Mit Massive XL geht Native Instruments einen Schritt weiter und setzt verstärkt auf KI-gestützte Kreativ-Tools, die euch spielerisch zu neuen Klangideen inspirieren sollen. Neben einer erweiterten Wavetable-Engine und einer ausgebauten Effektsektion stehen dabei vor allem zwei neue Features im Mittelpunkt: Preset Generator und Mutator. Sie sollen frische Impulse fürs Sounddesign liefern und dazu anregen, neue Klangwelten jenseits ausgetretener Pfade zu erkunden.

- Flexibler, moderner Synthklang
- KI-Tool Preset Generator
- Verbesserte Bedienung
- Große Library
- Sinnvolle Effekte
- Kein MPE-Support
- Höhere CPU-Belastung
Native Instruments aktualisiert den Flaggschiff-Synthesizer Massive X. Ihr kennt ihn sicherlich als leistungsstarken, semimodular aufgebauten Wavetable-Synthesizer, der sich für Techno, Dubstep und andere EDM-Spielarten ebenso eignet wie für experimentelles und cineastisches Sounddesign.
Für diesen Kurztest konnte ich anhand einer Beta-Version des Native Instruments Massive XL erste praktische Erfahrungen sammeln. Meine Eindrücke sprechen für den Software-Synthesizer und sein vielversprechendes Zukunftspotenzial. Für User des Massive X: Die alte Version und Massive XL sind zwei einzelne Plugins.

Preset Generator – was bringt dieses neue Feature?
Eine spannende Neuerung ist für mich „Generate“. Diese Funktion analysiert ein per Drag&Drop importiertes Audio-File (WAV, AIFF, MP3, FLAC) mit einem von Native Instruments entwickelten KI-Modell und erzeugt daraus ein neues Massive-XL-Preset, das sich noch beliebig in Oszillator, Filter, Modulation oder Effekte bearbeiten lässt. Mit der integrierten Stem-Separation könnt ihr einem Mix sogar in die einzelnen Bestandteile wie Bass, Drums oder Vocals zerlegen und die einzelnen Stems für eine Preset-Generierung gewinnen.

Getreu dem Sprichwort „Der Weg ist das Ziel“ solltet ihr keine fertigen Ergebnisse erwarten. Generate analysiert das importierte Audio nicht einfach, sondern liefert überraschende Impulse für neue Klänge und Phrasen. Die wenigen Funktionen sind weitgehend selbsterklärend – hier gilt eindeutig: Probieren geht über Studieren. Besonders praktisch finde ich, dass nach der Generierung mit „Adjust Character“ passende Regler zur gezielten Klangformung bereitstehen.
Zugegeben, das Ganze macht durchaus Spaß, setzt allerdings Experimentierfreude und die Bereitschaft voraus, auch einige Fehlversuche in Kauf zu nehmen. Für kommende Versionen würde ich mir wünschen, die Klangergebnisse des Generators mithilfe von Text-Prompts gezielter beeinflussen zu können.
Wie zuverlässig arbeitet der Mutator zur Erzeugung von Soundvarianten?
Auch beim zweiten Tool „Mutate“ ist ein wenig Zufall im Spiel. Hier setzt Massive XL aber an das aktuell geladene Preset an und erzeugt Varianten – entweder könnt ihr das komplette Programm bearbeiten oder nur einzelne Module wie Wavetable-Oszillator, Noise, Filter oder Effekten verändern. Per Divergence lässt sich die Intensität der Mutation bestimmen. In der Praxis funktioniert das Abwandeln eines Presets überraschend gut – im Audio-Demo hört ihr ein Bass-Patch. Eine ähnliche Funktion ist übrigens von NI Absynth 6 oder Spectrasonics bekannt.

Ein weiteres starkes Feature von Massive XL ist zwar auch nicht vollkommen neu, macht aber zusammen mit der erweiterten Synthese einen guten Job: Für bewegte Sounds und Klangfächen erspart euch der Animator so einiges an. Arbeit mit der DAW-Automation.

Mehr Synthese-Power und Effekte – was bedeutet dies konkret?
Zu den wichtigsten Neuzugängen zählen über 100 Wavetables mit Retro-Charakter, 100 Noise-Tabellen sowie die Erstellung eigener Wellensätzen aus importierten Samples. Auch die Effekte prägen den Sound des Massive XL deutlich mit: „Raum“ bietet drei Hallalgorithmen für verschiedene Räume und lange Hallfahnen, „Replika Shimmer“ ist ein kreativer Delay-Effekt für ambiente Sounds und Texturen und „Tape Wobble“ sorgt für LoFi-Vibes – mir gefällt diese Auswahl sehr und es klingt auch bekanntermaßen gut.

