Test
7
23.02.2017

Praxis

1.) Dunlop Tortex Triangle Players Pack, Dreieckform, Stärke: 1 mm (Sechs Stück für UVP 4,40 Euro)

Beschreibung: Ein ziemlich hart und massiv wirkendes Plek mit markanter Dreiecksform - die Bezeichnung "heavy" passt also vortrefflich. Aufgrund seiner Größe liegt das Pick gut in der Hand, die Oberfläche ist glatt, wurde aber nicht poliert.

Sound: Durch die relativ spitzen Enden besitzt das Pick schöne Obertöne und sorgt für einen durchsetzungsstarken runden Sound mit viel Attack. Auffällig finde ich noch den gesunden Bassanteil. Aufgrund seiner Dicke von 1 mm klingt es beim Dynamiksprung des Powerchords knallig und laut.

(Produktseite auf thomann.de)

2.) Harley Benton Triangle Pick Set, Dreieckform, Stärke: 1,2 mm (12 Stück für UVP 2,- Euro)

Beschreibung: Ein sehr hartes Celluloid-Plektrum, was in einem 12er-Set zu einem ziemlich unschlagbaren Preis daherkommt. Die Enden sind vergleichsweise spitz zugeschnitten. Wahrscheinlich weil die Größe des Triangles etwas reduziert wurde, fiel mir die stattliche Dicke von immerhin 1,2 mm erstaunlicherweise kaum auf. Die Oberfläche des Picks ist glatt.

Sound: Noch etwas deutlichere Obertöne aufgrund der spitzen Dreiecksform, ansonsten klanglich dem Dunlop sehr ähnlich. Aufgrund der Dicke pariert das Harley Benton den Dynamiksprung am Schluss mit Lässigkeit.

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3.) Maxpic No 5/351, Tropfenform, Stärke: 0,75 mm (1 Stück für UVP 1,20 Euro)

Beschreibung: Recht filigranes tropfenförmiges Celluloid-Plek, was aber in Sachen Handling deutlich zu punkten weiß: Die gummierte Grifffläche sorgt nämlich für einen tollen "Grip" und kann auch schweißigen Händen Halt bieten. Durch die recht geringe Stärke von 0,75 mm bemerkt man beim Spielen, wie sich der Kunststoff bei härteren Anschlägen spürbar zwischen den Finger verbiegt.

Sound: Klanglich konnte ich keinen Unterschied z.B. zum Harley Benton ausmachen: Ein schöner ausgewogener Sound mit gesunden Obertönen.

4.) Timber Tones Crystal Tones Gold Tiger Eye, Stärke: 4,5 mm (1 Stück für UVP 13,50 Euro)

Beschreibung: Ein Plektrum aus einem Edelstein (Gold Tiger Eye) für 13,50 Euro ist schon eine Ansage. Mit einer Dicke von 4,5 mm hat man richtig was in der Hand - dieses Handling ist sicherlich nichts für jeden! Damit die Spitze dieses Edel-Picks besser hält, hat man ihr einen leicht erhöhten Radius verpasst. Das Plek ist handgefertigt und wurde hochglanzpoliert, was eine sehr glatte Oberfläche zur Folge hat. Vorsicht also bei schweißnassen Händen auf der Bühne!

Sound: Was klingt härter als Kunststoff gegen Metall? Klar: Stein gegen Metall! In Sachen Lautstärke liegt dieses Pick weit vorne und überträgt die Anschlagskraft des Powerchords am Ende des Soundfiles geradezu brutal. Durch die sehr runde dicke Spitze hört man den Plektrum-"Scratch" der einzelnen Töne gerade am Anfang sehr deutlich, da das Pick einen langen Weg zurücklegen muss, ehe es die Saite passiert hat und diese frei schwingen lässt.

