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13.12.2017

5 Tricks zur Wiederbelebung alter Basssaiten

Frischer Basssound ohne neue Saiten

Durch diese einfachen Tipps kannst du richtig Geld sparen!

Basssaiten sind eine teure Angelegenheit, speziell seit der Zeit, in der die Roundwound-Saite den Markt eroberte und für die meisten Stilrichtungen klanglich unverzichtbar geworden ist. Allem voran stehen natürlich Spieltechniken, die von einem von Höhen geprägten Sound profitieren, wie etwa Slaptechnik, Tapping oder Akkordspiel. Aber auch konventionelle Basslinien, gespielt mit dem Plektrum oder filigraner Fingertechnik, profitieren von dem scharfen, metallischen Sound der Roundwounds. Das Kostspielige an diesem Saitentyp ist aber nicht zwangsläufig der Preis für einen einzelnen Satz Saiten. Darüber können beispielsweise Kontrabassisten nur müde lächeln, die pro Satz gerne mal mehrere hundert Euro hinblättern. Aber das ist eine andere Baustelle, denn Kontrabass-Saiten - wie auch Flatwound-Strings für E-Bass, halten ja auch jahrelang. Der Kostenfaktor für den E-Bassisten beginnt sich munter zu multiplizieren, wenn man häufig spielt, denn leider verlieren Roundwound-Saiten schon kurz nach dem Aufziehen an Brillanz. Das kann soweit gehen, dass ein Satz nur gerade mal einen einzigen Auftritt übersteht. Verwendet man darüber hinaus mehrere Bässe, so erhöht sich der Kostenaufwand abermals. Nicht jeder Bassist verfügt über ein hilfreiches Endorsement, das es gestattet, nach jedem Auftritt neue Saiten aufzuziehen. Was also tun, wenn das Budget knapp ist, der Sound aber scharf bleiben soll?

Die Antwort lautet "Recycling" - zu verstehen als eine Form der Wiederaufbereitung bzw. "Wiederbelebung", denn tatsächlich möchten wir klanglich "tote" Saiten wieder zum Leben erwecken. Es gibt in der Tat einige Mittel und Wege, den Geldbeutel zu entlasten und nicht auf brillanten Sound verzichten zu müssen.

Saiten verschleißen auf zwei unterschiedliche Arten:

1.) Materieller Verschleiß: Durch Materialermüdung aufgrund der permanenten Spannung wird die Saite unflexibel. Sie erscheint fester als eine neue Saite, an den Bundstellen zeigen sich eindeutige Druckstellen und Kerben in der Saitenwicklung, die Wicklung lockert sich vom Kern, die Farbe verändert sich und die Saite wirkt optisch und akustisch stumpf. Durch dauerhafte Schwingungsbelastung entwickelt sich der über den Steg laufende Saitenknick allmählich zur potentiellen Bruchstelle.

2.) Manueller Verschleiß:

Diese zweite Art des Verschleißes wird ausgelöst durch Fingerschweiß, Fett, Hautpartikel, Schmutz sowie Oxidation an der Saitenoberfläche.

Wie schnell beide Arten von Verschleiß vonstatten gehen, ist individuell durch den Spieler bedingt und deshalb sehr verschieden. Die Härte des Anschlags und der physischen Beanspruchung der Saite bestimmt zum Großteil den Verlauf des materiellen Verschleißes. Bei milder Behandlung kann eine Saite über Jahre einen begrenzten materiellen Verschleiß erfahren, also durchaus immer noch brauchbar erscheinen. Beim manuellen Verschleiß hingegen bildet vor allem der Fingerschweiß die wichtigste Komponente. Während eine Saite dem materiellen Verschleiß allmählich erliegt, so kann der manuelle Verschleiß eine Frage von wenigen Stunden, im Extremfall sogar von Minuten bedeuten.

Bist du ein String Killer?

Es gibt in der Tat Menschen, deren Schweiß innerhalb weniger Minuten tödlich für eine Saite wirken kann. Man kann förmlich zuhören, wie die Saiten innerhalb von einer Stunde an Höhen verlieren und der Bass schließlich wie durch einen Pappkarton gespielt klingt. Das ist ein sehr bedauernswerter Zustand, aber bis heute hat man keine Legierung gefunden, die diesen Zerstörungen erfolgreich widersteht, denn es ist auch weniger ein direktes Materialproblem. Vielmehr setzen sich die Bestandteile des Fingerschweißes besonders schnell in die Lücken zwischen den Wicklungen und nehmen der Saite die Möglichkeit, Höhen und Obertöne zu produzieren.

