Die Hit-Single „Disco Inferno“ erschien 1976 auf dem vierten (und gleichnamigen) Longplayer der US-Band The Trammps und war anschließend Teil des Soundtracks von „Saturday Night Fever“ – jenem Kinofilm, welcher die Disco-Musik in neue Sphären heben sollte! Natürlich verhalf der Kinoerfolg dem Track dazu, noch einmal richtig durchzustarten – bis heute läuft der Titel täglich im Radio. Im Vergleich zu anderen Disco-Hits von Chic, Sister Sledge etc. ist „Disco Inferno“ sowohl rhythmisch wie auch harmonisch ungewöhnlich. Und dann gibt es da natürlich auch noch diese geniale Bassline, welche Basser Ronald Baker beisteuerte! Langweilig wird uns beim Nachspielen des Songs garantiert nicht werden, denn die Bassline ist ziemlich busy und trägt eine große melodische Verantwortung.

„Disco Inferno“ – Originalvideo
Lasst uns gemeinsam noch einmal in das Originalvideo hineinsehen und -hören:
Wie ist „Disco Inferno“ rhythmisch aufgebaut?
Während viele Disco-Basslines von Staccato-Noten und Sechzehntel-Synkopen leben, setzte Ronald Baker hier auf fortlaufende Achtel – die meisten davon sogar legato! Hinzu kommt die um eine Achtel antizipierte Zählzeit 1, was für ordentlich Drive sorgt und nahezu den kompletten Song durchgezogen wird.
Die einzige nennenswerte Ausnahme ist der allererste Takt des Rafrains, in dem die 1 auf den Punkt gespielt wird. Dies geschieht auch noch einige Male in der Bridge, die aufgrund ihrer Kürze aber eine untergeordnete Rolle spielt.
Aus welchem Tonmaterial besteht „Disco Inferno“?
Auch in dieser Hinsicht fällt hier so einiges aus der Reihe. Viele Disco-Songs sind bekanntlich harmonisch eher einfach gestrickt und wechseln nicht selten lediglich zwischen zwei Akkorden hin und her. Das tut dem Ganzen für gewöhnlich keinen Abbruch, denn schließlich stehen hier andere Dinge im Vordergrund, sodass diese Simplizität zumeist für das Genre identitätsstiftend ist.
„Disco Inferno“ hingegen startet erst einmal mit einem Unisono-Lauf, welcher ein Db9-Arpeggio darstellt und danach im Laufe des Songs nie wieder auftaucht. Weiter geht es mit dem Vers, in dessen Zentrum der Akkord Cm7 steht. Am Ende jedes zweiten Taktes finden wir zudem auch F-Dur, können in Summe also auf die beliebte Tonart C-Dorisch schließen.
Ronald Baker begleitet den Vers mit einem pentatonischen Riff in C-Moll, was wirklich ungewöhnlich ist, bedienen sich Disco-Basslines doch ansonsten auffallend häufig den Tonleitern Dur, Moll, Dorisch, Myxolydisch – auch Arpeggios trifft man häufig an. Mollpentatonische Riffs wie im Rock oder Funk existieren eher selten.
Im Chorus wechselt das harmonische Geschehen dann nach F-Dur mit den entsprechenden Stufenakkorden F, Bb und C. Ronald nutzt hier die entsprechende Tonleiter sowie Arpeggios, um für eine coole einprägsame Melodie zu sorgen.

Welcher Basssound findet sich auf „Disco Inferno“?
Wie häufig ist es auch hier äußerst schwierig, herauszuhören, welches Bassmodell denn nun genau bei der Aufnahme zum Einsatz kam. Zählt man aber die Komponenten „Sound“ und „Jahreszahl“ zusammen, bin ich mir doch sehr sicher, dass wir es einmal mehr mit einem Fender Precision Bass zu tun haben.
Ansonsten klingt der Sound eher clean – ich vermute, dass Ronald Baker über einen Preamp oder eine D.I.-Box direkt ins Pult gespielt hat. Falls ein Verstärker und eine Box im Spiel waren, wurde diesem Duo höchstwahrscheinlich noch ein D.I.-Signal beigemischt. Mit einem passiven P-Style Bass ist man auf jeden Fall bereits bei 90% des Basssounds von „Disco Inferno“.
„Disco Inferno“ – Transkription
Ich habe euch mit dem Intro, dem Vers und dem Chorus die wichtigsten Teile des Songs aufgenommen und transkribiert:
Viel Spaß und bis zum nächsten Mal, euer Thomas Meinlschmidt

























