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29.11.2019

Kaufberatung und Testmarathon Stagepianos

Authentischer Pianosound und mehr für die Bühne

Was macht ein gutes Stagepiano aus?

Wer auf einen guten Klaviersound auf der Bühne nicht verzichten möchte, hat heute viele Optionen. Gerade mit modernen Stagepianos ist das Ziel schnell erreicht. Und noch viel mehr. Hat man früher noch den Aufwand betrieben und neben einem portablen E-Flügel wie dem Yamaha CP70 oder 80 noch ein Fender Rhodes oder Wurlitzer E-Piano mit auf die Bühne getragen, vielleicht zusätzlich noch eine Hammond-Orgel und einen Synthesizer, so kann man all diese Sounds heute mit einem Stagepiano mühelos realisieren. Und das auf kleinstem Raum und obendrein im eigenen PKW transportiert.  

Moderne Technik macht es möglich, und die im Markt etablierten Hersteller haben für jeden Geschmack und Anwendungsbereich etwas Passendes im Angebot. So wird mit Stagepianos in unterschiedlichen Ausführungen und Preisklassen um die Gunst des Käufers gekämpft.

Was aber macht ein gutes Stagepiano aus?
Wo liegen die wichtigen Unterschiede zu einem Digitalpiano?
Welchen Ansprüchen soll das Stagepiano genügen?
Worauf muss man beim Kauf achten?

Genau das sind die Punkte, die wir in unserem Kaufberater näher beleuchten.

Quick Facts: Stagepiano

Was ist ein Stagepiano?

Ein Stagepiano ist ein elektronisches Tasteninstrument, das in seinen Grundzügen ein für den Bühnenbetrieb spezialisiertes Digitalpiano darstellt. Ausgestattet mit einer gewichteten Hammermechanik-Tastatur mit 73, 76, oder 88 Tasten und in der Regel einer Sample-basierten Tonerzeugung, bieten gute Stagepianos eine Klangauswahl, die neben authentisch klingenden Flügel- und Klaviersounds auch weitere, ergänzende Klänge, wie Vintage-E-Pianos, elektromagnetische Orgeln, Clavinets, Synthesizersounds unterschiedlicher Couleur und Streicherklänge nebst Effekten in toller Qualität bieten.

Für den professionellen Einsatz konstruiert

Stagepianos sind per Definition für die Bühne konzipiert. Das bedeutet: Sie sind stabil und transportabel aufgebaut, bieten dem live auftretenden Keyboarder hochwertige Klavier- und E-Piano-Sounds und verzichten in der Regel auf integrierte Lautsprecher. In diesen Punkten unterscheiden sie sich im Wesentlichen von Digitalpianos, die im heimischen Wohnzimmer aufgestellt werden. Gerade in den günstigen Preisklassen gibt es zwischen beiden Instrumentengattungen aber durchaus eine Schnittmenge: Kompakte Digitalpianos in Keyboard-Bauform lassen sich selbstverständlich auch auf der Bühne verwenden, bieten aber oftmals nicht alle Funktionen und Klänge, die ein professionelles Stagepiano ausmachen.

Obendrein sind gute Stagepianos mit praxisgerechten Anschlussmöglichkeiten in Form symmetrischer XLR- und Klinkenausgänge für die Audioverbindung zu Mischpult und PA ausgestattet. Da Stagepianos oftmals auch zur Ansteuerung externer Klangerzeuger verwendet werden, bieten sie in der Regel auch eine MIDI-Schnittstelle (ggf. nebst Masterkeyboard-Funktionen), sowie eine Reihe konfigurierbarer Pedalanschlüsse für verschiedene Funktionen. 

Professionelle Stagepianos bieten zudem einen direkten Zugriff auf klangverändernde und speicherbare Parameter. Schaut man sich im Markt um, lässt sich erkennen, das viele Stagepianos nach ähnlichen Mustern aufgebaut sind, die sich in der Kombination verschiedener Klangbereiche und in einer einfachen und komfortablen Bedienung wiederspiegeln.

