Testmarathon 4×10″-Bassboxen

Du bist auf der Suche nach einer geeigneten 4×10-Bassbox, weißt aber nicht, welche die richtige für dich ist? Wie ist der Sound der Produkttypen unterschiedlicher Hersteller? Wie ist die Verarbeitung, und wie verhält es sich mit dem Gewicht? In unserem großen Vergleichstest haben wir zwölf Exemplare renommierter Hersteller direkt miteinander verglichen, um dir bei deiner Suche behilflich zu sein – natürlich mit Klangbeispielen, damit du dir ein besonders gutes Bild machen kannst. Außerdem bekommst du in diesem Artikel noch zahlreiche Hintergrundinfos rund um das Thema “4×10-Bassboxen”!

Teaser_Testmarathon_4x10_Bassboxen

Inhalte

  1. Vorteile einer 4×10-Bassbox auf einen Blick
  2. Geschichtliches: die 4×10-Bassbox – ihrer Zeit voraus?
  3. Ampeg und die Folgen
  4. Gemeinsam sind wir stark: Viele Speaker = besserer Sound!
  5. Klangliche Eigenschaften von 4×10-Boxen: Präziser Sound und schnelle Ansprache!
  6. 4×10-Bassboxen auf dem Vormarsch im Wandel der Zeit
  7. Unser Bassboxen-Vergleichstest: die Auswahlkriterien
  8. Die drei Preiskategorien unseres Tests
  9. Verwendete Testbässe
  10. Versuchsaufbau
  11. Praxis – Einzeltests mit Soundfiles
  12. Fazit und Anmerkungen Vergleichstest 4×10-Bassboxen
  13. Kaufempfehlungen

Vorteile einer 4×10-Bassbox auf einen Blick:

  • klarer, direkter Sound der 10″-Lautsprecher
  • gute Tiefbasswiedergabe durch Aufaddieren der Membranflächen
  • schnelles Attack (ideal für Slapping, Tapping, Plektrumspiel …)
  • akzeptables Gewicht
  • akzeptable Gehäuseausmaße
  • problemlos als Standalone zu betreiben oder …
  • … beliebig mit weiteren Boxen kombinierbar

Geschichtliches: die 4×10-Bassbox – ihrer Zeit voraus?

Obwohl es 4×10-Bassboxen schon seit Fenders Bassman 5D6 aus dem Jahre 1954 gibt, taten sie sich zunächst schwer, den Weg in die Herzen der Bassisten/innen zu finden. Lange Zeit vertrauten Musiker der Annahme, dass fette 15″- oder sogar 18″-Lautsprecher sich am besten zur Wiedergabe von tiefen Frequenzen eigenen. Der Grund: Große Speaker versprachen eben auch einen runden und gutmütigen Basssound!
Dieses Klangideal entsprach sowohl den Musikstilen der 50er- und 60er-Jahren, wie auch der Spielweise der Bassisten der damaligen Zeit. Legendäre Amps (wie z.B. der Ampeg B-15) sind Zeuge dieser Epoche und noch heute gesuchte Schätzchen. Von Features wie einem Hochtonhorn in Bassboxen war man noch weit entfernt.
>>>Lust auf noch einen weiteren Testmarathon? Hier erfährst du alles Wissenswerte rund um den Fender Jazz Bass!<<<

Ampeg und die Folgen

1969 betrat dann das berühmte 8×10″-Monster aus dem Hause Ampeg die Bühne! Diese aufgrund ihrer Größe “Kühlschrank” genannte Box setzte in punkto Lautsprecher-Bestückung, Bauart und Gehäusevolumen neue Maßstäbe in der Bassverstärkung – und das bis heute!

Gemeinsam sind wir stark: Viele Speaker = besserer Sound!

Rein physikalisch gesehen erreicht man nämlich durch das Summieren mehrerer kleiner Speaker eine bessere Basswiedergabe als ein großer Speaker mit der gleichen Membranfläche. Zwei 10″-Lautsprecher übertragen den Bassbereich demnach also besser als ein einzelner 15-Zöller. Allerdings besitzen die Zehner einen gänzlich anderen Klangcharakter, denn sie sind wesentlich direkter und weniger gutmütig. Ob man dieses oder jenes lieber mag, ist einzig und allein Geschmackssache.

Klangliche Eigenschaften von 4×0-Boxen: präziser Sound und schnelle Ansprache!

