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5 Tricks für abgefahrene Leadsounds

Wie programmiert man ausdrucksstarke und fette Leadsounds auf einem Synthesizer? Gerade Leadsounds, die in einem Track im Vordergrund stehen, dürfen natürlich nicht langweilig klingen. Mit diesen Tipps könnt ihr eure Leadsounds ganz einfach aufpeppen.

(Foto: Shutterstock / Von PrinceOfLove)

Inhalte

  1. Synthesizer-Fachbegriffe kurz erklärt
  2. Modulationen
  3. Wellenformen modulieren
  4. Sync
  5. Unison
  6. Effekte
  7. Schlusswort


Diese Tipps lassen sich nicht nur für Leadsounds einsetzen. Viele der in diesem Artikel beschriebenen Techniken eignen sich auch für Bässe, Flächensounds oder andere Klänge. Hier konzentrieren wir uns aber auf lebendige, interessante Leads, die jedem Track das gewisse Etwas verleihen.
Mehr zum Thema Sounddesign und Soundprogrammierung findet ihr in dieser Workshop-Serie. Hintergrundwissen zu den im Artikel vorkommenden Fachbegriffen gibt es hier.

Synthesizer-Fachbegriffe kurz erklärt

  • Oszillator: Schaltung, die eine hörbare Schwingung bzw. Wellenform erzeugt – die sozusagen das Grundmaterial für Klänge liefert. Oszillatoren können oft mehrere verschiedene Schwingungsformen erzeugen, z. B. Sägezahn (Saw), Dreieck (Triangle) und Rechteck (Square), deren Tonhöhe und ggf. Gestalt von anderen Elementen des Synthesizers gesteuert (moduliert) werden können.
  • Hüllkurve: Eine Hüllkurve (engl. Envelope) ermöglicht die Steuerung (Modulation) von Klangparametern wie Tonhöhe oder Lautstärke im Zeitverlauf. So lassen sich zum Beispiel langsam anschwellende oder ausklingende Sounds realisieren, oder andere Parameter im Zeitverlauf regeln.
  • LFO: Ein LFO (Low Frequency Oscillator) ist ein Oszillator, der nicht zum Erzeugen von hörbaren Schwingungen, sondern für Steuersignale eingesetzt wird. Wie die Hüllkurve dient der LFO zur Modulation von Klangparametern. Anders als die Hüllkurve erzeugt er in der Regel eine zyklische, fortlaufende Modulation, während die Hüllkurve nur einmal durchläuft.

Modulationen

Das Zauberwort für lebendige Leadsounds heißt Modulation. Ein Sound wird viel interessanter, wenn Bewegung darin ist, und die erhält man durch LFOs, Hüllkurven und mit live per Controller gesteuerten Modulationen. Moduliert werden darf alles, was gefällt und was der jeweilige Synthesizer ermöglicht. Angefangen bei den Standards, wie Filter Cutoff, Tonhöhe und Lautstärke, bis hin zu Dingen wie dem Mischungsverhältnis der Oszillatoren, Effektparametern und vielem mehr.
Synthesizer verfügen über sehr unterschiedliche Möglichkeiten der Modulation, und nicht bei jedem Instrument ist alles möglich. Fast immer kann man aber die grundlegenden Dinge, wie Lautstärke, Cutoff und Tonhöhe modulieren, und damit lässt sich schon eine ganze Menge Leben in den Sound bringen.
Hier hört ihr einen Beispielsound vom Moog Sub 37, zunächst ohne, und dann mit einer Filtermodulation per LFO. Die Intensität der Modulation wird mit dem Modulationsrad gesteuert und lässt sich so beim Spielen dynamisch einsetzen. Durch dieses einfache Mittel wird der Sound gleich viel interessanter.

Audio Samples
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Moog Lead (ohne Modulation) Moog Lead (Filtermodulation per LFO)

Bei Synthesizern, die über eine flexible Modulationsmatrix verfügen, kann man oftmals auch die Geschwindigkeit der LFOs modulieren, zum Beispiel per Aftertouch oder mit einer Hüllkurve. Dadurch lassen sich LFO-Modulationen noch interessanter gestalten, indem nicht nur die Intensität, sondern auch die Geschwindigkeit steuerbar ist.
Im nächsten Beispiel hört ihr den gleichen Sound wie zuvor, nun aber mit einer variablen LFO-Geschwindigkeit. In diesem Beispielsound habe ich es so eingerichtet, dass das Modulationsrad die Intensität und der Aftertouch die Frequenz des LFOs steuert. Natürlich lassen sich aber auch beliebige andere Quellen verwenden. Gerade, wenn man den Sound live auf dem Keyboard spielt, bieten sich für solche Vorhaben Spielhilfen wie das Modulationsrad, oder der Aftertouch an. Hat man die Hände frei, kann man natürlich auch direkt an den Knöpfen des Synthesizers drehen.

