Gitarre Workshop_Folge
Workshop
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14.01.2015

Play-Alike Yngwie Malmsteen - Gitarren Workshop

Yngwie Malmsteens beste Riffs und Licks in Noten und Tabs

Tutorial - Spielen wie die Stars

Die besten Riffs und Solo-Licks des Ausnahmegitarristen Yngwie Malmsteen in einem umfangreichen Online Gitarren-Workshop mit Noten, Tabs und vielen effektiven Übungen und Spiel-Tipps. - "Es gibt gute Gitarristen, es gibt großartige Gitarristen und es gibt diejenigen, die die Spielregeln neu definieren" lautet ein Zitat (frei übersetzt) von Zakk Wylde bezüglich der Rolle Yngwie Malmsteens in der Gitarrenlandschaft. Andere Urteile über die sehr extravagante und streitbare Persönlichkeit fallen weit weniger positiv aus und entstammen wohl auch überwiegend der Gerüchteküche.

Doch ganz egal, wie man zur Person Malmsteen stehen mag (die philosophische Frage, ob ich einen Menschen sympathisch finden muss, um seine Musik zu goutieren, können wir hier nicht beantworten), eines bleibt unbestritten: Er gehört zu den bedeutendsten Gitarristen, die es jemals gab, und die Anzahl der Gitarrenjünger, die er hinter sich hergezogen und maßgeblich beeinflusst hat, ist unendlich lang - Paul Gilbert und Jason Becker sind nur zwei Namen, die ich hier nennen möchte.

Ganz klar, Malmsteen ist ein Schnell- und Vielspieler, und ich kann mich noch gut an Zeiten erinnern, in denen es als besonders chic galt, virtuosen Musikern mangelnde Musikalität und fehlenden Geschmack vorzuwerfen. Doch reduziert man Malmsteen auf seine "mindboggling" Technik, übersieht man sehr viele Komponenten in seinem Spiel, die ihn, von geschmacklichen Fragen abgesehen, zu einem außergewöhnlichen Gitarristen machen. Sowohl sein unfassbares Vibrato und sein Ton, die Tatsache, dass fast alle seine Soli (im Gegensatz zu denen vieler anderer Guitarheroes) improvisiert sind, seine unglaubliche Spielenergie, als auch die melodischen Strukturen seiner Lines sind alles kleine Versatzstücke des Malmsteensounds, den man - ob man es mag oder nicht - sofort wiedererkennt. Und was kann man sich als Musiker mehr wünschen ?

Biographie

Yngwie wurde am 30.6.1963 als Lars Johan Yngve Lannerbäck in Stockholm/Schweden geboren. Der Name “Malmsteen“ rührt von dem Mädchennamen seiner Mutter, den er nach der Trennung seiner Eltern angenommen hatte. Yngwie wuchs in einem stark künstlerisch geprägten Umfeld auf, seine Mutter malte leidenschaftlich und hörte viel klassische Musik, während seine Geschwister diverse Instrumente spielten. Als er am 18.9.1970 eine Dokumentation über den soeben verstorbenen Jimi Hendrix im Fernsehen sah, wuchs in ihm die Begeisterung für die Gitarre. Zwar bekennt er, nie ein Hendrix-Fan gewesen zu sein, aber das Bild von Jimi und seiner brennenden Gitarre ließ ihn nicht mehr los. Nach anfänglichen Gehversuchen auf einer polnischen Akustikgitarre, die ihm seine Mutter aus einem Urlaub mitgebracht hatte, wechselte er bald zu seiner ersten 1968er Fender Stratocaster, die er sich hart durch Hauspinseln erarbeitete. Das Deep Purple Album „Fireball“, das Malmsteen bei seiner Schwester zu hören bekam, entfachte in ihm eine große Faszination für die Musik der Band, aber auch für die Person Ritchie Blackmores. Er fand dessen Spiel, seine Bühnenpräsenz, den Kleidungsstil und auch die Art, wie er sich in der Öffentlichkeit gab (was man wohl vorsichtig als eine Mischung aus Mysterium und Arroganz bezeichnen könnte), sehr inspirierend. Schnell lernte er die meisten Deep Purple Songs mitsamt Soli zu spielen, wobei die Alben „Fireball“ und „Made in Japan“ besonders tragend waren.

