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08.01.2018

5 Slapgrooves, die leichter sind, als sie klingen

Fast Food für das hungrige Slapmonster in euch!

Es könnte alles so schön sein, aber geben wir es doch ehrlich zu: Eigentlich bringen die wenigstens von uns im normalen Bandkontext ihren Donnerdaumen zum Einsatz! Schaut man auf die aktuelle Musik, wird man ebenfalls kaum fündig, was diese Spieltechnik angeht. Die goldenen Slap-Zeiten der 1980er-Jahre sind irgendwie vorbei und im Radio hört man für gewöhnlich nur ein paar geslappte Töne, wenn gerade zufällig ein alter Level-42-Song aus den Boxen tönt. So sind wir mittlerweile zum tristen Dasein als "Tagesschau-Slapper" verdammt, die nur noch auf dem Sofa vor dem Fernseher das in uns schlummernde Slapmonster von der Leine lassen dürfen. Wie ein ungezähmter Löwe im Käfig geht es ruhelos auf und ab und wartet sehnsüchtig auf die Freiheit.

Okay, das ist dann doch zu dick aufgetragen. Spaß beiseite, das Ganze hat auch noch einen ernsten Hintergrund. Wenn man oft alleine zuhause spielt, wünscht man sich hin und wieder mal ein nettes Lick, das eben auch ohne Begleitung gut klingt und ordentlich was hermacht. Die Bassline aus Halben Noten und auf einem Ton für den neuen Song der Band ist zwar genau das, was der Song braucht - und fraglos es ist auch eine hohe Kunst, dies gut zu bedienen.

Auf Dauer macht diese Herangehensweise aber nur im Zusammenspiel mit anderen Musikern wirklich Laune - nicht alleine zu Hause. Viele von uns besitzen leider nicht den zeitlichen Luxus, ein paar Mal in der Woche mit der Band proben oder gar aufzutreten zu können, sondern können oft nur ein paar Minuten pro Tag nach dem hartem Berufsalltag erübrigen. Und selbst das fällt manchmal schwer! In dieser kostbaren Zeit will man dann natürlich Spaß haben, um wieder Kraft für den Alltag zu tanken. Dafür ist ein Hobby ja gedacht! Halbe Noten zum Metronom üben ist super und wichtig, aber ab und zu mal coole Licks sind eben auch ganz nett.

Für alle, denen diese Schilderungen bekannt vorkommen, ist dieser Workshop gedacht! Ich möchte heute eurem inneren Slapmonster etwas Frischfleisch zuwerfen, und zwar in Form von coolen Licks, die sich nicht nur gut (und teilweise spektakulär) anhören, sondern aus verschiedenen Gründen auch leichter zu spielen sind, als sie klingen und im Notentext aussehen. Das heißt, man kann sie auch relativ schnell beherrschen. Alle zusammen machen vor allem eines: Spaß!

Hier sind für euch zunächst einmal alle Grooves im Video vorgestellt und schön langsam gespielt. So sollten Technik, Fingersatz etc. gut nachvollziehbar sein. Die zeitliche Aufteilung ist wie folgt:

  • 0:00 - "M.I.B."
  • 0:26 - "Ain't We Funkin' Now"
  • 0:52 - "Hot Water"
  • 1:17 - "We Supply"
  • 1:48 - "Scoop"

Legende:

  • T = Thumb (Daumenschlag)
  • P = Pluck (Anschlag durch Reißen mit dem Zeigefinger)
  • H = Hammer-On
  • PO = Pull-Off
  • LH = Left Hand Slap

1.) Will Smith: "Men In Black"

"Men In Black" war ein Blockbuster im Jahr 1997. (Verdammt, das ist schon wieder 20 Jahre her!) Während des Filmabspanns lief ein Song, der im Zuge des Erfolgs des Films ebenfalls zum Megahit avancierte. Interpret des Tracks, der so heißt wie der Film, ist Sunnyboy Will Smith - und der ist ganz zufällig auch der Hauptdarsteller von "Men In Black".