Audio Samples
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Moog Lead (Filtermodulation per LFO, Modulation der LFO-Geschwindigkeit per Aftertouch)

Wellenformen modulieren

Diese Option ist nicht bei allen Synthesizern vorhanden. Wo es sie gibt, ermöglicht sie aber sehr interessante Klänge. Dabei wird die Wellenform eines Oszillators moduliert – von einem LFO, einer Hüllkurve, oder einer anderen Quelle. Logisch, dass das Klänge ergibt, die deutlich über das hinausgehen, was mit den Standardwellenformen möglich ist.
Die am weitesten verbreitete Form der Wellenform-Modulation ist die Pulsbreitenmodulation (Pulse Width Modulation / PWM). Dabei wird das Verhältnis von positiven und negativen Abschnitten der Rechteckschwingung verändert. Eine Pulsbreitenmodulation per LFO ergibt einen breiteren, schwebenden Sound, der sich hervorragend für Flächensounds eignet, aber auch bei Leadsounds gut klingt. In diesem Video siehst und hörst du, was bei der Pulsbreitenmodulation mit der Wellenform passiert:

Der folgende Beispielsound stammt von der Novation Bass Station II. Das erste Beispiel ist ein Sound aus einem Oszillator mit einer Rechteckschwingung. Im zweiten Beispiel wird die Schwingung von einem LFO moduliert, mit wechselnder Geschwindigkeit. Nach wie vor ist nur ein Oszillator zu hören, aber der Klang wird viel dichter und voller.

Audio Samples
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BSII Lead (ohne PWM) BSII Lead (PWM per LFO)

Meistens denkt man beim Stichwort Pulsbreitenmodulation an eine Modulation per LFO. Natürlich können aber auch andere Modulationsquellen dafür zum Einsatz kommen. Im nächsten Beispiel ist der gleiche Sound wie eben zu hören, diesmal aber mit einer Pulsbreitenmodulation per Hüllkurve.

Audio Samples
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BSII Lead (PWM per Envelope)

Manche Synthesizer bieten die Möglichkeit der Wellenform-Modulation nicht nur bei der Rechteckschwingung. So lassen sich zum Beispiel bei vielen Synthesizern von Moog die Schwingungsformen stufenlos überblenden, von Dreieck über Sägezahn bis Rechteck. Diese Überblendung kann moduliert werden, was wiederum andere, interessante Ergebnisse hervorbringt. Andere Synthesizer haben spezielle Schaltungen wie Waveshaper und Wavefolder, die aus den Grundschwingungsformen neues Klangmaterial entstehen lassen und oftmals ebenfalls moduliert werden können. Ein Beispiel für einen Wavefolder ist die Metalizer-Schaltung des Arturia Minibrute

Sync

Synthesizer mit zwei oder mehr Oszillatoren bieten oft Möglichkeiten, diese zu synchronisieren (Hard Sync). Dabei wird der synchronisierte Oszillator (Slave) immer dann an den Anfang seiner Schwingung zurückgesetzt, wenn der andere Oszillator (Master) seine Schwingung neu beginnt. Sind die Oszillatoren unterschiedlich gestimmt, ergibt das interessante Obertöne, mit denen man nicht nur Leadsounds klanglich aufpeppen kann.
Die folgende Grafik zeigt, was beim Oscillator Sync passiert:

Oszillatorsynchronisation

In diesem Video siehst und hörst du, was mit der Schwingungsform eines synchronisierten Oszillators geschieht, wenn er verstimmt wird. Zu hören ist nur der synchronisierte Oszillator, nicht derjenige, zu dem synchronisiert wird. Du siehst, wie mit steigender Oszillatorfrequenz zusätzliche „Zacken“ in der Wellenform entstehen. Daran erkennt man, dass das Obertonspektrum komplexer wird.