Dank seiner Schwester kam er auch mit der Musik von Genesis und dem Keyboarder Tony Banks, mit Weather Report, John Mayall oder Frank Zappa in Berührung, die allesamt  ebenfalls seine musikalische Entwicklung stark prägen sollten. Als weitere gitarristische Einflüsse nennt Yngwie Uli John Roth, Eric Clapton, Allan Holdsworth und Al Di Meola.

Seinem Onkel hatte Malmsteen einen großen Kellerraum zu verdanken, den er bald zu seinem Studio umfunktionierte, ausgestattet mit dem Tonbandgerät seiner Großmutter und einem selbstgebauten Mischpult. Nach diversen Motivationsproblemen in der Schule und wenig ermunternden Erlebnissen in einem klassischen Konservatorium begann Yngwie in einer Gitarrenbauwerkstatt zu arbeiten und kam dort erstmalig mit einem "gescallopten" (ausgefrästen) Griffbrett in Kontakt, das fortan auf all seinen Gitarren zu finden war. Zu diesem Zeitpunkt spielte Malmsteen bereits in eigenen Bands, schrieb Songs und erarbeitete sich die nötigen musiktheoretischen Kenntnisse mithilfe seiner Schwester Lolo und entsprechender Literatur.

Den entscheidendsten Einschnitt in sein musikalisches Weltbild sollte jedoch der Geiger Gideon Kremers schaffen, der bei einem Fernsehauftritt die 24 Capricen Paganinis zum Besten gab. Von diesem Zeitpunkt an war für Malmsteen klar, in welche Richtung er gehen wollte. Er setzte sich intensiv mit klassischen Komponisten auseinander, allen voran Paganini, Bach und Vivaldi, die er zu einem großen Teil in der Plattensammlung seiner Mutter finden konnte. Yngwie strebte an, diese Melodik mit seiner Auffassung vom Rockgitarrenspiel zu verbinden und entwickelte  seinen ganz eigenen, neoklassischen Stil. Natürlich haben auch andere Gitarristen wie Uli Jon Roth, Randy Rhoads oder Blackmore viele klassische Elemente in ihr Spiel integriert, allerdings setzte Malmsteen diese Versatzstücke in einer bis dahin nie gehörten Präzision und Konsequenz ein.

Er hatte sich in lokalen Kreisen bereits einen Namen gemacht, als er im "Guitar Player Magazine" eine Kolumne mit dem Titel „Spotlight" las, in der sich jeweils drei Gitarristen vorstellen konnten, die laut dem Gründer der Initiative, Mike Varney, besondere Fähigkeiten an ihrem Instrument vorzuweisen hatten. Yngwie schickte Varney ein Tape und erschien 1982 im "Guitar Player". Ab diesem Zeitpunkt nahm alles seinen Gang. Varney holte den 19jährigen Schweden nach L.A. und steckte ihn in die Band Steeler, in der es Yngwie jedoch nur kurze Zeit aushielt. Noch vor dem Release der ersten CD verließ er die Band. Unmittelbar im Anschluss ergab sich für ihn jedoch die Möglichkeit, in Graham Bonnets Band "Alcatrazz" einzusteigen, was für Malmsteen besonders reizvoll war, da Bonnett zuvor bei Blackmores Rainbow unter Vertrag war. Doch auch hier sollte Yngwie, der sich inzwischen einen sagenumwobenen Ruf in der Gitarrenwelt erarbeitet hatte, nicht lange bleiben. Nach einem Studio- und einem Livealbum verließ er die Band. Parallel dazu erschien auch 1984 der erste Solo-Longplayer "Rising Force", der die gesamte Gitarrenwelt in Staunen versetzte und Yngwies Solokarriere einläutete. Immerhin wurde dieses Debutalbum auch für einen Grammy nominiert. Was folgte, waren diverse Soloalben mit diversen Bandmitgliedern, unter anderem auch weiteren Ex-Rainbow-Frontmannen wie z.B. Joe Lynn Turner oder Doogie White.

