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23.10.2020

Synthesizer-Riffs, die Musikgeschichte geschrieben haben

Berühmte Synthesizer-Titel von 1970 bis heute

Synthesizer-Motive mit absolutem Ohrwurm-Charakter!

Egal ob „Jump“ von Van Halen, „The Final Countdown“ von Europe oder „1999“ von Prince - alle diese Titel haben eine Gemeinsamkeit: Durch ihre prägnanten Synthesizer-Riffs erkennt man sie schon nach wenigen Sekunden sofort wieder. Das Geheimnis liegt in der Kombination aus interessanten Klängen und eingängigen musikalischen Motiven und Pattern, die zum Hit-Faktor und Charterfolg beigetragen haben.

Dabei ist die Geschichte der synthetischen Klangerzeuger und deren Verwendung in der Popmusik noch verhältnismäßig jung: Erst im vorigen Jahrhundert ging es damit so richtig los. Mit etwas Abstand scheint es eine wirklich fruchtbare Kombination gewesen zu sein, denn aus der Begegnung zwischen spielfreudigen Musikern und den Pionieren der Synthesizer-Entwickler ist über die Jahre eine wirklich bunte Musiklandschaft entstanden. In diesem Artikel stellen wir euch die besten Synthesizer-Riffs der letzten 50 Jahre vor -  getreu unserem Motto „Ein Ohrwurm kommt selten allein“. Wir zeigen euch in diesem Artikel eine Menge Musiktitel, in denen neben eingängigen Gesangsmelodien vorrangig die Synthesizer-Riffs für den Ohrwurm-Charakter sorgen.

Los geht’s!

Van Halen - Jump

Ein Superhit kam von der Band Van Halen im Jahr 1984. In diesem Jahr veröffentlichte Van Halen das Album ‚1984‘, das einerseits nach der Jahreszahl benannt wurde, andererseits auch den Titel „Jump“ beinhaltete, der kurz nach seiner Veröffentlichung im Januar 1984 zum Welthit avancierte. Für den absoluten Wiedererkennungswert ist das akkordische Riff zuständig, welches auf dem Oberheim OB-Xa gespielt wurde. Im Musikvideo sieht man den kürzlich verstorbenen Eddie Van Halen, wie er den OB-Xa Synthesizer spielt. Der Song wurde unzählige Male gecovert und gehört auch heute noch zu den meistgespielten Songs im Radio. Dabei ist der breite Sägezahn-Charakter des Synth-Riffs ein echtes Markenzeichen.

Europe - The Final Countdown

Direkt nach „Jump“ kommen wir zu dem 1986 erschienenen Hit „Final Countdown“ der schwedischen Rock-Band Europe. Joey Tempest, Sänger der Band, hatte das prägnante Keyboard-Riff auf einem Korg Polysix komponiert. Ausgehend davon entstand der Rest des Songs, der später mit einem Yamaha DX7 und einem Roland JX-8P eingespielt wurde. Angeblich handelte es sich in beiden Fällen um klassische Preset-Sounds aus den Instrumenten, welche in ihrer Mischung den charakteristischen Sound des Riffs ausmachen.

Prince - 1999

Das Album „1999“ von Prince erschien 1983 und wurde das erste Album des Künstlers, das in die Top10 der US-Charts einstieg. Der schon vorab veröffentlichte, gleichnamige Song „1999“ wurde mit einem Oberheim gespielt, welcher sich durch das ganze Stück zieht. Dabei entsteht der charakteristische Sound durch zwei sich abwechselnde, vierstimmige Voicings in enger Lage, bei denen die Top-Note immer zwischen der Terz und Quarte der Tonart F-Dur wechselt. 

Eurythmics - Sweet Dreams (Are Made of This)

Manchmal braucht es kaum mehr als einen Drumcomputer, einen Synthesizer und Gesang. So war es jedenfalls bei Annie Lennox und Dave Stewart, die als Pop-Duo Eurythmics im Jahr 1983 mit dem Song „Sweet Dreams (Are Made of This)“ einen Welthit landeten. Laut Lennox entstand der Song als musikalischer Vorbote einer anstehenden Trennung - dabei kam die Idee für den Song eher zufällig und wurde innerhalb einer halben Stunde komponiert. Damals passierte das natürlich mit einem Acht-Spur-Rekorder! 

Faithless - Insomnia

I can’t get no sleep“ - so heißt der Text, bevor das weltbekannte Synth-Riff losgeht. 1995 veröffentlichte die britische Gruppe Faithless einen Hit, der wochenlang die Charts dominierte. Der Kontrast zwischen den Trance-artigen Text-Passagen und dem energiegeladenen Refrain könnte kaum größer sein. Dabei besteht der Synth-Sound u. a. aus einem stark komprimierten Pizzicato-Sample. Der Sound ist so prägnant, dass man ihn auf jeder Party nur kurz anspielen muss und schon tanzen die Leute. Eines ist damit klar: Schlafen kann man zu dieser Musik wirklich nicht!

