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18.12.2017

5 leichte Solobass-Arrangements für Weihnachtslieder

Blockflöten-Horrorshow goes Bass

So rockt ihr stilecht unter dem Weihnachtsbaum!

Eine offene Wunde in der Seele eines jeden Rockmusikers ist wohl die Erinnerung an das Blockflötenensemble in der Schule, das jedes Jahr zur Weihnachtszeit seine unbarmherzige Horrorshow zum Besten gab und reihenweise Ohrenbluten oder Magenverstimmung (oder beides gleichzeitig!) verursachte. Bis heute sind sich Experten unschlüssig, ob bei Veranstaltungen dieser Art die Ensemblemitglieder oder die Zuhörer die größeren Traumata erleiden. Die meisten nehmen ja nicht unbedingt freiwillig am Ensemble teil und bekommen teilweise Jahrzehnte später noch Gesichtszucken, wenn irgendwo "Stille Nacht" aus einem Lautsprecher tönt ‑ oder noch besser, von der peruanischen Panflöten-Gruppe in der Fußgängerzone zum kitschigen Playback dargeboten wird. So wurden Weihnachtslieder in nahezu jeder Musikerkarriere zu banalen, verpönten Liedgut, über das man als echter Rocker obligatorisch die Nase rümpft.

Aber wie heißt so schön: "Die Zeit heilt alle Wunden." Man wird älter, etwas rührseliger, hat vielleicht kleine Kinder, die einem wieder zeigen, dass Weihnachten sogar schön sein kann und nicht zwangsläufig nur ein Alkoholexzess mit anschließendem Familienstreit. Und irgendwo in einem drin hört man eine leise Stimme: "Ach, so ein Weihnachtslied wäre auch mal wieder schön".

Die ersten Male kann man diese Stimme noch mit einer Platte von Led Zeppelin, einem Bruce-Willis-Film und genügend Bier zum Schweigen bringen. Spätestens jedoch, wenn einen die eigenen Kinder mit Dackelblick anschauen und fragen: "Papa, kannst du nicht mal ein Weihnachtslied spielen?" ist man fällig.

Für alle, denen es so oder so ähnlich geht, habe ich einfache Solobass-Arrangements von fünf der bekanntesten Weihnachtslieder angefertigt, mit denen man seine Kinder bzw. Familie beglücken (oder wahlweise foltern) kann. Auch für jüngere Bassisten/innen sind sie interessant, da sich so der Oma eventuell noch 20,- Euro extra aus der Tasche leiern lassen.

Damit das mit dem Vorspiel unterm Baum noch bis Weihnachten klappt, machen wir es uns ganz einfach und ich halte mich beim Arrangement lediglich an die Melodie und den zugehörigen Grundton - ganz ohne weitere Faxen. Mehr muss meistens auch nicht sein, dass es schon gut klingt. Übrigens: In DIESEM BONEDO-WORKSHOP bekommt ihr eine umfassende Anleitung, wie ihr für jeden Song ein Solobass-Arrangement kreieren könnt.

Fast alle Weihnachtslieder kommen harmonisch mit den drei musikalischen Hauptstufen aus (I., IV. und V. Stufe). Deshalb habe ich alle Arrangements in A-Dur notiert. Hier sind die Hauptstufen A-Dur (I), D-Dur (IV) und E-Dur (V). Die Grundtöne sind somit jeweils die Leersaiten, was die Sache deutlich vereinfacht. Dazu kommt, dass sich viele Weihnachtslieder doch sehr gleichen. Das fällt besonders auf, wenn man sie in derselben Tonart spielt (achtet mal auf den ersten Ton der Melodie!). Wenn ihr also eines dieser Arrangements könnt, werden euch die anderen sehr leicht von der Hand gehen. Und schon geht's los - zum Einstieg präsentiere ich euch erst einmal alle Arrangements in diesem Video:

"Ihr Kinderlein kommet"

Um die Notation übersichtlich zu halten, habe ich die Melodie und den Grundton in eine jeweils eigene Zeile notiert. Auf diese Weise sind beide Stimmen deutlicher erkennbar und man sieht, wie sie ineinander greifen und wie man sie am Griffbrett umsetzen kann. Klingen sollen sie am Ende natürlich zusammen (wie in Video und den Audio-Beispielen). Ich habe die fünf Songs nach "Schwierigkeitsgrad" geordnet, allerdings wirst du schnell merken, dass sie sich nicht großartig voneinander unterscheiden. "Ihr Kinderlein Kommet" ist wirklich easy und dazu noch kurz ‑ also ideal zum Einstieg!

"Stille Nacht, heilige Nacht"

Musikalisch sicherlich das Highlight der fünf Weihnachtslieder, denn es hat wirklich was und erzeugt eine beschauliche Stimmung. Noch bleibt es bei der Begleitung ausschließlich bei den Leersaiten-Grundtönen und das Tempo ist auch sehr moderat. "Stille Nacht" ist also mit überschaubaren Aufwand auf dem Bass umzusetzen und wird seine Wirkung an Weihnachten sicher nicht verfehlen!

"Alle Jahre wieder"

Um es harmonisch doch etwas interessanter als "nur" die I., IV., und V. Stufe zu machen, habe ich bei den folgenden Stücken an der ein oder anderen Stelle reharmonisiert, d.h. einen anderen Akkord verwendet, der das Ganze etwas aufpeppt. Dessen Grundton ist dann natürlich keine Leersaite mehr (siehe z.B. Takt 3) und es wird technisch leicht anspruchsvoller. "Alle Jahre wieder" ist ein Weihnachts-Quickie mit nur acht Takten Länge - sollte also auch bis zum Fest noch klappen.

"O du fröhliche"

"O du fröhliche" klingt richtig gut auf dem Bass und gehört sicher auch zu den musikalisch interessanteren Weihnachtsliedern. In Takt 7 kommt ein etwas anstrengender Griff vor (siehe Video). Wem das fürs kommende Fest zu stressig ist, der kann auch den Grundton B im 7. Bund auf der E-Saite eine Oktave höher spielen (9. Bund D-Saite). Vermutlich ist ja Weihnachten auch nächstes wieder Jahr und man muss ja auch Ziele haben im Leben!

"Lasst uns froh und munter sein"

Hier habe ich ebenfalls eine andere harmonische Wendung eingebaut. Ab Takt 7 klingt das schon richtig interessant und hat sich zu meiner persönlichen Lieblingsstelle entwickelt. Vor allem wenn man es etwas langsamer spielt als die hektische "Weihnachts-Gottesdienst-Wir-Wollen-Heim-Zu-Essen-Und-Geschenke-Version", kommen die neuen Akkorde schön zur Geltung.

Ich hoffe, ich konnte den ein oder anderen wieder etwas mit den Weihnachtsliedern versöhnen und ein wenig bei der Bewältigung des Traumas helfen. Auch wenn wir hier das Thema mit einem Augenzwinkern betrachten, kann man doch bei Weihnachtsliedern viel für "Wie mache ich eigene Soloarragements" lernen, da sie eben technisch und harmonisch übersichtlich sind und sich deshalb schnell und leicht umsetzen lassen. Wem es zu einfach ist, der kann jetzt alles noch in Ab-Dur spielen.

In diesem Sinne: Ein frohes Fest wünscht Thomas Meinlschmidt

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