1998 erschien die CD "Concierto Suite for Electric Guitar and Orchestra“, aufgenommen zusammen mit dem tschechischen Philharmonieorchester, und 2003 nahmen Joe Satriani und Steve Vai Yngwie mit auf die G3 Tour. Auch wenn der amerikanische Markt sich nicht mehr so stark für die instrumentale Metal-Szene zu interessieren schien, trat Yngwie dennoch mehr oder weniger konstant in Erscheinung. Zum einen kürte ihn das Time Magazin 2009 zu einem der besten zehn Gitarristen der Welt, und im XBox Spiel "Guitar Hero II" wird er ebenfalls gewürdigt.

Mittlerweile lebt Yngwie mit Frau und Kind in Miami, und wenn er keine seiner über 200 Gitarren bearbeitet, widmet er sich seiner Ferrari- und Rolex-Sammlung. Wer sich mehr über Yngwies Werdegang und Privatleben interessiert, dem sei an dieser Stelle seine Autobiographie "Relentless" (Wiley Verlag) sehr ans Herz gelegt, die allerdings nur in englisch erschienen ist.

Tech Talk

Der Malmsteen'sche Fuhrpark ist über die gesamten Jahrzehnte nahezu konstant geblieben. An Gitarren assoziiert man mit Yngwie primär die Fender Stratocaster. Yngwie bevorzugt Strats aus den Jahren 1968 bis 1972 mit großer Kopfplatte, sein beliebtestes Modell ist "The Duck“, eine blonde 72er Strat mit Donald Duck-, Ferrari- und "Play loud"-Stickern auf Korpus und Hals. Auch wenn man ihn sowohl auf Ahorn- wie auf Palisanderhälsen spielen sieht, scheint seine Vorliebe doch in Richtung Ahorn zu tendieren. In der Regel ist bei allen das Griffbrett gescalloped, der Sattel besteht aus Messing und die Bünde sind 6000er Jim Dunlop Super Jumbos. Waren in der Anfangszeit DiMarzio HS2 oder HS3 (DiMarzios Weiterentwicklungen des FS1 und HS1) seine Favoriten, manchmal auch kombiniert mit Fender Pickups, finden sich seit 2011 Seymour Duncan STK-S10 YJM Fury Pickups auf Malmsteens Gitarren. Diese Tonabnehmer sind speziell auf weniger Singlecoil-Brummen ausgelegt und besitzen einen eher mittelstarken Output, denn Yngwie mag keine HiGain-Pickups. Den mittleren Tonabnehmer hat er relativ weit nach unten geschraubt.

Zwar spielte Yngwie in seinen frühen Jahren auch andere Modelle von Aria über Gibson und sogar eine Schecter Malmsteen Customstrat, dennoch hielt er Fender stets die Treue, was die Firma ihm mit einem Signature-Modell dankte. Und das noch bevor Clapton oder Stevie Ray Vaughan eigene Modelle für sich beanspruchen durften.

An Akustikgitarren findet man im Hause Malmsteen Ovation Viper Modelle für die Nylonstringfraktion und eine Ovation C779 Custom Legend LX mit Stahlsaiten, allerdings kamen auch Akustikgitarren von Alvarez Yairi zum Einsatz.

A propos Saiten: Malmsteen spielt generell eine Halbton tiefer gestimmt und dafür interessanterweise relativ dünne Saiten, nämlich einen Fender Customsatz mit den Stärken 008-046 laut Verpackung, (auch wenn er selbst behauptet, 008-048 zu benutzen).

Seine Verstärker tragen das Marshall-Logo. Als Yngwie sich sein erstes Topteil kaufte, kamen gerade die Master Volume Modelle in Serie und die alten Super Lead Plexis 100W und 50W MK II waren zu sehr erschwinglichen Preisen zu haben (laut Malmsteen zahlte er damals pro Topteil nur 35 Dollar). Diesen Ampmodellen ist er prinzipiell treu geblieben (auch wenn Anfang 2002 ein Rhino YJM Black Star erschien), vor allem dem 50W Mark II. Mittlerweile gibt es den YJM 100W Marshall mit eingebautem Reverb, Gate und Overdrive (die Yngwie jedoch selten benutzt) und der Möglichkeit, zwischen 50W und 100W umschalten zu können.

Die Boxen sind ebenfalls 4x12 Marshalls Celestions G12T75 oder auch gerne mal G12 30W.