Harold Faltermeyer - Axel F

Unser nächstes Synthesizer-Riff wurde als Titelmelodie des Films Beverly Hills Cop bekannt. „Axel F“ ist tatsächlich die Kurzform des Protagonisten Axel Foley, welcher von Eddie Murphy gespielt wurde. Hinter dem Song verbirgt sich der deutsche Komponist und Produzent Harold Faltermeyer, der sowohl in Los Angeles und München wohnt und in beiden Städten als Komponist tätig ist. Laut Faltermeyer kamen bei dem Song insgesamt sechs Synthesizer zum Einsatz: Der Lead-Sound wurde mit dem Roland Jupiter 8 gespielt und die Marimba stammt aus dem Yamaha DX7. Außerdem kamen ein Moog Modular 15 und ein Oberheim OB-8 für den Bass zum Einsatz. Die Drums stammen aus dem Linn Drum Computer und die Percussion wurde mittels Roland TR-808 realisiert. Großartig! 

Usher (feat. Lil Jon & Ludacris) - Yeah!

Mit einem großen Sprung geht es in das Jahr 2004. Der Song „Yeah!“ ist die erste Auskopplung aus Album Confessions von Usher und gehört zu den größten Dancefloor-Hits der 2000er Jahre. Schuld daran ist vor allem das einprägsame Synth-Riff, welches aus einer Quinte und einer kleinen Sechste besteht. Manchmal kann ein Hit so einfach sein!  

Soft Cell - Tainted Love

„Tainted Love“ wurde von Ed Cobb komponiert und erstmals 1965 von Gloria Jones aufgenommen. Ein internationaler Erfolg wurde es aber vor allem in der 1981 veröffentlichten Version der britischen Band Soft Cell. Ein repetitives Synth-Pattern, das an synthetische Strings erinnert, sowie der synkopische Square-Wave-Sound haben dem Song ein völlig neues Gewand gegeben. Auch der restliche Sound hat dazu beigetragen: Elektronische Drums und atmosphärische Klänge in typischer 1980er Tradition.

Lipps Inc - Funky Town

Jeder kennt die Synth-Melodie aus dem Hit „Funky Town“ von Lipps Inc., die zu dem unterlegten Disco-Beat wohl kaum einprägsamer sein könnte. Dabei hat sie alles, was man benötigt, um im Ohr zu bleiben: Eine einfache Tonfolge und einen fast witzigen, attackigen Synth-Sound. Die durchgehende Bass-Linie wurde übrigens dem Song „The Changeling“ der Band The Doors entnommen.

Depeche Mode - Just Can’t Get Enough

Im Gegensatz zu „Enjoy The Silence“ ist bei „Just Can’t Get Enough“ von Depeche Mode gute Laune vorprogrammiert. Der erheiternde Text, die positive Stimmung und nicht zuletzt das sehr einfache Synth-Motiv bestehend aus den Tönen G, A und H haben diesen Song zu einem Party-Hit gemacht. Dabei wurde der unverkennbare Sound dieses Riffs mit einem Roland SH-1 gespielt - so wie man ihn auch im Musikvideo erkennen kann. 

a-ha - Take On Me

1984 gehört zu den Jahren, in denen eine Menge Pop-Hits veröffentlicht wurden. Auch der Hit „Take On Me“ der norwegischen band a-ha gehört dazu, allerdings landete er erst im dritten Anlauf - und damit erst im September 1985 - auf Platz 1 der Charts u. a. in Deutschland, Norwegen und den USA. Alleine mit dem kunstvollen Video konnte die Band bei den MTV Music Awards sechs Auszeichnungen einheimsen. Könnte es daran liegen, dass dieser Song über ein äußerst schönes und unverkennbares Synth-Riff verfügt und damit ein absoluter Ohrwurm ist?

Michael Jackson - Billie Jean

Natürlich darf der King Of Pop - Michael Jackson -  in unserer Liste nicht fehlen. Das wohl prägnanteste Synth-Riff enthält der Song „Billie Jean“ aus dem Jahre 1982. Dabei handelt es sich um drei Akkorde, welche sich über den das prägnante Achtel-Bass-Pattern verschieben: F#m, G#m und A-Dur. Der Synthesizer wurde übrigens von Greg Philinganes eingespielt. 

The Human League - Don’t You Want Me Baby

Don’t You Want Me Baby“ ist sozusagen schon Inbegriff des Synthie-Pop und der New-Wave-Ära. Der Song strotzt jedenfalls nur so vor lauter Synth-Sounds: Sechzehntel-Arpeggiator, Polysynth und Pads lassen keine Wünsche offen. Gleich zu Beginn startet das charakteristische Synth-Riff, bevor die erste Strophe losgeht. Human League benutzten jedenfalls ein ganzes Synthesizer-Arsenal, welches sich mit der Zeit veränderte. Klar ist allerdings, dass der charakteristische Bass-Sound lange Zeit aus einem MiniKorg 700S stammt. Außerdem wurden auch Roland Jupiter-4 und das Roland System-100 verwendet.   

