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10 elektronische Popsongs der 80er

Man muss es schon zugeben: Die 80er Jahre waren in rein musikalischer Hinsichteher selten wie ein großes Feuerwerk. Aufgrund der maßgeblichen Einflüsse von Punk und Elektronik und der Tatsache, dass Synthesizer und Drum Computer in bezahlbare Preisgefilde rutschten, brachte jene Zeit viele kühle Tracks zutage, denen die neue Soundästhetik aber offensichtlich nicht besonders zuträglich war.

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Häufig war der Einsatz der neuen digitalen Instrumente zu krass dosiert oder die Sounds klangen schlicht “billig”, weil sie eben noch nicht authentisch genug waren. Doch die 80er versprühten einen Pioniergeist, ein neu gewonnenes Selbstbewusstsein gepaart mit einer Selbstverständlichkeit, so dass es Raum für Experimente gab und eine Bühne für Bands wie die Simple Minds, Depeche Mode und Stars wie Madonna und Prince, die ihre Ära kontinuierlich und stilsicher selbst gestalteten, offen für Neues waren und den Grundstein für viele noch folgende Subgenres legten.
Die musikalischen Entwicklungen der 80er sind beileibe nicht ausschließlich geschmacklos gewesen, weswegen wir euch hier zehn wichtige und genreübergreifende elektronische Popsongs jener Dekade empfehlen wollen, die, stilsicher aufgelegt, auf nahezu jedweder Party funktionieren.

