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17.12.2019

6 Tipps für Achtelgrooves auf dem Bass

Achtel-Begleitungen auf dem E-Bass spielen

Groove-Workshop: Grooven auf dem E-Bass

Achtelspiel auf dem E-Bass wird von Unwissenden mitunter belächelt, ist jedoch in Wahrheit  eine hohe Kunst! Wahre Meister dieses Fachs, wie Cliff Williams (AC/DC) oder Funk-Altmeister Larry Graham krönen mit ihrer besonderen Achtel-Artikluation zahllose Hits. In diesem Workshop beleuchten wir das Achtelspiel auf dem E-Bass und zeigen dir einige Insider-Tricks der Profis.

In jeder Stilistik gibt es ja Grooves, die immer wieder vorkommen und daher eine Art "Standard" bilden. Im Jazz ist dies der Walking Bass, in Blues der Shuffle, und als ungekrönte "Nummer 1" in Rock/Pop/Soul/R&B sind es die allseits bekannten Achtelgrooves. Damit sind Bass-Patterns gemeint, in denen wir überwiegend fortlaufende Achtel spielen, meist auf dem Grundton oder mit relativ wenig melodischer Bewegung.

Dass diese Art der Song-Begleitung so häufig "recycelt" wird, liegt ganz sicher nicht daran, dass den Komponisten nichts Anderes mehr einfällt. Der Grund ist vielmehr, dass derartige Achtelgrooves stilistisch sehr authentisch sind und somit oftmals schlicht die beste Wahl für einen Song bedeuten! "Fortlaufende" oder "durchgehende" Achtel legen einfach eine solide Basis in die Musik und füllen den tiefen Frequenzbereich stimmig aus. Zudem besitzt dieser Fluss aus Achteln eine Wirkung, die einen Song kräftig nach vorne treiben kann.

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Wer jetzt meint, nur Achtel auf dem Grundton zu spielen sei doch auf Dauer viel zu öde, der ist hier genau richtig: Ich möchte euch in diesem Workshop zeigen, wie viele Variationen und Gestaltungsmöglichkeiten in diesem Thema stecken und vor allem, wie massiv wir damit einen Song beeinflussen können. Achtel sind nämlich nicht gleich Achtel! Jede Variation bringt eine gänzlich andere Wirkung in die Musik, welche sich dadurch ganz anders "anfühlt". Wir beeinflussen damit also das so oft zitierte "Feeling", und unsere Mittel dazu sind Dynamik und Artikulation. Dies sind zwei unserer mächtigsten bassistischen Werkzeuge, um Grooves stilistisch authentisch zu Leben zu erwecken!

1. Achtel auf dem Bass spielen: Dynamik und Akzente

Der gebräuchlichste Aspekt von Dynamik ist das Verhältnis zwischen lauten und leisen Tönen. Spiele ich bestimmte Töne lauter als andere, so werden diese akzentuiert - oder bekommen, anders ausgedrückt, einen Akzent. Bildhaft gesprochen verleiht man diesen Noten "mehr Energie". Akzente sind daher also ein erster wichtiger Schritt von "lebloser" Rhythmik hin zum Groove. Akzente sind derart mächtig, dass sie sowohl einen Puls als auch eine Struktur erzeugen können - beides Grundvoraussetzungen für Groove! Um dies zu demonstrieren, habe ich euch eine gleichmäßige Hi-Hat programmiert, welche einfach nur Achtel durchspielt.

Im ersten Beispiel sind alle Schläge gleich laut:

Zugegeben, das ist alles noch ziemlich fade, ohne Betonung sind sich wiederholende Schläge einfach "leblos" und noch nicht wirklich "Musik". Der Grund: Hier fehlt jegliche Information über Taktart, Puls, Feeling, Stilistik etc. Man weiß nicht, wo Anfang und Ende zu finden sind.