5.) John Pearse Palisander Plektrum mit beidseitiger Griffmulde, Stärke: 2 mm (1 Stück für UVP 3,90 Euro)

Beschreibung: Auch nicht so ganz günstig, dieses Holz-Plektrum. Haptisch liegt das tropfenförmige John Pearse aufgrund seiner beidseitigen Griffmulden jedoch ziemlich weit vorne. Ich habe allerdings Bedenken, wie lange es den harten Basssaiten wird Paroli bieten können, denn im Kampf "Holz gegen Metall" dürfte das Metall sicherlich bald triumphieren.

Sound: Erstaunlich, dieses hölzerne Plättchen klingt tatsächlich sehr natürlich und warm! Hohe Ausgewogenheit geht einher mit einem Attack, der zwar "Scratch" hervorruft, welcher aber deutlich weniger scharf als z.B. der der Kunststoff-Picks klingt. Dieses Plek könnte ich mir daher sehr gut in einem jazzigen Kontext vorstellen.

6.) Dunlop Nylon Plectrum, Stärke: 0,73 mm (12 Stück für UVP 5,99)

Beschreibung: Ein tropfenförmiges Nylon-Pick, das aufgrund seiner geriffelten Oberfläche gut in der Hand liegt und zudem sehr günstig ist. Das Nylon und die recht geringe Dicke machen das Plättchen sehr biegsam.

Sound: Dem Sound der ersten drei Picks sehr ähnlich, wobei - und das ist das wirklich Erstaunliche hierbei - die Obertöne minimal weniger stark ausgeprägt sind als beim Harley Benton oder dem Maxpic. Am ehesten klingt das Dunlop tatsächlich - nach Dunlop, und das trotz der unterschiedlichen Stärke. Schöne Wärme im Sound!

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7.) Timber Tones Bone Tones BO1 Buffalo Bone, Stärke: 2 mm (1 Stück für UVP 4,90 Euro)

Beschreibung: Diese Picks werden aus Büffelknochen oder -horn hergestellt, wofür man schon auch etwas tiefer in die Tasche greifen muss. Obwohl die Oberfläche ziemlich glatt ist, liegt das Plättchen mit klassischer Jazz-Form sehr angenehm in der Hand. Klanglich hat sich der Hersteller die Nachformung des originalen Schlidpatt-Sounds (Plektren aus Schildkrötenpanzer sind natürlich aus Artenschutzgründen nicht mehr erhältlich, waren aber in früheren Jahrzehnten ungemein beliebt!) auf die Fahnen geschrieben.

Sound: Aufgrund seiner relativ scharfen Spitze ist das Timber-Pick unser "Scratchkönig". Der Anschlag ist also sehr deutlich zu hören. Wer z.B. in einer Metalband spielt, wird diesen Sound lieben! Da das Plek natürlich nicht biegsam ist, setzt es den Dynamiksprung am Ende des Klangbeispiels mit Leichtigkeit um. Dem Timber Tones-Steinplektrum nicht unähnlich, aber noch "schärfer", da die Konturen weitaus weniger abgerundet sind.

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8.) V-Picks Freakishly Large Rounded Pearly Gates, Stärke: 2,75 mm (1 Stück für UVP 6,90)

Beschreibung: Very freakishly large indeed! Das Perlmutt-ähnliche Plexi-Material weist die stattliche Dicke von 2,75 mm auf, was sich natürlich beim Spiel unweigerlich bemerkbar macht - man fühlt einfach, dass man ein richtig dickes Stück Kunststoff in der Hand hält. An dieses Handling muss man sich erst einmal gewöhnen. Die Enden der Dreiecksform wurden stark abgerundet.

Sound: Das Attack des V-Pick ist gut hörbar, allerdings nicht so scharf klingend wie z.B. der des Knochen-Plektrums. Ich persönlich vermisse die schöne Wärme der wesentlich dünneren Kunststoff-Plektren.