Für seine coole Mischung aus Hiphop und R&B bediente er sich bei einem weiteren Hit: "Forget Me Nots" von der Sängerin Patrice Rushen aus dem Jahr 1982. Hier war einmal mehr Studio-Basslegende Freddie Washington für die Komposition, und natürlich auch für die dicken Saiten verantwortlich. Seine Bassline zu "Forget Me Nots" gehört zu den absoluten Klassikern der Slap-Literatur, ist aber auch ganz schön tricky.

Will Smith hat sie für "Men In Black" übernommen, aber dankenswerterweise vereinfacht und auch etwas verlangsamt. So sollte sie keine zu große Hürde sein. Der große Vorteil dieses Riffs ist, dass es durch seine Einfachheit ein schönes "Ich muss nichts beweisen"-Understatement hat. Zudem kennt dieses Riff wirklich jeder - egal, ob Bassist/in oder nicht!

2.) Brothers Johnson: "Ain't We Funkin' Now"

Die folgenden vier Riffs sind jeweils von einer Ikone der Slap-Geschichte. Den Anfang macht kein Geringerer als Louis Johnson. Louis war einer der wichtigsten Pioniere der Slaptechnik und hat die Grenzen für uns alle verschoben. Während seiner Laufbahn als Bassist war er nicht nur für unzählige Künstler (wie etwa Quincy Jones oder Michael Jackson) tätig, sondern führte auch mit seinem Bruder George die Band Brothers Johnson. Diese feierte vor allem in der Disco-Ära beachtliche Erfolge mit Titeln wie "Stomp", "Strawberry Letter 23" oder "Get The Funk Out Of My Face".

Ein weiterer bekannter Song inkl. eines coolen Riffs ist "Ain't We Funkin Now". Auch hier ist nichts sonderlich spektakulär, aber das Lick klingt richtig cool, groovt tierisch und ist zudem eine hervorragende Grundlage für einen Jam mit anderen Musikern. Das Besondere daran ist, das es sich auf zwei Saiten beschränkt - E und A - und ganz ohne gerissene Töne auskommt. Es wird also ausschließlich mit dem Daumen gespielt und ist somit technisch relativ leicht umzusetzen.

Louis spielt im Laufe des Songs das Riff immer wieder leicht anders, das betrifft aber nur den Einsatz von Dead Notes und nicht die grundsätzliche Melodik. Ich habe hier für euch eine viertaktige "Best Of"-Variante von "Ain't We Funkin' Now" zusammengestellt.

3.) Level 42: "Hot Water"

Ikone Nummer 2 ist Mark King, die britische Slap-Maschine. Auch er hat uns unzählige zeitlose Licks und Riffs zur Slapliteratur beschert und gehört zu den ganz, ganz Großen dieser Spieltechnik. Eines dieser Riffs ist die mit einem Synthesizer gedoppelte Bassline zu "Hot Water", das 1984 auf der Platte "True Colors" erschien. Das Hauptriff ist vier Takte lang und peitscht den Song unerbittlich nach vorne - in Verbindung mit dem Synthie hat es schon etwas Maschinelles!

Das Interessante für uns ist, dass sich nach bereits zwei Vierteln der technische Ablauf für die Anschlagshand ständig wiederholt (mit kleiner Ausnahme in Takt 3). Wir brauchen also nur noch unsere Greifhand auf die entsprechenden Noten zu verschieben. So reduziert sich die zu erlernende Information erheblich. Außerdem steht "Hot Water", wie so viele Level-42-Songs, in einer sehr slapfreundlichen Tonart ‑ bestimmt nur Zufall! ;-)

So ist es ist trotz hohem Tempo einfacher, als es zunächst erscheint. Übrigens, auch bei langsameren Tempi klingt das Riff schon super. Also, lieber genießen und nicht verzweifeln, wenn es zu Beginn noch nicht so schnell klappt!

