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Ernie Ball-Basssaiten Vergleichstest

Praxis

Den Anfang macht ein herkömmliches Fingerspiel- bzw. Pizzicato-Klangbeispiel. Bei diesem habe ich den hinteren Humbucker alleine betrieben. Obwohl mein Testbass ein Sabre-Modell war, hört ihr hier den typischen – gemeinhin mit dem Stingray assoziierten – aggressiven Music Man-Sound, der auch auf unzähligen Hits von Rage Against The Machine über Paul Young bis zu Sade verewigt wurde.

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EB Strings Cobalt – Humbucker Fingerstyle EB Strings Slinkys – Humbucker Fingerstyle EB Strings Coated – Humbucker Fingerstyle EB Strings Stainless – Humbucker Fingerstyle EB Strings Flats – Humbucker Fingerstyle EB Strings Cobalt Flats – Humbucker Fingerstyle

Die nächsten Klangbeispiele featuren das Slapspiel. Hierfür habe ich eine Einstellung gewählt, bei der beide Humbucker in paralleler Schaltung zu hören sind. Diese Schalterstellung am Sabre-Bass birgt die typische “Mid Scoop” – eine durch Auslöschung bedingte “Kuhle” im Mittenbereich, die auch z.B. auch vom Jazz Bass bekannt ist, und die sich hervorragend für das Daumenspiel eignet.

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EB Strings Cobalt – Beide Humbucker Slap EB Strings Slinkys – Beide Humbucker Slap EB Strings Coated – Beide Humbucker Slap EB Strings Stainless – Beide Humbucker Slap EB Strings Flats – Beide Humbucker Slap EB Strings Cobalt Flats – Beide Humbucker Slap

Die letzten Soundfiles habe ich mit Plektrum in der Singlecoil-Einstellung des vorderen Humbuckers am Sabre angewählt. Der Sound des Basses ist hier zwar noch deutlich gezügelter als beispielsweise der eines Precision-Basses, aber dennoch schön brachial und rund.

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EB Strings Cobalt – Singlecoil Plektrum EB Strings Slinkys – Singlecoil Plektrum EB Strings Coated – Singlecoil Plektrum EB Strings Stainless – Singlecoil Plektrum EB Strings Flats – Singlecoil Plektrum EB Strings Cobalt Flats – Singlecoil Plektrum

Hier nun meine Spiel- und Höreindrücke der einzelnen Saitentypen, sowie einige wissenswerte Hintergrundinformationen für euch:

Slinky Bass Custom Gauge Roundwound:

Der Klassiker - Ernie Balls Nickelsaiten
Der Klassiker – Ernie Balls Nickelsaiten

Zu Recht DER Klassiker unter den Basssaiten des amerikanischen Herstellers! Die Strings werden hergestellt aus einem mit Zinn überzogenen Sechskant-Stahlkern, der von einem Nickel-Draht umwickelt wird.
Die Slinkys besitzen eine nicht allzu raue Haptik, sind aber noch weit davon entfernt, “flutschig” zu sein. Für Nickelsaiten klingen sie erstaunlich druckvoll, ausgewogen und seidig in den Höhen, sodass auch Slapper voll auf ihre Kosten kommen. Bei einer unverbindlichen Preisempfehlung von 33,90 Euro kann und muss man von einer hervorragenden Allround-Saite für den täglichen Gebrauch in allen Stilistiken sprechen.

Coated Bass Custom Gauge Roundwound:

Ebenfalls aus Nickel, aber mit "Schutzmantel": die Coated-Saiten
Ebenfalls aus Nickel, aber mit “Schutzmantel”: die Coated-Saiten