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9.) Master Artisan US Kennedy Dollar Coin Pick, Stärke: ca. 2 mm (1 Stück für UVP 12,90)

Beschreibung: Leute mit Nickel-Allergie können gleich zum nächsten Beispiel springen, denn dies sind Plektren, die aus originalen amerikanischen 50-Cent-Münzen hergestellt werden. Bezüglich der handwerklichen Verarbeitung kann man überhaut nicht meckern: die Tropfenform des Picks ist makellos und die Spitze wurde sehr gleichmäßig abgerundet. Neben dem nicht geringen Coolness-Faktor liegt das Pick aufgrund der geprägten Oberflächen wunderbar griffig in der Hand. Auch in Sachen Langlebigkeit wird man sicher kaum etwas Besseres finden. Ich persönlich mache mir allerdings um meine Basssaiten Sorgen, denn schon nach kurzer Zeit sind deutliche Spielspuren auf den Saitenwicklungen zu erkennen. Und: An einen derart schlechten Wechselkurs von US-Dollar zu Euro kann ich mich angesichts des Preises von 12,90 nicht erinnern. Trotzdem: irgendwie kultig!

Sound: Da die Spitze des einstigen Zahlungsmittels sehr gewissenhaft rund geschliffen wurde, besitzt das Master Artisan gar nicht so viel "Scratch" am Anfang des Tons, wie man vermuten würde. Hier liegen Stein und Knochen im Vergleich durchaus vorne. Dennoch sehe ich auch meine anfänglichen Vorurteile bestätigt, denn leider fehlt mir persönlich auch hier die Wärme der Kunststoff-Picks. Aber entscheidet selbst!

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10.) Dava Rock Control Delrin Picks, Stärke: variabel (6 Stück für UVP 6,90 Euro)

Beschreibung: Achtung, Multi Gauge! Bei diesen jazzförmigen Picks aus dem sehr widerstandsfähigen Kunststoff Delrin kann man die Plektrumhärte während des Spielens steuern. Greift man die Spitze, erhält man eine harte Stärke, lässt man den flexiblen Mittelteil frei, bekommt man ein weicheres Plek. Keine schlechte Idee, die auch tatsächlich funktioniert. Zudem besitzen die Davas tollen Grip aufgrund ihrer Riffelung!

Sound: Das Dava präsentiert sich mit einem sehr schönen ausgewogenen Sound mit gesundem Höhenanteil, der dem des Maxpic und dem Harley Benton sehr ähnlich ist. Im Test nicht zu hören: durch den flexiblen Mittelteil lässt sich der Sound in der Tat noch auf in unterschiedliche Richtungen lenken. Schönes Teilchen!

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11.) Dunlop Felt Pick White, Stärke: 3,2 mm (12 Stück für UVP 17,50 Euro)

Beschreibung: Filz? Nicht gerade das Material, was einem für ein Plektrum in den Sinn kommt! Und doch ist es dem US-Hersteller Dunlop gelungen, diese weißen Plättchen in eine Tropfenform zu bringen und so zu verdichten, dass sie nicht beim ersten Ton auseinanderbröseln. Im Gegenteil, ich bin tatsächlich nicht wenig überrascht, wie gut die Haltbarkeit dieser Zupflümmel aus Übersee ist. Und griffig in der Hand liegen tun sie auch noch!

Sound: Ok, das ist natürlich eine ganz andere Welt als die aller anderen Plektren! Das typische Plektrum-Klicken zu Beginn der Töne fehlt fast komplett. Der Klang geht somit tatsächlich leicht in Richtung Pizzicato-Fingerspiel, was einem in der Praxis interessante neue Farben und Wege eröffnen könnte. In einer Rockband könnte ich mir die Filz-Picks allerdings nicht vorstellen, obwohl der Dynamiksprung am Ende zeigt, dass man mit ihnen durchaus auch kräftig zu Werke gehen kann.

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12.) V-Picks Shredder, Stärke: 2,75 mm (1 Stück für UVP 6,90 Euro)

Beschreibung: Was ist das denn? Ein japanischer Wurfstern? Ein chirurgisches Instrument für den Feinschliff am menschlichen Körper? Abgefahren aussehen tun sie ja, diese dreizackigen Shredder-Picks aus einem durchsichtigen, nicht näher bezeichneten Kunststoff. Und: die extrem spitzen Ecken erlauben es dem Spieler tatsächlich, minimale Bewegungen auszuführen, die so differenziert wie bei einem Chirurgen sind, der gerade am offenen Hirn operiert. Das Schnellspielen wird einem somit in der Tat erleichtert, wobei man aber dennoch extrem sauber spielen muss!

