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26.07.2018

Bass-Elektroniken: Aktiv vs. Passiv

Welche Bass-Elektronik passt zu mir?

Aktiv- oder Passivbass: Was sind die Unterschiede, wo liegen Vor- oder Nachteile?

Hand aufs Herz, liebe Bassisten und Bassistinnen: Wir leben doch in einem Schlaraffenland! Sind wir auf der Suche nach einem neuen Instrument, so sehen wir uns einer riesigen Auswahl gegenüber. Vom preiswerten Fernost-Instrument bis hin zum sündhaft teuren Custom-Modell exklusiver Boutique-Schmieden hält der Markt ein aberwitzig breites Spektrum bereit. Das Schlaraffenland kann dadurch aber leider auch sehr schnell zu einem echten Dschungel werden, in dem man sich verloren fühlt.

Fragen wie die nach einem Vier- oder Fünfsaiter klären sich zumeist relativ schnell. Und auch die Frage des Budgets entscheidet sich für gewöhnlich fix beim Blick aufs Konto. Ob der neue Bass aber aktiv oder passiv sein soll - diese Frage führt häufig zu großer Verwirrung. Begriffe wie 2- oder 3-Band-Elektronik, Boost/Cut, Boost Only, selectable Mid-Frequency, sweepable Mid-Frequency, Mid Boost Switch, 9 oder 18 Volt etc. fliegen einem in den Beschreibungen um die Ohren. Da bekommt man schon mal schnell das Gefühl, nicht ohne ein Fernstudium der Elektrotechnik einen Bass kaufen zu können. Dieser Artikel soll Licht ins Dunkel bringen und dir helfen, die richtige Elektronik für deinen persönlichen Geschmack und deine individuelle Einsatzzwecke zu finden!

Aktive und passive Elektronik: Gibt es ein "besser" oder "schlechter"?

Ein ganz entscheidender Punkt gleich vorweg: Keine dieser beiden "Welten" ist per se besser oder schlechter! Sie sind lediglich anders und eignen sich jeweils möglicherweise etwas besser für bestimmte musikalische Situationen. Pauschale Aussagen im Sinne von "Nur mit einem passiven Bass kann man diese oder jene Stilistik spielen!" sind Quatsch. Dafür spielen viel zu viele andere Faktoren eine Rolle - vor allem der wichtigste Baustein deines Sounds: Du und Deine Hände!

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Abtauchen ins Detail: die Passiv-Elektronik

Eine passive Elektronik kommt ohne Stromversorgung aus. Deshalb kann sie aber auch nur in eine Richtung arbeiten, d.h. Frequenzen absenken. Zum Anheben wäre nämlich Energie in Form von Strom vonnöten (Eselsbrücke: der Bass muss hierfür quasi "aktiviert" werden!). Eine klassische passive Elektronik besteht aus Lautstärkereglern für die Pickups sowie einer passiven Tonblende (engl. Tone Control). Voll aufgedreht befindet sich dieser Regler in seiner Neutralstellung. Dreht man ihn, verändert sich der Wert des sich im Innern der Elektronik befindlichen Kondensators. Dadurch werden die Höhen abgedämpft.

Weitere Features gibt es bei passiven Elektroniken in der Regel nicht. Besitzt das Instrument zwei Pickups, werden allerdings auch häufig anstelle der zwei einzelnen Volumen-Regler ein Balance-Regler für das Mischverhältnis der Tonabnehmer sowie ein einziger Volume-Regler für die Gesamtlautstärke verwendet.

Auf zu neuen Ufern: die Aktiv-Elektronik

Eine aktive Elektronik bietet da schon deutlich mehr Komfort. Um sie zu betreiben, benötigt das Instrument erst einmal Strom, und ohne diesen gibt es in der Regel keinen Ton von sich. Durch die Speisung der Elektronik mit einer 9V-Batterie (manchmal sogar zwei davon, um 18 Volt zu erzielen) lassen sich Frequenzen nun auch verstärken, d.h. anheben (boosten).

Mithilfe einer Aktiv-Elektronik kann man also dem Signal der Tonabnehmer nun auch Frequenzen hinzufügen und nicht nur wegnehmen.