Tastatur

Wer auf der Suche nach einem Stagepiano ist, der möchte es in der Regel für pianistische Zwecke einsetzen. Deshalb liegt ein Hauptaugenmerk auf der verbauten Tastatur. In der Regel verfügen Stagepianos über eine Tastatur mit 88 Tasten, die per Hammermechanik und entsprechender Gewichtung das Gefühl vermitteln, auf einem echten Klavier oder Flügel zu spielen. In diesem Bereich scheuen Hersteller keine Mühen, um bereits existierende Konstruktionen stetig zu verbessern.

Wer es kompakter mag, der findet viele Stagepianos auch in kleineren Versionen mit 73 oder 76 Tasten. Dabei verzichtet man auf bestimmte Tastenbereiche im Bass- und Diskantbereich, was aber der Portabilität zugute kommt, denn die schmaleren Ausführungen lassen sich auch schon mal unverpackt auf den Rücksitz eines PKWs legen. Hier sollte jeder für sich entscheiden, welche Version ausreicht, was sich durchaus auch preislich niederschlägt: Die tastaturseitig kleineren Ausführungen sind schon ein bisschen günstiger, ohne dass man auf den sonstigen Funktionsumfang verzichten müsste.

Für die Wahl des passenden Instruments sollte man das Spielgefühl auf den Tastaturen der angebotenen Stagepianos ausgiebig testen, um für sich das Passende zu finden, denn die Gewichtungen der Tastaturen fallen je nach Hersteller und Modell unterschiedlich aus. Hinzu kommt, dass die persönlichen Vorlieben hinsichtlich der Tastatur sehr verschieden sind. Eine Tastatur, die dem einen Spieler überhaupt nicht gefällt, mag für den nächsten genau die Richtige sein. Das Wichtigste ist, dass man sich persönlich auf der Tastatur wohl fühlt, und um das herauszufinden, führt an einem gründlichen Test meist kein Weg vorbei.

Eine gut spielbare Tastatur ist aber nicht die alleinige Voraussetzung, den Eindruck zu erhalten, man spiele auf einem echten Klavier oder Flügel. Die Kombination aus Spielgefühl und dem gehörten Klang ist maßgebend, also, wie der Tastendruck in ein hörbares Signal umgesetzt wird. Zu diesem Zweck muss die Tonerzeugung des Stagepianos das dynamische Spiel auf der Klaviatur in geeigneter Weise technisch und klanglich perfekt realisieren. 

Ein wichtiger Faktor ist dabei die Polyphonie. Sie gibt an, wieviele Töne ein Stagepiano gleichzeitig erzeugen kann. Nun könnte man denken, man hat ja bekanntlich zehn Finger, also müssten zehn Noten ja eigentlich ausreichen. Tatsächlich ist es aber so, dass gerade beim pianistischen Spiel mit viel Pedaleinsatz und lange ausklingenden Noten oft eine deutlich höhere Zahl von Tönen gleichzeitig klingt. Wenn die Polyphonie des Stagepianos nicht ausreicht, macht sich das durch abreißende Noten bemerkbar. Heutige Stagepianos sind zumeist mit einer Polyphonie von 128 oder sogar 256 Noten ausgestattet, was für die meisten Einsatzbereiche ausreicht.

Klangerzeugung: Pianos und Flügel

Ein Stagepiano muss gut spielbar sein und vor allem authentisch klingen. Schon deshalb verfügen viele moderne Instrumente über unterschiedliche Klangerzeugungen, die auf die verschiedenen Klangspektren wie Piano, Orgel und Synthesizer spezialisiert sind. Allen voran steht die Tonerzeugung für Flügel- und Klaviersounds, dem wichtigsten Teil des Stagepianos, der den Ersatz der gewichtigen akustischen Pendants möglich macht.

Die Hauptfunktion des Stagepianos liegt in der Simulation akustischer Pianos, zu denen neben berühmten Flügelmodellen auch Upright-Pianos zählen, die sich mit ihrem charaktervollen Klang in modernen Musikproduktionen etabliert haben. Ein gutes Stagepiano sollte also eine gewisse Bandbreite verschiedener Flügel- und Klavierklänge enthalten.