Eine besondere Eigenschaft kleinerer Lautsprecher ist ihre schnelle Ansprache. Sie reagieren sehr präzise und wesentlich flinker auf das Spielgeschehen, da sie eine geringere Auslenkung der Membran mitbringen. Somit können sie wichtige Details im Sound klarer wiedergeben. Dieser Fakt wurde alsbald enorm wichtig, denn in den 70er-Jahren erlebte der E-Bass eine echte Revolution. Ein neuer Trend war unaufhaltsam auf dem Vormarsch ‑ das Slapping!
Um diese perkussive Spielart mit vielen schnell aufeinander folgenden Attackhüben adäquat zu übertragen, eigenen sich 10″-Speaker ganz hervorragend. Größere Lautsprecher hingegen sind hier häufig viel zu träge. Zudem wurde der E-Bass in dieser Zeit durch Legenden wie Jaco Pastorius oder Stanley Clarke emanzipiert: bis dato nie vorstellbare technische Fähigkeiten und Detailreichtum waren durch jene Herren jetzt auch auf dem E-Bass möglich.
>>>Bist du auch noch auf der Suche nach der richtigen DI-Box für deinen Bass? Dann solltest du dir unseren großen Testmarathon zum Thema “DI-Boxen für Bass” nicht entgehen lassen!<<<

4×10-Bassboxen auf dem Vormarsch im Wandel der Zeit

Dieser Trend färbte nach und nach auf nahezu alle übrigen Bassisten/innen ab. Herkömmliche 15″-oder 18″-Boxen waren daher schon bald nicht mehr in der Lage, mit dem erweiterten Repertoire und technischen Fähigkeiten der Bassistenwelt Schritt zu halten.
Mit ihrer schnelle Ansprache und dem direkten und präzisen Ton war die 4×10-Box für all diese neuen Entwicklungen ein perfekter und zuverlässiger Partner. Zudem ist sie gleichermaßen leistungsstark wie noch einigermaßen transportabel. Als Folge gewannen die 4×10-Boxen stetig neue Anhänger hinzu und waren vor allem in den 1980er- und 90er-Jahren das Herz fast aller Bassanlagen in sämtlichen Stilistiken. Firmen wie SWR, Eden oder Gallien Krueger sicherten sich zunehmend größere Marktanteile und prägten den beliebten amerikanischen HiFi-Sound, für den vor allem Marcus Miller mit seiner damaligen SWR-Anlage steht.
Neben dem erleichterten Transport ist ein unschätzbarer Vorteil der 4×10 gegenüber der 8×10 die Möglichkeit, sie je nach Anforderung und Größe des Gigs entweder alleine zu betreiben oder aber, sie beliebig mit einer weiteren Box (1×15″, 4×10″ etc.) zu kombinieren.
>>>Was ein Bassist ansonsten noch immer dabeihaben sollte, erfährst du in diesem Feature!<<<
Heutzutage geht der Trend immer mehr zu “klein und leicht”, weswegen die 4×10-Box in den letzten Jahren etwas an Boden eingebüßt hat. Sobald die Bühnen aber größer werden und/oder die Lautstärke zunimmt, muss zwangsläufig mehr Luft bewegt werden und man kommt um “Hubraum” (sprich: Membranfläche) nicht herum. Die Physik kann man schließlich nicht überlisten! Und so werden auch in den kommenden Jahren 4×10-Boxen stets ihre Daseinsberechtigung behalten.

Unser Bassboxen-Vergleichstest: die Auswahlkriterien

In diesem Vergleichstest präsentieren wir euch zwölf ausgewählte 4×10-Boxen, die wir 1:1 miteinander verglichen haben.
Ausgewählt wurde nach zwei Kriterien: Marke und Preis. Nicht wenige Hersteller bieten ja mehrere Versionen von 4×10-Boxen zu unterschiedlichen Preisen an. Da wir aber aufgrund des großen Angebots nicht alles testen können, was der Markt hergibt, haben wir uns entschieden, immer nur je eine Box einer Marke auf den Prüfstand zu heben. Die Soundphilosophie einer Company schlägt sich ja in der Regel in allen Modellreihen wider.

Die drei Preiskategorien unseres Tests:

  • unteres Preissegment (unter 500,- Euro)
  • mittleres Preissegment (500,- bis 1000,- Euro)
  • oberes Preissegment (über 1000,- Euro)
Fotostrecke: 3 Bilder Unteres Preissegment (unter 500,- Euro): Harley Benton BB410T, Warwick WCA-410-8, Ashdown Toneman 410T Deep,
Fotostrecke

Verwendete Testbässe

Als Testbässe habe ich zwei Stereotypen gewählt: einen vergleichsweise neutral klingenden Sadowsky Metro Jazz Bass (im Passivmodus, beide Pickups auf 100%), mit dem ich einen Fingerstyle- und einen Slapgroove gespielt habe. Der zweite Bass war ein Fender Precision, der für einen erdigen Rockgroove herhalten musste. Somit kamen wir pro Box auf drei ganz unterschiedliche Soundbeispiele, die einen guten Eindruck vermitteln sollten.

Testbässe: Sadowsky Metro Jazz Bass, Fender Precision. In der Mitte der Testamp (Glockenklang Steamhammer) mit der Glockenklang-Referenzbox.
Testbässe: Sadowsky Metro Jazz Bass, Fender Precision. In der Mitte der Testamp (Glockenklang Steamhammer) mit der Glockenklang-Referenzbox.