Der zweite entscheidende Unterschied ist die sogenannte Impedanzwandlung. Das hochohmige Signal der Tonabnehmer wird hierbei in ein niederohmiges umgewandelt. In der Praxis bedeutet dies, dass das Signal auch über längere Kabelwege nahezu verlustfrei am Verstärker ankommt. Diese Impedanzwandlung geht auch einher mit einer geringfügigen Änderung im Sound.

Schaut man sich das reine Datenblatt an, so hat die aktive Elektronik durch ihre erweiterten Möglichkeiten ganz klar die Nase vorne. Die theoretischen Werte müssen sich allerdings noch lange nicht mit deinem Geschmack decken! So empfindet das menschliche Ohr Verluste durch das Kabel im Höhenbereich für manche Stilistiken als durchaus angenehm. Manchem Soundideal kommen diese Unzulänglichkeiten also geradezu entgegen!

Dieser Effekt gleicht ein wenig dem eines Röhrenverstärkers. Amps dieser Bauart sind nämlich auch alles andere als linear und färben den Klang zumeist stark ein. Das ist zwar physikalisch gesehen schlecht, unser Ohr empfindet diese Färbung jedoch als angenehm.

Manche Kritiker von aktiven Elektroniken merken auch an, dass diese den eigentlichen Charakter des Instruments verbiegt und mit ihr "das Holz weniger zu hören" sei. Zu unserem Glück müssen wir nicht unbedingt eine "entweder/oder-Entscheidung" treffen. Viele Aktiv-Elektroniken lassen sich nämlich (oft mithilfe eines herausziehbaren Push/Pull-Potis) auch in den Passiv-Modus schalten. Auf diese Weise erhält man quasi "Best Of Both Worlds" und ist zudem nicht mehr von einer 9V-Batterie abhängig. Die gibt nämlich bekanntlich meist im ungünstigsten Zeitpunkt ihren Geist auf.

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History / klassische Soundkonzepte:

Aller Anfang war passiv. Als Leo Fender 1951 den ersten Precision Bass baute, kam dieser natürlich noch mit einer elektronischen "Minimalst"-Ausstattung aus, die aus einem Volumen-Regler und einer passiven Tonblende bestand. Auch der zehn Jahre später folgende Jazz Bass besaß aufgrund der zwei Pickups nur einen zusätzlichen Volumen-Regler.

Dies blieb bis Mitte der Siebziger Jahre der Standard, bis der Music Man Stingray als erster in hohen Stückzahlen hergestellter aktiver Bass den Markt eroberte - wiederum ersonnen von Leo Fender und seinem kleinen Team. Folglich prägen Sounds von passiven Bässen exklusiv das musikalische Geschehen bis zu diesem Zeitpunkt. Dazu zählen Stile wie Motown, Soul, Classic Rock, Blues, R&B, Jazz Rock, etc. Bekannte Bassisten dieser Zeit sind James Jamerson, Carol Kaye, Jerry Jemmott, Duck Dunn, Rocco Prestia, Jaco Pastorius, Chuck Rainey, Geezer Butler, John Paul Jones und viele mehr.

Stilistiken verschwinden bekanntlich nicht einfach, sondern leben im Prinzip ewig, entwickeln sich und bringen durch diese Art der musikalischen Evolution wiederum neue Stilrichtungen hervor. Deshalb erfreuen sich passive Bässe heutzutage nach wie vor ungebrochen großer Beliebtheit - sie gehören einfach zum klanglichen Ideal bestimmter Musikrichtungen dazu!

Die ersten aktiven Elektroniken gab es übrigens bereits Ende der 60er-Jahre - die Kultmarke Alembic gilt als ihr Erfinder. Serienmäßig wurden sie ab 1971 in den Alembic-Bässen mit Namen "Series I" verbaut. Allerdings waren diese Instrumente sündhaft teuer, die Stückzahlen relativ gering und Alembic-Bässe dementsprechend wenig verbreitet. Deshalb musste die Aktiv-Elektronik noch eine Weile auf ihren großen Durchbruch warten, der erst durch den Erfolg des schon angesprochenen Music Man Stingrays ermöglicht wurde.