Mit Effekten geht der Maestro eher sparsam um. Hat Yngwie in den 80er und 90ern noch Bradshawsysteme benutzt, findet man heute ein Korg DL8000 Delay, ein Boss NS-2 Noise Suppressor , einen Boss CE-5 Chorus Ensemble, ein Dunlop Cry Baby Wah, ein Taurus Bass-Pedal (das einen Roland JV 1080 Synthi steuert) und ein Roland DC 10 Analog Echo für ein paar Soundeffekte im Setup. Das Ganze wird von einem RJM Mastermind MIDI Foot Controller gesteuert. 

Zum Boosten kommt ein DOD YJM308 (früher ein DOD 250) zum Einsatz. Zwar sieht man noch ein Fuzz Face neben Yngwies Pedalen liegen, von dem er jedoch behauptet, dass es sich lediglich aus optischen Gründen dort befindet. Früher waren noch Roland Gitarrensynthies, Boss Compressor und Octaver, Vox Flanger und Rocktron Hushs mit von der Partie. Yngwies Plektren sind 1,5 mm Dunlop und seine Saitenlage ist laut eigenen Angaben ziemlich hoch.

Für unseren Workshop benötigen wir jedoch lediglich einen Amp mit durchschnittlichem Gain und eine Gitarre mit vorzugsweise nicht zu heißen Pickups, eventuell sogar Singlecoils.

Workshop

Betrachten wir zunächst ein paar Malmsteen-Riffs. An dieser Stelle sei noch einmal erwähnt, dass Yngwie sein Instrument einen Halbton tiefer stimmt. Der Einfachheit halber habe ich den gesamten Workshop in Standard E-Tuning gespielt.

Yngwie behauptet zwar, der Einfluss Blackmores beschränke sich nur auf seine sehr frühen Lebensjahre, dennoch lassen Yngwies Riffs einiges an typischen „Blackmore-Ismen“ erkennen, wie beispielsweise die Vermischung von Terzen und Quint-Powerchords (und von einigen Bühnenmoves und Outfits wollen wir gar nicht erst reden). Das Riff von "Jet to Jet" auf dem Alcatrazzalbum "No parole from Rock´n Roll" ist ein sehr gutes Beispiel dafür und leichte Ähnlichkeiten mit Rainbow´s "Spotlight Kid" sind wohl nicht zu leugnen. Die Bassnote B wird übrigens mit dem Daumen gegriffen:

Ein furioses Intro hören wir auf Malmsteens Erstwerk "Rising Force" mit dem Stück "Now you´re ships are burned":

"Black Star" gehört ebenso zu den Malmsteen-Klassikern und zeigt uns sein Spiel auf der Konzertgitarre, zumindest im Intro. Malmsteen spielt die Nylonstring nicht in der Manier von Konzertgitarristen, sondern setzt auf eine Hybridpicking-Technik mit Plektrum und Fingern ein:

Auf dem zweiten Album "Marching Out" finden wir den Opener "I´ll see the light tonight":

Wie es sich für einen echten Schweden gehört, muss auch die Wikingerthematik zumindest kurz zur Sprache gebracht werden. Hier in Form von "I am a Viking":

Das Folgealbum "Trilogy" aus dem Jahre 1986 hat mit "You don´t remember, I´ll never forget" ein tolles Opening-Riff. Vor dem Refrain feuert Yngwie ein vermindertes Arpeggio ab, das in einem Lauf aus A-Harmonisch Moll endet - doch dazu später mehr, wenn wir Malmsteens Solospiel erkunden (auch die Picking-Richtungsangaben werden später noch genauer begutachtet):

"Queen in Love", ebenfalls auf  "Trilogy", zeigt Malmsteens Vorliebe für Terzharmonik, wie sie auch gerne von Herrn Blackmore eingesetzt wurde:

Der Opener seines erfolgreichsten Albums "Odyssee" lautet, wie sein Debutalbum, "Rising Force". Das Hauptriff besteht in einem sehr druckvollen Riff aus der E-Bluesscale:

Die Singleauskopplung "Heaven Tonight" ist bestimmt die eingängigste Malmsteen-Komposition. Auch wenn sie nicht zu des Meisters Lieblingsstücken zählt, hat sie doch ein sehr schönes Riff, bestehend aus drei Durakkorden:

Bluesy und „Hendrix-like" kommt das Riff von "Bedroom Eyes" daher, zu finden auf dem Album "Eclipse". Das Riff entstammt, ähnlich wie "Rising Force", der Em-Pentatonik:

Betrachten wir nun das Malmsteen'sche Solospiel: Obwohl man beim Maestro viele ganz typische Stilelemente identifizieren und auch separat herausfiltern kann, gibt es aufgrund der Tatsache, dass Malmsteen viele Soli improvisiert und rhythmisch manchmal sehr frei spielt, eine Natürlichkeit, die man nicht immer in Notenform bringen kann. Nichtsdestotrotz, ein paar Ansätze lassen sich finden, und um Yngwies Solospiel auf die Schliche zu kommen, müssen wir zunächst einen Blick auf seine Pickingtechnik werfen:

Viele Lehrbücher gingen jahrelang davon aus, dass Malmsteen konsequenten Wechselschlag bei Läufen und Sweeping bei Arpeggios benutzt, und witzigerweise erklärt es Malmsteen ganz ähnlich in seinem Unterrichtsvideo. Bei genauerer Betrachtung fällt jedoch auf, dass Yngwie ein sehr ausgeklügeltes Mischkonzept aus Alternate Picking, Sweeping und Legatospiel bzw. Slides benutzt. Was das Sweepen anbetrifft, verfolgt Frank Gambale ein ähnliches Konzept, jedoch setzt er es sehr konsequent sowohl bei Skalen als auch bei Arpeggios um, während Malmsteen sich bei allen Techniken bedient, je nach Situation. Bei Arpeggioläufen finden wir Sweepings, bei Scale-Läufen verhält es sich jedoch etwas differenzierter. Prinzipiell erkennt man bei ihm, dass er primär Wechselschlag benutzt, jedoch die Saitenwechsel immer nur nach Aufschlägen vollzieht. Der Grund liegt darin, dass das Plektrum nach einem Abschlag zwischen den Saiten liegt, bei einem Aufschlag jedoch über den Saiten schwebt und man dadurch eine freiere Bewegung vollziehen kann. Yngwie hält das Plektrum ca. im 45 Gradwinkel schräg zu den Saiten, sodass die Oberseite in Richtung der linken Schulter zeigt - wenn ihr Rechtshänder seid -  und die Unterseite in Richtung Volumepoti. Das führt uns natürlich zur logischen Konsequenz, dass wir durch eine gerade Anzahl von Noten pro Saite unsere Anschlagsrichtung ändern, bei einer ungeraden Anzahl diese jedoch beibehalten:

Dadurch ergeben sich für unsere Läufe zwei Möglichkeiten:

1. Bei aufsteigenden Lines wechseln wir nach Aufschlägen. Wenn das nicht möglich ist, kommt Sweeppicking zum Einsatz.

2. Bei fallenden Lines wechseln wir auch nach Aufschlägen. Falls das nicht möglich ist, versuchen wir vorher durch Hammer-Ons bzw. Pull-Offs oder Slides dafür zu sorgen, dass die letzte Note eben ein Aufschlag ist.

Das bedeutet, dass Yngwie…

1. …bei Scales, wenn, dann nur Abwärtssweeps benutzt (selten aufwärts, außer bei Arpeggios) - damit steht seine Technik im Gegensatz zum konsequenten Economy-Picking eines Frank Gambale.

2. …den ersten Anschlag pro Saite meist als Downstroke vornimmt.

3. …Saitenwechsel nur nach Upstrokes vollzieht (das erreichen wir immer, wenn man eine gerade Notenanzahl pro Saite behält - bei einer ungeraden müssen Legatos oder Slides herhalten).

Hier ein paar Übungen, um euch mit dieser Technik anzufreunden:

Zwei Beispiel für Yngwies „Misch-Picking":

Ein besonderer Aspekt in Yngwies Spiel ist der sehr flexible Umgang mit kleinen Skalenfragmenten und Pattern, die er meisterlich beherrscht und willkürlich miteinander kombinieren kann. Darum würde ich euch gerne ein paar dieser Bausteine einzeln vorstellen, bevor ich sie euch eingebettet in einem Stückkontext zeige. Häufig bestehen sie aus einer geraden Notenanzahl wie 4 oder 6, denn diese enden alle auf Upstrokes und ermöglichen einen leichteren Saitenwechsel. Übt diese Einzelsequenzen (mit a, b etc. nummeriert) auf allen Saiten und in allen Tonarten und Scales (Harmonisch Moll!).