Culture Beat - Mr. Vain

Im Jahr 1993 - der Hochzeit des Eurodance - feierte die deutsche Band Culture Beat einen Welthit. „Mr Vain“ ist ein klassischer Hit der 1990 er Jahre mit einem sehr eingängigen Synth-Riff, das sich fast durch den ganzen Song zieht. Neben dem Synth-Sound mit seiner typischen Quint-Bewegung ist auch die unverkennbare Gesangs-Hookline „Call him Mr. Raider, call him Mr. Wrong“ für den Wiedererkennungswert verantwortlich.

Martin Garrix - Animals

Martin Garrix war gerade einmal 17 Jahre alt, als er den instrumentalen House-Track „Animals“ veröffentlichte. Mittlerweile gehört er zu den erfolgreichsten House-Produzenten und hat eine erfolgreiche Karriere als Produzent und DJ hingelegt. Laut eigener Aussagen handelt es sich bei „Animals“ um eine Produktion aus seinem damaligen Schlafzimmer - jedenfalls ist der Begriff „bedroom studio“ ein Begriff für heimische Produktionsstätte außerhalb eines professionellen Studios. Die unverkennbare Synth-Hook, die sich in zwei Motive aufteilen lässt, begeistert Club-Besucher seit vielen Jahren.

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Whitney Houston - I Wanna Dance With Somebody (Who Loves Me)

Mit über vier Millionen verkauften Exemplaren gehört „I Wanna Dance With Somebody“ zu Whitney Houstons erfolgreichsten Singles und auch als Meilenstein ihrer Karriere. Jedenfalls sorgt das Synth-Riff aus dieser Nummer für einen absoluten Wiedererkennungswert. Auf dem 1987 erschienen Song sind tatsächlich - bis auf ein Altsaxophon - nur synthetische Instrumente zu hören. Ein Großteil der Klänge kommt dabei aus dem Yamaha DX7 - schließlich befinden wir uns zu dieser Zeit in der Hochsaison des Synth-Pop und in der des Yamaha DX7!

Bruno Mars - 24k Magic

Zeitlich gesehen springen wir jetzt in das Jahr 2016 - auch wenn es klanglich fast so ist, als hätten wir die 1980er Jahre nie verlassen. Der Song „24k Magic“ von Bruno Mars ist ja schließlich eine klare Hommage an den Sound und Funk dieser Epoche. Neben einem sehr schönen Talkbox-Intro beinhaltet der Titel auch ein sehr prägnantes Riff bestehend aus einem Polysynth mit kurz darauffolgendem Sechzehntel-Arpeggiator-Sound. Stilistisch bewegen wir uns hier irgendwo zwischen Kool And The Gang, Zappa und Prince - die Ähnlichkeiten sind jedenfalls nicht zu leugnen!

Jean-Michael Jarre - Oxygene Part 4

Oxygène lautete das dritte Album des Synthesizer-Pioniers Jean-Michel Jarre, welches 1976 in Frankreich und ein Jahr darauf weltweit erschien. Das wohl bekannteste Stück daraus, „Oxygène Part IV“, verwendet mehrere Arpeggios, die für den hohen Wiedererkennungswert des Stücks sorgen. In einem Youtube-Video erklärt der Künstler, wie er die Klänge mit welchen Synthesizern erzeugt. Sehr spannend!  

New Order - Blue Monday

Einer der erfolgreichsten Songs aus dem britischen New-Wave stammt von der Band New Order. „Blue Monday“ bedient sich dabei eines hämmernden Synth-Bass-Patterns. Innovativ sind dabei die immer wieder neuen Synth-Sounds, Effekte und Samples, die in diesem Song auftauchen - für diese Zeit war das eine echte Neuheit. Der Drumbeat stammt übrigens aus dem Oberheim DMX, der als digitaler Drumcomputer 1980 auf dem Markt erschien.    

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Bronski Beat - Smalltown Boy

1984 landet die britische Band Bronski Beat mit ihrem Song „Smalltown Boy“ einen Top-10 Hit in den britischen Charts. Markenzeichen des Songs war der hohe Falsett-Gesang des Sängers Jimmy Sommerville und das sehr markante Synth-Riff, welches im Intro und Refrain des Songs zu hören ist. Dabei handelt es sich u. a. um ein Preset aus dem Yamaha DX7, der im Jahr zuvor auf dem Markt erschienen war.

Kraftwerk - The Model (1978)

Zum Abschluss dieses Artikels möchte ich noch einen absoluten Klassiker vorstellen. Dabei könnte es kaum besser sein, denn er stammt aus Deutschland. Die Düsseldorfer Gruppe Kraftwerk hatte diesen Song 1987 als Single ausgekoppelt und damit einen eingängigen elektronischen Song komponiert, der von einer auf dem Synthesizer gespielten Melodie lebt. Interessanterweise gehört der Song „The Model“, den es auch als deutsche Version „Das Model“ gibt. Dieser Titel gehört zu den Titeln, die sich nicht in das futuristische Konzept der Band einordnen lassen.   

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