Die Klangfarbe eines synchronisierten Oszillators eignet sich hervorragend für Lead Sounds. Am effektvollsten ist die Oszillatorsynchronisation, wenn der synchronisierte Oszillator (Slave) um Einiges höher gestimmt ist als der Master. Das lässt Klänge entstehen, die mit den Grundschwingungsformen nicht machbar sind.
Wenn man die Frequenz des synchronisierten Oszillators moduliert, bringt das Bewegung in den Sound. Die Modulation kann per LFO oder Hüllkurve erfolgen – je nachdem, ob eine fortlaufende oder einmalige Modulation gewünscht ist.
Der folgende Beispielsound stammt erneut von der Novation Bass Station II. Beide Oszillatoren erzeugen Pulsschwingungen. Oszillator 2 ist eine Oktave plus eine große Terz (16 Halbtöne) höher gestimmt als Oszillator 1. Osc Sync ist aktiviert. Die Frequenz von Oszillator 2 wird durch die Modulationshüllkurve (Mod Envelope) gesteuert.

Audio Samples
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BSII Sync Lead (Osc2 Pitch per LFO)

So klingt es, wenn die Frequenz von Oszillator 2 stattdessen von einem LFO gesteuert wird. Die Geschwindigkeit des LFOs wird im Verlauf des Beispiels verändert.

Audio Samples
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BSII Sync Lead (Osc 2 Pitch per Envelope)

Unison

Mit Unison kann man Leadsounds auf polyphonen Synthesizern kräftig andicken. Im Normalfall wird für einen Leadsound nur eine Stimme benötigt – es ist nicht nötig, mehrere Töne gleichzeitig spielen zu können. Die übrigen verfügbaren Stimmen eines polyphonen Synthesizers wären also eigentlich „arbeitslos“. Bei Synthesizern, die damit ausgestattet sind, erlaubt der Unison-Modus, alle verfügbaren Stimmen übereinander zu legen. Die Mehrstimmigkeit fällt weg; stattdessen spielen alle Stimmen des Synthesizers dasselbe. Bei einem achtstimmig polyphonen Synthesizer mit zwei Oszillatoren pro Stimme wird die Melodie dann also von 16 statt nur zwei Oszillatoren gespielt. Das Ergebnis ist ein fetter Sound, der gerade bei aggressiven Leadsounds und Dance-typischen „Staubsaugersounds“ gut klingt. Analoge Synthesizer mit nicht hundertprozentig stimmstabilen VCOs (Voltage Controlled Oscillators) sind hier im Vorteil, weil die leichten Verstimmungen den Sound noch breiter und voller machen.
Hier hörst du einen Leadsound vom sechsstimmig polyphonen Sequential Prophet-6, ohne und mit Unison.

Audio Samples
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Prophet-6 Lead (ohne / mit Unison)

Manche Synthesizer verfügen zusätzlich über einen Detune-Parameter, der die einzelnen Stimmen im Unison leicht gegeneinander verstimmt. Damit lässt sich der Klang zusätzlich andicken. Ebenso bieten manche Synths die Möglichkeit, einzelne Stimmen im Stereopanorama zu verteilen. Beim Prophet-6 aus dem letzten Beispiel heißen diese Optionen „Slop“ und „Pan Spread“. Hier ist der gleiche Sound wie zuvor zu hören – zunächst kommt “Slop” hinzu und dann „Pan Spread“.

Audio Samples
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Prophet-6 Lead (Slop / Pan Spread)

Effekte

Zu guter Letzt sind natürlich auch Effekte eine Möglichkeit, Sounds interessanter und ausdrucksstärker zu machen. Viele Synthesizer bieten eine eingebaute Effektsektion mit Effekten wie Delay, Reverb, Chorus, Phaser und Overdrive / Distortion. Bei Synthesizern, die keine internen Effekte besitzen, kann man sich mit externen Effektgeräten (live) oder Effekt-Plugins in der DAW (im Studio) behelfen. Wichtig beim Einsatz von Effekten ist: Weniger ist oft mehr. Ein Sound, der mit vielen Effekten belegt ist, mag für sich allein toll klingen – im Gesamtkontext eines Tracks können zu viele Effekte den Sound aber verwässern und zu Problemen bei der Mischung führen. Hier ist Fingerspitzengefühl gefragt.
Tipp: Mehr zum Einsatz von Effekten bei Synthesizern erfahrt ihr in diesem Artikel.

Schlusswort

Mit ein paar Handgriffen lassen sich statische, langweilige Leadsounds viel interessanter und ausdrucksstärker gestalten. Egal, ob du live auf der Bühne spielst oder im Studio an deinen Tracks bastelst: Mit diesen Tricks kannst du deine Sounds ganz einfach aufpeppen.
Viel Spaß dabei!

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(Foto: Shutterstock / Von PrinceOfLove)

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von Lasse Eilers

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