01. Rheingold – Dreiklangsdimensionen (1980) auf Welt-Rekord/ EMI Electrola (1C 064-46 160)
Rheingold war eine dreiköpfige New Wave Band der damaligen Düsseldorfer Szene und landete mit ihren Dreiklangsdimensionen 1980 einen kleinen Überraschungshit. Der Song klang einfach total gut, sehr warm und vor allem spacig und war einzigartig in der damaligen deutschen Pop-Landschaft. Schade, dass die Band wie so einige aus der Düsseldorfer Zeit wenige Jahre später von der deutschen Musikindustrie nachträglich der NDW subsummiert wurden, was schlicht weg falsch ist.
Dies tut der Funktionalität des Tracks natürlich keinen Abbruch. Auch heute funktioniert das Original zu später Stunde und im Gegensatz zu anderen Deejays spiele ich keinen der unzähligen Remixe.
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02. Profil – Berühren (1981) auf Welt-Rekord/ EMI Electrola (1C K 062-46 550 2)
Profil war eine New Wave Band und kam ebenfalls aus Düsseldorf. Die Maxi war eine Zeit lang nur sehr schwer zu bekommen, “Berühren” erschien jedoch noch ein weiteres Mal auf der Compilation “Tanz mit dem Herzen” auf Metronom Records, die noch längere Zeit relativ gut zu bekommen war. Bis Mitte der 90er Jahre war “Berühren” in Clubs, in denen vornehmlich New Wave und Punk gespielt wurde, ein weitaus nachhaltigerer Track auf dem Dancefloor als es “Eisbären” von Grauzone bis dato war, was gewiss auch in erheblichem Maße auf die abartig dichte und basslastiger Mischung zurückzuführen ist.
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03. The Human League – Don´t You Want Me (1981) auf Virgin Records (VS 466-12)
Dieser Song war ein echter No.1 Hit, aber Human League kein One Hit Wonder. Die britische Synth Pop Band war seinerzeit schwer angesagt und das war durchaus nachvollziehbar. Dieser Popsong, der vor synthetischen Sounds nur so sprudelte, war weltweit auf Platz 1 und versprühte über den gesungenen Dialog einen fast schon ekelhaft erfrischenden Charme und wahrlich gute Laune. Zur richtigen Zeit gespielt, kann dieser Song zur absoluten Partyrakete mutieren, weil er eben all das hat, was er hierfür braucht, vor allem aber eine tolle kickende Mischung. Das Original wird gar in diversen angesagten Berliner After Hour Techno Clubs seit vielen Jahren wieder regelmäßig aufgelegt und die Ladys auf der Tanzfläche danken es – jedes Mal…
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04. Depeche Mode – Leave in Silence (1982) auf Mute (12 BONG 1)
Auch ein wenig Platz für Melancholie macht eine gute Party aus. Bei diesem Song handelt es sich jedenfalls um einen düster anmutenden, getragenen Track, der für den Dancefloor wie gemacht ist und mit klassischen Roland Drum Sounds für den nötigen Druck sorgt, um die Hüften in Wallungen zu bringen. Auch die Dramaturgie ist groß (!), die erzeugte Spannung wird am Ende aber nicht aufgelöst, was eine echte Einladung ist, den nächsten New Wave Track mit ein bisschen mehr Bumms direkt folgen zu lassen. Gänsehaut…
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05. New Order – Blue Monday (1983) auf Rough Trade Deutschland (RTD 10, FAC 73)
Blue Monday war im Prinzip ein konsequenter Mensch-Maschine-Track mit einschneidendem Erfolg. Der Song beeinflusste die Musikszenerie weltweit mit seiner neuen Soundästhetik. Danach war nichts mehr wie zuvor. Diese maschinengewehrartig knatternde Bass Drum und vor allem das Mischungsverhältnis war so noch nicht gehört worden. Megalaut und direkt in “your face.” Aufgrund der Länge von siebeneinhalb Minuten musste die Pressung auf eine 12“-Maxi und der Masteringenieur hat anscheinend alles gegeben, um den optimalen Vorschub beim Schnitt des Vinylmasters zu erreichen. Heilands Sack, war die Platte laut! “Blue Monday” presste sich aus den Lautsprechern aller Jugendzimmer und traf damit voll ins Schwarze…  
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Fotostrecke: 5 Bilder Rheingold – Dreiklangsdimensionen
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06. BoytronicYou (1983) auf Mercury (812 875-1)
Boytronic war eine Synth-Pop-Band aus dem hohen Norden, genauer gesagt aus Hamburg. Die Band war sich uneins mit ihren Namensrechten und kam über das zweite Album nicht hinaus. Heute liegen die Rechte bei der Plattenfirma, na prima. Boytronic war ein rein deutsches Phänomen, “You” kam in die deutsche Top Ten, aber wurde noch bis weit in die 90er in New Wave Diskos gespielt und sorgte dort auch regelmäßig und verlässlich für rhythmische Zuckungen. Der Track hat einen ganz eigenen Charme und rollt eine düstere Atmosphäre aus, die bloß von dem eigenen Kick und der peitschenden Synthetik-Snare in aller Regelmäßigkeit “zerschnippelt” wird. Ein Track mit Charakter – einem ganz eigenen…
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07. Herbie Hancock – Rockit (1983) auf CBS (CBSA-12.3577)
Herbie Hancock ist ein Jazzmusiker per Excellence. Seit 1962 veröffentlicht der Vollblutmusiker nun schon bereits. Immer wieder offen für neue Projekte, ist er der erste Musiker, der ein echtes Elektro-Stück mit dem massiven Einsatz von Scratches kombiniert und dann noch dieses spacige Thema – das war schon viel für 80er-Ohren. Doch das war nicht alles, denn sein außergewöhnliches Musikvideo sorgt zusätzlich für große Aufmerksamkeit. Eine düstere Szenerie, entmenscht, in einem absurd wirkenden Raum mit automatischen menschenähnlichen Maschinen, die aberwitzig ihre angeschraubten Gliedmaßen zu dem unwiderstehlichen Future Funk Rhythmus schütteln. Großer Spannungsbogen mit spooky-freakshow und einem grandiosem Finale und abruptem Ende.
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08. Murray Head – One Night in Bangkok (1984) auf RCA (PC 68247)
Ein sehr warmer für 80er-Verhältnisse fetter Track, dessen Beats stilistisch irgendwo im Niemandsland zwischen Italo Disco, New Wave und House züngeln, der einen wirklich langsam aber kontinuierlich treibenden Four-to-the-Floor-Rhythmus vor sich herschiebt, dem man sich dann nur schwer entziehen kann. Der 12″-Mix klingt wirklich phänomenal. Diesen Song fand ich einfach ich immer schon stark, ich kann gar nicht so genau sagen, warum. Muss ich vielleicht auch nicht immer machen…
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09. M|A|R|R|S – Pump Up The Volume (1987) auf Rough Trade (BAD 707, RTD 029T)
M|A|R|R|S  war ein englisches House-Musikprojekt, das lediglich diese einzige Veröffentlichung hatte. Der Track wurde in England Platz 1 und erreichte Top 10 Platzierungen in diversen Charts in Europa. Es war zwar nicht unbedingt die erste Sampling-Platte, aber die erste kommerziell erfolgreiche. So war sie die erste Veröffentlichung ihrer Art, die Rechtsstreitigkeiten hinsichtlich der Sampling-Frage nach sich zog. Zudem gab es in der Band Konflikte wegen der Rechte an ihrem Bandnamen, sodass es zu mehr nicht reichte. Aber immerhin: Die erste Platte aus Sampling und Scratches war mit voller Wucht am europäischen Musikmarkt angekommen. Fette Beats sowie ein grooviges Arrangement sorgen gepaart mit wahrlich songdienlichen Scratches und nicht zuletzt mit einem feinen Gespür für den Einsatz von Samples für die ungeahnte Erfolgsstory einer Eintagsfliege.
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10. The Art Of Noise feat. Tom Jones – Kiss (1988) auf China Records/ Polydor (CHIXR 11, 871 071-1)
Jeder kennt “Kiss” von Prince, aber von Tom Jones? Es soll Menschen geben, die diese “spezielle” Version nicht so mögen – mag sein, sie klingt schon durchweg ein wenig kühl und gelegentlich überladen, jedoch gebe ich zu bedenken, was Tom Jones Ende der 80er noch für eine Power hatte und Mr. Jones zieht hier all seine Register. Und die Klangkünstler? – The Art Of Noise halten sich extrem zurück, nur die Drums sind in jeder Strophe ganz anders, mal hämmernde Bassdrum mit losschnallender Snare-Peitsche, mal ein zurückgelehnter Hiphop-artiger Beat und zuletzt zwitschert dann noch eine 303 irgendwo dahinten herum. Und das Finale – sensationell!
Vielleicht wird bei Prince die Tanzfläche schneller voll – mit Sicherheit sogar! Aber: Mr-ich-wickel-sie-alle-um-den-Finger zieht nach 30 Sekunden spätestens alles Weibliche auf den Tanzflur und der Überraschungseffekt ist geglückt…trotz der megaharten Konkurrenz (Prince).
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Fotostrecke: 5 Bilder Boytronic – You
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von Daniel Wagner

