiter. Falls du selbst einmal zum Playalong experimentieren möchtest, habe ich sie im PDF-Dokument notiert. Es macht Sinn, mit dem Grundton "G" zu starten, ansonsten fehlt unserem Ohr der Bezug. Ab da hast du freie Auswahl, je nach eigenem Geschmack. Du wirst sicher schnell feststellen, welche Töne sich besser und welche sich schlechter eignen.

Hier findest du das Playalong zu diesem Beispiel:

4.) Ostinato

Das Ostinato ist einfach gesagt eine spezielle Form des Pedals. Statt nur einen Ton über mehrere Akkorde zu spielen ist es beim Ostinato eine sich wiederholende Kombination aus verschiedenen Tönen. Da diese nicht Akkordton eines jeden Akkordes sein können, entsteht auch hier wieder ein Spannungsverhältnis. Wie beim Pedal macht es jedoch Sinn, wenn die Ostinato-Töne einen harmonischen Bezug zu den verwendeten Akkorden haben (z.B. aus der Tonleiter stammen). Ansonst klingt es leidereher falsch als spannend. Aus Erfahrung lässt sich sagen, dass es nicht zu viele verschiedene Töne sein sollten: zwei bis vier ist ein guter Richtwert!

Um das Ostinato in unserem Ohr zu etablieren, ist es hilfreich, wenn es zum ersten Akkord sehr harmonisch ist. Dadurch können wir uns daran gewöhnen und empfinden es über die weiteren Akkorde als spannend und nicht als falsch.

In unserem Beispiel (wir nehmen wieder die Akkordfolge vom Beginn des Workshops) besteht die Figur aus dem Ton "D" (Grundton des ersten Akkords), "B" (Sechste des ersten Akkords) und "A" (Quinte des ersten Akkords). Zu den folgenden Akkorden haben diese Töne ein jeweils anderes Verhältnis und sorgen für mal mehr und mal weniger Reibung/Spannung. Da das Ostinato im ersten Takt eingeführt und dann immer wiederholt wird, bildet es ein stabiles Fundament und unser Ohr akzeptiert die Reibung mit den folgenden Akkorden problemlos.

So hört sich das Ganze im Wechsel mit der braven "Grundton-Fassung" an:

Ein ganz schön mächtiges Werkzeug, so ein Ostinato. Und das Schöne ist, dass auch hier gilt: Das Ohr hat stets Vorrang vor der Theorie! Du brauchst also keine harmonischen Kenntnisse.

5.) Registerwechsel

Zum Schluss gibt es den einfachsten, offensichtlichsten und dennoch gar nicht so häufig verwendeten Schachzug, um unsere Bassline harmonisch interessanter zu gestalten: den Registerwechsel. Dies bedeutet, wir spielen in einer anderen Lage, in unserem Fall eine Oktave höher, als wir dies instinktiv tun würden. Gerade für Songs, bei denen sich eine Akkordfolge oft wiederholt (wie in unserem Beispiel) kann man auf diese Weise Dynamik, Strukturen und Abwechslung schaffen - und das wirklich ohne jegliche harmonische Vorkenntnisse!

Der Unterschied zwischen beiden Lagen ist enorm. Jede besitzt ihren eigenen Sound und somit ihre eigene Wirkung. Nehmen wir uns noch einmal die Akkordfolge vom Beginn dieses Workshops zur Brust. Ich spiele zwei Durchläufe der viertaktigen Akkordfolge zunächst eine Oktave höher. Um die Wirkung zu verstärken, bringe ich noch das Pedal ins Spiel. Dieses klingt oktaviert sogar noch transparenter:

Klasse: Wenig Aufwand, große Wirkung - genau das, was wir wollten! Beim Wechsel in die tiefere Lage bekommt das Ganze plötzlich mehr Fülle und einen kräftigen Schub nach vorne (Dynamik!). Daran war erneut kein anderes Instrument beteiligt, nur wir. Dies gilt wie bereits mehrfach erwähnt für sämtliche hier behandelten Tricks und zeigt ganz deutlich, wie viel Einfluss und harmonische Macht wir Bassisten doch besitzen.

In unseren Beispielen hat sich ein viertaktiger Loop ohne jegliche Variation wiederholt, trotzdem war das Resultat schon erstaunlich. Noch stärker und überzeugender wird das Ergebnis sein, wenn solche Dinge auch noch von den Bandkollegen unterstützt werden.

Bis zum nächsten Mal!

Euer Thomas Meinlschmidt

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