Daher betone ich nun jeweils den ersten Schlag einer Achtergruppe:

Siehe da: Durch diese scheinbar kleine Sache verändert sich das komplette Spiel! Plötzlich existiert hier ein musikalischer Puls und weiß zumindest schon mal, dass es sich um einen 4/4-Takt handelt. Den betonten Schlag kann man natürlich als alles Mögliche interpretieren, das Wahrscheinlichste ist aber, dass es sich um die Zählzeit 1 eines Taktes handelt. Drehe ich das Rad noch etwas weiter und betone alle Viertelnoten (wobei die 1 weiterhin am stärksten bleibt), so wird das Ganze noch lebendiger und man fühlt den Puls abermals besser:

Ich denke, die Wirkung von Akzenten wird hier schon sehr deutlich. Und immerhin war bis hierher ja nur ein einziges Instrument beteiligt! Jetzt wird es Zeit, das ganze Prinzip auf unsere Bassline anzuwenden. Als Basis dient uns eine einfache Bassline mit durchgehenden Achteln, wie sie in Rock/Pop/Funk/Soul/R&B-Bereich häufig vorkommt. In einem rockigen Kontext ist es relativ üblich, die Zählzeit 1 zu betonen, um die typische massive Wirkung zu erzielen und die Taktstruktur zu verdeutlichen.

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Je nach Bassdrum-Pattern kann man zudem die Zählzeit 3 ebenfalls leicht akzentuieren. Betonungen sollten aber generell nicht mit zu viel Kraft gespielt werden. Also nicht zu hart anschlagen, sonst klingt dein Bassgroove schnell "gepresst" und unausgewogen.

Bei Achtelgrooves in Soul, R&B oder Funk kann sich dies grundlegend ändern. Hier wird oft der Backbeat (die Zählzeiten 2 und 4) zusammen mit der Snare betont, dies sorgt für das typische Feeling. So könnte das dann klingen:

Die Betonung des Backbeats macht das Ganze leichter und luftiger, es wirkt weniger massiv und aggressiv als die rockige Variante mit der akzentuierten 1.

Es gibt natürlich auch noch andere Wege, Achtel zu betonen - jeweils abhängig vom musikalischen Kontext. Es kann z.B. sein, dass wir Akzente eines anderen Instruments ebenfalls betonen, und diese müssen natürlich auch nicht immer zwangsläufig auf den Viertelschlägen liegen. "Ohren auf!" lautet hier die Devise!

2. Achtel auf dem Bass spielen: Artikulation - Legato

Unser zweites mächtiges Werkzeug nennt sich Artikulation. Dies bedeutet ganz einfach gesagt, "wie" wir einen Ton spielen, also wie laut, wie leise, wie lang, wie kurz, mit Hammer-Ons, mit Slides, mit Trillern usw. Streng genommen war also die angesprochene Dynamik auch eine Folge von Artikulation. Nun geht es aber um Tonlängen, also wie lange oder wie kurz ich einen Ton spiele und welche Wirkung dies nach sich zieht.

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Die erste Artikulation, die ich euch zeigen möchte, nennt sich "legato" und bedeutet "lang bzw. breit gespielte Töne", so wie wir dies bereits unter dem Punkt "Dynamik" ausprobiert haben. Die Hi-Hat tut es uns hier meistens gleich und spielt ebenfalls Achtel (mit geschlossen oder offener Hi-Hat oder irgendwo dazwischen); mitunter auch schon mal nur Viertel mit geöffneter Hi-Hat.

3. Achtel auf dem Bass spielen: Artikulation - Staccato

Auf legato folgt nun staccato, d.h. kurz gespielte Töne. Diese Artikulation wirkt etwas aggressiver und treibender und ist eine gute Wahl, falls man diesen Effekt möchte. Ein anderer Grund, warum wir zu Staccato-Achteln greifen, kann die Größe der Besetzung sein. Klingen Legato-Achtel aufgrund ihres füllenden Charakters in kleinen Besetzungen gut, können sie in größeren Bands den Sound etwas schwammig machen.

