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16.01.2017

DJ-Software mit Musik-Streaming

Diese DJ-Programme mixen Musik aus Spotify, Pulselocker, Soundcloud ...

Es ist noch gar nicht so lange her, da verbanden nicht wenige Menschen mit dem Wort Streaming eher Webradios, Podcasts, illegales Kinoprogramm und youTube-Clips, denn kostenpflichtigen Content, speziell Musik-Bezahldienste. Mittlerweile ist dies anders. Netflix und Co verdrängen die Videotheken, Apple Music, Spotify und Konsorten machen dem CD-Verkauf zu schaffen. Was dem Musikhörer recht ist, scheint dem DJ billig und so machen sich die Streaming-Provider und Softwarehäuser auf, Zweckgemeinschaften zu gründen.

Kooperationen, um den Protagonisten der beschallenden Zunft und jenen, die es einmal werden wollen oder nur zum Spaß sich und den Freundeskreis ein musikalisches (W)Lan-Intermezzo bieten möchten, zu ermöglichen, X-Millionen Titel zum Flatrate Preis direkt aus der Lieblings-Software zu streamen. Eine Vollversion des DJ-Programms auf der einen, ein kostenpflichtiges Abo auf der anderen Seite meist vorausgesetzt. Eine Win-Win-Situation. Aber auch für den DJ oder den Künstler? Nun, was den Künstler angeht, verweise ich gern auf Portisheads Geoff Barrows Twitter Post, mit 34 Millionen Streams 1700 Pfund (Stand 03.03.2016: 2238 Euro) verdient zu haben. Macht 0,0065 Cent pro Hörer.

Mensch oder Maschine

Logo: Statt sich eine ausgewachsenen Vinyl- oder CD-Sammlung zuzulegen, spart man mit der „Flatrate“ als DJ eine Menge Kohle und mitunter auch noch einen Haufen Zeit. Moment mal, wie soll das denn bei Millionen von verfügbaren Tracks funktionieren. Nun, statt sich per pedes bei orkanartigen Außenbedingungen oder Sahara-Temperaturen in den Plattenladen zu begeben und sich nass(geschwitzt) aber nicht weniger glücklich persönliche Tipps und Empfehlungen vom Record-Dealer oder anderen lokalen DJs abzuholen und gegen bare Münze in "schwarzes Gold" umzutauschen, bleibt man für die Bestückung der virtuellen Plattenkiste einfach vor dem Computer mit einem schwarzem Kaffee in der Hand kleben. Dort gibt es dann direkt beim „Auflegen“ einer Scheibe – je nach Streaming-App der Wahl - maschinelle Empfehlungen, Charts oder Tipps, was andere DJs so auflegen - alles ratzfatz im Direktzugriff.

Wo das hin führt, soll hier nicht weiter thematisiert werden, es sei denn, ihr habt Lust, euch darüber in den Kommentaren auszulassen. Vielmehr möchte ich euch in diesem Artikel die Programme vorstellen, die Streaming erlauben oder in Kürze damit ausgestattet werden.

Algoriddim Djay Pro

… setzt beim Streaming-Service auf Spotify. Djay ist aufgrund seiner knallbunten Turntable-Optik, Controller-Unterstützung und einfach zu handhabenden Musikverwaltung und Kreativsektionen nicht nur auf dem Mac sehr beliebt, sondern auch auf dem Tablet/Phone. DJAY Pro für Mac liegt aktuell bei 49 Euro. Spotify schlägt mit monatlich 9,90 Euro in die Portokasse.

Serato

…setzt auf Pulselocker, die bisher als einzige Streaming-Company eine kommerziell nutzbare Offline-Speicherung von Tracks für DJs bereitstellen (19,99 Dollar, ohne Offline-Funktion 9,99 Dollar). Eine essentielle Funktion für das Auflegen vor Publikum und DJ-Disziplinen wie Scratching ist die Offline-Speicherung in jedem Fall. Nachstehend ein Screenshot aus dem Promo-Clip.