Durch den Erfolg des Stingrays beflügelt, setzten bald auch viele andere Hersteller auf aktive Elektroniken. Auch unterstützten diese die zur damaligen Zeit immer beliebter werdende Slaptechnik. Bassisten, die einen präsenten, höhenreichen Ton suchten und auch gerne mal ein Solo spielten, kamen plötzlich verstärkt auf ihre Kosten.

Ein paar prominente Beispiele, die für ihren aktiven Basssound bekannt sind, sind z.B. Louis Johnson, Stanley Clarke, Mark King, Tony Levin, Victor Wooten - und vor allem Marcus Miller. Letzterer ließ sich von Roger Sadowsky eine Aktiv-Elektronik in seinen 77er-Jazz Bass bauen und ist seither mit seinem Signature-Sound Vorbild für viele Bassisten/innen auf der ganzen Welt!

Welche Arten von Aktiv-Elektroniken gibt es?

Aktiv-Elektroniken unterscheiden sich untereinander durch verschiedene Ausstattungsmerkmale. Nachfolgend zähle ich euch die wichtigsten Ausführungen auf.

2-Band-Elektronik:

Neben Lautstärke und/oder Panorama-Regler für die Tonabnehmer besitzen diese Elektroniken jeweils einen Regler für Bass und Höhen. Diese können entweder angehoben (geboostet) oder abgesenkt (gecuttet) werden.

3-Band-Elektronik:

Zusätzlich zu den Reglern, die wir von der 2-Band-Elektronik kennen, kommt hier noch ein Regler für dem Mittenbereich hinzu. Die Frequenz, welche man anheben oder absenken kann, ist durch den Hersteller festgelegt.

3-Band-Elektronik mit Selectable Mid-Frequency:

Identisch mit der 3-Band-Elektronik, nur hat man hier zusätzlich noch die Möglichkeit, die Einsatzfrequenz des Mitten-Reglers zu bestimmen. Oft geschieht dies per Kippschalter, sodass man hat zwei unterschiedliche Frequenzbereiche zur Auswahl hat. Manche Hersteller bieten aber auch im Elektronikfach die Möglichkeit, aus mehreren unterschiedlichen Frequenzen die passendste auszuwählen.

3-Band Sweepable Mid Frequency:

Die Luxusvariante der vorherigen Version. Mithilfe eines Reglers kann man hier stufenlos die Einsatzfrequenz der Mitten wählen. Dieses Feature nennt man auch "parametrische Mitten".

Boost/Cut:

Die englischen Begriffe für Anheben/Absenken wurden ja bereits angesprochen. Die Regler der meisten Aktiv-Elektroniken besitzen auf der Hälfte ihres Regelwegs eine Position, in welcher sie einrasten. Dies markiert die Neutralstellung (auch "flat" genannt). Von diesem Punkt aus können die Frequenzen dann angehoben oder abgesenkt werden - je nachdem, in welche Richtung man das Poti dreht.

Boost Only:

Bei aktiven Boost-Only-Elektroniken können die Frequenzen lediglich angehoben werden. Wenn man die Regler komplett zurückgedreht, stehen sie in der Neutralstellung.

Pimp my bass - Nachrüsten eines Passivbasses mit einer aktiven Elektronik

Wächst in dir der Wunsch, "aktiv" zu werden, so muss nicht gleich ein neuer Bass her. Es ist auch durchaus möglich, dein passives Schätzchen mit einer aktiven Elektronik nachzurüsten. Manche der eben genannten Hersteller bieten ihre Elektroniken als Replacement (Austausch) an. Einige davon können sogar ohne extra Holzarbeiten am Instrument gegen die bestehende passive Elektronik getauscht werden, was erfahrungsgemäß immer die größte Sorge bei derartigen Eingriffen ist!

Ein gutes Beispiel ist die BTC Control von EMG. Hier wird einfach der passive Tonregler durch ein doppelstöckiges Poti ersetzt, das den Bass- und Höhen-Regler beinhaltet. Selbst für die nun notwendige 9-Volt-Batterie ist meist noch genug Platz im Elektronikfach des Instrumentes. Aber auch andere Hersteller bieten platzsparende Lösungen an, allerdings muss oft Raum für die Batterie geschaffen werden - entweder unter dem Schlagbrett oder in Form eines separaten Batteriefachs.

