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30.03.2021

Die besten Keyboards für jeden Einsatzzweck

Welches Keyboard passt zu mir und meiner Band?

Keyboards, die sich für unterschiedliche Einsatzzwecke besonders eignen

Was versteht man heute eigentlich unter dem Begriff ‚Keyboarder‘, und welche Tätigkeiten werden von ihnen abgedeckt? Diese Fragen sind nicht ganz so einfach zu beantworten. Klar ist auf jeden Fall, dass man als Keyboarder*in wohl zu den Musikmachenden gehört, die ein wirklich breites musikalisches Spektrum abdecken müssen. Sowohl stilistisch als auch in puncto Klanggestaltung. Und die Ansprüche an die Tastenspieler sind mit der Zeit immer weiter gewachsen: Ums Klavierspielen alleine geht es hier schon lange nicht mehr. Das merkt man schon alleine an den vielen Kategorien dieser Instrumenten-Klasse: Nirgendwo sonst sind so viele unterschiedliche musikalische Herausforderungen zu meistern wie im Bereich der Keyboards spielenden Fraktion.

Egal ob als Alleinunterhalter*in, als Musiker*in in kleinen sowie großen Ensembles und nicht zuletzt als Produzent*in - jeder Bereich fordert ganz spezifische Spielarten, Klänge und damit eine entsprechende Auswahl an Instrumenten. Dabei hat man als Keyboarder*in heutzutage vor allem die Qual der Wahl: Der vielschichtige Markt mit seinen unzähligen Möglichkeiten macht die Suche nach dem passenden Instrument schon recht beschwerlich. Auch die Vielzahl an Instrumentenkategorien kann verwirrend sein. Was ist eine Workstation, was ist ein Stagepiano, wofür verwendet man Arranger- und Masterkeyboards und was leisten moderne Synthesizer überhaupt? 

Streng genommen gibt es natürlich immer mehrere Lösungen, die zum Ziel führen. Zum Glück sind die meisten aktuellen Keyboards sehr vielseitig einsetzbar und machen eine klassische Keyboard-Burg, wie man sie aus den 1970er Jahren kennt, obsolet. Trotzdem gibt es kaum ein Keyboard, dass man als Eier legende Wollmilchsau bezeichnen könnte. In vielen musikalischen Szenarien kommt man schon alleine deshalb besser mit zwei Keyboards aus. Wir möchten Euch in diesem Artikel verschiedene musikalische Szenarien vorstellen, in denen verschiedene Keyboards und mögliche Kombinationen zum Einsatz kommen und geben Beispiele, die dabei helfen sollen, das passende Equipment für den eigenen Einsatzzweck zu finden. Dabei beleuchten wir das Thema von beiden Seiten: Zum einen aus Sicht des Musikers, der vor verschiedenen Herausforderungen steht und die Seite der Instrumente - schließlich bietet jedes Instrument seine ganz eigenen Vorzüge. 

GRUNDLEGENDE GEDANKEN:

Bei der Vielzahl verfügbarer elektronischer Keyboards auf dem Markt ist es schon fast eine echte Herausforderung, einen Überblick über die vielen unterschiedlichen Modelle zu haben. Dabei kann man der Sache eigentlich ganz entspannt entgegensehen: Die meisten Modelle halten sich über viele Jahre auf dem Markt und es besteht kein Grund zur Sorge, wenn es um die Funktionstüchtigkeit der Keys über einen längeren Zeitraum geht. Ganz getreu dem Motto „Finders Keepers“ kann man getrost davon ausgehen, dass die meisten Instrumente auch technisch durch eine konsequente Update-Philosophie der Hersteller nicht so schnell veralten. Viel wichtiger ist also, dass man mit genügend Geduld den Markt durchsucht, um das Gerät zu finden, mit dem man wirklich „warm“ wird. Dazu gehören neben technischer Finesse der Instrumente selbst die eigene Bereitschaft, sich mit der Handhabung des Geräts vertraut zu machen. Wer das schafft, der wird an seinem Instrument sehr lange sehr viel Freude finden!

a) Wichtige Fragen vor der Suche nach einem geeigneten Instrument

Eigene Überlegungen können dabei helfen, die Suche nach dem passenden Keyboard für den eigenen Zweck zu erleichtern. Dazu sollte man sich einmal diese Fragen stellen: 

  • Welche Hauptaufgabe soll das Instrument erfüllen?
  • Reicht ein Keyboard für meinen Zweck aus?
  • Benötige ich ein großes Keyboard mit vielen Features, oder teile ich die Aufgaben auf mehrere Instrumente auf?

