Flatwound vs. Roundwound – Basssaiten im Direktvergleich

Die beliebtesten Saiten für E-Bass sind ohne Frage Roundwounds in den Ausführungen Stainless Steel oder Nickel Plated Steel. Mit einigem Abstand – doch immerhin auf Platz 2 – folgen aber bereits Flatwound-, also geschliffene Saiten. Zu beiden Vertretern findet man im bonedo-Bassbereich zahlreiche Infos bzgl. Aufbau, Haptik, Bespielbarkeit und Sound. Falls man aber gerade vor der Wahl steht, ob man bei seinem E-Bass von Roundwounds auf Flatwounds (oder umgekehrt) wechseln soll, bleiben entscheidende Fragen oftmals nur unzureichend beantwortet: Wo genau liegen die klanglichen Unterschiede zwischen Rounds und Flats? Welche Rolle spielt die Wahl der Saiten wirklich in einem Band- oder Studiomix? Sind die Unterschiede zwischen Roundwounds und Flatwounds im Zusammenspiel mit anderen Instrumenten überhaupt noch feststellbar? Daher laden wir euch heute zu einem „Flatwound vs. Roundwound in the mix“-Direktvergleich ein.

Basssaiten im Vergleich: Flatwound vs. Roundwound
Wo genau liegen die klanglichen Unterschiede zwischen Flatwound- und Roundwound-Basssaiten? Wir haben den Test gemacht!
Inhalte
  1. Flatwound vs. Roundwound – Aufbau- und Fertigungs-Unterschiede
  2. Roundwounds
  3. Flatwounds
  4. Versuchsaufbau
  5. Flatwound vs. Roundwound – Pop
  6. Flatwound vs. Roundwound – Classic Rock
  7. Flatwound vs. Roundwound – Soul
  8. Flatwound vs. Roundwound – R&B / Neo Soul
  9. Flatwound vs. Roundwound – Direktvergleich im Video
  10. Fazit

Flatwound vs. Roundwound – Aufbau- und Fertigungs-Unterschiede

Wie eingangs geschrieben, existiert auf bonedo (und anderswo im Netz) bereits viel Material über beide Kandidaten. Daher gibt es für euch an dieser Stelle nur einen kurzen stichpunktartigen Abriss über den Aufbau und die Unterschiede.

Roundwounds

  • Runddraht um runden oder sechseckigen Kern (Seele) gewickelt
  • Raue Oberfläche (Stainless Steel noch etwas mehr im Vergleich zu Nickel Plated)
  • Oberfläche „bremst” daher bei Lagenwechseln etwas mehr
  • Brillanter Klang (vor allem Stainless Steel) mit viel Attack
  • Durch raue Oberfläche anfällig für Verschmutzung durch Schweiß, Hautpartikel etc.
  • Daher begrenzte klangliche Lebensdauer
Roundwound-Basssaiten
Bei den hier aufgezogenen Roundwound-Saiten sind deutlich die Saitenwicklungen zu erkennen.

Flatwounds

  • Flachdraht um runden oder sechseckigen Kern (Seele) gewickelt
  • Glatte Oberfläche, ähnlich z. B. wie Saiten für Kontrabass
  • Angenehm „smoothes“ Gefühl beim Lagenwechsel
  • Weniger Höhen und Attack, dadurch wirken Tiefmitten und Tiefen präsenter
  • Schmutz jeglicher Art kann sich deutlich schlechter ablagern
  • Dadurch sehr lange Lebensdauer
Flatwound-Basssaiten
Flatwound-Basssaiten zeichnen sich durch eine glattgeschliffene Oberfläche aus.

Wer dazu in die Tiefe gehen möchte, findet hier weiterführendes Material:

Kontrabass-Saiten
Kontrabass-Saiten im Closeup: Die Ähnlichkeit zu Flatwound-Saiten für E-Bass ist nicht zu verkennen. Tatsächlich benutzte der selige Leo Fender für seine allerersten E-Bässe in Ermangelung von Alternativen sogar die Strings von Kontrabässen!

Versuchsaufbau

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Black-Nylon-Basssaiten im Vergleich

Um diesen Vergleich zwischen Roundwound- und Flatwound-Basssaiten so aussagekräftig wie möglich zu machen, kommt natürlich für beide Kandidaten dasselbe Instrument zum Einsatz: Ein klassischer Precision-Bass mit Erlekorpus, Ahornhals und Palisandergriffbrett.

Dazu habe ich vier Genres gewählt, in denen beide Saitentypen ohne Frage ihre Berechtigung haben. Für einige Techniken bzw. Sounds, wie Slapping oder Tapping, sind Flatwounds in der Regel eher nicht die erste Wahl, daher lassen wir diese Spielarten außen vor.

Mein Basssignal ging über einen Preamp ohne zusätzlichen Equalizer direkt in mein Audiointerface. Auch nachträglich habe ich keine weitere Bearbeitung des Sounds vorgenommen.