Sound: Ganz so spitz wie die Spitze dieses Plättchens ist der Sound nicht, im Gegenteil. Obwohl das Handling mit dem Shredder Spaß macht, finde ich es klanglich etwas eindimensional. Aufgrund der Mini-Spitze fehlt der typische "Scratch" fast vollständig. Da liegt sogar das Holz-Pick in dieser Disziplin noch vorn! Mir wäre dieser Ton irgendwie zu langweilig, aber vielleicht gibt es da draußen ja jemanden, der eben einen solchen super sauberen Sound sucht?

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13.) Fender 451 Shell Picks Medium Set, Stärke: 0.73 mm (12 Stück für UVP 5,90 Euro)

Beschreibung: Fenders klassisches Celluloid-Pick in Tropfenform, das von unzähligen Gitarristen und Bassisten auf der ganzen Welt gespielt wird. Die Oberfläche empfinde ich schon als ziemlich glatt, aber ansonsten haben wir hier ein gern gespieltes Gebrauchspick zu einem günstigen Kurs, mit dem man sicherlich nicht viel falsch machen kann.

Sound: Hier sind wir wieder eindeutig bei den schön warm und ausgewogen klingenden Kunststoff-Picks angekommen. Das Fender reiht sich nahtlos in die Reihe mit dem Harley Benton, dem Maxpic und den Dunlops ein.

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14.) Dunlop Tortex Standard 0,50, Stärke: 0,50 mm (12 Stück für UVP 5,99 Euro)

Beschreibung: Der mit Abstand dünnste Kandidat unseres Vergleichstests. Gefertigt aus Delrin in typischer Tropfenform, kann man aufgrund der Biegsamkeit zwar wieselflink über die Saiten gleiten, vermisst aber "Headroom", wenn es mal wirklich laut werden soll. 0,50 mm sind meiner Meinung nach einfach nicht für den Bass geeignet, da diese Stärke keine Dynamikreserven erlaubt. Aber wer weiß: die Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden...

Sound: Im wahrsten Sinne klingt es hier "dünner", und spätestens beim Powerchord fehlt diesem Dunlop meines Erachtens nach schlicht die Masse, um die Kraft des Anschlags adäquat in Saitenschwingung umzusetzen. Not my cup of tea, aber der Versuch war dennoch interessant!

(Produktseite auf thomann.de)

Soweit zu unseren Testkandidaten. Abschließend kann ich noch von einer interessanten Beobachtung berichten: Da ich in meinem heimischen Studio am liebsten aus Gewichtsgründen auf einem Akustikbass unterrichte und dieser stets griffbereit ist, habe ich einige der vorgestellten Picks bei Gelegenheit auch auf dem A-Bass ausprobiert. Das Resultat war erstaunlich: hier sind Unterschiede viel deutlicher hörbar, und auf einmal werden auch noch unterschiedliche Soundanteile zwischen Plektren hörbar, die auf dem E-Bass ziemlich ähnlich klangen. Insofern deckt sich diese Beobachtung mit der des Autorenkollegen Bassel el Hallak, der beim Plektrumtest im bonedo-Gitarrenresort Ähnliches berichtete: "Für die Soundbeispiele habe ich eine Akustikgitarre (...) aufgenommen. Eine E-Gitarre kam nicht zum Einsatz, da bei ihr die zum Teil filigranen Unterschiede nicht klar zur Geltung kommen. Ein paar Soundfiles hatte ich mit E-Gitarre und Amp aufgenommen, aber die hörbaren Differenzen waren zu gering. Weil dieser Plektrum-Check nur nachvollziehbare Unterschiede aufzeigen soll und keine Glaubensveranstaltung ist, bleibe ich deshalb bei der Akustikgitarre."

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