Sechzehntel bzw. Achtelbasis:

Triolisch bzw. Sextolisch:

Eines dieser Pattern finden wir z.B. im Solo von „I´ll see the light tonight“:

Spielen wir dieses Pattern auf zwei benachbarten Saiten, erhalten wir eine tolle Sequenz, die wir über ein klassisches Quintfallpattern spielen könnten. Da die Gitarrensaiten ja überwiegend in Quarten gestimmt sind und eine steigende Quarte im Prinzip einer fallenden Quinte entspricht, hilft uns die Logik der Gitarre natürlich immens bei der Ausführung:

Das bei den Scalefragmenten aufgeführte Sextolenpattern kann man auch gut diagonal über alle Saiten durch die Harmonisch Moll Scale jagen:

Wie oben bereits erwähnt, macht diese Sequenz auch auf benachbarten Saiten eine gute Figur, ein sehr schönes Beispiel liefert uns das Solo von "Jet to Jet". Das Ganze findet in Terzen harmonisiert statt, sodass ich im Playback nur die tiefere Stimme mitspiele, im Beispieltrack jedoch beide :

Ein Trick, den sich Malmsteen gerne zunutze macht, ist das Oktav-Transponieren von Skalenläufen wie z.B. im Thema von "Trilogysuite Op.5“. Ihr seht und hört zwei Mal denselben Lauf in zwei verschiedenen Oktavlagen:

Im folgenden Beispiel kombiniere ich willkürlich einige oben erwähnte  Skalenfragmente miteinander:

Komplette Scaleruns zeigt uns Yngwie im Intro von „Trilogy Suite“ auf dem Album „Trilogy“. Er spielt hier eine Skalenmixtur aus G HM5 (also C Harmonisch Moll) und G phrygisch, sodass wir bei den Tönen G Ab Bb B C D E F G landen:

Wie wir bei den Neoklassikern Randy Rhoads oder Ritchie Blackmore beobachten können, ist der Einsatz der Harmonisch Molltonleiter bzw. ihres V. Modus sehr beliebt, wenn es darum geht, eine Dominante nach Moll auszuspielen (auf dieses Thema bin ich übrigens in meiner Harmonielehrereihe sehr intensiv eingegangen und im Play Alike Randy Rhoads gibt es auch gute Querverweise dazu). Selbstverständlich finden wir auch bei unserem schnellen Schweden einige Beispiele für den Einsatz, wie z.B. im oben erwähnten Lauf von "You don´t remember …" oder in "Trilogy Suite“. 

Führt man den Gedanken der Harmonisch-Mollscale und des Dominantakkordes auf ihrer V. Stufe noch weiter, so landet man unwillkürlich, wie auch Randy Rhoads unmittelbar davor, bei dem verminderten Vierklangsarpeggio.  Dieses lässt sich wunderschön sweepen und obendrein noch in kleinen Terzen identisch verschieben. Yngwie liefert uns auch hierzu einige Steilvorlagen wie z.B. im Solo von „Rising Force“ auf der CD „Odyssey“:

Oder auch fast identisch im Solo von "Queen in Love" - einen ähnlichen Schlusslauf finden wir später auch im "Rising Force“-Solo:

Selbstverständlich verwendet Malmsteen auch alle  Dur- und Mollarpeggien, sei es in auskomponierten Soloparts wie z.B. in „Demon Driver“ (Eclipse).

oder „Liar“ (Trilogy):

Aber auch eingebettet in einem skalar orientierten Lick, wie z.B. dem Einstieg in das Solo von „I´ll see the light tonight“. 

Malmsteen spielt hier kein klares Metrum, sondern versucht, seinen Lauf so in den Takt zu pressen, dass er auf der gewünschten Zählzeit endet. Aus diesem Grund entstehen diese polyrhythmischen X-tolen Angaben:

Ein weiteres Trademark, das sehr häufig in seinem Spiel zu finden ist, sind die sogenannten Pedaltöne. Hier pendelt ein freier Melodieton mit einem konstant wiederholten Ton in einem festen Rhythmus. Der Begriff Pedalton - auch oft Orgelpunkt genannt - entstammt aus der frühen Barockzeit und wurde, wie der Name vermuten lässt, häufig in Orgelmusik angetroffen.