In der Regel durch Sampling-Technologie realisiert, liegt der Schwerpunkt der Tonerzeugung auf einem authentischen Klangverhalten. Neben der Reproduktion eines großen Dynamikbereichs schließt das bei modernen Stagepianos auch die physikalischen Ereignisse mit ein, die beim Spielen klanglich entstehen, wenn man z. B. das Haltepedal betätigt und wieder loslässt oder den Deckel des Flügels in einer bestimmten Position arretiert. Auch die Geräusche, die beim Drücken und wieder Loslassen einer Taste entstehen, finden neben vielen anderen Geräuschen (Noises) Anwendung in der digitalen Reproduktion des Pianoklangs. Neben der Verwendung von Samples für die reine Tonerzeugung kommt bei vielen heutigen Instrumenten auch die Physical-Modeling-Technologie zur Reproduktion der Nebengeräusche und sonstigen individuellen Eigenschaften des Klavierklangs zum Einsatz. Es gibt aber auch einzelne Stagepianos, die den Bereich der Klavier- und Flügelsounds komplett per Physical Modeling erzeugen und damit ohne Samples auskommen.

Begriffe wie

  • Dämpferresonanz
  • Saitenresonanz (Sympathetic Resonance)
  • Key-Off Noises
  • Damper Noise

haben bei der Reproduktion des akustischen Pianoklangs ihre besondere Bedeutung und die Hersteller betreiben einen großen Aufwand, um sie authentisch umzusetzen.

Waren Speicherplatz und Technologie früher noch sehr teuer, trumpfen heute einige Hersteller mit Gigabyte-großen Sample-Bibliotheken und vielfach gelayerten Multisample-Bänken auf, um den großen Dynamikumfang der mechanischen Tasteninstrumente einzufangen, und das Ton für Ton und obendrein in diversen Anschlaghärten (Velocity). Durch die verschiedenen Sampling- und Physical-Modeling-Technologien konnte die Reproduktion von Flügel- und Klavierklängen in der letzten Zeit stark verbessert werden. So positiv diese Fortschritte auch sein mögen, sollte man aber eines nicht vergessen: Gerade auf der Bühne ist der in allen Nuancen gesampelte Klang eines Konzertflügels manchmal nicht das Passende. In vielen Live-Situationen tut es auch ein etwas einfacherer Sound, der dafür prägnant und durchsetzungsstark ist. Man sollte stets darauf achten, wie sich der gewählte Klang im Kontext der gesamten Band verhält, und ihn ggf. mit einigen anderen vergleichen.

Dämpferresonanz

Unter Dämpferresonanz versteht man das klangliche Ereignis, wenn bei einem Klavier oder Flügel durch das Betätigen des Dämpferpedals alle Saiten frei schwingen können. Dadurch entsteht während des Spielens eine deutlich wahrnehmbare Tiefe, die für diese Instrumente typisch ist und bei einem digitalen Stagepiano künstlich erzeugt werden muss.

Saitenresonanz (Sympathetic Resonance)

Werden bei einem Klavier oder Flügel Tasten gedrückt, schwingen nicht nur die jeweils angeschlagenen Saiten, es werden dadurch auch die danebenliegenden Saiten zum Mitschwingen gebracht, wobei Resonanzen zwischen obertonverwandten Tönen entstehen. Dieses Phänomen trägt sehr zum natürlichen Klang bei und muss bei digitaler Tonerzeugung künstlich generiert werden.

Key-Off

Um den Sound des digital erzeugten Klaviers oder Flügels authentischer zu gestalten, wird der Effekt, der beim Aufsetzen der Dämpfer auf die Saiten entsteht, künstlich erzeugt, was eine wichtige Komponente im Gesamtklang darstellt.

Damper Noise

Wird das Dämpferpedal des Klaviers oder Flügels gedrückt, heben sich alle Dämpfer gleichzeitig von den Klaviersaiten ab, wobei alle Saiten leicht in Schwingungen geraten. Dieses Nebengeräusch, das gerade beim Konzertflügel eigentlich weniger erwünscht ist, ist dennoch ein wichtiges Detail im Gesamtklang und wird daher bei vielen digitalen Pianos künstlich erzeugt.