Versuchsaufbau

Der Test fand in der Bassabteilung des Musikhauses Thomann statt. Aufgrund des laufenden Geschäftsbetriebs ließ sich das eine oder andere Hintergrundgeräusch leider nicht ganz vermeiden. Genauso verhielt es sich mit Vibrationen im Raum, die manche Box hervorrief. Dies dürfte aber unterm Strich eher zur Authentizität beitragen, da ihr sicher auch kein “keimfreies” Akustiklabor als Proberaum besitzt.
Um den gleichen Höreindruck während des Tests zu haben wie ich, müsstet ihr jedoch genaugenommen auch die gleiche Membranfläche einer 4x10er zur Wiedergabe hören. Das ist allerdings auf Computerlautsprechern ziemlich unrealistisch, aber eine gute Abhöre oder gar Kopfhörer sind natürlich dennoch sehr hilfreich, damit ihr euch ein möglichst genaues Urteil bilden könnt.
Alle Boxen mit Ausnahme der Ashdown Toneman 410T Deep besitzen ein Hochtonhorn. Bei einigen lässt sich dieses stufenlos regeln, bei anderen gibt es einen Schalter mit mehreren Positionen. Ich habe hier stets die Mittelstellung gewählt, um die Vergleichbarkeit zu gewährleisten. Auf diese Weise kann man auch gut die unterschiedliche Ansätze der Hersteller bezüglich des Horns im Klangbild bewerten.
>>>Dieser Artikel könnte dich auch interessieren: Der große Kaufberater zum Thema “Bass-Verstärker”!<<<
Alle Boxen besitzen eine Impedanz von 8 Ohm. Die einzige Ausnahme war die Ampeg 410HLF, die nur in der 4-Ohm-Variante erhältlich ist. Der verwendete Amp war ein Glockenklang Steamhammer, bei dem alle klangformenden Elemente (Equalizer etc.) deaktiviert waren. Das Unternehmen aus Herford steht ja bekanntlich für einen neutralen und puren Sound mit wenig eigener Färbung und eignet sich daher für einen derartigen Test sehr gut.
Als Mikrofon benutzte ich ein Electro Voice RE20 zur Direktabnahme. Ich platzierte es bei jeder Box am linken oberen Speaker – und zwar an der Stelle, an der die Kalotte auf die Membran trifft. Für den Raumklang kam darüber hinaus ein Neumann UL87 (Kugelmodus) im Abstand von ca. 1 Meter zur Box zum Einsatz.
Das D.I.-Signal des Amps fand natürlich keine Verwendung, da dies den Eigencharakter der Boxen verfälscht hätte. Aus diesem Grunde klingen die Soundbeispiele auch sehr rau und deutlich dumpfer, als man es von Klangbeispielen der meisten Testberichte gewohnt sein dürfte.

Fotostrecke: 2 Bilder Neumann UL87 (vorne im Bild) für den Raumklang
Fotostrecke

Als Referenz zur Mischung der Mikrofon-Signale diente mir die Glockenklang-Box – ihr sagt man in der Szene gemeinhin die beste Linearität nach. Am besten hörst du zuerst und immer wieder mal die Beispiele dieser Box an, um auch deinem Ohr eine Referenz zu geben.

Audio Samples
0:00
Referenz Glockenklang Quattro: Jazz Bass, Fingerstyle Referenz Glockenklang Quattro: Jazz Bass, Slap Referenz Glockenklang Quattro: Precision Bass, Rock
Kommentieren
Profilbild von Stephan

Stephan sagt:

#1 - 10.10.2018 um 07:52 Uhr

Empfehlungen Icon 0

Interessanter Vergleichstest! Wenn man auf der Suche nach hervorragendem Preis-Leistungs-Verhältnis, professioneller und persönlicher Beratung und "Made in Germany" ist, sollte mal bei FMC (http://fmc-audio.de) vorbei schauen.

Profilbild von Orange

Orange sagt:

#2 - 02.02.2020 um 08:51 Uhr

Empfehlungen Icon 0

Großartiger Test!
Die Eich-Box (die mir nach den Hörbeispielen am besten gefällt) scheint eine starke Ähnlichkeit mit den Darkglass-Cabs zu haben, was der ausgewogene Klang und die Regelung des Tweeters angeht.
Frage an den Autor: sehen Sie das auch so?
(Ich habe leider keine Möglichkeit, beide zeitgleich zu testen).Hintergrund der Frage: Als Amps habe ich einen Orange OB1 und einen Alpha Omega 900 und bin auf der Suche nach einer Cab für "beide Welten".
Die Boxen der Klassiker Ampeg und Orange sind mir vom Sound her leider zu retro...

    Profilbild von Thomas Meinlschmidt

    Thomas Meinlschmidt sagt:

    #2.1 - 03.02.2020 um 09:01 Uhr

    Empfehlungen Icon 0

    Hallo und erst einmal Danke für die lobenden Worte. Leider hatte ich noch keine Möglichkeit, die Darkglass Boxen zu testen und muss bei Ihrer Frage passen. Sorry! Allerdings erschienen mir die Eich Boxen als sehr gute Allrounder und sollten mit beiden Amps gut zusammenarbeiten. Aber zu einem Vergleich kann ich leider nichts sagen. LG, Thomas

Kommentare vorhanden
Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.