4.) Stanley Clarke: "We Supply"

Stanley Clarke, unsere dritte Ikone im Bunde, hat sich für diesen Slap-Klassiker von seiner Scheibe "Rocks, Pebbles and Sand" (1980) Louis Johnson als Partner an die Seite geholt, um das letzte bisschen Funk aus der Nummer zu quetschen. Wer gedacht hätte, die beiden knallen sich die Licks nur so um die Ohren, liegt jedoch falsch. In ganz relaxtem Tempo groovt die Nummer locker und flockig vor sich hin, ohne dass einer von beiden über die Stränge schlägt.

"We Supply" ist eine "Feel Good"-Funknummer und eignet sich bestens für das Sofa. Wir nehmen uns hier das zweitaktige Hauptriff vor, das auch gleich von Beginn an zu hören ist. Ganz so einfach ist dies nicht, aber immerhin einfacher, als es sich anhört. Zum einen kommt uns das moderate Tempo zugute, zum anderen sparen uns die vielen Hammer-Ons Anschläge und machen so die Sache einfacher. Wiederum sind die beiden Takte vom technischen Ablauf identisch, nur die letzten drei Noten variieren leicht. Alles Punkte, die den Aufwand dann doch in einem überschaubaren Rahmen halten.

5.) Marcus Miller: "Scoop"

Zu Marcus Miller (unserer Slap-Ikone Nummer 4) spare ich mir mal jegliche Beschreibung. Ich denke, zu ihm muss man nichts mehr sagen und keine komprimierte Zusammenfassung seines Schaffens würde dem Meister nur annähernd gerecht werden. Deshalb kommen wir lieber gleich zum abschließenden Riff: "Scoop" aus Millers Soloalbum "The Sun Don't Lie" aus dem Jahr 1993. Dieses klingt nun wirklich spektakulär - und im Notenbild sieht es auch so aus!

"32tel? Hat der Autor jetzt den Verstand verloren?", wirst du dich vielleicht gerade fragen. Das kann ich mit einem klaren Ja beantworten, aber dennoch ist dieses Riff gar nicht mal so schwer. Zunächst einmal ist das Tempo recht entspannt - ein Problem weniger.

Ähnlich der vorangegangenen Beispielen haben wir zwar vier Takte, die jedoch vom technischen Ablauf identisch sind - d.h., nur noch 25% der Information bleibt übrig. Takt 1 und 3 sind gleich, Takt 2 und 4 unterscheiden sich nur durch die letzte Note. Das reduziert insgesamt die Information auf deutlich viel weniger als zunächst angenommen.

Noch ein Wort zu den 32teln: Hier wird nur die erste und die letzte Note der Phrase angeschlagen, die restlichen per Hammer-On oder Pull-Off. Mit diesen beiden Techniken kann man deutlich schneller und flüssiger spielen, als wenn man jede Note einzeln anschlägt. Im oben verlinkten Video habe ich diese Stelle separat und extra langsam gespielt, das sollte alle restlichen Fragen klären. Das macht diese Phrase gar nicht so schwer, auch wenn sie erst einmal so aussieht bzw. klingt. Zugegeben, leicht ist sie auch nicht gerade, wir reden schließlich hier von Marcus Miller. Aber man wächst ja bekanntlich mit den Aufgaben, oder?

So, jetzt sollte doch das Slapmonster erst einmal satt sein und wieder eine Weile Ruhe geben. Hoffentlich machen euch die fünf Slapgrooves genauso viel Spaß wie mir. Übrigens: Auch bei solchen Riffs sollte die Aufmerksamkeit natürlich bei Timing, Dynamik, Phrasierung etc. liegen und nicht die technischen Aspekte im Vordergrund stehen. Da lässt man sich gerne mal verführen!

Bis zum nächsten Mal, euer Thomas Meinlschmidt

 

Eure Saiten "strahlen" nicht mehr beim Slappen? Hier gibt es Tipps zur Wiederbelebung alter Basssaiten!

Oder lieber gleich richtig "oldschool"? Hier geht es zu unserem großen bonedo-Vergleichstest von Flatwound-Saiten!

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