Dieses Beispiel stammt aus dem Solo von "Faultline" auf "Eclipse". Hier begegnen uns gleich zwei Pedaltonphrasen. Im ersten Takt finden wir den unteren Pedalton B, während in Takt 3 das hohe C als Pedalton fungiert. Yngwie spielt diese letzte Phrase mit einem Delay, sodass ein zweistimmiger Effekt entsteht, im Soundbeispiel fehlt dieser Delayeffekt.

Oder auch im Solo von "Eclipse"  - auch hier benutzt Yngwie ein Delay (in diesem Fall gepaart mit einem Oktaver), um einen zweistimmigen Effekt zu erzielen. 

Wichtig für eure Delay-Settings ist, dass das Feedback sehr kurz ist (also nur eine Wiederholung), der Delay-Level auf 100% (sodass der Delay-Ton die identische Lautstärke des Originaltons hat) und ihr eine korrekte Echozeit einstellt, die jedoch abhängig vom Tempo des Stückes ist. Das können punktierte Viertel sein, Halbe oder Achtel - in diesem Beispiel ist meine Delaytime auf 750 ms:

Pedal-Licks wie diese könnt ihr noch in den Soli von "Heaven tonight", "Save our love, "Deja Vu", "Dark ages" und noch vielen anderen finden.

Auch zwei Pedaltöne, mit denen man eine steigende oder fallende Melodielinie pendeln lassen kann, haben eine interessante Wirkung. Hier ein Beispiel aus "Crying" vom Album "Trilogy" (tiefe Pedaltöne - hoher Melodieton, ein ähnliches Lick finden wir auch im Outrosolo von "Magic Mirror" auf dem gleichen Album):

Oder, wie es der Meister persönlich in einem Workshop vorgeschlagen hat, mit den Pedaltönen über dem Melodieton:

Zum Abschluss möchte ich euch noch zwei komplette Malmsteensoli präsentieren:

Das Solo von „Rising Force“ beinhaltet einen eher auskomponierten, arpeggiolastigeren Ansatz. Im Anfang sehen wir die jeweiligen Arpeggios zu den Begleitharmonien. In den Takten 7 bis 14 finden wir identische Arpeggiofingersätze, jedoch in verschiedene Oktaven transponiert. Der Soloabschluss bildet ab Takt 15 ein vermindertes Arpeggio, in kleinen Terzen verschoben, welches schließlich in einem Skalenlauf aus E Harmonisch Moll mündet, der verdächtig an das Solointrolick von "Queen in Love" (s. weiter oben bei den verminderten Arpeggios) erinnert:

Das Solo von „Heaven Tonight“ wirkt im Gegensatz zu „Rising Force“ eher improvisiert, was jedoch nichts an der Qualität und leider auch nichts am Schwierigkeitsgrad ändert. Hier finden wir die ganze Palette an Yngwiesounds: schnelle Scaleläufe in Takt 1 und 2, ein C#m Arpeggio in den Takten 6 und 7, ein Pedaltonlick in Takt 8, einen sehr lyrisch klingenden C#m2  Quintraum in Takt 11/12 und ein Repeating Pattern mit Tondopplung in den Takten 13 und 14. Ein weiteres Stilmerkmal ist der Slide zu einem sehr hohen Abschlusston, der fast die Wirkung hat, als würde die Gitarre schreien - hier zu finden in den Takten 6 und 16 (jeweils das hohe c#):

Alter Schwede! Ich gebe zu, da waren einige sehr heftige Parts dabei, aber keine Angst: Man muss nicht jeden Part in der Originalgeschwindigkeit spielen können, um von diesem Workshop und Yngwies Spiel zu profitieren. Immerhin haben wir es hier mit einem technisch sehr anspruchsvollen Gitarristen zu tun und viele Licks und Konzepte haben in jedem Tempo ihr Gültigkeit. Ganz abgesehen davon, und der eine oder andere Malmsteenfan möge mir verzeihen wenn ich behaupte, dass Meister Yngwie auch gerne mal in punkto Sauberkeit Fünfe gerade sein lässt. Aber das tut seiner phänomenalen Technik natürlich keinen Abbruch und verleiht seinem Spiel auch eine gewisse Lebendigkeit. 