Bei diesem Saitentyp kommen als Basis die Nickel-Slinkys zum Einsatz, die mit einer ultradünnen Beschichtung überzogen werden. Dieser Überzug macht die Saiten extrem unanfällig gegen Schmutz, Handschweiß und Hautpartikel, sodass der klare Sound der Saite über lange Zeit bewahrt bleibt. Die Überraschung: Fühlen tut man die Beschichtung zwar minimal, denn die Coated Nickels fühlen sich von allen Saitensets am “flutschigsten” an (abgesehen von den geschliffenen natürlich!). Sie sind jedoch sehr weit vom Gefühl entfernt, eine Rutschbahn auf das Griffbrett aufgezogen zu haben. Wer nun allerdings denkt, dass sicherlich der Höhenbereich unter der Beschichtung leiden dürfte, muss sich eines Besseren belehren lassen: Ich habe zigfach zwischen der Spur mit den normalen und der der beschichteten Nickels hin- und hergeschaltet und dabei keinen markanten Unterschied ausmachen können. Hier dürfte sich auszahlen, dass die Beschichtung der Saiten so extrem dünn ist, dass man sie noch nicht einmal – zumindest ich nicht – mit dem bloßen Auge erkennen kann. Unterm Strich ein sehr beeindruckendes Ergebnis, wobei die durch die Beschichtung bedingte Langlebigkeit den UVP von 46,50 Euro absolut rechtfertigen dürfte. Klasse!

Slinky Cobalt Electric Bass Strings:

Mit High-Class auf zu neuen Ufern: die Slinky Cobalts waren Ernie Balls erste Cobalt-Saiten - und gleich ein Volltreffer!
Mit High-Class auf zu neuen Ufern: die Slinky Cobalts waren Ernie Balls erste Cobalt-Saiten – und gleich ein Volltreffer!

Der zweitneueste Saitentyp der Amerikaner. Durch die hohe magnetische Wirkung der Cobalt-Legierung sollen diese Saiten aggressiver und punchiger klingen als reguläre Basssaiten und dabei maximalen Output und eine höhere Dynamik liefern. Tatsächlich rangieren die Cobalts unter meinen Favoriten, was zum einen an ihrer wunderbaren Haptik liegt. So weisen sie eine angenehme Griffigkeit auf, ohne aber rau oder stumpf zu wirken. Klanglich überzeugen sie mich durch ihre schöne Ausgewogenheit sowie einen tollen, markanten Mittenbereich, mit dem man sich im Bandkontext bestens durchsetzen kann. Dieser Mittenbereich ist es denn auch, der die Saiten tatsächlich sehr direkt und laut erscheinen lässt, obwohl das eigentliche Volumen im Vergleich zu den anderen Typen nur marginal lauter wird. Die derzeitige unverbindliche Preisempfehlung beträgt 46,50 Euro, was die Cobalts in eine Preisklasse rückt, in die sie durchaus auch gehören. Eine ganz hervorragende Saite für Tieftöner mit Anspruch!

Super Slinky Bass Custom Gauge Stainless Steel:

Für Bassisten, die es "hart wie Stahl" mögen: Ernie Ball-Saiten aus Stainless Steel
Für Bassisten, die es “hart wie Stahl” mögen: Ernie Ball-Saiten aus Stainless Steel

Bei diesen Drähten wird der sechskantige Stahlkern mit Zinn überzogen und mit Edelstahl (Stainless Steel) umwickelt, was der Saite einen sehr direkten, knackig-brillanten Ton verleihen soll. Ich empfinde den Bassbereich der Steels als etwas weniger wohlig-warm als etwa bei den Nickels und den Cobalts, und der Höhenbereich kommt etwas kühler und spröder daher. Dafür sind die Stahlsaiten aufgrund ihres knurrigen Mittenbereiches gnadenlos direkt und prima etwa für Musik härterer Gangart geeignet. Bei dem mit dem Plektrum gespielten Klangbeispiel entpuppen sich die Steels zum Beispiel als echter Knaller! Wer übrigens auf eine raue Haptik steht, wird hier seine helle Freude haben: Ich fühlte mich beim Spielen direkt an die Zeit vor vielen Jahren zurückkatapultiert, in der ich noch regelmäßig Stainless-Drähte gespielt habe: das typische griffig, raue Spielgefühl ist einfach unverkennbar! Der UVP beträgt faire 33,90 Euro.