Wer viele Sounds benötigt, der wird sicherlich bei letzter Frage darüber nachdenken, ob ggf. eine klassische Workstation oder eine Kombination unterschiedlicher Keyboards (Synthesizer, Stagepiano, Stagekeyboard oder Entertainer-Keyboard) mit Fokus auf verschiedene Schwerpunkte in die nähere Wahl kommen. Dabei sollte man den Aspekt der Tastatur und der darauf zu spielenden Klänge nicht aus den Augen verlieren.

b) Ein einzelnes Keyboard oder Keyboard-Kombinationen?

Gerade die Frage nach der Anzahl der Keyboards ist besonders interessant. Immerhin gibt es von der Keyboard-Burg bis hin zur „All-In-One-Lösung“ eigentlich alle denkbaren Varianten für ein modernes Keyboard-Setup. Ende der 1990er Jahre zeigte der Keyboarder Jordan Rudess beispielsweise, wie eindrucksvoll man mit nur einer Workstation - damals war es die Kurzweil K2600X - alle Klänge und musikalischen Herausforderungen in der sehr anspruchsvollen Band Dream Theater meistern konnte. In der heutigen Zeit geht der Trend wiederum eher zum Zweit- und Drittkeyboard.  Zum Glück kommt man heute auch schon deutlich günstiger in den Genuss einer vernünftigen Workstation - zahlreiche Hersteller bieten mittlerweile abgespeckte und kostengünstigere Versionen ihrer großen Flaggschiffe an, wie z. B. der Korg Krome EX oder Yamahas MODX.

Korg Krome EX auf thomann.de
Yamaha MODX8 auf thomann.de

c) Logistik mit einkalkulieren

Natürlich ist auch die Logistik nicht ganz unwichtig bei der Suche nach dem oder den passenden Keyboards: Transport, Gewicht und das Handling der Instrumente sollten je nach Einsatz unbedingt mit bedacht werden. Schließlich sollte der Transport ohne Umstände machbar sein. Wer wöchentlich eine schwere Workstation oder gleich mehrere Keyboards von der Wohnung in den Proberaum schleppen wird, der sollte dies unbedingt berücksichtigen. Für diesen Fall empfiehlt sich ggf. eine Hybridlösung mit einem Ersatz-  oder einem Controller-Keyboard in Verbindung mit einem Computer. Heutzutage ist es grundsätzlich möglich per Software großartige Klänge und Setups zu erzeugen. 

5 SZENARIEN ZEIGEN WELCHE KEYBOARDS SICH EIGNEN

1) Keyboard spielen in der Coverband

Wer in einer Coverband spielt benötigt eine üppige Soundvielfalt gepaart mit einem flexiblen Handling des Instruments. Hier wechseln Klänge mit jedem Song und man benötigt man ein leistungsstarkes Keyboard. In vielen Cover- und Partybands umfasst das musikalische Repertoire gleich mehrere Jahrzehnte und Instrumenten-Schwerpunkte: Pianos, Orgeln, Bläser, Synthesizer - alle diese Klänge werden oft zeitgleich in einem Song benötigt. Deshalb empfiehlt sich hier eine Workstation mit großer Tastatur als Hauptinstrument, die zum einen viele Klänge liefern kann und dank der großen Tastatur Möglichkeiten für Split- und Layer-Sounds liefert. Gute Beispiele für moderne Workstations sind z. B. Korg Kronos, Roland Fantom, sowie Yamaha Montage oder Nord Stage 3.

Korg Kronos 88 auf thomann.de
Roland Fantom 8 auf thomann.de
Yamaha Montage 8 auf thomann.de
Nord Stage 3 auf thomann.de

Mit einer geschickten Programmierung reicht hier ggf. sogar ein Instrument aus. Andererseits kann man mit einer sehr straffen Programmierung auch eingeschränkt sein, wenn es um spontane Einwürfe geht. Für solche Fälle kann ein zweites Keyboard durchaus hilfreich sein. Vor allem dann, wenn man schnell unterschiedliche Schwerpunkte setzen möchte. Nicht selten gesellt sich daher zusätzlich ein Stagekeyboard oder ein analoger oder digitaler Synthesizer zur Workstation. Auf diese Weise können „organische“ Klänge wie Klaviere, E-Pianos, Streicher auf dem „Main-Keyboard“ gespielt werden, während man mit dem zweiten Keyboard nur einen Teilbereich wie z. B. Synthesizer-Melodien oder Orgel- und Vintage-Sounds spielt.