Fall-Back Noise

Unter Fall-Back-Noise versteht man das Geräusch, das entsteht, wenn eine gedrückte Klaviertaste losgelassen wird und der Hammer der Klaviermechanik in seine Ausgangsposition fällt. Auch dieses Geräusch trägt zur Echtheit des digital reproduzierten Klangs bei. Manche Stagepianos verfügen über dieses Detail, dessen Intensität dann meist regelbar ist.

Half-Pedal (Halb-Pedal)

Im Gegensatz zur herkömmlichen Sustainpedal-Funktionsweise mit Sustain 'An' oder 'Aus', bedient die Half-Pedal-Funktion auch Zwischenwerte, die das langsame Abheben der Dämpfer simulieren, was sich in variablen Ausklingzeiten klanglich darstellt. Zur Unterstützung dieser Funktion muss neben einer gegebenen Gerätespezifikation auch ein Half-Pedal-fähiges Sustainpedal verwendet werden.

Klangerzeugung: E-Pianos

Wie die wichtigen Flügel- und Klaviersounds, spielen auch die klassischen Electro-Pianos, sprich E-Pianos und E-Flügel, eine besondere Rolle. Gerade diese besondere Gattung der Tasteninstrumente hat mit ihrem ‘Vintage’-Sound einer Vielzahl an Musikgenres nicht nur eine besondere Note gegeben, sondern diese erst geprägt. In der Regel elektromechanisch aufgebaut, unterscheidet man zwischen drei Typen der klassischen Electro-Pianos: Dem Fender Rhodes, bei dem die verbaute Mechanik Klangstäbe (Tines) in Schwingung setzt, das Wurlitzer E-Piano, bei dem Metallzungen (Reeds) zum Klingen gebracht werden und dem portablen E-Flügel, wie den legendären Yamaha CP-70 und CP-80, die in den 1970er und 80er Jahren einen sehr ‘eigenen’ Flügelsound auf die Bühne brachten.

Während die Priorität des E-Flügel-Sounds schon etwas in den Hintergrund gerückt ist, sind Rhodes- und Wurlitzer-Sounds für den professionellen Einsatz enorm wichtig und sollten in einer hohen Qualität vorliegen. Was den Sound der Electro-Pianos grundsätzlich mitgestaltet, sind die dazugehörigen Effekte. Ob Tremolo, Phaser, Chorus, Wah-Wah, Overdrive und Compressor, ein professionelles Stagepiano hat sie an Bord. Gute Stagepianos bieten dafür sogar digitale Emulationen der spezifischen Effekte und Effektpedale, die zu den Hochzeiten der Originale für den besonderen Sound sorgten.

Klangerzeugung: Orgeln, Synthesizer und weitere Sounds

Neben Flügel-, Klavier- und E-Piano-Sounds gehören auch weitere Klänge wie Orgeln und Synthesizersounds zur Ausstattung eines guten Stagepianos. Der Gedanke dabei ist: Ein Stagepiano ist ein Instrument für Live-Keyboarder, die überwiegend Klavier- und E-Piano-Klänge spielen, aber manchmal eben doch den einen oder anderen weiteren Sound brauchen. Der Fokus auf hochwertigen Klavier- und E-Piano-Sounds unterscheidet ein Stagepiano von einer Synthesizer-Workstation, bei der alle Klänge die gleiche Priorität genießen. Wer also eine sehr große Bandbreite von Sounds benötigt und nur gelegentlich Klavier oder E-Piano spielt, ist mit einer Workstation ggf. besser bedient. Für Keyboarder, die hauptsächlich im Piano-Bereich unterwegs sind, auf ein gutes Spielgefühl beim Spielen von Flügel- und Klavierklängen Wert legen und dennoch ab und zu eine Streicherfläche oder einen Orgel- oder Synthesizersound zur Hand haben möchten, ist ein entsprechend ausgestattetes Stagepiano die ideale Wahl.