PCDJ DEX

Vier DJ-Decks, zwei davon für Video-Mixing und Karaoke-Support sowie eine breit gefächerte Liste unterstützter DJ-Controller sind die Schwerpunkte der Software. PCDJ DEX kommt ebenfalls mit Pulselocker im Gepäck und kostet als Vollversion 199 €.

Mixvibes Cross

Track- und Videodecks, Effekte, Empfehlungen, Rekordbox, Traktor und Virtual DJ Import, Mix-Sharing auf diversen Plattformen, DVS und vieles mehr kann sich die französische Mac/PC-Software Cross auf die Brust schreiben. Sie ist außerdem für Android und iOS erhältlich und beinhaltet Soundcloud-Streaming. Dieser Service ist (noch) kostenlos. Cross allerdings nicht. Für 49,90 Euro bekommt ihr die DJ-Version mit MIDI-Mapping und Co, die „Pro“ Version beläuft sich auf 129 Euro (inkl. DVS-Funktion und Pioneer HID-Unterstützung).

Virtual DJ

… ist schon seit einigen Jahren mit Streaming-Content am Start und hat mit dem Release der letzten Softwaregeneration 8 das Content-Modell etwas umgestellt. Verfügbar sind die Abos Music (9,99 Dollar), Karaoke (19,99 Dollar) und Video (49,99 Dollar).

Pioneer Rekordbox

Und auch Pioneer setzen auf Pulselocker als Kooperationspartner. Die Software Rekordbox hat sich mittlerweile vom Export-Tool zur DJ-Software mit Video und DVS gemausert und konnte bei uns im Test gut abschneiden. Rekordbox dj kostet 129 Euro, dazu gibt es einige kostenpflichtige Plugins. Unseren Crashkurs findet ihr hier.

Soweit wären dann fast alle „Platzhirschen“ im Marktsegment DJ-Software mit einem Streaming-Provider am Start. Fast alle, weil ein Schwergewicht hier noch fehlt, und das sind Native Instruments. Vor einiger Zeit trafen sich zwar NIs CEO Daniel Haver und Google Chairman Eric Schmidt zu einem Gespräch, aber ob man daraus Rückschlüsse ziehen sollte? Eigentlich wäre es fast logischer, dass Native Instruments und Beatport eine Kooperation eingehen (wäre nicht das erste Mal, denn es gab bereits vor Jahren eine Integration des Beatport-Shops in Traktor DJ Studio 3), doch wer weiß, ob NI für Traktor überhaupt Streaming planen oder nach Stems bereits ein anderes heißes Eisen im Feuer haben.

Aber wie man es auch dreht und wendet und wer auch immer mit wem kooperiert: In Deutschland halten ohnehin diverse Institutionen ihren Daumen drauf. Kein Wunder also, dass Spotify in seinen Lizenzbedingungen die kommerzielle Nutzung ausklammert, ebenso wie Deezer. Pulselocker ist die Ausnahme (siehe Bild). Dem Heimanwender und Hobby-DJ hingegen kann es egal sein, denn für eine jährliche Investitionssumme, die in etwa gleich aufliegt mit den Kosten für 5 CDs oder Vinyls, darf er  - eine gute Netzwerkverbindung vorausgesetzt - 365 Tage im Jahr mit X-Millionen Titeln, ganz gleich ob Klassiker oder heiße Tunes, die Turntables und Controller rocken. Eines sei allerdings noch angeführt. Das Mix-Recording, früher auf Tape, heute innerhalb der Software und wichtig gerade für Einsteiger, die ihre Mixes und Übergänge kontrollieren wollen, ist in einigen Programmen aus rechtlichen Gründen untersagt.

Eure Meinung

Wie steht ihr aus Sicht der auflegenden Zunft dazu? Streamen statt kaufen? Oder besser in einen Download-Pool einsteigen? Der Kommentarfunktion steht euch offen.

Happy Mixing

Peter Westermeier

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