Eine gute Erweiterung bieten z.B. die Stagekeyboards Nord Electro 6 oder die Yamaha YC Combo-Orgel. Dabei verfügen diese Instrumente nicht nur über Vintage-Klänge, sondern schöpfen zusätzlich aus einem großen weiteren Sound-Fundus. Wer dagegen einen reinen Synthesizer sucht, für den kommen nicht nur große Synthesizer wie etwa der Prophet 6 in Frage, sondern hier bieten gerade kompaktere Instrumente wie die Korg Wavestate und der Roland Jupiter Xm schon eine Menge vielseitiger Klangmöglichkeiten, für die man heute nicht zu viel bezahlen muss. Bereits im Preisbereich bis 500 € kann man bereits erfolgreich fündig werden.

Nord Electro 6D auf thomann.de
Yamaha YC61 auf thomann.de
Sequential Prophet 6 auf thomann.de
Korg Wavestate auf thomann.de

2) Kombi-Lösungen für Tour-Band und Künstlerbegleitung

Keyboarder*innen mit Einsatz in einer Band, die sowohl als Tour-Band als auch als Band für Künstlerbegleitungen tätig ist, benötigen klangliche und musikalische Flexibilität. Hier reicht eine Workstation alleine nicht aus - trotzdem erfüllt sie natürlich einen guten Zweck als Hauptkeyboard. Sinnvolle Ergänzungen zeigen sich in Gestalt eines Stagekeyboards und Synthesizers, um die musikalischen Erfordernisse zu erfüllen und diese gezielt umzusetzen. Für einen guten Orgelsound oder klassische Vintage-Sounds eignen sich die Stagekeyboards oftmals eher, als die großen „Alleskönner“.

Für einen Leadsound, ein lebendiges Synth-Arpeggio oder dergleichen ist ein reiner Synthesizer mit Knöpfen und Reglern etwas leichter zu bedienen, als ein Instrument das vorwiegend über ein Display gesteuert wird. Mehrere Keyboards bieten den Komfort, dass man weniger aufwändige Splits vornehmen muss und die Klänge auch direkt beim Spielen umschalten, oder Klangveränderungen vornehmen kann. Selbst optisch machen mehrere Keyboards was her: Je nach Aufstellung der Keyboards gelingt damit eine eindrucksvolle Performance. Schließlich gehört das Spielen mehrerer Keyboards schon fast zum kleinen Einmaleins auf der Bühne!

Im folgenden Video zeigt der US-Amerikaner Ty Bailie sein kompaktes Setup bestehend aus Nord Stage 2 und Prophet-6.

Der Keyboarder Greg Phillinganes scheute als Keyboarder bei Toto keine Mühen, um seine Soli spektakulär umzusetzen.

3) Live-Pianist mit zusätzlichen Klängen

Nicht alle Keyboarder*innen benötigen viele Klänge: In manchen musikalischen Szenarien heißt es ganz einfach „Back To Basics“. Hier liegt das Augenmerk von Keyboarder*innen dann eher im Feld anspruchsvoller Klaviersounds. Eine gute Workstation ist dazu in der Lage auch dieses Einsatzgebiet zu erfüllen, jedoch bietet der Markt mit modernen Stagepianos genau die Instrumente, die sich für diesen Einsatzzweck besonders eignen. Zum einen sind sie in der Regel mit einer gewichteten Hammermechanik-Tastatur ausgestattet, die das geforderte Spielgefühl ermittelt, zum anderen bieten sie genau die Sounds, auf die man in diesem Metier besonderen Wert legt:

Authentische Klavier- und Flügelsounds, vintage E-Piano-Klänge und weitere ergänzende Sounds, um flexiblel arbeiten zu können. Im Bereich der Stagepianos gibt es eine Menge zu entdecken: Das Korg SV-2 überzeugt neben authentischen Piano-Klängen vor allem durch seinen Retro-Look, während günstigere Modelle wie das Yamaha P-125 und das Kawai ES110 optisch mehr an klassische Digitalpianos erinnern. In Ergänzung dazu passen kleine, handliche Keyboards wie etwa die Modelle der Yamaha Reface-Serie, die sich auf manchen Pianos sogar ablegen lassen. Es muss ja nicht immer direkt ein zweites großes Keyboard sein!

