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Sweep Picking auf der Gitarre lernen

Die Begriffe Sweepen oder Sweep Picking beschreiben eine Spielweise, wie sie schon seit längerer Zeit von Gitarristen wie z.B. Yngwie Malmsteen, Richie Kotzen und natürlich diversen Neo‐Classical Rock/Metal‐Gitarristen im Allgemeinen, aber auch Fusion- und Jazz Playern wie z.B. Frank Gambale verwendet wird. Ihre große Beliebtheit verdankt diese Technik zum einen ihrem sehr eigenen Sound, aber auch, dass sie die schnelle Ausführung von Arpeggios oder Phrasen erlaubt, bei denen pro Saite eine Note gespielt wird.

(Credits: Shutterstock By Yellowj)
(Credits: Shutterstock By Yellowj)
Inhalte
  1. Einführung
  2. Dreiklänge auf drei Saiten
  3. Dreiklänge auf fünf Saiten
  4. Dreiklänge auf sechs Saiten
  5. Sweeping und Legato
  6. Economy Picking


Dem Spiel verleiht diese Technik einen sehr weichen und flüssigen Klang, wobei allerdings ihre saubere Ausführung mit ein paar Finessen und Hürden verbunden ist, die man aber durch gezieltes Üben sehr gut in den Griff bekommen kann. Hier möchte ich euch ein paar Tipps, Tricks und Licks an die Hand geben, mit denen ihr diese Technik meistern könnt und sie auch schnell in euer Spiel integriert.

1. Einführung

Das Hauptproblem beim Spielen einstimmiger Melodien auf Saiteninstrumenten liegt, neben der Synchronisation von linker und rechter Hand, im Saitenwechsel. Hat man z.B. in einem Skalenlauf mehrere Töne auf einer Saite zur Verfügung, wird das Problem noch nicht ganz so offensichtlich. Geht es jedoch um das Spielen von Arpeggios oder speziellen Akkordstrukturen, haben wir es meist nur mit ein oder zwei Tönen pro Saite zu tun. Spielt man diese auf die herkömmliche, alternierende Weise, führt uns der konsequente Wechselschlag immer wieder dazu, das Plektrum “um die Saite herum” zu platzieren, was extrem unökonomisch ist. Knöpfen wir uns z.B. ein C-Dur Arpeggio mit dem Grundton auf der A-Saite vor und spielen den Startton mit einem Downstroke, so müssten wir die Terz auf der D-Saite wieder mit einem einen Upstroke durchführen. Selbstverständlich gibt es unzählige Gitarristen, darunter John Petrucci, Steve Morse oder Carl Verheyen, die aufgrund einer ausgeklügelten Plektrumhaltung und Pickingtechnik das “one note per string“ Wechselschlagprinzip mit wahnsinniger Akkuratesse ausführen können. Allerdings gibt es auch eine Alternative, und die heißt “Sweepen”.

Grundsätzlich bedeutet “Sweep Picking”, dass das Plektrum in die Richtung schlägt, in der die nächste zu spielende Saite liegt. Der Pick fällt quasi nach unten und schiebt sich bei (akustisch) aufsteigender Saitenfolge durch die Saiten nach (geografisch) unten oder zieht sich analog bei fallenden Linien durch die Saiten nach oben. Anstatt jede Note einzeln mit einer Reihe von separat angesetzten Anschlägen zu picken, gleitet das Plektrum dabei in einer einzigen Bewegung über die Saiten. Als Analogie kann man sich vorstellen, wie man einen Stock quer über ein Geländer oder einen Lattenzaun zieht und jede Latte berührt wird, ohne dass man neu ansetzen müsste. Sobald eine Note gespielt ist, fällt das Pick sofort auf die nächste Saite und ruht dort (auch “Reststroke” genannt) mit leichtem Druck, bis die nächste Note “durchgeschoben” wird.
Die Haupthürden, die man beim Sweeppicking nehmen muss, sind das Dämpfen und das Timing. Lässt man das Plektrum unkontrolliert über die Saiten “schnalzen”, wird es schnell arhythmisch und unpräzise, daher ist es absolut unerlässlich, das Sweepen in einem sehr langsamen Tempo zu üben. Konzentriert euch zu Übungszwecken auf einen harten, aber kontrollierten Anschlag, um einerseits den Puls deutlich zu spüren und andererseits Kraft aufzubauen.
Für das Dämpfen der bereits gespielten Saiten müsst ihr sowohl der rechten als auch der linken Hand besondere Aufmerksamkeit schenken. Ihr solltet bedenken, dass die Töne des Arpeggios nicht wie ein ineinanderklingender Akkord, sondern als Einzeltöne wie in einer Line, bzw. Melodie wahrgenommen werden sollten, und daher empfehle ich folgendes Vorgehen: Bei der Greifhand dämpft der jeweilige Finger die Saite über der gerade gespielten Saite. Das bedeutet, dass z.B. der Zeigefinger die Saite mit seiner Kuppe berührt, was zur Folge hat, dass er von Natur aus ziemlich flach liegt und daher auch alle darunter liegenden Saiten effektiv mutet. Wenn man also beispielsweise die G-Saite im fünften Bund spielt, ist der Zeigefinger dafür verantwortlich, dass die B‐Saite, E-Saite, sowie die untere D‐Saite abgedämpft wird. Hebt sich der Griff, werden die Saiten von der Handfläche an der Brücke gemutet. Die andere wichtige Überlegung ist, dass die Griffhand jeweils nur eine Note spielt, Finger für Finger, anstatt die Akkordform zu halten. Eine Ausnahme sind Barré‐Sweeps, die man einsetzt, wenn beispielsweise zwei oder mehr Töne auf benachbarten Saiten im gleichen Bund liegen. Hier muss man die Fingerglieder im Fingergelenk “abknicken” und abrollen zu lassen, sodass sie auf der einen Saite den Greif- und gleichzeitig auf der anderen den Dämpfjob übernehmen können.