Group III Flatwound Custom Gauge Electric Bass Strings:

Die klassische Flatwound-Saite der Amis: Group III Flatwounds
Die klassische Flatwound-Saite der Amis: Group III Flatwounds

Ein verchromter Stahlkern wird bei diesen geschliffenen Saiten mit einem flachen, verzinnten Edelstahldraht umwickelt. Hierdurch entsteht ein Sound, der im Vergleich zu ungeschliffenen Saiten bewusst weniger ausgeprägte “Strahlehöhen” liefern und stattdessen einen sehr runden und warmen Ton mit sich bringen soll. Dies prädestiniert die Flats natürlich für “Old School”-mäßige Sounds und Stilistiken. Allerdings war ich überrascht, dass sie durchaus auch für Slapping und knackiges Fingerspiel zu gebrauchen sind, ohne zu “mumpfen”. Und auch Höhen sind in dieser Einstellung eigentlich genug da – nur eben nicht die ultra-brillanten, die man von frischen Roundwounds kennt. Darüber hinaus lassen sich die Flats ganz wunderbar ziehen und die Finger der Greifhand gleiten vollkommen ungebremst durch alle Lagen – toll! Und noch etwas: Erfahrungsgemäß klingen Flatwound-Saiten im Recording- oder Livemix ganz hervorragend. Der Grund liegt auf der Hand: der Frequenzbereich ist klar eingegrenzt; es gibt schlichtweg keine hohen Frequenzanteile, die sich etwa mit der HiHat oder den Becken des Drummers ins Gehege kommen könnten. Die unverbindliche Preisempfehlung von 56,50 Euro ist zwar schon eine Ansage, aber immerhin wechselt man Flatwounds ja auch überaus selten, sodass sich der Preis durchaus relativiert. Ausprobieren!

Slinky Flatwound Electric Bass Strings:

Frisch aus der Fabrik in der kalifornischen Wüste: die neuen Ernie Ball-Flatwounds aus Cobalt. Besonders beim Pizzicato-Spiel wussten sie im Vergleichstest sehr zu gefallen!
Frisch aus der Fabrik in der kalifornischen Wüste: die neuen Ernie Ball-Flatwounds aus Cobalt. Besonders beim Pizzicato-Spiel wussten sie im Vergleichstest sehr zu gefallen!

Das ist es also, das neue Pferd im Stall von Ernie Ball! Wie bereits in der Einleitung angedeutet, sollen hier durch die Verwendung einer Cobalt-Legierung ganz bewusst neue Wege eingeschlagen werden. Das Spielgefühl ist schon mal bemerkenswert, denn die Flats sind überaus weich und biegsam, was man schon beim Auspacken und Aufziehen sofort bemerkt. Aus diesem Grunde empfehle ich übrigens, die Saiten hinter den Mechaniken unbedingt nicht zu kurz abzuzwicken: Es sollte immer eine ausreichende Länge für mehrere Umwicklungen der Achsen der Mechaniken zur Verfügung stehen, ansonsten rutschen die butterweichen Saiten ganz einfach aus ihrer Halterung.
Im klanglichen Direktvergleich machen die neuen Flats von Ernie Ball eine sehr gute Figur: Sie sind laut, aufgeräumt und stramm in den Bässen, durchsetzungsstark in den Mitten, und für Flatwounds sehr hell und glockig in den Höhen. Die “Frage der Fragen” jedoch, ob sie klanglich von nicht geschliffenen Strings überhaupt nicht mehr zu unterscheiden sind, muss ich dennoch mit “nein” beantworten: die neuen Flats klingen letztlich nämlich doch minimal weniger offen und spritzig. Hinzu kommt, dass man etwa beim Plektrumbeispiel sehr genau hören kann, dass sich eine geschliffene Saite natürlich ganz anders unter dem Plättchen verhält als eine Roundwound-Saite. Der Grund: die Riffeln der Saitenwicklung von Roundwounds bieten dem Pick einen ganz anderen Widerstand, der sich mit dem typischen “Pick-Scratch” akustisch bemerkbar macht. Bei Flats hingegen gleitet das Plektrum ungebremst über die Saite, wodurch der Anschlag weniger schroff und unmittelbar klingt.
Von diesen Einschränkungen einmal abgesehen muss ich sagen, dass es Ernie Ball in der Tat gelungen ist, eine Flatwound-Saite zu entwickeln, die auffallend wenig nach “Schliff” klingt. Am besten gefällt mir persönlich der neue Saitentyp übrigens aufgrund des gesunden, druckvollen Sounds beim Fingerspiel. Nicht vergessen darf man außerdem, dass sich in den Wicklungen natürlich kein Schmutz absetzen kann, weshalb den neuen Drähten eine hohe Lebensdauer beschieden sein dürfte. Dafür muss man bei einem UVP von 56,50 zwar etwas tiefer in die Tasche greifen, was sich aber – wie bei den Group III-Flats – über die Dauer durchaus rechnen wird.

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