Korg SV-2S auf thomann.de
Yamaha P-125 auf thomann.de
Kawai ES110 auf thomann.de
Yamaha Reface CP auf thomann.de
Yamaha Reface CS auf thomann.de
Yamaha Reface DX auf thomann.de
Yamaha Reface YC auf thomann.de

4) Reise-Setup mit USB/MIDI-Controller und Laptop

Wer mit einer Band oder mit einem elektronischen Act auf Tour ist, für den ist ein kompaktes Setup besonders wichtig. Wer besonders flexibel sein möchte, der verwendet dafür ein Setup bestehend aus Laptop, Audiointerface und USB/MIDI-Controller. Der große Vorteil dabei ist, dass solche Controller-Keyboards auch vor Ort gemietet werden können. So werden Sounds und Tastatur voneinander komplett „getrennt“, was logistisch sehr praktisch sein kann. Die Klänge bleiben also beim Keyboarder, die Tastaturen sind austauschbar.

Das Marktangebot sowie die Ausführung von USB/MIDI Keyboard Controllern sind üppig und man kann sie in allen möglichen Varianten erhalten wie z. B. in Form des Arturia Keylab mk2 Controllers mit 61 Tasten und guter Software-Klangerzeuger wie der UVI Workstation, dem IK Multimedial Sample Tank 4, oder Native Instruments Kontakt. Für die clevere Verbindung mehrerer Software-Klangerzeuger greifen viele Keyboarder*innen zudem gerne auf die Software Apple MainStage zurück - damit lassen sich sehr komplexe Setups erstellen.

Arturia Keylab mk2 Black auf thomann.de
IK Multimedial Sample Tank 4 auf thomann.de
Apple MainStage bei Apple
Native Instruments Kontakt bei Native Instruments
UVI Workstation bei UVI

5) Vielseitiger Musiker: Alleinunterhalter, Bandmusiker, Chorbegleiter

Große Workstations und vielseitige Stagepianos oder Stagekeyboards müssen nicht zwangsläufig zur ersten Wahl eines Tastenmenschen gehören. Entertainer- bzw. Arrangerkeyboards bieten eine enorme Vielfalt an Klängen und Features. Wer oft zwischen verschiedenen musikalischen „Szenarien“ pendelt und so als Band- sowie als Solomusiker auftritt oder etwa einen Chor begleitet, für den kann eine Kombination aus Stagepiano und Arranger-Keyboard interessant sein. Moderne hochwertige Arranger- bzw. Entertainer-Keyboards lassen sich - was ihre Soundvielfalt betrifft - mit Workstations vergleichen, wobei ihr Hautaugenmerk in einer aufwendigen Begleitautomatik liegt, die man aber nicht nutzen muss, wenn man sie nicht benötigt. So eingesetzt lassen sich auch Entertainer Keyboards perfekt in einer Band nutzen.

Hier gibt es dann bereits mehrere Lösungen. Zum einen bieten eine Reihe an Stagepianos wie z. B. das Yamaha DGX-670 bereits eine integrierte Begleitautomatik, zum anderen lassen sich auch beide Instrumenten-Typen prima miteinander kombinieren. Wer Wert auf eine wirklich gute Tastatur legt, der wird sich sicherlich für ein Stagepiano entscheiden und weitere Klänge über ein Entertainer-Keyboard erzeugen. Letztere bieten eine wirklich beachtliche Klangpalette, die sich hören lassen kann. Dazu gehören in der Königsklasse Instrumente wie Yamaha Genos, Korg Pa4X (Musikant) und Ketron SD-9, die sich in diesem Feld großer Beliebtheit erfreuen. Die Kombination von Stagepiano und Arranger Keyboard ist sehr vielseitig, aber man benötigt nicht für jeden Einsatzzweck beide Instrument, was den logistischen Aufwand reduziert.

Yamaha Genos auf thomann.de
Ketron SD-9 auf thomann.de
Korg Pa4X International 76 auf thomann.de
Korg Pa4X Musikant 76 auf thomann.de
Yamaha DGX-670 auf thomann.de

Zum Schluss

Der Markt bietet für Keyboarder*innen eine Menge an Möglichkeiten, was die Auswahl und eine mögliche Zusammenstellung der Instrumente betrifft. Mit etwas Zeit und den zur Verfügung stehenden Ressourcen erhält man über Testberichte, YouTube-Videos und nicht zuletzt durch das eigene Anspielen beim Händler einen ersten Eindruck, welches Instrument für den eigenen Zweck besonders geeignet ist. Dabei kommen dann die eigenen Präferenzen und für die finale Entscheidung das eigene Bauchgefühl zum Tragen. Wichtig ist, dass man sich auf seinem(n) Instrument(en) wohlfüllt und mit der Zeit herausfindet, ob man mit einem, oder eher einer Kombination mehrerer Keyboards auskommt.

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