Flatwound vs. Roundwound – Pop

Hier hört ihr eine moderne Pop-Nummer mit mehreren Synthie-Flächen und darunter einem straightem Achtelgroove-Bass:

Audio Samples
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Pop – Roundwound-Saiten Pop – Flatwound-Saiten

Flatwound vs. Roundwound – Classic Rock

Dieses Beispiel ist oin Old-School-Rock-Shuffle mit leichtem Punk-Einschlag:

Audio Samples
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Rock – Roundwound-Saiten Rock – Flatwound-Saiten

Flatwound vs. Roundwound – Soul

Ein schönes Beispiel mit 60’s-Soul bzw. Motown-Flair mit einer für dieses Genre typischen Bassline:

Audio Samples
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Soul – Roundwound-Saiten Soul – Flatwound-Saiten

Flatwound vs. Roundwound – R&B / Neo Soul

Hier kommt ein moderner R&B/Neo-Soul-Groove mit einem hypnotischen Laid-Back-Feeling:

Audio Samples
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Neo-Soul – Roundwound-Saiten Neo-Soul – Flatwound-Saiten

Flatwound vs. Roundwound – Direktvergleich im Video

In diesem Video kannst du beide Kandidaten nochmal im Vergleich hören und sehen:

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Mehr Informationen

Fazit

Tatsächlich bin ich von dem Ergebnis selbst überrascht! Die klanglichen Unterschiede fallen deutlich geringer aus, als ich es selbst erwartet hätte. Wenn man jetzt noch zusätzlich mit einem Equalizer und/oder einer Amp Simulation etc. in den Klang eingreifen würde, läge zwischen den Kandidaten vermutlich sogar noch weniger Abstand!

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Natürlich hört man hier Unterschiede zwischen den geschliffenen und den ungeschliffenen Basssaiten. Diese werden aber vor allem im Grenzbereich deutlich, z. B. im Rock. Bei so manch anderem Genre liegen für mich im Mix keine Welten zwischen den Sounds beider Saitentypen, vielmehr würde ich hier eher von „Tendenzen“ sprechen.

Zum Beispiel unterstützen für mich Flatwound-Basssaiten den 60’s-Soul besser – sie sind aber auch nicht zwingend notwendig, um hier ein gutes Ergebnis zu erzielen. Umgekehrt bringen Roundwounds grundsätzlich bessere Voraussetzungen für Sounds mit, bei denen mehr Attack und Biss gefragt sind.

Allerdings reden wir an dieser Stelle ja bislang nur über das nackte Hören. Auf keinen Fall vergessen sollte man natürlich das Spielgefühl! Die Haptik einer Saite macht natürlich etwas mit dem/der Spieler/in. Hier wird man meines Erachtens unbewusst bereits in eine Richtung gelenkt und spielt daher ggf. auch anders. Und dieses Phänomen fließt natürlich auch mit in die Performance ein – also auch in die Aufnahme!

Eure Meinung interessiert uns: Schreibt uns doch gerne eure Eindrücke und Erfahrungen in die Kommentare!

Viel Spaß – egal mit welchen Basssaiten – und bis zum nächsten Mal, euer Thomas Meinlschmidt

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Basssaiten im Vergleich: Roundwound vs. Flatwound

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Profilbild von paul docmartney

paul docmartney sagt:

#1 - 06.06.2023 um 18:34 Uhr

0

moin! warum lasst ihr eigentlich so oft die jamaikanische musik- also reggae/rocksteady/ska/dub- aussen vor? ich denke, gerade da ist der unterschied wirklich stark zu hören, wenn man nicht am eq alles über 150hz (manche meinen schon bei 100hz) rigoros rausnimmt. habe lange versucht, solche mucke mit roundwouinds zu spielen, weil die dinger so viel billiger zu haben sind als gute flats, aber erst als ich nen trace ah100 mit grafischem eq hatte, ging das einigermaßen. mit 3-band potikurbeleq ist das schlicht nicht vernünftig hinzukriegen. aber letztendlich spiele ich heute nur noch flatwounds und das auch bei musik härterer gangart: garage, punk, hc... weil da m.e. einfach mehr body im sound ist und ich badewannen-eq (also diese bescheuerte mid-scoop-einstellung moderner rockmucke, die den bass so oft zum kaum hörbaren und erst recht nicht melodiös definierbaren hintergrundgegrummel und höhengeklicker-das man eh nur hört, wenn die melodieinstrumente pausieren- degradiert, so überhaupt nicht verstehe oder gar mag... greetz, p.

    Profilbild von Thomas

    Thomas sagt:

    #1.1 - 07.06.2023 um 11:41 Uhr

    0

    Hallo Paul, Ich gebe dir recht, dass diese Genres etwas zu kurz kommen. Das hat aber ausschließlich mit pragmatischen Gründen zu tun. Die Klangbeispiele macht man als Autor ja alleine zu Hause vor den Computer. Da arbeitet man natürlich mit den Ressourcen, die man aktuell zur Verfügung hat. Für jeden Artikel neue Samples oder Plugins kaufen wäre einfach unwirtschaftlich. Zudem existiert für Genres, in denen der menschliche Faktor bezüglich Micro Timing extrem wichtig ist, deutlich weniger Material auf dem Markt. Zudem klingen genau diese Stile (Reggae, Latin etc.) aus der Retorte spätestens nach vier Takten langweilig. Das ist zumindest meine Meinung. Und natürlich spielt auch die Tatsache eine große Rolle, dass ich gewisse Stile einfach nicht gut kann und daher auch weiß, dass ich in der Folge auch keinen guten Job abliefern würde. Aber ich nehme deine Anregung sehr gerne auf und versuche in Zukunft daran zu denken. Liebe Grüße, Thomas

    Antwort auf #1 von paul docmartney

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