Bei der Pickinghand hilft beim Gleiten über die Saiten ein leichter Vorwärtswinkel, wodurch es zu einem dezent kratzenden bzw. “gurgelnden” Geräusch kommen kann, was aber auch die Klangästhetik des Sweepens vom Alternate Picking unterscheidet. Die Hand sollte in der Nähe der Brücke aufliegen, um bei aufsteigenden Lines ein sanftes Muting ausführen zu können. Insgesamt erfolgt die Bewegung der Anschlagshand durch ein leichtes Zusammenspiel von Handgelenk und Arm. Auch kann es zu einem leichten An‐ bzw. Abwinkeln des Daumens kommen, wenn das Plektrum durch die Saiten “gedrückt” bzw. bei der umgekehrten Bewegung “gezogen” wird.

2. Dreiklänge auf drei Saiten

Zunächst betrachten wir eine Spielart von Arpeggios, wie sie sicherlich jeder von euch bewusst oder unbewusst bereits gespielt hat, nämlich Dreiklangsarpeggios auf den höchsten drei Saiten. Hier lassen sich mit Oktavierung der tiefsten Note tolle viertönige Fingersätze gewinnen, die man wahlweise in 16teln oder Sextolen rhythmisieren kann. Prinzipiell erhält man für jeden Akkordtyp drei Shapes, nämlich die Grundstellung, die 1. Umkehrung und die 2. Umkehrung. Gerade neoklassische Player wie Yngwie Malmsteen benutzen häufig diesen Arpeggio-Typ.
Hier am Beispiel eines C-Dur-Dreiklangs:

C-Dur-Dreiklang
C-Dur-Dreiklang
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C-Dur-Dreiklang

Und der Cm-Dreiklang:

C-Moll-Dreiklang
C-Moll-Dreiklang
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C-Moll-Dreiklang

Nun lässt sich das Ganze zu kompletten Akkordverbindungen zusammenhängen. Besonders neoklassisch wird es, wenn man den verminderten Septakkord als verkürzten E7b9 ausnahmsweise als Vierklang integriert. Die Griffbilder über den Takten stehen für die Akkorde, über die diese Progression abläuft und die von einer Begleitung übernommen werden könnten.

Akkordverbindungen
Akkordverbindungen
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Akkordverbindungen

Den verkürzten verminderten Septakkord kann man nun als Vertreter der Dominante mit einem Moll-Dreiklang pendeln lassen und bekommt dadurch eine schöne I-V Kadenz, wie hier in Bm:

I-V Kadenz in Bm
I-V Kadenz in Bm
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I-V Kadenz in Bm

3. Dreiklänge auf fünf Saiten

Ausgehend vom oberen Gedanken kann man natürlich auch den Dreiklang mit Notendopplung auf weitere Saiten ausdehnen, wie dies z.B. bei Gitarristen wie Ritchie Kotzen zu hören ist. Auch hier entstehen quasi Umkehrungen, denn das Arpeggio beginnt mit Grundton, Terz oder Quinte:

D-Dur in Grundstellung, 1.Umkehrung und 2.Umkehrung:

D-Dur in Grundstellung, 1.Umkehrung und 2.Umkehrung:
D-Dur in Grundstellung, 1.Umkehrung und 2.Umkehrung:
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D-Dur in Grundstellung, 1.Umkehrung und 2.Umkehrung:

