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09.05.2021

Alles über Disco Funk Basslines - Teil 1: Disco-Oktaven

Bass-Workshopserie: Disco Bass spielen / How to play disco bass

Spiele Bass-Grooves von Chic, Sister Sledge, Dua Lipa, Kylie Minogue, Miley Cyrus etc.

Mitte der 70er-Jahre eroberte eine neuartige Mischung aus Funk und Pop die Musikwelt: Disco! Was sich zunächst in einer Subkultur auf Parties entwickelte, fand schnell die Aufmerksamkeit der Plattenfirmen - der Siegeszug von Disco war ab diesem Zeitpunkt nicht mehr aufzuhalten! Bis Anfang der 80er-Jahre reichte die Blütezeit dieses Genres, dann ebbte das Discofieber wieder ab. Seither gibt es jedoch in regelmäßigen Abständen Revivals, zum Beispiel im Jahr 2020. Die letzten Alben von Stars wie Dua Lipa, Kylie Minogue, Miley Cyrus und vielen anderen standen im Zeichen des Disco-Sounds. Für uns Bassisten*innen ist diese Stilistik eine Art Paradies, denn der Bass hat sowohl rhythmisch wie auch melodisch eine sehr dominante Funktion inne. Daher beleuchten wir den Disco-Bass in dieser neuen dreiteiligen Workshopreihe näher und analysieren anhand zahlreicher Songs, wie er sich von damals bis heute entwickelt hat.

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Disco Funk Basslines - History

Die ersten Hits, die man tatsächlich der Disco-Ära zuschreibt, waren noch eine Art stilistischer "Hybrid". Zwar finden sich bereits typische Merkmale dessen, was später immer wichtiger werden sollte, aber die Prägung durch den Soul der 60er- und frühen 70er-Jahre war noch eindeutig wahrnehmbar.

Auch die ersten Basslines des neuen Genres waren anfangs rhythmisch und melodisch noch nicht so prägnant, stattdessen bestimmten die für den Soul typischen Töne Grundton, Quinte, Sexte für Dur-Akkorde und Grundton, Quinte, Septime für Moll- oder Dominantsept-Akkorde das Geschehen.

Exemplarisch habe ich dafür einen Song ausgewählt, welcher als einer der ersten Hits der Disco-Ära gilt:

Carl Douglas: "Kung Fu Fighting"

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Disco Funk Basslines - das Groove-Konzept

Nach und nach emanzipierte sich Disco vom Soul und es etablierte sich eine Art "Formel", welche sich in zahlreichen Songs wiederfinden sollte: Die Drums spielten einen straighten Groove mit der Bassdrum häufig auf allen vier Vierteln ("4 On The Floor"), und die Tempi bewegten sich allesamt in einem gut  "tanzbaren" Bereich zwischen ca. 115 bis 130 bpm.

Die Gitarre übernahm zudem eine eher perkussive Aufgabe und etablierte aus Akzenten und Dead Notes ein 16tel-Raster. Um die Stabilität des Ganzen noch zu unterstützen, wiederholte man ohne große Variationen je nach Akkordfolge zwei- oder viertaktige Patterns.

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Disco Funk Basslines - der Bass spielt Grundton und Oktave

Kommen wir zum E-Bass: Ein Merkmal findet man bei frühen Disco-Basslines besonders häufig: die Verbindung von Grundton und Oktave. Rhythmisch bleibt es häufig bei straighten Achteln, und während auf jeder der vier Viertel der Grundton gespielt wird, erklingt die Oktave auf der "und" (dem sogenannten "Offbeat").

Das Ziel dieses Aufbaus: Der Offbeat soll den Viertelpuls stets aufs Neue "anschieben"; durch die hohe Oktave wird dieser Effekt durch den Kontrast zur tiefen Bassdrum und dem Grundton auch in melodischer Hinsicht noch zusätzlich unterstützt.

Hier sind drei Songs, die dieses Disco-Bass-Konzept demonstrieren:

Silver Connection: "Get Up And Boogie"

Village People: "In The Navy"

Rose Royce: "Car Wash"

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Disco Funk Basslines - Variation: zwei Sechzehntel auf der Oktave

Eine häufig benutzte Variante ist das Aufteilen der Offbeat-Achtel in zwei Sechzehntel. Dieses spezielle Groovekonzept wurde schnell zu einer Art "Blaupause" und wird daher heutzutage auch "Disco-Oktaven" genannt.

Bei den üblichen Tempi der Disco-Musik kann das Ganze allerdings spieltechnisch durchaus herausfordernd werden. Hier seht ihr deshalb vier Wege, die Disco-Oktaven zu meistern:

  • klassischer Wechselschlag
  • Spiel mit drei Fingern der Schlaghand
  • "Fingernagel-Plektrum"
  • Plektrum

Fingersätze und Anschlagsrichtungen könnt ihr der beigefügten PDF sowie dem nachfolgenden Video entnehmen.

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Disco Funk Basslines - Songs mit Disco-Oktaven

Hier sind zwei von unzähligen Hits, in denen man die tapischen Disco-Oktaven findet:

Village People: "YMCA"

Chic: "Dance Dance Dance"

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Im kommenden zweiten Teil dieser Reihe folgt die Emanzipation des Basses von den Oktaven zu einer deutlich melodischeren Rolle.

Viel Spaß, euer Thomas Meinlschmidt

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