Orgel

Der klassische Sound der Hammond B3 ist aus der Pop- und Rockmusik nicht wegzudenken und gehört daher zur Ausstattung vieler Stagepianos. Dabei ist es wichtig zu wissen, dass bei keinem Stagepiano echtes Orgel-Feeling aufkommen kann, schon wegen seiner Tastatur. Für die typischen Orgel-Spieltechniken benötigt man eine ungewichtete, sehr leichtgängige Tastatur – also genau das Gegenteil der Hammermechanik-Klaviaturen, die in Stagepianos verbaut sind. Wer oft und gern Orgel spielt, sollte dafür also in ein separates Instrument investieren. Für Gelegenheits-Orgler, die ab und zu mal ein paar Hammond-Akkorde spielen, stellen die Orgelklänge vieler Stagepianos aber einen akzeptablen Kompromiss dar.

Während die Flügel-, Klavier- und E-Piano-Sounds der meisten Stagepianos auf Samples basieren, stößt die Sampling-Technik bei der Emulation eines Hammond-Sounds an ihre Grenzen. Die Tonewheels der elektroakustischen Orgel beeinflussen sich gegenseitig, was durch Samples nicht abgebildet werden kann. Auch ist ein gesampelter Orgelsound nicht im Stande, Veränderungen der Registrierung durch Herausziehen und Hineinschieben der Zugriegel zu reproduzieren. Und auch das charakteristische Verhalten des Percussion-Registers der Hammondorgel, das bei sich überlappenden Noten nicht erneut gespielt wird, ist mit Samples nicht machbar.

Manche Stagepianos der gehobenen Preisklassen verfügen daher über spezielle Orgel-Engines auf Physical-Modeling-Basis. Sie berechnen den Orgelklang in Echtzeit, statt vorab aufgenommene Samples abzuspielen. Je nach Qualität der Emulation führt das zu einem deutlich authentischeren Orgelklang. Zudem bietet eine solche Emulation die Möglichkeit, jederzeit mit den Zugriegeln den Klang zu verändern, was beim Orgelspiel ein wichtiges Stilmittel ist.

Der Klang der Hammond-Orgel ist untrennbar mit dem Sound der rotierenden Lautsprecher des Leslie-Kabinetts verbunden. Bei Stagepianos, die über eine umfangreiche Orgelsektion auf Physical-Modeling-Basis verfügen, enthält diese meist auch eine Simulation dieses Effekts. Auch Verzerrung (Overdrive / Distortion) ist ein bei Orgelsounds gern genutzter Effekt, der ebenfalls an Bord sein sollte, wenn man beabsichtigt, des Öfteren Orgel zu spielen.

Günstigere Stagepianos haben oft ebenfalls einige Orgelklänge an Bord, dann aber meist auf Sampling-Basis. Sie sind weniger flexibel als Physical-Modeling-Sounds. Die Möglichkeit, den Klang mit Zugriegeln zu beeinflussen, entfällt, und die Percussion verhält sich Hammond-untypisch, indem sie – sofern im gesampelten Klang vorhanden – bei jeder Note auftritt. Das heißt nicht, dass gesampelte Orgelklänge grundsätzlich unbrauchbar sind – für gelegentliche Orgelflächen zum Andicken des Chorus können solche Sounds durchaus nützlich sein. Die ganze Bandbreite des Hammond-Sounds mit den damit verbundenen Spieltechniken bieten sie aber nicht.

Synthesizer und weitere Sounds

Auch Synthesizer-Sounds gehören zum Standardrepertoire vieler heutiger Stagepianos. In diese Kategorie fallen alle Klänge, die nicht durch die speziellen Piano-, E-Piano- und ggf. Orgelsektionen abgedeckt sind, also gesampelte Streicher und Bläser genauso wie Synth-Pads und Leadsounds. Je nach Preisklasse und Konzept des Stagepianos gibt es hier sehr große Unterschiede. Einfache Instrumente bieten vielleicht ein paar verschiedene Streicher- und Pad-Sounds sowie einige Brass-Section-Sounds und Bässe. Bei komplexen Instrumenten der oberen Preisklassen, die dann eigentlich schon keine reinen Stagepianos mehr sind, findet man mitunter ganze Synthesizer-Sektionen mit verschiedenen Arten der Klangerzeugung und vielfältigen Einstellmöglichkeiten, die von Samples bis hin zu virtuell-analoger Synthese die ganze Bandbreite von Synthesizer-Sounds abdecken. Einige Instrumente wie das Nord Stage ermöglichen mittels einer speziellen Software sogar die Einbindung von eigenen Samples, was die kreativen und klanglichen Möglichkeiten stark erweitert.

