Die US-Band Paramore hat sich in den letzten 20 Jahren zu einer festen Größe etabliert und feiert nicht nur in ihrem Heimatland große Erfolge, sondern auch in Europa und Asien. Die Bandgeschichte ist geprägt von zahlreichen Besetzungswechseln – einzige Konstante scheint Frontfrau Haley Williams zu sein. Dies hat dem Erfolg aber keinen Abbruch getan, denn Paramore sind erfolgreicher als jemals zuvor. Den großen Durchbruch schaffte die Band mit der Beteiligung am Soundtrack zur „Twilight“-Trilogie sowie mit der Single „Misery Business“, die noch stark beeinflusst vom damals sehr populären Pop-Punk ist. Dieser Song ist pure Energie pur, und Bassist Jeremy Davis steuerte dazu eine genretypische Bassline bei, die tatsächlich mit der einen oder anderen Herausforderung aufwartet.

„Misery Business“ – Original-Video
Hier könnt ihr den Song noch einmal in Gänze hören. Ok, man sieht zwar aus heutiger Sicht einige fragwürdige Frisuren, aber was bleibt, ist einfach ein toller Song!
Wie ist die Bassline zu „Misery Business“ rhythmisch aufgebaut?
Das Tempo von „Misery Business“ ist mit ca. 173 bpm durchaus sportlich, aber für das Genre nicht unüblich. Rhythmisch reduziert dies die Bassline hauptsächlich auf Viertel- und Achtelnoten. In diesem Bereich fällt die Analyse also vergleichsweise überschaubar aus.
Die größte Herausforderung bei diesem Tempo ist, energetisch nicht nachzulassen und gefühlt immer etwas nach vorne zu spielen. Das gilt vor allem für den Vers und seine sich wiederholende rhythmische Figur aus zwei Achteln auf den schweren Zählzeiten 1 und 3, die jeweils von einer weiteren Achtel vorbereitet werden. Im Pre-Chorus und Chorus geht es etwas straighter zu und Jeremy Davis entschied sich für einen Mix aus Vierteln und durchgehenden Achtelnoten.
Welches Tonmaterial verwendet die Bassline von „Misery Business“?
Hier wird es zunächst erst einmal etwas kompliziert: Jeremy Davis hat seinen Bass nämlich insgesamt einen Ganzton tiefer gestimmt – und die E-Saite abermals um einen Ganzton, sodass das Tuning Db – Ab – Db – Gb bzw. C# – G# – C# – F# lautet.
Tonart des Songs ist F-Moll. Da wohl die wenigsten von uns immer ein Instrument herumliegen haben, welches einen Halbton tiefer gestimmt ist, habe ich den Song für einen Viersaiter in Standard-Stimmung notiert, also in Tonart F#-Moll. Lediglich die E-Saite muss man hier einen Ganzton tiefer stimmen (Drop-D).
Jeremy Davis hält sich größtenteils an den Grundton des jeweiligen Akkordes. Falls er melodische Variationen einbaut, verwendet er auffallend häufig die None als Wechselnote zum Grundton – dieses Intervall ist in diesem Genre nicht gerade als erste Wahl bekannt. Weitere Optionen Jeremys sind die Quinte oder die passende Pentatonik zum jeweiligen Akkord. Sicherlich auch nicht zuletzt aufgrund des hohen Tempos halten sich die melodischen Variationen jedoch in Grenzen.

Was macht den Basssound von „Misery Business“ aus?
Der Track befindet sich auf dem 2007 erschienenen Album „Riot“. Basser Jeremy Davis wurde zu dieser Zeit hauptsächlich mit Fender Jazz-Bässen oder einem fünfsaitigen Music Man Stingray gesehen. Ich konnte leider nicht herausfinden, ob eines der beiden oder ggf. sogar eine dritte Alternative im Original zum Einsatz kam. Was ich aber sagen kann: Der Basssound ist extrem drückend mit vielen gesunden Tiefmitten, was schon mal für einen Stingray sprechen würde. Dieses klassische Bassmodell wäre sicherlich in diesem Zusammenhang auch meine persönliche erste Wahl! Auf Live-Videos von „Misery Business“ ist Jeremy allerdings mit einem J-Style-Bass zu sehen, beide Instrumente scheinen also gut zu funktionieren.
Jeremy Davis schlägt die Saiten mit einem Pick an, um für den nötigen Attack zu sorgen. Zu hören ist ebenfalls eine starke Kompression und eine Sättigung des Amps bzw. ein mildes Overdrive. Ein weiterer wichtiger Punkt für den speziellen Sound ist aber auch die um einen Halbton tiefere Stimmung, welche für eine Extraportion Schub sorgt.
„Misery Business“ – Transkription
Ich habe euch mit Vers, Pre-Chorus und Chorus die wichtigsten Teile des Songs aufgenommen und transkribiert.
Viel Spaß und bis zum nächsten Mal, euer Thomas Meinlschmidt