Bei anderen Bassisten kann es hingegen Monate dauern, bis eine Saite vollkommen verbraucht klingt. Während dieser Zeit kann der materielle Verschleiß dann den manuellen bereits überholt haben und die Saite muss in den Mülleimer.

In den meisten Fällen erfolgt der manuelle Verschleiß wesentlich schneller als der materielle. Warum also eine physisch noch voll intakte Saite in den Abfall befördern? Verschmutzte Saiten lassen sich nämlich durchaus "restaurieren", so dass sie wieder an die Soundeigenschaften neuer Saiten herankommen.

Hier seht ihr die gängigsten Methoden zur Saitenaufbereitung

1.) Spülmittelbad

Die Saiten für 15 Minuten in ein Bad aus warmem Spülmittel legen und gegen Ende mehrfach einzeln mit den Fingern abreiben. Anschließend mit klarem Wasser gründlich abspülen, mit einem Handtuch trocken reiben und danach ein paar Stunden gründlich lufttrocknen lassen. Das ist eine der souveränsten Methoden, die sich zumindest für mich am praktikabelsten erwiesen hat - speziell übrigens auch auf Tournee, wenn man außer einem Waschbecken im Hotelzimmer keine weiteren Möglichkeiten besitzt.

2.) Essigbad:

Der Essig löst vor allem die Fettpartikel innerhalb kürzester Zeit - riecht allerdings auch nicht gerade angenehm!

3.) Auskochen:

Bei dieser Methode werden die Saiten für ca. zehn Minuten in sprudelnd kochendes Wasser gelegt. Bei Saiten, die mit gefärbter Seidenumspinnung an den Enden umwickelt sind, kann das allerdings eine ziemliche Schweinerei im Kochtopf geben. Außerdem hat man - speziell unterwegs - nicht immer Zugriff auf Kochtopf und Herdplatte. Auch ein gewisses Verletzungsrisiko beim Umgang mit kochendem Wasser lässt sich auch nicht ausschließen.

4.) Gebissreiniger-Bad:

Auch diese kleinen Sprudeltabletten verrichten ihre Arbeit und erfüllen den Zweck, speziell unter dem Gesichtspunkt "mobile Notlösung". Bei bereits stark verschmutzten Saiten ist diese Behandlung allerdings erfahrungsgemäß nicht ausreichend gründlich.

5.) Schocktherapie:

Zuletzt soll noch eine Saitenrecycle-Variante erwähnt werden, die zunächst sehr kurios klingen mag. Schmunzeln ist erlaubt - aber sie funktioniert tatsächlich! Wer beispielsweise unterwegs ist und keine der oben genannten Varianten zur Anwendung bringen kann, der sollte seine Strings vom Bass entfernen, alle Saiten gemeinsam an den jeweiligen Enden in beide Hände nehmen und mehrmals die Saitenenden schnell und heftig nach außen ziehen, so dass die Saiten sich immer straff spannen und wieder entspannen. Im Video unten führe ich euch diese Methode vor.

Wichtig ist dabei, dass die Spannbewegung wirklich schnell und heftig ist - natürlich möglichst ohne seine Hände an den Saitenenden zu verletzen. Wenn man diese Prozedur ca. eine Minute lang wiederholt hat, kann man die Saiten wieder aufspannen. Sie werden deutlich frischer klingen - versprochen!

Übrigens: Wer noch nicht einmal Zeit oder Lust hat, die Saiten abzuspannen, der kann diese "Schocktherapie" auch am Bass selbst ausführen, in dem man die Saiten so weit herunter stimmt, dass sie nur noch locker hängen. Dann hebt man eine Saite an, spannt sie und lässt sie dann auf das Griffbrett (die Bünde) schnalzen. Diesen Vorgang wiederholt man pro Saite ca. 10 bis 15 Mal. Danach werden die Saiten wieder gestimmt und man wird eine eindeutige Verbesserung des Sounds feststellen. Der dänische Bassist Thomas Risell präsentiert diese Methode in einem ausführlichen Youtube-Video.

Durch diese "Schocktherapie" fallen kleinste Partikel aus den Zwischenräumen, die Festigkeit der Wicklung wird dadurch nicht messbar beeinflusst. Zwar ist diese Methode nicht so sorgfältig wie eine Reinigung im Bad, aber allemal besser als keine Reinigung.

Weitere Methoden

Von oft empfohlenen Bädern in Isopropanol, Spiritus oder ähnlichen entflammbaren Alkoholen ist generell abzuraten. Zwar wirken sie durchaus effektiv bei der Fett- und Schmutzentfernung, sind aber gesundheitsbedenklich (besonders, wenn Kinder in der Nähe sind!), explosions- und feuergefährlich und bedürfen zudem noch umweltgerechter Entsorgung. Hochprozentigen Alkohol ab einer Menge von 0,25 Liter sollte man nämlich nicht mehr in den Ausguss oder in das WC schütten, sondern beim Wertstoffhof oder Giftmüllentsorger abliefern.