Das ist nicht zwangsläufig der Fall, da es immer vom individuellen Kontext abhängt, kann aber schnell passieren. Ein weiterer Grund, um sich für Staccato zu entscheiden, ist der Drumbeat. Spielt der Schlagzeuger/in deutlich mehr als Achtelnoten mit der Hi-Hat und/oder kommen noch zusätzliche Ghost Notes der Snare hinzu, so lassen Staccato-Achtel diesen Feinheiten des Drummers viel besser Raum als die Legato-Variante.

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Hier ein Beispiel, in dem der Drummer Bassdrum, Snare und Hi-Hat variiert und damit ein Swingfeeling andeutet. Die statischen Staccato-Achtel lassen diesen Details Platz und greifen regelrecht mit den vielen Sechzehntel-Offbeats des Schlagzeugs ineinander:

4. Achtel auf dem Bass spielen: Artikulation - Offbeat

Ein Hybrid aus Legato- und Staccato-Artikulation ist eine Artikulation namens "Offbeat" (ein anderer Fachbegriff ist mir bisher dafür nicht über den Weg gelaufen). Hier werden die Achtel auf den Viertelnoten kurz gespielt, und die Achtel auf den "Und-Schlägen" (also den Offbeats) lang. Meist werden die Pulsschläge dabei noch betont, was eine Art "pumpendes" Feeling erzeugt. Diese Art, Achtel zu spielen, ist häufig im Soul und R&B anzutreffen. Auch hier klingt auf einmal alles ganz anders - und auch hier haben wir wieder "nur" mit den Tonlängen herumgespielt:

5. Achtel auf dem Bass spielen: Artikulation - Disco-Funk-Achtel

Die umgekehrte Version von Offbeat-Achteln gibt es auch, allerdings kommt sie mit Abstand am wenigsten vor. Eine lange Achtel auf den Vierteln und eine kurze Achtel auf der "Und" sind eher ein Exot und eigentlich nur in Funk, Soul und R&B anzutreffen - zumindest sind sie mir noch nie woanders begegnet. Eine Besonderheit dabei ist, dass bei allen mir bekannten Songs, in denen sie Verwendung finden, die Oktave auf der kurzen "Und" gespielt wird. Die höhere Note verstärkt diese Art der Artikulation noch:

6. Wann sollte ich welche Achtel spielen?

Die große Frage lautet "Wann passen welche Achtel am besten?". Daher gibt es hier noch eine Zusammenfassung und ein paar Richtlinien, die rein auf meiner Hörerfahrung beruhen, also keine festen Regeln sind. Merke: Dein Ohr ist immer noch der beste Ratgeber und "Trial And Error" die beste Methode:

Legato:

  • füllt schön "untenrum", legt Fundament
  • erzeugt entspanntes, fließendes Feeling
  • gut für kleinere Besetzungen, da sie den tiefen Frequenzbereich ausfüllen
  • können in größeren Besetzungen manchmal schwammig wirken
  • funktionieren in allen Tempi
  • Hi-Hat spielt meist auch Achtel mit wenig Variationen

Staccato:

  • aggressives, treibendes Feeling
  • setzen sich klarer durch, füllen aber weniger
  • besitzen bessere Ortbarkeit in größeren Besetzungen
  • passen gut, wenn Hi-Hat mehr variiert
  • passen gut, wenn Snare Ghost Notes ergänzend zu Hi-Hat macht
  • gut geeignet für mittlere Tempi

Offbeat:

  • prägnanter als legato
  • weniger aggressiv als staccato
  • "pumpendes" pulsorientiertes Feeling
  • Hi-Hat betont häufig ebenfalls die Offbeats und/oder spielt auf diese eine offene Hi-Hat
  • passt gut für langsame und mittlere Tempi
  • häufiger in Soul und R&B zu finden

Disco-Funk Achtel:

  • "Name ist Programm"
  • passen gut für mittlere bis schnellere Tempi
  • eigentlich nur in Soul, R&B und Funk zu finden
  • meist Verbindung mit Oktave auf der "und", um das Feeling zu unterstützen

Bis zum nächsten Mal, euer Thomas Meinlschmidt

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