Inwieweit man Yngwies Spielstil in sein Eigenes integrieren will, ist natürlich Geschmackssache und hier werden sich wohl einige Geister scheiden. Was mich persönlich verwundert hat, war ein Umstand, den ich auch schon über Eddie van Halen gelesen habe: Beide behaupten, nie im herkömmlichen Sinne "geübt" (in Form von Übungen), sondern immer gespielt und auch alleine zu Hause "performt" zu haben ("I had to be on peak performance everytime I picked up the guitar… in my mind I was performing, not practicing“). Vielleicht ist diese Methode, Improvisation, Übung und Komposition zu einer Einheit zu verbinden, doch die beste, um einen ausgeprägten Individualstil zu entwickeln? Yngwie sagt es selbst: "Improvisation is the genesis of composition".

In diesem Sinne viel Glück und Erfolg,

Haiko



Zum Abschluss noch einen Auszug aus der Discografie:

Mit Steeler

Steeler (1983)

Mit Alcatrazz

No Parole from Rock ’n’ Roll (1983)

Live Sentence (1984)

Metallic Live ’84 – VHS (1984)

Soloalben

Powerhouse – Demo (1978)

1981 Demo – Demo (1981)

Rising Force (1984)

Marching Out (1985)

Trilogy (1986)

Odyssey (1988)

Eclipse (1990)

Fire & Ice (1992)

Japan #1 The Seventh Sign (1994) 

Magnum Opus (1995) 

Inspiration – Coverversionen (1996) 

Facing the Animal (1997)

Concerto Suite for Electric Guitar and Orchestra in E Flat Minor, Opus 1 – als Klassik- und Rock-Version (1998)

Alchemy (1999) 

War to End All Wars (2000) 

Birth of the Sun (2002)

The Genesis (2002)

ATTACK! (2002) 

Unleash the Fury (2005)

Perpetual Flame (2008) 

Angels of Love (2009)

Relentless (2010) 

Spellbound (2012)

Livealben und DVDs Rising Force Live ’85 – VHS (1985) Trial by Fire – CD, VHS – Live in Leningrad (1989)

The Yngwie Malmsteen Collection – CD, VHS (1991)

Leo Fender Benefit Live – VHS (1993)

Live at Budokan – VHS (1994)

Facing the Animal Demos (1997)

LIVE !! – CD, VHS, DVD (1998)

Live in Brazil 1998 (1998)

Anthology 1994–1999 (2000)

The Best of 1990–1999 (2000)

Concerto Suite Live (2000)

Concerto Suite Live from Japan – DVD (2000)

Video Clips – VHS, VCD (2000)

Archives (8-CD-Box) (2001)

Double Live (2001)

Concerto Suite for Electric Guitar and Orchestra in E Flat Minor Live With The New Japan Philharmonic – DVD (2002) (nur Japan)

The Young Person’s Guide to the Classic 1 (2002) The Young Person’s Guide to the Classic 2 (2002)

Concerto Suite for Guitar and Orchestra – DVD (2005)

Far Beyond the Sun – DVD (2006)

Arpeggio: The Ultimate Guitar VCD Play Loud (2008)

Live Animal – DVD (2009)

Live in Korea – DVD (2009)

Unterrichtsmaterial

REH Master Series (1991)

Play Loud – The Basics (1995)

Full Shred [Play Loud Series] (2000)

Gastauftritte

G3 Live in Denver mit Joe Satriani und Steve Vai (2005)

Hear ’n Aid (1986) – „Stars“

Tone Norum: This Time (1988) 

Jeff Scott Soto: Human Clay (1996)

Saxon: The Eagle Has Landed II (1996)

Carmine Appice & Others: Guitar Zeus (1996) 

Johansson: Sonic Winter (1997)

MVP: Windows (1999) 

Derek Sherinian: Black Utopia (2003)

Radioactive: Taken (2005)

Violent Storm: Violent Storm (2005)

Derek Sherinian: Blood of the Snake (2006)

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