Wie auch bei den Orgeln gilt in diesem Bereich: Wer den Großteil eines Gigs mit Klavier- und E-Piano-Klängen bestreitet und hier und da einen Flächensound braucht, kommt mit den einfachen Synth-Sounds vieler Stagepianos schon recht weit. Die Synth-Sektionen von Stagepianos der Oberklasse können sich in vielen Belangen mit Workstations und virtuell-analogen Synthesizern messen. Wer jedoch überwiegend Synthesizer spielt und nur manchmal einen Klavier- oder E-Piano-Sound nutzt, der greift besser zu einer Workstation oder einem waschechten Synth.

Wichtige Funktionen eines Stagepianos

Die wichtigsten Anforderungen eines Stagepianos haben wir bereits umrissen. Es muss:

  • Piano, E-Piano- und ggf. weitere Klänge in bester Qualität bieten,
  • eine gut auf die Klänge abgestimmte und angenehm spielbare Tastatur besitzen,
  • transportabel sein
  • und über bühnentaugliche Anschlüsse verfügen.

Darüber hinaus sind bei einem Stagepiano noch einige weitere Funktionen wichtig, damit es beim Einsatz auf der Bühne und im Proberaum keine Komplikationen gibt.

Split und Layer

Ein Stagepiano sollte über einen schnellen und intuitiven Zugriff auf Split- und Layer-Funktionen verfügen. Zum Aufteilen der Tastatur auf zwei verschiedene Klänge oder zum Übereinanderschichten zweier Sounds darf es nicht nötig sein, in Menüs abzutauchen. Zudem sollten der Splitpunkt sowie das Lautstärkeverhältnis der Sounds ebenso einfach zu ändern sein. Wenn diese wichtigen Funktionen im direkten Zugriff sind, kann man auf der Bühne auch auf spontane Änderungen oder unvorhergesehene Situationen reagieren. In dieser Hinsicht haben die meisten modernen Stagepianos den Workstations einigen Bedienkomfort voraus, obwohl auch diese in diesem Bereich zuletzt aufholen konnten und komfortabler geworden sind. Generell gilt aber immer noch, dass eine Synthesizer-Workstation in der Regel mehr Vorbereitung und Programmierung erfordert als ein gutes Stagepiano.

Einfache Bedienbarkeit

Auf der Bühne muss es schnell gehen. Das Licht ist schlecht, die Kommunikation mit den Bandkollegen schwierig und trotz bester Vorbereitung kann man einen Auftritt eben nur zu 99% planen. Etwas Spontaneität ist immer dabei, und die sollte man sich auch bewahren. Deshalb lässt sich ein gutes Stagepiano im besten Fall im Schlaf bedienen. Alle wichtigen Funktionen wie Klangauswahl, Split/Layer, Effekteinstellungen etc. sollten direkt auf dem Bedienfeld zugänglich und logisch strukturiert sein. Das bei manchen einfachen Digitalpianos für den Hausgebrauch übliche Prinzip, bei dem sich viele Funktionen nur über eine Kombination von Funktionstaste und Tasten der Klaviatur erreichen lassen, wäre für ein Stagepiano vollkommen untauglich. Je weniger Tastenkombinationen oder Ausflüge ins Menü nötig sind und je weniger Regler und Taster doppelt belegt sind, desto mehr eignet sich ein Instrument für den Live-Einsatz. Zum Glück hat sich der Bedienkomfort elektronischer Musikinstrumente während der letzten 10 - 15 Jahre stark verbessert, sodass die meisten professionellen Stagepianos mittlerweile über ein ausgereiftes und bühnentaugliches Bedienkonzept verfügen.