Ein unschätzbarer Vorteil ist, wenn die neue Elektronik die gleiche Anzahl an Reglern aufweist wie die alte. Eine aktive Elektronik umfasst jedoch aufgrund ihrer mannigfaltigen Möglichkeiten nicht selten bis zu fünf Regler. Um zu verhindern, dass das Instrument neue Bohrlöcher für die Regler erhalten muss, verwenden viele Hersteller Doppelstock-Potis. Hier sitzen auf einem Poti zwei Funktionen, z.B. Bässe und Höhen. Auf diese Weise reduziert sich die Anzahl der Regler und es müssen nicht noch zusätzlich Löcher in die Decke gebohrt werden, was einen eventuellen Rückbau erschwert.

Einige Bassisten mögen jedoch keine doppelstöckigen Potis, da man im Eifer eines energiegeladenen Live-Gigs durchaus Gefahr laufen kann, versehentlich einen Poti-Ring mitzudrehen, den man gar nicht bewegen wollte.

Besitzt man einen Jazz Bass, so bieten z.B. der New Yorker Hersteller Sadowsky oder der britische Preamp-Spezialist John East die Möglichkeit, eine bereits auf der Control Plate vormontierte Elektronik zu erwerben. Somit kann man einfach die alte passive Elektronik ohne Löt-Kenntnisse als Ganzes gegen die Neue tauschen - praktisch!

Kleine Marktübersicht

Einige Hersteller verbauen in ihren Instrumenten eigens entwickelten Elektroniken. Viele greifen aber auch auf den vorhandenen Markt zurück. Bekannte Namen sind z.B. Aguilar, EMG, Seymour Duncan, Delano, Glockenklang, Nordstrand, Noll, Bartolini, John East, etc.

Diese Companies bieten aktive Elektroniken mit den unterschiedlichsten Ausstattungsmerkmalen an. Bestimmt ist dir schon aufgefallen, dass in Beschreibungen von Instrumenten verschiedener Hersteller häufig die gleichen Marken für Pickups oder Elektronik auftauchen.

Ähnlich wie bei Instrumenten entscheiden der persönliche Geschmack in bezug auf den Klang, die gewünschten Ausstattungs-Features und natürlich auch der Preis darüber, zu welchem Produkt man letztlich greift!

Fazit

Wie eingangs schon erwähnt, treffen pauschale Aussagen zu passiven oder aktiven Bässen in der Regel nicht zu. Jede Variante hat ihre Vor- und Nachteile und ist für die eine oder andere Stilistik prädestiniert. Mit ein wenig Gespür für einen guten Basston kann man allerdings fast jeden Bass in fast jedem Kontext zum Funktionieren bringen. Schließlich ist der entscheidende Faktor in punkto Sound derjenige, der hinter dem Bass steht: der Bassist!

Möchte man jedoch klassische Sounds absolut authentisch nachbilden, so ist es sicherlich sinnvoll, auch die entsprechenden Bässe zu verwenden. Einen Motown-Sound wird man immer am besten mit einem passiven Precision Bass mit Flatwounds erreichen. Einen Slapsound im Stile von Marcus Miller erzielt man dafür leichter mithilfe eines aktiven Jazz Basses.

Ein großer Vorteil der Aktiv-Elektronik ist sicherlich ihre Flexibilität. Spielt man z.B. in mehreren Bands in verschiedenen Proberäumen über verschiedene Amps oder hat öfter Gigs, bei denen man auf vor Ort vorhandenes Equipment zurückgreift, hat man "seinen Sound" sozusagen immer mit dabei. Somit kann man auch einfacher auf Veränderungen in der Signalkette reagieren. Vor allem dann, wenn sich die Elektronik bei Bedarf auch passiv betreiben lässt, ist man im Grunde für alles gerüstet und kann auch bei eventuellem Versagen des Saftspenders noch weiterspielen.

Ein Charakter-Bass, der ausschließlich passiv arbeitet und nur einen Style gut bedienen kann, hat aber natürlich auch seinen Reiz und eine besondere Ausstrahlung. Letztlich entscheiden daher immer dein individueller Geschmack und deine klanglichen Vorlieben.

Bis bald, dein Thomas Meinlschmidt

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