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Profilbild von Sam001

Sam001 sagt:

#1 - 24.03.2021 um 18:57 Uhr

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Wer auch immer den Artikel geschrieben hat muss ja echt einen riesen Plan von Musik haben. Die 80er waren aus musikalischer Hinsicht kein großes Feuerwerk? Dann wurden in einigen Pop Songs nunmal Drum Machines und elektronische Hilfsmittel wie Synthesizer verwendet, dennoch meist mit einem für die 80er klassischen Klang und Bands wie Depeche Mode die noch Ideen hatten. Aber als wäre das alles in den 80ern gewesen. Was ist denn mit Band wie Van Halen, Queen, Scorpions, Metallica, Genesis, The Police, Bon Jovi, Guns‘n Roses, Aeorosmith oder Dire Straits? Das sind nur eine Hand voll Beispiele. Die wussten noch wie man Instrumente benutzt und wie man ohne Autotune singt, gibt man den meisten Musikern heute eine Gitarre in die Hand denken die es wäre ein Gartenwerkzeug oder sowas. Damals klangen Lieder noch unterschiedlich. Damals waren noch Rock Bands in den Charts und Pop bedeutete u.a. Michael Jackson oder Prince. Heute braucht man kein Talent mehr und die Charts sind miserabel schlecht. Es gibt kaum noch ein bekanntes Poplied ohne Autotune, alle Poplieder klingen gleich u.a da beispielsweise in letzter Zeit 99% der „Künstler“ die sogenannte Millenial Whoop Tonfolge benutzen. Fast alle Lieder in den Charts enthalten ausschließlich elektronische Beats und simulierte Instrumente. Sicher gibts auch noch heute gute Musiker, doch die kriegen nunmal nicht mehr soviel Aufmerksamkeit wie in den 80ern. Also wer auch immer den Artikel geschrieben hat, vlt nur von Dingen schreiben von denen man immerhin ein bisschen Ahnung hat.

    Profilbild von Al Corner

    Al Corner sagt:

    #1.1 - 14.05.2021 um 03:21 Uhr

    Empfehlungen Icon 0

    Hi.Wie Recht du doch hast. Hier schrieb jemand, der damals die Zeit wohl nicht wirklich erlebt hat.Wer kennt noch Eloy., Jail oder Sweet Smoke?
    Wahrscheinlich die, die meine Generation sind - geb: 1958!Die Gruppen, die du aufgelistet hast, die waren Musik - Handwerker. Mit der zunehmenden Entwicklung der Synthesizer, Drummachines,, Composer, Synthis in Form von Expandern, wo man nur eine Tastatur anschließen musste, wurden die wirklichen Musiker, die ihr Handwerk verstehen zurück gedrängt.Zum Beispiel die Band SAGA, die zunächst ohne Keyboards spielten, nahmen später div. Synthis mit rein. Und so setzt sich das auch bei Europe und all den anderen Bands fort.Selbst Pink Floyd - eine der weltbesten Bands, fingen damals mit riesen Tonband Aufnahmen an, die für Time und all die geilen Sonhs verwandt wurden. Später auch hier, die ersten Sound Computer - Synthis. Die Additive Synthese hielt Einzug mit dem Fairlight CMI und Synclavier 2 usw...Ich vermisse das Musik Handwerk, dass mit Instrumenten und Verstärkern gemacht wurden. Die paar Fuss - Schalter Effecte wie Distrosion, Chorus, Flanger usw.., passten perfekt zu der damaligen Zeit.Nun hört sich vieles gleich an, da hast du zweifelsohne recht. Leider kann man das nicht wieder rückgängig machen.."Es lebe die Musik aus der Retorte"! ^^

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