D-Moll in Grundstellung, 1.Umkehrung und 2.Umkehrung:

D-Moll in Grundstellung, 1.Umkehrung und 2.Umkehrung:
D-Moll in Grundstellung, 1.Umkehrung und 2.Umkehrung:
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D-Moll in Grundstellung, 1.Umkehrung und 2.Umkehrung:

Auch hierzu habe ich euch eine kleine Etüde vorbereitet, in der ein paar unserer Shapes vorkommen. Seid kreativ und komponiert euch auf der Basis von gutklingenden Akkordfolgen ähnliche “Mini-Tunes”:

Etüde
Etüde
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Etüde

4. Dreiklänge auf sechs Saiten

Nun dehnen wir die Arpeggios auf alle sechs Saiten aus und können auch hier mit drei Fingersätzen das komplette Griffbrett abdecken. In den folgenden Übungen verknüpfe ich gleich alle Positionen, wodurch sich die Umkehrungen sehr gut in Endlosschleife zum Metronom üben lassen.

Bb-Dur – alle Umkehrungen

Bb-Dur - alle Umkehrungen
Bb-Dur – alle Umkehrungen
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Bb-Dur – alle Umkehrungen

Bb-Moll – alle Umkehrungen

Bb-Moll - alle Umkehrungen
Bb-Moll – alle Umkehrungen
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Bb-Moll – alle Umkehrungen

Auch hierzu gibt es natürlich die passende Etüde für euch:

Etüde
Etüde
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Etüde

5. Sweeping und Legato

Eine Spielart, die man bei Gitarristen wie Tony McAlpine findet, ist die Kombination aus Sweepen und Legatospiel. Prinzipiell verwendet ihr für die Aufwärtsbewegung ganz normal die Sweeppicking-Technik, bei der fallenden Bewegung setzt ihr allerdings auf Hammer-Ons. Da dies auch ganz hervorragend mit grundstelligen Vierklängen funktioniert, wird es höchste Zeit, auch hierzu ein paar Fingerings vorzustellen. Um sinnvolle Fingersätze zu erhalten, muss man an der einen oder anderen Stelle eine Note auslassen, in diesem Fall die Grundtondoppelung auf der G-Saite, was jedoch der Vollständigkeit des Arpeggios keinen Abbruch tut.

Gmaj7 – Arpeggio

Gmaj7 - Arpeggio
Gmaj7 – Arpeggio
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Gmaj7 – Arpeggio

G7 – Arpeggio

G7 - Arpeggio
G7 – Arpeggio
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G7 – Arpeggio

Gm7 – Arpeggio

Gm7 - Arpeggio
Gm7 – Arpeggio
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Gm7 – Arpeggio

Gm7/b5 – Arpeggio

Gm7/b5 - Arpeggio
Gm7/b5 – Arpeggio
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Gm7/b5 – Arpeggio

An dieser Stelle können wir eine weitere Applikation der Arpeggios betrachten, nämlich die Kombination der Akkordbrechungen auf verschiedenen Stufen, um “upper structures” zu erhalten.
Kombiniert man beispielsweise einen Dmaj7, F#m7 und Bm7 Arpeggio, erhält man den sehr farbigen Sound eines Bm7/9/11 Akkordes:

Bm7/9/11 Arpeggio Beispiel:

Bm7/9/11 Arpeggio
Bm7/9/11 Arpeggio
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Bm7/9/11 Arpeggio

6. Economy Picking

Nun kommen wir zu einer Spielweise, die vor allem durch Gitarristen wie Frank Gambale, aber auch in abgewandelter Form für Downstrokes bei Malmsteen oder Eric Johnson sehr populär wurde, nämlich das Economy Picking. Dabei handelt es sich um eine Technik, bei der das Beibehalten der Anschlagsrichtung beim Saitenwechsel auch für skalare Läufe eingesetzt wird. Dies hat zur Folge, dass man eine ungerade Anzahl von Noten auf einer Saite benötigt, wen man in der Bewegungsrichtung bleiben will, oder aber eine gerade Anzahl von Noten, um eine Richtungsänderung einzuläuten.
Hier findet ihr eine kleine Skalensequenz, mit der ihr diese Spieltechnik gut üben könnt. Übertragt das Prinzip auf alle Skalenpattern und in alle Tonarten

D-Dur Shape in der 10.Lage

D-Dur Shape in der 10.Lage
D-Dur Shape in der 10.Lage
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D-Dur Shape in der 10.Lage

Und nun viel Erfolg mit der Sweep-Picking-Technik!

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von Haiko Heinz

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