Ein Detail, das beim Einsatz auf der Bühne enorm hilfreich sein kann und dennoch häufig übersehen bzw. vergessen wird, ist die Frage, ob die Klänge eines Stagepianos beim Wechsel von einem Sound zum nächsten abreißen oder nicht. Gerade beim Übergang zwischen verschiedenen Songs oder bei Passagen, die einen schnellen Wechsel zwischen Klangprogrammen erfordern, ist man deutlich flexibler und vor unschönen Unterbrechungen des Klangs geschützt, wenn beim Wechsel kein hörbares Abreißen oder gar Knacksen auftritt. 

Optionale Funktionen von Stagepianos

Manche Stagepianos bieten einen Funktionsumfang, der deutlich über diese wichtigsten Merkmale hinausgeht. Gerade Instrumente der Oberklasse zeichnen sich oft durch zusätzliche Funktionen aus, die die Grenzen zu anderen Gerätegattungen verwischen und ggf. ein weiteres Keyboard unnötig machen. 

Masterkeyboard-Funktionen

Unter Masterkeyboard-Funktionen versteht man die Fähigkeit eines Stagepianos, einen oder mehrere externe Klangerzeuger über MIDI anzusteuern und als Schaltzentrale dieses Setups zu fungieren. Dafür bieten einige Stagepianos Merkmale wie spezielle Tastaturzonen für die Ansteuerung externer Klangerzeuger, sowie die Zuweisung von Controllern wie Pedalen oder Reglern zu diesen Zonen. Der Aufbau eines MIDI-Systems mit einem so ausgestatteten Digitalpiano als Zentrale erfordert viel Vorbereitung, kann einem auf der Bühne aber viel Arbeit abnehmen. Im besten Fall genügt es, beim Wechsel von einem Song zum nächsten nur das nächste Programm des Stagepianos aufzurufen, und alle Tastaturzonen sowie die Klänge, Lautstärken und Controller-Zuweisungen der externen MIDI-Klangerzeuger wechseln automatisch mit. Grundsätzlich muss man aber feststellen, dass die Masterkeyboard-Funktionen der meisten Stagepianos nicht mit denen von reinen MIDI-Masterkeyboards oder Synthesizer-Workstations mithalten können. Während Masterkeyboard-Funktionen bei diesen Gerätegattungen zum Standard gehören, sind sie bei Stagepianos eher eine Zugabe.

Für die Wahl des passenden Stagepianos sollte man sich zunächst einige Fragen stellen:

  • Wo und in welchem musikalischen Umfeld wird das Instrument genutzt? 
  • Welche Klänge werden hauptsächlich benötigt, und gibt es darüber hinaus weitere Klänge, die vorhanden sein sollten? 
  • Wie sind die Ansprüche im Bereich der Effekte? 
  • Soll das Stagepiano auch zum Ansteuern externer Klangerzeuger verwendet werden? 
  • Und natürlich: Welches Budget steht zur Verfügung?

Hat man diese Fragen für sich beantwortet, dann ergibt sich meist schon ein besseres Bild, welche Instrumente in Frage kommen. Für die endgültige Entscheidung probiert man die fraglichen Kandidaten im besten Fall selbst aus, um sich mit den Klängen, Tastaturen und Funktionen vertraut zu machen.

Im Folgenden haben wir alle unsere Testberichte zu Stagepianos zusammengestellt, was euch die Auswahl zusätzlich erleichtern soll. Heute gibt es Stagepianos für alle Budgets, Anforderungen und Vorlieben, was den Klang und die Bedienung angeht. Auch wenn die Tests nicht das persönliche Ausprobieren ersetzen können, hoffen wir doch, dass sie euch bei der Entscheidung helfen. Mehr Infos zu Stagepianos erhaltet ihr auch in unserem Artikel Die besten Stagepianos 2019.

Hinweis:  Die Reihenfolge der getesteten Stagepianos stellt nicht deren Rangfolge dar; die Reihenfolge wird bestimmt durch das Erscheinungsdatum des Tests.

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Die besten Stagepianos in 2019

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