„Running In The Family“ ist nach „Lessons In Love“ der größte Hit der britischen Band Level 42 um Slap-Basslegende Mark King. Getragen wird der Song von einer prägnanten Bassline, welche Mark wie üblich mit seinem Daumen spielt. Das Ganze bleibt jedoch zu jeder Zeit absolut songdienlich und wird nie zu technisch. Hier kann man sich also gut abschauen, wie man die Slaptechnik in einem Popsong verwenden kann, ohne als „zu ambitioniert“ aufzufallen. Da wir uns zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Tracks im Jahr 1987 befinden, besitzt der Song natürlich den zu erwartenden 80er-Jahre-Sound, und der Großteil der Bassline wurde außerdem mit einem Synthesizer gedoppelt. Was aber nicht schlecht sein muss – immerhin stellt uns diese Tatsache vor die Herausforderung, noch präziser spielen zu müssen. „Running In The Family“ ist also definitiv eine ausgezeichnete Übung!

„Running In The Family“ – Video
Ein Blick zurück auf die knallbunten 80er-Jahre:
Wie ist die „Running In The Family“-Bassline rhythmisch gestaltet?
Im Wesentlichen haben wir es mit Vers und Chorus zu tun, welche Mark rhythmisch deutlich voneinander trennt. Im Vers stehen die schweren Zählzeiten 1 und 3 im Mittelpunkt. Auf der 2 und der 4 wird mit zwei Achteln jeweils Anlauf auf diese genommen. Einzige Ausnahme ist eine Variation auf der 1, wo Mark ganz kurz die beeindruckenden Fähigkeiten beim Thema „Left Hand Deadnotes“ aufblitzen lässt.
Im Chorus ändern sich die Vorzeichen – Mark setzt hier mehr auf eine fließende Rhythmik mit deutlich mehr Achteln. Zudem wird die 1 des zweiten und dritten Taktes der viertaktigen Akkordfolge vorgezogen, um für entsprechenden Drive zu sorgen. Fehlt noch die Bridge, in welcher die Band Unisono-Akzente auf der 1 und 2+ spielt.
Welches Tonmaterial benutzt Mark King für die Bassline von „Running In The Family“?
Im überwiegenden Teil des Songs befinden wir uns in E-Dorisch, das aus den Tönen E, F#, G, A, B, C# und D besteht. Lediglich im Chorus wechselt „Running In The Family“ mit den Akkorden C und A-Moll zurück nach E-Moll. Mark spielt insgesamt sehr skalar und wählt vergleichsweise enge Abstände zwischen den Tönen.
Im Vers gesellt sich noch ein chromatischer Leitton dazu. Die einzige erfrischende Ausnahme ist der erste Takt des Refrains, in dem Mark plötzlich ein Arpeggio aus dem Hut zaubert und noch eine Dezime (oktavierte Terz) als Double Stop folgen lässt. Diese kleine Variation erzeugt aufgrund ihres geschmackvollen Einsatzes eine maximale Wirkung.

Wie kommt der Basssound von „Running In The Family“ zustande?
Mark King spielte im Laufe seiner Karriere buchstäblich unzählige Instrumente: Die beiden Marken, auf die er jedoch immer wieder zurückkam, sind JayDee und Status – beides britische Hersteller von erlesenen Premium-Instrumenten.
Im Video zum Song ist ein pinkfarbener JayDee (es waren nun mal die 80er!) zu sehen, und auch der für diesen Bass typische mittenlastige Sound deutet darauf hin, dass dieser oder einer seiner Brüder oder Schwestern bei der Aufnahme zum Einsatz kam.
Für den Rest der Signalkette würde ich eher auf hochwertiges Studio-Equipment tippen, als auf einen Bassverstärker mitsamt Box. Gerade bei cleanen Sounds färben diese ggf. doch zu sehr. An der einen oder anderen Stelle habe ich das Gefühl, dass etwas Chorus im Spiel sein könnte, was für Basssounds der 80er-Jahre nun wirklich keine Überraschung wäre.
Übrigens: Wer Level 42 mal bei der (Live-)Arbeit erleben möchte, bekommt mit diesem Video einen guten Eindruck:
„Running In The Family“ – Transkription
Ich habe euch mit dem Intro, dem Vers sowie dem Chorus die wichtigsten Teile des Songs aufgenommen und transkribiert.
Viel Spaß und bis zum nächsten Mal, euer Thomas Meinlschmidt
























