Mit dem Quad Cortex Mini schickt Neural DSP seinen erfolgreichen Amp-Modeler auf Schrumpfkurs. Trotz der kompakteren Abmessungen bietet der Neuzugang die komplette Rechenleistung, sämtliche Amp-Modelle und Effekte sowie die Neural-Capture-Technologie der großen Quad-Cortex-Version. Selbst das 7-Zoll-große Touchdisplay bleibt erhalten. Einschränkungen gibt es primär bei den Fußschaltern und teilweise bei den Anschlüssen. Darüber hinaus hat sich seit unserem Review des großen Quad Cortex im Jahr 2021 hinsichtlich der Firmware so einiges getan.

- erstklassiger Sound
- tadellose Verarbeitung
- identische Rechenleistung und Klangqualität wie beim großen Quad Cortex
- kompakte Abmessungen
- umfangreiche Plug-in-Kompatibilität
- flexible Signalführung und Konnektivität
- Fußschalter eng angeordnet
Gehäuse und Bedienung – das Quad Cortex auf Diät
Das Quad Cortex Mini präsentiert sich in einem Aluminiumgehäuse, misst schlanke 228 × 118 × 65 mm und bringt 1,3 kg auf die Waage. Damit nimmt die Mini-Variante weniger als die Hälfte der Stellfläche des ursprünglichen Quad Cortex ein und findet somit auf kleineren Pedalboards bequem Platz. Erfreulicherweise hat Neural DSP das 7-Zoll-große Touchdisplay unverändert übernommen, das weiterhin das Herzstück der Bedienung bildet und quasi die komplette Oberfläche einnimmt.
Vier Fußschalter sitzen in den Gehäuseecken und fungieren gleichzeitig als Drehregler. Auch der separate Master-Volume-Regler musste weichen und wurde durch zwei kleine Taster ersetzt. Wie schon beim großen Quad Cortex sehe ich auch beim Mini die Anordnung der Fußschalter im Live-Betrieb etwas kritisch. Die Schalter liegen für meinen Geschmack recht eng beieinander und gerade bei hektischeren Schaltaktionen ist Treffsicherheit gefragt. Erschwerend kommt hinzu, dass die Bedienoberfläche des Mini im Gegensatz zum abgeschrägten Gehäuse des großen Quad Cortex auf einer Ebene liegt und die Fußschalter direkt auf der durchgehenden Glasoberfläche sitzen.
Quad Cortex Mini – wie viele Anschlüsse passen ins Mini-Format?
Bei den stirnseitigen Anschlüssen musste Neural DSP aufgrund der Pedalgröße ebenfalls Kompromisse eingehen. Neben einem regulären Klinkeneingang steht eine XLR/Klinke-Kombibuchse mit zuschaltbarer Phantomspeisung bereit, die gleichzeitig als Capture-Input dient. Ausgangsseitig gibt es zwei symmetrische XLR- sowie zwei zusätzliche Klinkenausgänge. Auch zwei separate Effekt-Loops sind weiterhin an Bord, die sich allerdings eine gemeinsame TRS-Send- und eine TRS-Return-Buchse teilen.
Hinzu kommen ein Capture-Ausgang, ein 3,5-mm-Kopfhöreranschluss sowie eine Buchse für ein Expression-Pedal. MIDI In und Thru/Out sind ebenfalls vorhanden, allerdings im TRS-Format. Über die USB-C-Buchse lässt sich das Gerät mit einem Rechner verbinden, wodurch neben dem Zugriff auf den Cortex Control Editor auch der Betrieb als Audiointerface möglich ist. Die Stromversorgung übernimmt ein mitgeliefertes 12-V-Netzteil mit 1,2 A.
Weniger Fußschalter, gleicher Funktionsumfang?
Da unser Kollege Thomas Dill den Aufbau, die Bedienung und die grundlegenden Funktionen bereits in seinem ausführlichen Neural DSP Quad Cortex Test beschrieben hat, wollen wir uns an dieser Stelle auf die Besonderheiten der Mini-Version konzentrieren.