Die Reinigung in Spülmaschinen ist zwar auch möglich, aber tendenziell zu aggressiv und führt dazu, dass die Saitenlegierung angegriffen wird und die Saiten schließlich rosten können. Vor allem wenn Ballends Korrosion anzusetzen, überträgt sich das mitunter auf die Chromstellen der Bridge, die mit den Ballends in Berührung kommen.

Hier noch eine unkonventionelle Methode: Wer vielleicht beim Optiker arbeitet oder jemanden kennt, der nach Feierabend mal schnell ein paar Satz Saiten ins firmeneigene Ultraschallbad halten kann, hat eine sehr luxuriöse Variante der Wiederaufbereitung gewählt. Ob sich die spezielle Anschaffung eines Ultraschallreinigers rechnet, muss man freilich selbst beurteilen.

Vorsicht - was es zu beachten gibt!

Alle Methoden, mit Ausnahme der "Schocktherapie" (Punkt 5), sind übrigens NICHT anwendbar bei beschichteten Saiten (coated strings).

Sämtliche Varianten dienen dem gleichen Zweck: dem Entfernen von Fett- und Schmutzpartikeln. Auf jeden Fall sollten die Saiten nach der Behandlung mit jedweder Flüssigkeit gut abgetrocknet und vor dem Aufziehen sorgfältig über ein paar Stunden nachgetrocknet werden. Speziell noch feuchte Seidenumspinnungen an den Saitenenden können an verchromten und vergoldeten Messingteilen Oxidationsspuren erzeugen.

Beim Neuaufziehen der alten Strings ist übrigens Vorsicht geboten: Die Saite muss genau so über die Bridgereiter laufen, wie sie es beim ersten Aufziehen getan hat. Auf keinen Fall sollte man sie in eine andere Richtung biegen oder knicken, denn die Saite wird früher oder später mit sehr großer Wahrscheinlichkeit an eben dieser Stelle reißen.

Dadurch wird das Neuaufziehen der Saite natürlich etwas kniffelig, da man durch den voretablierten Knick die Saite nicht mehr beliebig verdrehen kann. Die Mechanikwindungen sollten so gut wie möglich gerade gezogen werden, damit man die Saite so gerade und unverdreht wie möglich erneut aufziehen kann und der vorhandene Stegknick somit unverändert bleibt. Die Nutzer seltener Headless/Double Ballend Konstruktionen haben es hier etwas leichter.

Einmal ist keinmal?

Wer diese Punkte beachtet, kann den Recyclingprozess unter Umständen auch ein zweites und drittes Mal wiederholen, speziell wenn die Saiten sehr schnell wieder stumpf klingen sollten. Alle weiteren Versuche sind im Prinzip unsinnig, denn gegen den Verschleiß des Materials lässt sich dauerhaft nichts unternehmen - jede Saite besitzt nur eine begrenzte Lebensdauer.

Überhaupt sind diese Methoden nur zur Anwendung empfohlen, so lange der Saite keine wichtigen Einsätze bevorstehen, wie ein Live-Konzert oder eine Studiosituation. Selbst bei schonender Behandlung der erwähnten Knickstelle über dem Steg erhöht sich das Risiko eines Saitenbruchs bzw. -risses erheblich. Im Studio kann darüber hinaus jede noch so geringe Soundeinbuße wegen Second-Hand-Saiten ärgerlich sein. Remember: Eine Aufnahme verfolgt dich ein Leben lang!

Hier hört ihr zwei Audio-Vergleiche, bei dem taktweise abwechselnd zuerst die verbrauchten Saiten und danach die mit Spülmittelbehandlung aufgefrischten Saiten zu hören sind. Vor allem bei den hohen Saiten ist der Unterschied deutlich zu hören.

Schlusswort

Ich höre und lese immer wieder von Bedenken, die äußern, dass man niemals alle Saiten gleichzeitig abspannen sollte, weil dies den Hals belasten würde. Ich kann das aus eigener Erfahrung nicht bestätigen. Auch sämtliche Hersteller, mit denen ich jemals über dieses Thema gesprochen habe, verneinen das. Ihr könnt also vollkommen beruhigt alle Saiten zum Recycling entfernen und anschließend nacheinander wieder aufziehen - der Hals verkraftet das ohne Probleme!

Viel Spaß beim Recyceln und Geld sparen wünscht euer Ollie!

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