Natürlich reagiert Massive XL auf Poly AT, den erwarteten MPE-Support habe ich nicht entdecken können. Angesichts der vielen Möglichkeiten für experimentell arbeitende Musiker sehe ich das leider als einen Minuspunkt.
Ist der Massive XL gut bedienbar?
Native Instruments hat sich zum Ziel gesetzt, den Software-Synthesizer noch bedienungsfreundlicher zu gestalten. Wie schon bei Massive X gliedert sich die Oberfläche in die drei Hauptbereiche Play, Edit und Browser. Vor allem im optisch nun ansprechenderen Edit-Bereich sorgen einige Workflow-Optimierungen für mehr Übersicht und Komfort. Dazu zählen visuell animierte Modulationen, kontextsensitive Hilfen, Undo-/Redo-Listen sowie Sub-Presets für Filter und Effekte.
Etwas überraschend ist allerdings, dass weder der Mutator noch der Preset Generator prominenter in der zentralen Oberfläche platziert wurden. So bleiben ausgerechnet zwei der spannendsten Neuerungen optisch eher Randerscheinungen.
Die Beta-Version zeigte sich übrigens ziemlich CPU-hungrig – das war beim Vorgänger nicht anders. Nach den ersten Sessions mit dem Plugin finde ich die Bedienung übersichtlicher als beim Massive X, aber weiterhin komplex.
So klingt der Native Instruments Massive XL
Wie sein Vorgänger kann sich der NI Massive XL klanglich tief, episch, brutal, rau, druckvoll, majestätisch und experimentell klingen. Für cinaestische Klangfarben und auch für aktuelle elektronische Musik seid ihr damit auf hohem Level breit aufgestellt. Für cremige, butterweiche oder filigrane Analog- und andere Vintage-Sounds ist der Massive XL nicht die erste Wahl. Eine gute Nachricht: Mit dem Massive XL lassen sich die über 30 kommerziellen Soundpacks des Massive X nutzen. Der NI Massive und Massive X sind wiederum nicht daten-kompatibel.

Die Preset-Bibliothek des Massive XL umfasst neben bisherigen Sounds von Massive X über 200 komplett neue Sounds. Insgesamt zehn davon habe ich für euch angespielt. Die beiden letzten beiden Audio-Demos skizzieren euch die neue Generate- und Mutate-Funktion.
Native Instruments Massive XL und Alternativen
NI Massive X tritt gegen eine Reihe etablierter Software-Synthesizer an. Zu den wichtigsten Konkurrenten zählen Xfer Serum 2 und Arturia Pigments 7, die sich in einer vergleichbaren Preisklasse bewegen.
Im Unterschied zu diesen beiden Wavetable-Synthesizern setzt Native Instruments bei Massive X verstärkt auf KI-gestützte Funktionen. Dadurch eröffnen sich neue Ansätze für den Sounddesign-Workflow, die dazu einladen, klangliches Neuland zu betreten und Sounds mit einer ganz eigenen Handschrift zu kreieren. In unserem Feature Wavetable – Soft-Synths im Vergleich seht ihr sämtliche angesagten Plugins mit Wavetable-Engine.
FAZIT: Massive X
Mehr KI, mehr Klang und ein optimierter Workflow: Native Instruments hat Massive X an den richtigen Stellen verbessert. Die neuen Funktionen regen dazu an, eigene Sounds zu kreieren, statt sich vorschnell im Preset-Dschungel zu verlieren.
Der KI-gestützte Preset-Generator und die weiteren Tools von Massive XL sind praktische Helfer, im aktuellen Stadium aber keine Wundermittel – vor allem nicht für ungeduldige Musiker. Wer sich Zeit zum Experimentieren nimmt, kann damit spannende Klangideen entdecken. Ein zukunftsweisender Ansatz, dessen Potenzial sich durch weitere technische Optimierungen noch besser ausschöpfen ließe.
Unterm Strich ist die Produktpflege des Klassikers gelungen, wenn auch reichlich spät. Für regulär 69 Euro ist das Update für treue Massive-X-User durchaus ein Pflichtkauf. Für Neueinsteiger gibt es allerdings durchaus bessere Synths.
- Wavetable-Synthesizer mit KI-Tool Generator und Mutate/Randomizer
- Systemvoraussetzungen: Ab Windows 10, macOS 13 (M1 Support), Online-Aktivierung, VST2, VST3, AU, AAX, Standalone.
- PREIS: 149 Euro (Straßenpreis vom 27.10.2026), regulär 199 Euro, Update von Massive X regulär 69 Euro.