Trotz der geschrumpften Hardware bleibt das übersichtliche Bedienkonzept erhalten, bei dem sich Verstärker, Boxen und Effekte auf einem Grid mit vier Reihen flexibel kombinieren lassen. Im Vergleich zum großen Quad Cortex mit elf Fußschaltern muss sich der Mini jedoch mit nur vier begnügen. Das neue Footswitch-Pages-System verteilt daher acht Scene- oder Stomp-Zuweisungen auf zwei Ebenen, zwischen denen per B-Fußschalter oder Touchscreen gewechselt wird. Die Opposite-Page-Preview zeigt dabei die Belegung der anderen Ebene an. Auch der Hybrid-Modus bleibt erhalten.
Das Konzept ist durchdacht, erfordert live jedoch zusätzliche Bedienschritte. Momentary-Effektaktivierungen sind mit den integrierten Fußschaltern nicht möglich. Bei der Parameterbearbeitung ersetzt das neue Parameter-Focus-System die elf Encoder des großen Modells: Regler C wählt den Parameter, Regler D verändert dessen Wert. Alternativ steht weiterhin der Touchscreen zur Verfügung.
Was bietet die Amp-, Effekt- und Capture-Sektion des Neural DSP Quad Cortex Mini?
Um es kurz zu machen: Das Gleiche wie die große Quad-Cortex-Version. Das Mini arbeitet mit denselben Algorithmen und verfügt über die gleiche Rechenleistung, weshalb klangliche Unterschiede zwischen beiden Modellen nicht zu erwarten sind. Wie beim großen Bruder steht eine umfangreiche Auswahl an virtuellen Verstärkermodellen bereit sowie zahlreiche Effekte und Lautsprechersimulationen. Alternativ können Amp-Captures im hauseigenen Neural-Capture-Format geladen oder eigene Verstärker und Pedale digital eingefangen werden.
Eine wesentliche Neuerung gegenüber den Anfangstagen des Quad Cortex ist die inzwischen umfangreiche Plug-in-Kompatibilität. Mittlerweile lassen sich sämtliche verfügbaren X-Versionen der hauseigenen Neural-DSP-Plug-ins auch auf der Quad-Cortex-Plattform nutzen, sofern die entsprechenden Lizenzen erworben wurden. Gerade für Musiker, die bereits mit Neural-DSP-Plug-ins im Studio arbeiten, ist das natürlich ein willkommener Bonus.
Was bietet das Neural DSP Quad Cortex Mini bei den Effekten und Cab-Simulationen?
Auch bei den Effekten schöpft das Quad Cortex Mini aus dem Vollen und bietet die gleiche Auswahl wie sein großer Bruder. Das Angebot reicht von klassischen Overdrive-, Distortion- und Fuzz-Pedalen über Kompressoren, Modulationseffekte, Delays und Reverbs bis hin zu Pitch-Shiftern, Filtern und Synth-Effekten. Hinzu kommen Equalizer, Wah-Pedale und ein Looper. Seit der Einführung des ursprünglichen Quad Cortex hat Neural DSP die Effektbibliothek kontinuierlich erweitert und insbesondere durch die Plug-in-Kompatibilität zahlreiche zusätzliche Amp-, Cab- und Effektmodelle verfügbar gemacht. Neben einer umfangreichen Auswahl virtueller Gitarren- und Bassboxen stehen verschiedene Mikrofontypen zur Verfügung, deren Positionierung sich individuell anpassen lässt. Alternativ können über den integrierten IR-Loader eigene oder von Drittanbietern erworbene Impulsantworten geladen werden. Bis zu 2.048 IRs finden auf dem Gerät Platz.
Cortex Control und Device Presets – mehr Komfort beim Editieren
Mit Cortex Control steht ein kostenloser Desktop-Editor für Windows und macOS bereit. Darüber lassen sich Presets bearbeiten, Signalwege erstellen und Parameter verändern, ohne ständig auf das Touchdisplay zurückgreifen zu müssen.
Mit CorOS 4.1 hat Neural DSP zudem die sogenannten Device Presets eingeführt. Damit können die Settings einzelner Amp-, Cab- oder Effektblöcke unabhängig von einem vollständigen Preset gespeichert und jederzeit am Gerät oder im Editor wieder abgerufen werden.



























